Pine Flat

- Pine Flat, 2005
Sharon Lockhart
USA 2005
16mm, colour, 138 min.
Lockharts fünfter Film, PINE FLAT, ist in einem kleinen ländlichen Dorf in den Ausläu- fern der kalifornischen Sierra Nevada Mountains angesie- delt. Der Film zeigt saisonale Aktivitäten, um am Beispiel der jüngeren Einwohner von Pine Flat zu hinterfragen, was es heißt, in Amerika aufzu- wachsen. Lockhart wirft mit PINE FLAT nicht nur einen anthropologischen Blick auf die Jugend; der Film ist ein exquisites, meditatives Porträt, das einen spezifischen Schauplatz – ein bescheidenes Dorf an der Grenze zur Wildnis – dazu benutzt, um durch das Prisma seiner Nachkommen- schaft auf einen Ort zu blicken.
Über einen Entstehungszeit- raum von zweieinhalb Jahren beobachtete die Künstlerin die Kinder. Sie fügte sich in ihr Milieu ein und be- merkte bald die Komplexität des Verhal- tens und der Interaktion der Kinder. In ihrer meisterhaften Kameraarbeit macht sie sich die beeindruckende Landschaft der südlichen Sierras zunutze, um das enge Ver- hältnis der Kinder zu ihrer natürlichen Umgebung darzustellen. Indem sie auf ein professionelles Filmteam verzichtete und selbst hinter der Kamera stand, stellte Lockhart eine große Nähe zu den Kindern her, die ihr eine einzigartige Perspektive auf das Leben des ländlichen Amerikas und auf eine Welt ermöglichte, die gleich- zeitig weit entfernt und eng verbunden ist mit den das zeitgenössische amerika- nische Leben bestimmenden urbanen Systemen.
In PINE FLAT baut Lockhart ihre Vorliebe für Totalen und statische Kompositionen weiter aus. Der Film besteht aus zwei Teilen, die jeweils etwa eine Stunde lang sind. Teil eins besteht aus sechs Einstellungen vom Alltag einzelner Kinder, die auf den Bus zu warten, auf die Jagd gehen oder ein Buch lesen, während im zweiten Teil sechs Einstellungen von Gruppen gezeigt werden, in denen die Kinder zum Beispiel in einem Bach schwimmen, schaukeln oder durch den Schnee laufen.
Die beiden Teile von PINE FLAT werden durch ein zehnminütiges filmisches Inter- mezzo – Auffnahmen von einem der Kinder, das musiziert – miteinander verbun- den. Insgesamt schaffen die dreizehn Segmente einen einzigartigen Film, der so komplex wie sparsam in seinen Mitteln ist, ebenso anrührend wie anspruchsvoll.

