Milena Gierke

- Milena Gierke, Foto: Ulla A. Wyrwoll
geboren 1968 in Frankfurt am Main
1989 - 94 Studium an der Frankfurter Hochschule für Bildende Künste, Städelschule, in Peter Kubelkas Klasse „Film + Kochen“
1994 studierte sie ein Semester an der Cooper Union in New York City Skulptur bei Hans Haacke und Filmgeschichte bei James Hoberman. Andere Lehrer waren Vertreter der US-Filmavantgarde wie Ken Jacobs oder Robert Breer. Jonas Mekas hat Milena Gierke sehr in ihren „Tagebuchfilmen“ inspiriert. 1995 zeigte er eine dreistündige Retrospektive ihrer Arbeiten im Anthologhy Film Archive.
Seit 2001 ist sie Mitglied der Kuratorengruppe „Filmsamstag“ im Filmkunsthaus Babylon, Berlin (www.filmsamstag.de)).
Konzept ihrer experimentellen Arbeit mit Super 8 ist die Annäherung an das Wesen der Menschen, Dinge und Orte, der alltäglichen Gesten und seltsamen Begebenheiten im Moment ihrer Aufnahme und damit die Hinterfragung hierarchisch strukturierter Sehgewohnheiten. Peripheres rückt während der Vorführung ins Zentrum, wenn sich die Miniaturen des Alltags in den in Echtzeit komponierten stummen Aufnahmen der Filmemacherin in der Zeit ausdehnen. Was ihre Filme auszeichnet, ist „ (…) in der Essenz: Einen Gegenstand wählen und ihn mit der Aufmerksamkeit betrachten, die alle lebenden Dinge von uns verlangen, wovon wir aber stets abgehalten werden.“ (Nicole Brenez).
Milena Gierke projiziert ihre Filme im Kinosaal selbst. Das Geräusch des laufenden Projektors wird zum dazu gehörigen Rhythmus, zur Begleitmusik. Jedes von ihr zusammengestellte Programm berücksichtigt die architektonischen Gegebenheiten des Ortes und die besondere Stimmung, die durch den Raum und das Publikum vorgegeben ist. Sie zeigt ihre Arbeiten nicht allein in Kinos, sondern auch in Galerien und anderen für sie interessanten Orten, wie z.B.: 2001„Vorgestellt” Earport (junge moderne Komponisten wurden vorgestellt und zu bildenen Künstlern in Beziehung gesetzt), „Mittagspause”, Abschlussveranstaltung in der alten Staatsbank zum von Roland Kretschmer vorgelesenen Buch Musils „Der Mann ohne Eigenschaften” – er hat in dem Zusammenhang Milena Gierkes Film ZEIT gezeigt –, „Filme ohne Ton” im Gehörlosenzentrum Berlin mit anschliessender Diskussion mit Dolmetscher.
Milena Gierke versteht sich als Künstlerin, deren filmische Arbeiten im Bezug auf Licht- und Bildkomposition und Themenwahl stark von der alten flämischen Malerei beeinflusst werden.
In ihren Live-Performances enfalten sich stets neu konzipierte Kompositionen der Stille, die sich zu atmosphärischen Tableaus verdichten und in der Bewegung das unwiederbringlich Flüchtige eines jeden Augenblicks vergegenwärtigen. Es entsteht ein Gewebe der Erinnerung auf der Leinwand, transportiert durch Licht und Tonfrequenzen, die von irgendwoher aus der Dunkelheit des Kinosaals kommen, von dort, wo die Performerin am Super 8-Projektor steht.
Die Künstlerin lebt seit 1998 in Berlin.
Wir bieten einen Einblick in ihr in 15 Jahren Super 8-Arbeit entstandenes Werk mit drei von der Künstlerin konzipierten Programmen, die nicht statisch sind, sondern in Rücksprache mit der Künstlerin ständig neu variiert werden können. Aus den in den jeweiligen Themenkomplexen zur Auswahl stehenden Arbeiten kann ein sechzig- bis neunzigminütiges Programm zusammengestellt werden.
im Verleih
Milena Gierke – Programm 1: Reise- und Tagebuchfilme
Milena Gierke – Programm 2: Konzeptuelle Filme
Milena Gierke – Programm 3: Kurze Filme / Stimmungen
