März 10
Eric Rohmer, der älteste der Nouvelle-Vague-Weggefährten Godard, Rivette, Chabrol und Truffaut, hatte bereits einen Roman geschrieben und war als Lehrer und Kritiker tätig, bevor er mit dem Filmemachen begann. Zwischen 1950 und 2007 hat er dann mehr als 50 Filme gedreht. Die meisten sind unschwer als Rohmer-Filme zu identifizieren, seine Handschrift ist unverkennbar. Alle Filme Rohmers sind gewissermaßen Versuchsanordnungen, die durchgespielt werden; meist geht es um die Liebe auf der Bühne des Alltags, die Rolle von Zufall und Moral, um filigrane Beziehungsgeflechte, ein virtuoses Spiel mit der Arithmetik von Beziehungen – was jeweils vor allem sprachlich verhandelt wird. Die Dialoge sind wesentliches Element der Szenerie, dem gesprochenen Wort kommt eine wichtige Rolle zu: Das Nachdenken über Gefühle, Lebensentwürfe, Enttäuschungen und Sehnsüchte wird stets ausformuliert. Rohmers Filme sind streng komponiert und doch von großer Leichtigkeit, intellektuell und sinnlich, künstlich-stilisiert und reich an Wirklichkeit. Und immer mit einer gewissen Distanz in Szene gesetzt, beobachtend, neugierig, etwas herauszufinden über die Figuren und deren Handeln.
Eric Rohmer ist im Januar im Alter von beinahe 90 Jahren in Paris gestorben. Ihm zu Ehren zeigen wir eine kleine Auswahl seiner Filme: vier aus dem Zyklus "Moralische Erzählungen" (LA BOULANGÈRE DE MONCEAU, LA CARRIÈRE DE SUZANNE, MA NUIT CHEZ MAUD, LE GENOU DE CLAIRE), drei aus dem Zyklus "Komödien und Sprichwörter" (LE BEAU MARIAGE, PAULINE À LA PLAGE, L'AMI DE MON AMIE) sowie den Abschlussfilm seines "Jahreszeiten-Zyklus" CONTE D'AUTOMNE.
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im März 10
Wir setzen im März unsere Retrospektive mit Filmen des großen dänischen Regisseurs Carl Theodor Dreyer (1889–1968) fort und zeigen bis Ende des Monats alle seine Regiearbeiten. Dreyer drehte zwischen 1919 und 1964 insgesamt 14 lange Filme, die sich stark voneinander unterscheiden. Sozialer Realismus und Melodram, Lustspiel und Passionsgeschichte, Märchen und Horrorfilm wechseln einander ab. Von prägnanten Großaufnahmen bestimmte Arbeiten stehen neben Werken ohne ein einziges Close-up, rhythmisch schnell geschnittene Filme neben solchen mit zehnminütigen Einstellungen, vom Sprechen dominierte Arbeiten neben Tonfilmen mit einem Minimum an Dialog. Dreyers Überzeugung nach sollte ein Regisseur keinem persönlichen Stil anhängen; sein Anspruch war es, den Stoffen entsprechend "jeweils einen Stil zu finden, der nur gültig für einen ganz bestimmten Film ist." Entscheidende Grundlage dafür war für ihn das – stets nach einer literarischen Vorlage selbst verfasste – Drehbuch, die Wahl der Darsteller sowie eine besondere Sorgfalt und Detailgenauigkeit bei der Ausstattung. Allen Filmen gemein ist die Suche nach einer modernen kinematographischen Ausdrucksform und eine Reduktion auf das Wesentliche.

