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THE RED SHOES, 1948

März 2009
Magical History Tour

(scroll down for English version)

 

Wir führen unsere Reise durch die amerikanische Genregeschichte fort – mit Western, Film noirs und Melodramen aus den 40er und 50er Jahren, der Zeit des klassischen Hollywood-Kinos. John Fords Name ist untrennbar mit dem amerikanischen Western verbunden. Wie kaum ein anderer prägte er das amerikanische Ur-Genre und entwickelte es im Verlauf seiner fünf Jahrzehnte umspannenden Regiekarriere weiter, schuf dabei Archetypen und Legenden. Den "größten Mythenpoeten des amerikanischen Films" nannte Georg Seeßlen John Ford, der sich in seinem Spätwerk an dieser Mythenproduktion kritisch abarbeitete.

 

FORT APACHE (John Ford, USA 1948, 1. & 9.3.) "Ein Schlüsselfilm im Werk John Fords, damit des Kinos: Auftakt zur meisterhaften Kavallerie- Trilogie, eine ambivalente Studie über Führerschaft und Hybris – und eine Paraphrase von Custers letzter Schlacht am Little Big Horn. Mit FORT APACHE versenkt sich Ford endgültig in die singuläre Ästhetik seines Spätwerks, immer weniger dem Erzählen einer Geschichte verpflichtet als dem Erschaffen eines sozialen Kosmos voller moralischer Herausforderungen." (Christoph Huber)

 

SHE WORE A YELLOW RIBBON (John Ford, USA 1949, 2. & 6.3.) gehört ebenfalls zur Kavallerie- Trilogie und besticht durch die melancholische Stimmung und Bilder in Technicolor. Ein kurz vor seiner Pension stehender Kavallerie-Captain (gespielt von einem meisterlichen John Wayne) übernimmt das letzte Mal das Kommando einer gefährlichen Patrouille in einem von Indianern kontrollierten Gebiet, die zur Attacke bereitstehen. Zudem befinden sich zwei Frauen im Treck, die zusätzliche Unruhe stiften.

 

WAGONMASTER (Westlich St. Louis, John Ford, USA 1950, 4.3.) war einer von Fords Lieblingsfilmen, eine kleine, klassische Geschichte: eine beschwerliche Reise mit dem Ziel, den Westen zu besiedeln: Zwei Pferdehändler lassen sich dazu überreden, einen Treck Mormonen durch die unwegsame Wildnis zu führen. Als sich ein paar Banditen unter den Siedlern zu verstecken versuchen, kommt es zum Konflikt.

 

WESTWARD THE WOMEN (Karawane der Frauen, William A. Wellman, USA 1951, 3. & 7.3.) erzählt nach einer Story von Frank Capra von einer Gruppe von 150 Frauen, die von zwei Treckführern nach Kalifornien geführt werden, um dort auf heiratswillige Siedler zu treffen. "Manchmal hat dieser Western etwas von einem Frauengefängnisfilm auf Achse. Selten sind im Hollywood- Kino die Tatkraft, die körperliche Leistung und das Leiden von Frauen so (neo)realistisch gezeigt worden wie in diesem staubigen Schwarzweißfilm." (Hans Schifferle)

 

Im Kapitel zum Film noir zeigen wir zwei frühe Filme von Nicholas Ray, der später mit Johnny Guitar und Rebel Without A Cause berühmt wurde. Im Studiosystem Hollywoods galt Ray als Rebell, wie seine Protagonisten ein Außenseiter auf der Suche nach einem Platz in der Welt. In seinem in der Depressionszeit angesiedelten Debütfilm THEY LIVE BY NIGHT (USA 1948, 5. & 14.3.) geht es um die Sehnsucht nach dem normalen Leben und die Unmöglichkeit, eine dauernde Bleibe zu finden. Die Liebe eines jungen Paares endet im Kugelhagel der Polizei, nachdem ehemalige Zellenkumpane den Jungen zur Teilnahme an einem Bankraub überredet haben.

 

ON DANGEOURS GROUND (Nicholas Ray, USA 1951, 8. & 11.3.) beginnt als klassischer Film noir, um sich dann in ein psychologisches Drama um Einsamkeit und Verzweiflung zu entwickeln. Ein Polizist mit gewalttätigen und selbstzerstörerischen Tendenzen wird von seinem Vorgesetzten zur Aufklärung eines Mordes aufs Land geschickt. Dort begegnet er einer blinden jungen Frau, die eine mögliche Erlösung für ihn darstellt.

 

KISS ME DEADLY (Robert Aldrich, USA 1955, 10. & 16.3.) Der zynische Privatdetektiv Mike Hammer wird in eine Jagd von Los Angeles' Unterwelt auf eine Kiste mit radioaktivem Material hineingezogen, nachdem er den Mord an einer mysteriösen Frau mitverfolgt hat.

 

Stanley Kubricks frühes Meisterwerk THE KILLING (USA 1956, 12. & 25.3.) ist ein mit rasantem Tempo inszenierter Krimi, der mit Rückblenden und aus verschiedenen Perspektiven erzählt: eine bunt zusammengewürfelte Gruppe überfällt das Wettbüro einer Pferderennbahn. Ihr minutiös ausgetüftelter Plan scheitert jedoch an einer Kette von Unwägbarkeiten und banalen Zufällen.

 

Mit THE KILLERS (USA 1946, 13., 14. & 19.3.) inszenierte Robert Siodmak eine Kurzgeschichte von Hemingway mit Burt Lancaster und Ava Gardner in den Hauptrollen. "Mit erregend expressiven Bildern beginnt Siodmak dort, wo Hemingways erregend kühle Short Story endet. Warum lässt sich ein Mann ohne Geste von Flucht oder Abwehr ermorden? Die Antwort vollzieht sich in Rückblenden, die immer kürzer und dichter geraten." (Harry Tomicek)

 

Dem als Detlef Sierck geborenen Douglas Sirk, der 1937 aus Deutschland emigrierte, gelang in Hollywood eine zweite Karriere. In WRITTEN ON THE WIND und ALL THAT HEAVEN ALLOWS verbindet er inhaltlich und visuell überbordende Melodramen mit einer versteckt formulierten Kritik an konformistischen Gesellschaftsnormen.

 

WRITTEN ON THE WIND (Douglas Sirk, USA 1956, 18. & 21.3.) Ein Familiengemälde in leuchtenden Farben und vor betont künstlicher Kulisse: Die unheilvolle Familiensituation der reichen Ölfamilie Hedley gerät durch Alkoholismus und Selbstzerstörung aus den Fugen. "In diesem Haus, das Sirk sich hat für die Hedleys bauen lassen, da müssen die Gefühle die seltsamsten Blüten treiben. Das Licht bei Sirk ist immer so unnaturalistisch wie möglich. Schatten, wo keine sein dürften, helfen, Empfindungen plausibel zu machen, die man sich gern fremd halten möchte." (R. W. Fassbinder)

 

ALL THAT HEAVEN ALLOWS (Douglas Sirk, USA 1955, 17. & 22. & 29.3.) Die verwitwete Carrie (Jane Wyman) lebt so, wie es ihre halbwüchsigen Kinder und die rigide Gesellschaftsordnung ihrer Kleinstadt von ihr erwarten. Mit dem etwas jüngeren Gärtner Ron (Rock Hudson) lernt sie eine Welt frei von sozialen Zwängen und ein mögliches Glück kennen, dem sich ihr Umfeld jedoch entgegenstemmt.

 

LETTER FROM AN UNKNOWN WOMAN (Max Ophüls, USA 1948, 20. & 24.3.) Max Ophüls inszenierte die Geschichte einer unerfüllten Liebe im Wien der Jahrhundertwende (nach einer Novelle von Stefan Zweig) als ein funkelndes Melodrama. Joan Fontaine verliebt sich in einen charmanten, aber oberflächlichen Konzertpianisten, der sich auf ein kurzes Abenteuer mit ihr einlässt, sie aber Jahre später nicht einmal wiedererkennt.

 

Zum Schluss zeigen wir drei Filme des britischen Regiegespanns Powell/Pressburger aus den 40er Jahren: Der mitten im 2. Weltkrieg gedrehte THE LIFE AND DEATH OF COLONEL BLIMP (Michael Powell & Emeric Pressburger, GB 1943, 23. & 26.3.) zeichnet die miteinander verbundenen Lebensläufe eines deutschen und eines britischen Offiziers vom Beginn des 20. Jahrhunderts bis zur Gegenwart nach.

 

BLACK NARCISSUS (Michael Powell & Emeric Pressburger, GB 1947, 27. & 31.3.) Fünf anglikanische Ordensschwestern versuchen sich an der Aufgabe, in einer Bergfeste am Rande des Himalaya eine Missionsschule und ein Krankenhaus für die einheimische Bevölkerung einzurichten. Schließlich versagen sie, nicht zuletzt durch den schweren Konflikt, in den sie die Liebe einer der Schwestern zu einem Engländer stürzt.

 

THE RED SHOES (Michael Powell & Emeric Pressburger, GB 1948, 28. & 30.3.) Hans Christian Andersens Märchen von den roten Schuhen, die den, der sie anzieht, ewig tanzen lassen, ist in eine in unseren Tagen spielende Rahmenhandlung gekleidet, die den Konflikt zwischen Kunst und Leben auf fatalistisch-tragische Weise enden lässt. Ein Meisterwerk des Ballettfilms, das alle filmischen Gestaltungsmöglichkeiten - vorab Kamera, Montage, Farben - bestens ausschöpft.

Magical History Tour - American Mythmaking and British (Color) Opulence

 

We continue our journey through American genre history - with westerns, film noir and melodramas from the 1940s and 50s, the age of classical Hollywood cinema. John Ford's name is inseparably connected to the American western movie. Like hardly anyone else, he shaped this archetypical American genre and during the five decades of his career as a director, he developed it further, creating archetypes and legends. Georg Seeßlen called John Ford, who in his late movies critically addressed this production of myths, the "greatest myth poet of American cinema."

 

FORT APACHE (John Ford, USA 1948, March 1 & 9) "A key film of John Ford's oeuvre, and thus of cinema: Part one of the masterful cavalry trilogy, an ambivalent study of leadership and hubris – and a paraphrase of Custer's last stand at Little Big Horn. With FORT APACHE, Ford is once and for all enwrapped in the singular aesthetics of his late work, less and less obliged to telling a story than to creating a social universe full of moral challenges." (Christoph Huber)

 

SHE WORE A YELLOW RIBBON (John Ford, USA 1949, March 2 & 6) is also part of the cavalry trilogy and is captivating due to the melancholy mood and pictures in Technicolor. A shortly to be retired cavalry captain (played by a masterly John Wayne) is for the last time in command of a dangerous patrol in an area controlled by Indians ready to attack. There are also two women in the trek, causing additional unrest.

 

WAGONMASTER (John Ford, USA 1950, March 4) was one of Ford's favorite films, a small, classical story: an arduous journey aimed at settling in the West: Two horse traders are talked into guiding a trek of Mormons through the rough wilderness. When a couple of bandits try to hide among the settlers, the conflict arises.

 

WESTWARD THE WOMEN (William A. Wellman, USA 1951, March 3 & 7) Based on a story by Frank Capra, the film tells of a group of 150 women that are led by two trek guides to California to meet marriage-minded settlers. "At times this western resembles the on-the-road version of a women's prison movie. Rarely has Hollywood cinema shown the vigor, the physical power and the suffering of women in a more (neo-)realistic way than in this dusty black-and-white movie." (Hans Schifferle)

 

In the chapter dealing with film noir, we will show two early films by Nicholas Ray, who later became famous with his films Johnny Guitar and Rebel Without A Cause. In Hollywood's studio system, Ray counted as a rebel, like his protagonists, searching for a place in the world. His debut film THEY LIVE BY NIGHT (USA 1948, March 5 & 14) deals with the longing for normal life and the impossibility of finding a permanent abode. The love of a young couple ends in a hail of police bullets after former cellmates talk the boy into participating in a bank robbery.

 

ON DANGEOURS GROUND (Nicholas Ray, USA 1951, March 8 & 11) starts as a classical film noir, to then become a psychological drama about lonesomeness and despair. A policeman with violent and self-destructive tendencies is sent by his superior to the countryside to solve a murder case. He meets a young blind woman there, who could redeem him.

 

KISS ME DEADLY (Robert Aldrich, USA 1955, March 10 & 16) The cynical private eye Mike Hammer becomes involved in a chase of Los Angeles' underworld after a box of radioactive material, after having witnessed the murder of a mysterious woman.

 

Stanley Kubrick's early masterwork THE KILLING (USA 1956, March 12 & 25) is a fast-paced crime movie working with flashbacks and narrated from different perspectives: a motley group raids the betting office of a racetrack. Their meticulously conceived plan, however, fails due to a chain of unexpected events.

 

With THE KILLERS (USA 1946, March 13, 14 & 19), Robert Siodmak adapted a short story by Hemingway with Burt Lancaster and Ava Gardner in the leading roles. "With excitingly expressive images, Siodmak starts where Hemingway's excitingly cool short story ends. Why does a man without any indication of flight or defense let himself be murdered? The answer is given in flashbacks that become shorter and denser." (Harry Tomicek)

 

Douglas Sirk, who was born as Detlef Sierck and emigrated from Germany in 1937, succeeded in making a second career in Hollywood. In WRITTEN ON THE WIND and ALL THAT HEAVEN ALLOWS, he combines melodramas that are exuberant in terms of content and visuals with a hidden criticism of conformist societal norms.

 

WRITTEN ON THE WIND (Douglas Sirk, USA 1956, March 18 & 21) The portrayal of a family in bright colors and against a pointedly artificial backdrop: The ominous situation of the wealthy oil family Hedley goes to pieces on account of alcoholism and self-destruction. "In this house that Sirk had built for the Hedleys, emotions bring forth the strangest of fruits. The lighting in Sirk's film is always as unnatural as possible. Shadows where none should be help make sentiments, which one would like to keep away, plausible." (R. W. Fassbinder)

 

ALL THAT HEAVEN ALLOWS (Douglas Sirk, USA 1955, March 17 & 22 & 29) Widowed Carrie (Jane Wyman) lives the way her adolescent children and the rigid social order of her small town expect of her. With the slightly younger gardener Ron (Rock Hudson), she gets to know a world free of social constraints and the possibility of happiness, against which her surroundings are opposed, though.

 

LETTER FROM AN UNKNOWN WOMAN (Max Ophüls, USA 1948, March 20 & 24) Max Ophüls staged the story of an unfulfilled love in turn-of-the-century Vienna (based on a novella by Stefan Zweig) as a scintillating melodrama. Joan Fontaine falls in love with a charming yet superficial concert pianist, who has a brief affair with her but does not even recognize her years later.

 

Finally, we will screen three films of the British director duo Powell/Pressburger from the 1940s: THE LIFE AND DEATH OF COLONEL BLIMP (Michael Powell & Emeric Pressburger, GB 1943, March 23 & 26), which was shot during the Second World War, retraces the vitas of a German and British officer from the beginning of the 20th century to the present.

 

BLACK NARCISSUS (Michael Powell & Emeric Pressburger, GB 1947, March 27 & 31) Five Anglican sisters endeavor to set up a mission school and a hospital for the local population in the mountains at the edge of the Himalaya. In the end they fail, not least due to the severe conflict they get into when one of the sisters falls in love with an Englishman.

 

THE RED SHOES (Michael Powell & Emeric Pressburger, GB 1948, March 28 & 30) Hans Christian Andersen's fairy tale of the red shoes that allow the one wearing them to dance forever, is in the guise of a background story set in the present, which has the conflict between art and life come to an end in a fatalistic, tragic manner. A masterwork of ballet film that makes excellent use of all cinematic possibilities – foremost camera, editing and colors.