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VANDET PÅ LANDET/WASSER VOM LAND, 1946

März 2010
Retrospektive Carl Theodor Dreyer

Wir setzen im März unsere Retrospektive mit Filmen des großen dänischen Regisseurs Carl Theodor Dreyer (1889–1968) fort und zeigen bis Ende des Monats alle seine Regiearbeiten. Dreyer drehte zwischen 1919 und 1964 insgesamt 14 lange Filme, die sich stark voneinander unterscheiden. Sozialer Realismus und Melodram, Lustspiel und Passionsgeschichte, Märchen und Horrorfilm wechseln einander ab. Von prägnanten Großaufnahmen bestimmte Arbeiten stehen neben Werken ohne ein einziges Close-up, rhythmisch schnell geschnittene Filme neben solchen mit zehnminütigen Einstellungen, vom Sprechen dominierte Arbeiten neben Tonfilmen mit einem Minimum an Dialog. Dreyers Überzeugung nach sollte ein Regisseur keinem persönlichen Stil anhängen; sein Anspruch war es, den Stoffen entsprechend "jeweils einen Stil zu finden, der nur gültig für einen ganz bestimmten Film ist." Entscheidende Grundlage dafür war für ihn das – stets nach einer literarischen Vorlage selbst verfasste – Drehbuch, die Wahl der Darsteller sowie eine besondere Sorgfalt und Detailgenauigkeit bei der Ausstattung. Allen Filmen gemein ist die Suche nach einer modernen kinematographischen Ausdrucksform und eine Reduktion auf das Wesentliche.

Das Wesentliche bei Dreyer ist der Mensch. Zentrales Anliegen seiner Filme ist es, "nicht das äußere Leben, sondern das innere Leben aufzuzeichnen" (Carl Th. Dreyer): das Unsichtbare sichtbar zu machen, die Visualisierung der menschlichen Seele. Darin liegt nicht zuletzt die Zeitlosigkeit von Dreyers Werk begründet. Obwohl seine Filme fast ausnahmslos in der Vergangenheit spielen, haben sie nie den Distanz schaffenden Charakter eines in einer fernen Epoche verorteten Kostümfilms. Wie Siegfried Kracauer in Bezug auf LA PASSION DE JEANNE D'ARC schrieb: "Der Film spielt sich in einem Niemandsland ab, das weder in der Vergangenheit noch in der Gegenwart liegt."

 

In Dreyers Welt, in diesem meist wenig freundlich gezeichneten Niemandsland, kämpfen einzelne Menschen gegen Intoleranz, Ungerechtigkeit und Unterdrückung innerhalb der Familie, Kirche oder Gesellschaft. Dreyer zeigt den Widerstand von bedrohten Individuen gegen die religiöse, moralische oder soziale Ordnung in der ihm eigenen Radikalität: "dieser extreme Moralismus, der sich der Moral widersetzt, dieser Glaube, der zur Religion in Widerspruch tritt." (Gilles Deleuze) Besondere Bedeutung und Sympathie lässt Dreyer in diesem Kampf den Frauen zukommen. Es sind die weiblichen Hauptfiguren, die sich den Konventionen und Hierarchien der Gesellschaft widersetzen. Zudem setzte Dreyer größere Hoffnung in die Frauen, eine Welt zu ändern, der es an Liebe mangelt. "Frauenliebe und Männerwerk, die zwei sind Feinde von Anbeginn" heißt es zugespitzt in GERTRUD, seinem letzten Film, der mit Gertruds selbst gewählter Grabstein-Inschrift "Amor omnia" schließt: "Liebe ist alles."

 

Dreyers Regiedebüt PRÆSIDENTEN (Der Präsident, Dänemark 1919, 1.3.) ist ein Melodram über Männer, die ihrer Verantwortung als Väter gegenüber Frauen der unteren Gesellschaftsschicht nicht nachkommen. Im Mittelpunkt steht ein Richter, der sich entscheiden muss zwischen seiner Ehre, seiner sozialen Position und seiner unehelichen Tochter, die angeklagt ist, ihr ebenfalls uneheliches Kind getötet zu haben. Der autobiografisch gefärbte Film – Dreyer war das uneheliche Kind einer schwedischen Dienstmagd, die zwei Jahre nach seiner Geburt an einer versuchten Abtreibung starb – besitzt bereits viele Merkmale seiner späteren Arbeiten: die Unterdrückung der Frau, die Notwendigkeit eines Opfers für die Liebe sowie ein klarer, einfacher Stil und Bauten, die wie gerahmt wirken.

 

Der dänische Regisseur Torben Skjødt Jensen realisierte 1995 mit Hilfe von Materialien aus Dreyers Nachlass die Dokumentation CARL TH. DREYER – MIN METIER (2. & 25.3.). Eine Collage aus Gedanken und Erinnerungen von und über Dreyer, in der auch Kollegen, die mit Dreyer gearbeitet haben, zu Wort kommen.

 

Dreyers zweiter Film, BLADE AF SATANS BOG (Blätter aus Satans Buch, DK 1920, 3.3.) ist von D. W. Griffiths INTOLERANCE (USA 1916, 24. & 29.3. im Rahmen der Magical History Tour) beeinflusst und thematisiert die Gefährdung des Menschen durch das Böse, dargestellt in vier verschiedenen Episoden und Zeitaltern ("Judas" / "Spanische Inquisition" / "Französische Revolution" / "Die rote Garde"). Dreyer experimentierte in jeder Episode mit verschiedenen Stilmitteln.

 

Mitte der 60er Jahre entstanden zwei der interessantesten dokumentarischen Arbeiten über Carl Theodor Dreyer: Sein langjähriger Mitarbeiter Jørgen Roos verbindet in dem Porträt CARL THEODOR DREYER (DK 1966, 4. & 30.3.) Interviews, die er mit Dreyer führte mit Aufnahmen einer Begegnung Dreyers mit Jean-Luc Godard, Anna Karina, François Truffaut, Henri-Georges Clouzot und Henri Langlois anlässlich der Premiere von GERTRUD in Paris.

Die von Eric Rohmer für das französische Fernsehen realisierte Dokumentation CINÉASTES DE NOTRE TEMPS: CARL TH. DREYER (F 1965, 4. & 30.3.) enthält neben einem Gespräch mit Carl Theodor Dreyer Interviews mit den Schauspielern Bendt Rothe, Preben Lerdorff Rye und Lisbeth Movin. Anna Karina ist als Erzählstimme präsent.

 

PRÄSTÄNKAN (Die Pfarrerswitwe, Schweden 1920, 5.3., am Flügel: Eunice Martins & 27.3.) ist ein ausschließlich in natürlichen Dekors gedrehtes Lustspiel mit Slapstickeinlagen, das eine unerwartete Wende zur moralischen Erzählung nimmt: Im 17. Jahrhundert bewerben sich drei junge Theologen um eine Pfarrei. Der Sieger muss nach altem Brauch die Witwe seines Vorgängers heiraten, die bereits drei Männer überlebt hat. Gemeinsam mit seiner Geliebten, die er als Schwester ausgibt, zieht er, in der Hoffnung auf ein baldiges Ableben der greisen Witwe, ins Pfarrhaus ein.

 

DIE GEZEICHNETEN (D 1921, 7.3., am Flügel: Eunice Martins & 13.3.) ist der erste von zwei Filmen, die Dreyer in Deutschland realisierte. Im Zentrum des Films stehen revolutionäre Umtriebe sowie der Antisemi-tismus im zaristischen Russland. Mit großer Detailtreue schuf Dreyer in Berlin-Lichterfelde ein Zeitbild vom ländlichen Russland zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Für die beeindruckenden Massenszenen engagierte er 600 exilierte russische Juden. "Wladimir Matusewitsch, der in Moskau diesen jahrelang verschollen geglaubten Film wieder gefunden hat, versichert, Dreyer habe es besser als die russischen Filmemacher verstanden, das Alltagsleben in Russland mit Wahrheit und Authentizität zu evozieren. (Jean Sémolué)

 

Dreyers letzter Stummfilm, LA PASSION DE JEANNE D'ARC (Die Passion der Jungfrau von Orléans, F 1928, 9.3.), der den Regisseur inter-national berühmt machte, konzentriert Prozess, Verurteilung und Hinrich-tung der Jeanne d’Arc auf einen Tag, die Texte der Zwischentitel sind Zita-te der historischen Prozessakten. In stark zurückgenommenen Dekors kon-zentrierte sich Dreyer auf die Seelenlandschaften der ungeschminkten Ge-sichter, die durch die expressionistischen Kamerawinkel und im Kontext des dargestellten Geschehens eine enorme Ausdruckskraft gewinnen. Mit der Präzision eines Seismographen registriert die Kamera die emotionalen Erschütterungen, die sich durch Zuckungen, Schweißausbrüche und Trä-nen auf der Hautoberfläche zeigen.

 

Mehrere Verbindungslinien weisen von Jean-Luc Godards VIVRE SA VIE (Die Geschichte der Nana S., F 1962, 9.3.), dem Essay über eine Verkäuferin, die Prostituierte wird und an dem Zwiespalt zwischen der Vermarktung des Körpers und der Bewahrung der Seele zugrunde geht, zu Dreyers PASSION. Die Gelegenheitsprostituierte Nana (Anna Karina) lässt sich im Kino von LA PASSION DE JEANNE D’ARC zu Tränen rühren. Im Kontext der von Godard zitierten Sequenz bekommt Nanas Schicksal selbst die Züge einer Passionsgeschichte. Dreyer hatte Mitte der 50er Jahre die jugendliche Anna Karina als Jungfrau Maria in seiner ande-ren großen Passion besetzen wollen, dem nie gedrehten "Lebenswerk" Jesus von Nazareth, an dem er 30 Jahre lang arbeitete.

 

Das Kammerspiel MICHAEL (D 1924, 11.3., am Flügel: Eunice Martins & 15.3.) spielt – für Dreyer ungewöhnlich – fast ausschließlich in opulent ausgestatteten Innenräumen und zeichnet sich durch seine kunstvolle Aus-leuchtung und die Abfolge von Großaufnahmen aus. Anhand der Ge-schichte der unerfüllten Liebe eines Künstlers zu seinem Adoptivsohn lässt der Film die Welt des Fin de siècle auferstehen und behandelt Themen wie die Vereinsamung des Künstlers in der bürgerlichen Gesellschaft, Homosexualität und den Niedergang aristokratischer Lebensformen. "Ein Film voll Donner heraufziehender Veränderungen. Wie die Kunst, um die Jahrhundertwende, durch den Einbruch der Sexualität in ihrer Basis getroffen wurde. Ein unfassbarer Film in der Komplexität seiner Artikulation." (Frieda Grafe)

 

In DU SKAL ÆRE DIN HUSTRU (Ehret Eure Frauen, DK 1925, 14.3., am Flügel: Eunice Martins & 16.3.) inszeniert Dreyer den Aufstand der Frauen – Gattin, Mutter, Kindermädchen und Tochter – gegen einen kleinbürgerlichen Haustyrannen. Der humorvolle Film, der den schwierigen Alltag "einfacher" Menschen in einer 2-Zimmer-Wohnung beobachtet, wurde ein großer Publikumserfolg. Seine enorme Popularität in Frankreich war die Grundlage zur Realisierung von LA PASSION DE JEANNE D'ARC.

 

Die märchenhafte Farce DER VAR ENGANG (Es war einmal, DK 1922, 18.3., am Flügel: Eunice Martins & 20.3.) greift Elemente von Hans Christian Andersens Der Schweinehirt und Shakespeares Der Widerspenstigen Zähmung auf: Der Prinz von Dänemark wirbt vergeblich um die kapriziöse Prinzessin von Illyria. Mit Hilfe eines Kupferkessels, der angeblich Zau-berkräfte besitzt, entführt er sie in eine Waldhütte in Dänemark, wo sie, zur Arbeit gezwungen, schließlich demütig wird. Bemerkenswert ist DER VAR ENGANG vor allem wegen der an Lubitsch erinnernden eleganten Ironie der Szenen am Königshof sowie der lichtdurchfluteten Landschaftsbilder. Von dem Film sind lediglich zwei Drittel seiner ursprünglichen Länge erhalten. Standfotos und die erhaltenen Zwischentitel der fehlenden Sequenzen ergänzen das Fragment.

 

Der in Norwegen entstandene und häufig zum "Nebenwerk" gerechnete GLOMDALSBRUDEN (Die Braut von Glomdal, N 1925, 19.3., am Flü-gel: Eunice Martins & 22.3.) erzählt in Form einer humoristischen Volkssage die märchenhafte Liebesgeschichte eines armen Bauernsohns, der um die reiche Nachbarstochter wirbt. Ein Film von ungewohnter Leichtigkeit. Eine gefällige, lichte Sommeridylle mit stimmungsvollen Außenaufnahmen. Inklusive Happy End.

 

VAMPYR (F / D 1932, 10.3., Einführung: Volker Pantenburg & 18.3.) ist ein Klassiker des Horrorfilms, der weitgehend auf die Klischees des Genres verzichtet. Durch die fehlende erzählerische Kontinuität von Raum und Zeit schafft Dreyer in seinem ersten Tonfilm eine Atmosphäre der Verunsicherung. Der in einer baufälligen Fabrik und einem leer stehenden Schloss in der Umgebung von Paris gedrehte Film erscheint wie ein Tagtraum, die Bilder, wahrgenommen wie durch einen Gaze-Schleier, sind dominiert von einem gespenstischen Weiß. "Horror hat nichts mit den Dingen zu tun, die uns umgeben, sondern er steckt in unserem Unterbewusstsein." (Dreyer)

 

VREDENS DAG (Tag der Rache, DK 1943, 13. & 24.3.) spielt 1623 in einem dänischen Dorf, das von Angst, Aberglauben und religiöser Grausamkeit beherrscht wird. Eine junge Frau, deren Mutter der Hexerei bezichtigt wurde, ist die zweite Ehefrau eines alternden Priesters. Als dessen Sohn aus erster Ehe nach langer Abwesenheit zurückkehrt, verliebt er sich in die Frau seines Vaters und beginnt ein leidenschaftliches Verhältnis mit ihr. Dreyer erzählt seine Chronik in streng komponierten Bildern von düsterer Kraft.

 

Auf der Flucht vor den deutschen Besatzern in Dänemark drehte Dreyer 1944/45 im neutralen Schweden das Kammerspiel TVÅ MÄNNISKOR (Zwei Menschen, 19. & 25.3.). Ein Wissenschaftler wird des Plagiats der Dissertation eines Kollegen beschuldigt. Dessen plötzlicher Tod verstärkt den Verdacht gegen ihn. Bis seine Frau ihm den Mord gesteht. Der Film spielt nur an einem einzigen Ort, in einer Wohnung, und konzentriert sich ganz auf zwei von der übrigen Welt isolierte Menschen. Dreyer, der bereits mit der Besetzung der Hauptrollen unzufrieden war, distanzierte sich von dem Film, nachdem man ihm den Final Cut verwehrte. Zeit seines Lebens hat Dreyer dafür gesorgt, dass TVÅ MÄNNISKOR öffentlich nicht gezeigt werden konnte.

 

ORDET (Das Wort, DK 1954, 17. & 20.3.): Dreyers erfolgreichster Ton-film ist eine Bearbeitung des gleichnamigen Dramas von Kaj Munk aus dem Jahr 1932 und spielt zu Beginn des 20. Jahrhunderts in einem Dorf in Westjütland. Eine Bäuerin stirbt nach der Totgeburt ihres Kindes. Der verwirrte Bruder des Mannes hatte diesen Tod vorausgesagt und versprochen, sie wieder zum Leben zu erwecken. Dreyer inszenierte seine kontrovers diskutierte Studie über Glauben und Liebe, die Wunder bewirken können, in langen Plansequenzen und verzichtete weitgehend auf Großaufnahmen. "Jedes Bild in ORDET ist von einer formalen Perfektion, die ins Sublime führt." (François Truffaut)

 

Der schwedische Regisseur Gustaf Molander hatte denselben Stoff bereits 1943 verfilmt. Er orientierte sich in seiner nach Schweden verlegten Version von ORDET (21.3.) mehr an der realistischen Ebene der Geschichte. Der Film beeindruckt nicht zuletzt durch die Gestaltung der Hauptrolle durch Victor Sjöström.

 

Der Schluss von Dreyers ORDET hat mehrfach andere Regisseure zu Kino-Wundern inspiriert. Wir zeigen Carlos Reygadas' STELLET LICHT (MEX / F / NL / D 2007, 23.3.), eine bildgewaltige Geschichte über ein Dreiecksverhältnis in einer Mennonitengemeinde im Norden Mexikos sowie Lars von Triers Glaubens- und Liebesdrama BREAKING THE WAVES (DK / S / F / N / Island 1996, 26.3.), in dem ein junges Paar mit der Querschnittslähmung des Mannes nach einem Unfall konfrontiert wird.

 

Zu den Projekten, die Dreyer nicht mehr verwirklichen konnte, zählt die Adaption von Euripides' Medea. Vergeblich versuchte er, Maria Callas für die Hauptrolle zu gewinnen – die sich stattdessen entschied, 1969 in Pasolinis Verfilmung des Stoffes mitzuwirken. Lars von Trier inszenierte MEDEA nach Dreyers Originaldrehbuch 1988 für das dänische Fernsehen. Mit den "Dreyer-Darstellern" Baard Owe und Preben Lerdorff Rye sowie – als Auftakt zu sieben weiteren gemeinsamen Filmen – mit Udo Kier als Jason (DK 1988, 26. & 30.3.).

 

Dreyers letzter Film, der im dänischen Großbürgertum der vorletzten Jahrhundertwende situierte GERTRUD (DK 1964, 27.3., Einführung: Peter Nau & 31.3.) erzählt von einer Frau, deren Anspruch, die Liebe über alles zu stellen, von keinem der drei Männer in ihrem Leben erfüllt werden kann. Der bürgerlichen Konvention folgend, bieten sie ihr lediglich eine Rolle neben ihren beruflichen Ambitionen, "eine Ehe zu dritt" (Dreyer). Gertrud wählt die Einsamkeit. Die zeitgenössische Kritik lehnte den Film wegen seiner vermeintlich "unfilmischen" Inszenierung vehement ab. Die radikale Reduktion der ästhetischen Mittel, ein ausgesprochen langsamer Rhythmus, statuarische Einstellungen von bis zu zehn Minuten Länge, keine Großaufnahmen und der völlige Verzicht auf Dramatik wurden als nicht zeitgemäß empfunden. "Auf den ersten Blick zu altmodisch, bei häufigerem Hinsehen die ganze Zukunft des Kinos." (Frieda Grafe)

 

Zwischen 1942 und 1954 realisierte Dreyer als staatliche Auftragsproduktion acht Kurzfilme über Themen wie Kunst, Architektur, Theater, Gesundheitswesen und Verkehrssicherheit. MØDREHJÆLPEN (Mütterhilfe, DK 1942) berichtet von einer Schwangeren, die den Vater ihres Kindes ablehnt und Unterstützung in einer staatlichen Institution erhält. VANDET PÅ LANDET (Wasser vom Land, DK 1946) behandelt das Problem der Bauern, ihr Land mit sauberem Wasser zu versorgen. LANDSBYKIRKEN (Dorfkirchen, DK 1947) zeigt dänische Kirchenbau-geschichte und KAMPEN MOD KRÆFTEN (Kampf gegen den Krebs, DK 1947) widmet sich der Behandlung von Krebspatienten durch Radi-umbestrahlung. DE NÅEDE FÆRGEN (Sie erreichten die Fähre, DK 1948), Dreyers bekanntester Kurzfilm, überrascht mit einer halsbrecherischen Motorradfahrt und einem makabren Schluss, der auf VAMPYR verweist. THORVALDSEN (DK 1949) ist dem dänischen Bildhauer gleichen Namens gewidmet. STORSTRØMSBROEN (Die Brücke von Storström, DK 1950) stellt die zum damaligen Zeitpunkt längste Brücke Dänemarks vor und ET SLOT I ET SLOT (Ein Schloss im Schloss, DK 1954) porträtiert das "Hamlet-Schloss" Kronborg. (28.3.)

 

Eine Veranstaltung mit freundlicher Unterstützung der Dänischen Botschaft. Wir danken weiterhin: Det Danske Filminstitut (DFI), Svenska Filminstitutet (SFI), Norsk Filminstitutt (NFI), DR-TV und Radio, sowie Lars von Trier.

 

Carl Theodor Dreyer Retrospective

 

In March we will continue our retrospective of films by the great Danish director Carl Theodor Dreyer (1889–1968), screening all works he directed until the end of the month. Between 1919 and 1964, Dreyer shot a total of 14 full-length films that differ greatly. Social realism and melodrama, comedy and passion story, fairy tale and horror movie alternate. Works characterized by concise close-ups stand alongside films without a single close-up, works edited in a faced-paced way alongside ones with ten-minute-long shots, movies dominated by language next to sound films with a minimum amount of dialog. Dreyer was convinced that a director should not adhere to a personal style; it was his aim to "find a style valid only for a very specific film", depending on the subject. A decisive basis for this was formed by the script, always written by him based on a literary model, the selection of actors as well as special accuracy and attention to detail regarding the props. What all films have in common is the search for a modern cinematographic form of expression and a reduction to what is essential.

 

Dreyer's essential focus is on the human being. The main concern of his films is "not to record outer life, but inner life" (Carl Th. Dreyer): to make what is invisible visible, the visualization of the human soul. That is not least what makes Dreyer's oeuvre timeless. Although almost all of his films are set in the past, they never possess the distancing character of a costume movie playing in a distant age. As Siegfried Kracauer wrote in regard to LA PASSION DE JEANNE D'ARC: "The film is set in a no man’s land that lies neither in the past nor the present."

In Dreyer's world, in this for the most part unfriendly no man's land, individuals struggle against intolerance, injustice and oppression in the family, the church or society. With his very own radicality, Dreyer depicts the resistance of threatened individuals against the religious, moral or social order: "an extreme moralism opposes the moral, a faith that opposes religion." (Gilles Deleuze) Dreyer attributes special significance to and sympathizes with women in this struggle. The central female characters resist the conventions and hierarchies of society. Moreover, Dreyer places great hope in women's ability to change the world that lacks love. "A woman's love and a man's work are mortal enemies", it is said in GERTRUD, his last film, which ends with Gertrud’s self-chosen tombstone inscription "Amor omnia", "Love is All".

 

Dreyer's debut as a director, PRÆSIDENTEN (The President, Denmark 1919, March 1), is a melodrama about men who do not live up to their responsibilities as fathers to women of the lower classes. The focus is on a judge who must make a decision between his honor, his social position and his illegitimate daughter, who is accused of having killed her likewise illegitimate child. The autobiographically toned film – Dreyer was the illegitimate child of a Swedish maid who died two years after his birth due to the consequences of an attempted abortion – already possesses many characteristic features of his later films: the oppression of women, the necessity to make sacrifices for love, as well as a distinct and simple style and frame-like settings.

 

In 1995, Danish director Torben Skjødt used material from Dreyer's estate to realize the documentary CARL TH. DREYER – MIN METIER (March 2 & 25). A collage of reflections and recollections of and about Dreyer, in which colleagues who worked with Dreyer are also interviewed.

 

Dreyer's second film, BLADE AF SATANS BOG (Leaves out of the Book of Satan, DK 1920, March 3) is influenced by D.W. Griffith's INTOLERANCE (USA 1916, March 24 & 29, within the frame of the Magical History Tour) and deals with the threat of evil to humans, portrayed in four different episodes and ages ("Judas" / "Spanish Inquisition" / "French Revolution" / "The Red Guard"). In each episode, Dreyer experimented with different stylistic means.

 

Two interesting documentaries on Carl Theodor Dreyer were made in the mid-1960s: In the portrait CARL THEODOR DREYER (DK 1966, March 4 & 30), his long-term colleague Jørgen Roos combines interviews he conducted with Dreyer with shots of encounters between Dreyer and Jean-Luc Godard, Anna Karina, François Truffaut, Henri-Georges Clouzot, and Henri Langlois on the occasion of the premiere of GERTRUD in Paris.

 

The documentary CINÉASTES DE NOTRE TEMPS: CARL TH. DREYER (F 1965, March 4 & 30), realized by Eric Rohmer for French television, includes, in addition to a conversation with Carl Theodor Dreyer, interviews with the actors Bendt Rothe, Preben Lerdorff Rye and Lisbeth Movin. The narrator's voice is Anna Karina's.

 

PRÄSTÄNKAN (The Parson's Widow, Sweden 1920, March 5, on the piano: Eunice Martins & March 27) is shot exclusively in natural decors. The comedy with slapstick numbers takes an unexpected turn to a moral narrative: In the 17th century three young theologians compete for a parish. According to old customs, the winner must marry the widow of his predecessor, who has already survived three men. Together with his lover, whom he presents as his sister, he moves into the parish house hoping that the old widow will soon die.

 

DIE GEZEICHNETEN (Love One Another, D 1921, March 7, on the piano: Eunice Martins & March 13) is the first of two films that Dreyer made in Germany. The film focuses on the revolutionary machinations as well as the anti-Semitism in Tsarist Russia. With great attention to detail, Dreyer created in Berlin-Lichterfelde a contemporary portrayal of rural Russia at the beginning of the 20th century. He engaged 600 Russian Jews in exile for the impressive mass scenes. "Vladimir Matusevich, who discovered this film again in Moscow after it was thought to be lost for years, affirms that Dreyer was more capable than Russian filmmakers of evoking everyday life in Russia in a truthful and authentic way." (Jean Sémolué)

 

Dreyer's last silent movie, LA PASSION DE JEANNE D’ARC (The Passion of Joan of Arc, F 1928, March 9), which brought the director international fame, condenses the trial, sentencing and execution of Joan of Arc to a single day; the intertitles are citations from the historical case files. Embedded in very subtle decors, Dreyer concentrated on the emotional landscapes reflected in the makeup-free faces that gain enormous expressiveness through the expressionistic camera angle and in the context of the portrayed events. With the precision of a gauge, the camera registers the emotional distress revealed by twitches, sweat and tears on the skin.

 

Several lines connect Jean-Luc Godard’s VIVRE SA VIE (My Life to Save, F 1962, March 9), the essay about a saleswoman who becomes a prostitute and perishes due to the antagonism between selling her body and preserving her soul, with Dreyer’s PASSION. The occasional prostitute Nana (Anna Karina) is moved to tears in the movie theater by LA PASSION DE JEANNE D'ARC. In the context of the sequence cited by Godard, Nana's fate takes on the features of a passion story. In the mid-1950s, Dreyer had wanted to cast adolescent Anna Karina as the Virgin Mary in his other great passion story, his never realized "work of a lifetime", Jesus of Nazareth, on which he worked for thirty years.

 

The chamber play MICHAEL (D 1924, March 11, on the piano: Eunice Martins & March 15) is set – unusual for Dreyer – almost entirely in opulently furnished interiors and characterized by his artistic lighting and the sequence of close-ups. Using the story of the unfulfilled love of an artist to his adoptive son, the movie recreates the fin de siècle world and addresses themes such as the isolation of the artist in bourgeois society, homosexuality and the decline of aristocratic forms of life. "A film full of the thunder of emerging changes. The way the foundations of art at the turn of the century were affected by the incursion of sexuality. A stupefying film in regard to the complexity of its articulation." (Frieda Grafe)

 

In DU SKAL ÆRE DIN HUSTRU (Master of the House, DK 1925, March 14, on the piano: Eunice Martins & March 16), Dreyer stages the revolt of the women – wife, mother, nursemaid, and daughter – against a petit-bourgeois domestic tyrant. The humorous movie observing the difficult daily life of "simple" people in a two-room apartment became a huge popular success. Its enormous popularity in France paved the way for realizing LA PASSION DE JEANNE D'ARC.

 

The fabulous farce DER VAR ENGANG (One Upon a Time, DK 1922, March 18, on the piano: Eunice Martins & March 20) takes up elements from Hans Christian Andersen’s The Swineherd and Shakespeare's The Taming of the Shrew: The Prince of Denmark futilely courts the capricious Princess of Illyria. With the help of a copper kettle that is said to have magical powers, he abducts her to a forest cabin in Denmark, where she is forced to work and finally becomes suppliant. DER VAR ENGANG is especially remarkable for the elegant irony of the scenes at the royal court, which are reminiscent of Lubitsch, and the bright landscape shots. Merely two thirds of the film’s original length are still preserved. Stills and the preserved intertitles of the missing sequences supplement the fragment.

 

GLOMDALSBRUDEN (The Bride of Glomdal, N 1925, March 19, on the piano: Eunice Martins & March 22), which was made in Norway and is often regarded as a "secondary work", uses the form of a humorous folk tale to tell the fairy-tale-like love story of a poor peasant's son courting the rich neighbor's daughter. An unusually light-hearted movie, a bright and pleasant summer idyll with atmospheric outdoor shots and a happy end.

 

VAMPYR (F/D 1932, March 10, introduction: Volker Pantenburg & March 18) is a classic horror movie that to a large extent dispenses with the clichés of the genre. Through the lacking narrative continuity of space and time, Dreyer creates an atmosphere of uncertainty in his first sound movie. The film shot in a dilapidated factory and an empty castle in the environs of Paris gives the impression of a daydream; the images, perceived like though a gauze veil, are imbued by a ghostly white. "Horror is not a part of the things around us, but of our own subconscious mind." (Dreyer)

 

VREDENS DAG (Day of Wrath, DK 1943, March 13 & 24) is set in 1623 in a Danish village that is dominated by fear, superstition and religious gruesomeness. A young woman, whose mother is accused of witchery, is the second wife of an elderly priest. When his son from his first marriage returns after a long absence, he falls in love in his father's wife and starts a passionate relationship with her. Dreyer narrates his chronicle with strictly composed images full of dark power.

 

Fleeing from the German occupiers in Denmark, Dreyer shot the chamber play TVÅ MÄNNISKOR (Two People, March 19 & 25) in neutral Sweden in 1944/45. A scientist is accused of plagiarizing the dissertation of a colleague. The sudden death of the latter compounds the suspicion against him. Until his wife admits the murder. The film is set in only one location, an apartment, and fully concentrates on two persons isolated from the rest of the world. Dreyer, who was already dissatisfied by the casting of the leading roles, distanced himself from the film after being denied the final cut. All his life, Dreyer saw to it that TVÅ MÄNNISKOR could not be publicly screened.

 

ORDET (The Word, DK 1954, March 17 & 20): Dreyer's most successful sound movie is an adaptation of the eponymous drama by Kaj Munk from 1932 and is set in a village in West Jutland at the beginning of the 20th century. A peasant dies after a still birth. The deranged brother of her husband predicted her death and promised to bring her back to life. Dreyer staged his controversially discussed study on faith and love that can perform miracles in long sequence shots and to a large extent dispensed with close-ups. "Each image in ORDET possesses formal perfection that leads to the sublime." (François Truffaut)

 

The Swedish director Gustaf Molander had already filmed the same story in 1943. In his version of ORDET (March 21) distributed in Sweden, he was more concerned with the realistic level of the tale. The film is impressive not least due to the leading part played by Victor Sjöström.

The end of Dreyer's ORDET repeatedly inspired other directors to cinematic miracles. We will screen Carlos Reygadas' STELLET LICHT (MEX/F/NL/D 2007, March 23), a visually powerful story about a love triangle set in a Mennonite community in northern Mexico, as well as Lars von Trier's drama of faith and love, BREAKING THE WAVES (DK/S/F/N/Iceland 1996, March 26), in which a young couple is confronted with the paraplegia of the man after an accident.

 

Among the projects that Dreyer was not able to realize is the adaptation of Euripides' Medea. He did not succeed in winning Maria Callas for the leading role – she instead decided to participate in Pasolini's adaptation of the story in 1969. Lars von Trier staged MEDEA based on Dreyer’s original script for Danish television in 1988. With the "Dreyer actors" Baard Owe and Preben Lerdorff Rye as well as – in the first of seven further film collaborations – with Udo Kier as Jason (DK 1988, March 26 & 30).

 

Dreyers last movie, GERTRUD (DK 1964, March 27, introduction: Peter Nau & 31), playing in the 19th-century Danish bourgeoisie, portrays a woman whose ambition to place love above everything else cannot be fulfilled by any of the three men in her life. In line with bourgeois conventions, they merely offer her a role accompanying their professional ambitions, "a marriage in a threesome" (Dreyer). Gertrud chooses solitude. Contemporary critics vehemently rejected the film due to its alleged "un-cinematic" staging. The radical reduction in regard to aesthetic means, a very slow rhythm, statue-like shots of up to ten minutes, no close-ups, and the total lack of dramaturgy were deemed outdated. "Upon first sight, too old-fashioned, but when repeatedly viewed it bears cinema’s entire future." (Frieda Grafe)

 

Between 1942 and 1954 Dreyer realized eight state-commissioned short films on topics such as art, architecture, theater, health care, and road safety. MØDREHJÆLPEN (Good Mothers, DK 1942) is a report on a pregnant woman who rejects the father of her child and receives support from a state institution. VANDET PÅ LANDET (Water from the Land, DK 1946) deals with the problem of farmers to supply their land with clean water. LANDSBYKIRKEN (The Danish Village Church, DK 1947) tells a Danish church-building story, and KAMPEN MOD KRÆFTEN (The Struggle Against Cancer, DK 1947) is dedicated to the radium treatment of cancer patients. DE NÅEDE FÆRGEN (They Caught the Ferry, DK 1948), Dreyer's best-known short film, surprises the viewer with a breakneck motorcycle ride and a macabre ending that makes reference to VAMPYR. THORVALDSEN (DK 1949) is dedicated to the Danish sculptor of the same name. STORSTRØMSBROEN (The Storstrom Bridge, DK 1950) presents the then-longest bridge in Denmark, and ET SLOT I ET SLOT (The Castle Within the Castle, DK 1954) portrays the "Hamlet castle" Kronborg. (March 28)

 

An event kindly supported by the Danish Embassy. We also thank: Det Danske Filminstitut (DFI), Svenska Filminstitutet (SFI), Norsk Filminstitutt (NFI), DR-TV and Radio, as well as Lars von Trier.