Dorothee Wenners in Zusammenarbeit mit Erika und Ulrich Gregor im Rahmen von Living Archive entstandenes Projekt "Family Affairs" ist eine persönliche, fast private – und doch hoffentlich aufschlussreiche – Sammlung von Geschichten über einzelne Filme im Archiv des Arsenal, die irgendwann im Forum zu sehen waren, als Ankäufe, Schenkungen oder über andere Kanäle nach Berlin gelangten. Tatsächlich sind und waren es oft Zu- und Glücksfälle, geschmackliche Präferenzen, politische Überzeugungen einzelner Personen, (film)-historische Konstellationen, finanzielle Rahmenbedingungen oder geschickte Schachzüge, die den Weg einzelner Filme in das Archiv geebnet, ermöglicht haben. Zum 50. Geburtstag präsentieren wir die erste Serie dieser "netflicks" im Foyer des Arsenal sowie auf unserer Webseite.
Peter Liechtis Dokumentarfilm VATERS GARTEN - DIE LIEBE MEINER ELTERN ist sowohl beim Schweizer Dokumentarfilmfestival Visions du Réel in Nyon als auch beim Crossing Europe Filmfestival Linz ausgezeichnet worden. In Nyon erhielt der Film den mit 10.000 Schweizer Franken dotierten Spezialpreis der Jury – SSA/Suissimage für den innovativsten Schweizer Film aus allen Sektionen; in Linz wurde er mit dem Fedora Award for European Documentaries, vergeben von der Föderation der Filmkritiker aus Europa und dem Mittelmeerraum (Fedora), ausgezeichnet. Die FEDEORA Jury würdigte den Film als "ergreifende, humorvolle und ungeschminkte Darstellung eines älteren Paars aus dem Blickwinkel seines Sohnes. Auf einer Metaebene behandelt der Film auf tiefsinnige Weise das komplexe Konstrukt aus Familie, Liebe und Geschlecht, dem Älterwerden, der Kluft zwischen den Generationen und nicht zuletzt, was es bedeutet, SchweizerIn zu sein."
Ramon Zürchers Debütfilm DAS MERKWÜRDIGE KÄTZCHEN, der im diesjährigen Forum uraufgeführt wurde, ist für das ACID-Programm ausgewählt worden. In diesem Rahmen wird der Film zunächst bei den Filmfestspielen in Cannes und danach auf zahlreichen weiteren internationalen Filmfestivals gezeigt. Jedes Jahr präsentiert die französische Association du Cinéma Indépendant pur sa Diffusion (ACID) eine Auswahl von neun Filmen auf dem Filmfestival von Cannes. Ziel ist es, die Arbeiten unabhängiger Filmemacher zu unterstützen und ihnen zu einer größeren Öffentlichkeit und Festivalauswertung zu verhelfen. Anschließend werden die Filme auf einer Reihe internationaler Festivals präsentiert. Zusätzlich wird ein französischer Verleih vermittelt.
Nontawat Numbenchapols Film FAHTUM PANDINSOONG (BOUNDARY) ist von den Behörden in Thailand verboten worden. Als Begründung hieß es, der Film gefährde die nationale Sicherheit und die internationalen Beziehungen.
Der Film, der im diesjährigen Forum uraufgeführt worden war, zeichnet ein vielschichtiges Bild unterschiedlicher Wahrnehmungen der politischen Konflikte im heutigen Thailand und des Grenzkonflikts mit Kambodscha.
Im April bringt arsenal distribution BESTIAIRE aus dem Programm des Forums 2012 in ausgewählte Kinos. Bereits am 18. April ist der Film im Rahmen der Werkschau "No Comfort Zone – Die Filme von Denis Côté" im Kino Arsenal zu sehen. Zum Kinostart am 25. April wird neben dem Regisseur auch Kameramann Vincent Biron im Berliner fsk Kino anwesend sein. Das anschließende Gespräch wird von Christoph Terhechte moderiert. BESTIAIRE zeigt drei Umgebungen, in denen sich Mensch und Tier begegnen: einen Zeichenkurs, einen Safaripark, die Werkstatt eines Tierpräparators. Im Mittelpunkt der Beobachtung stehen Blick- und Wahrnehmungsverhältnisse, die gleichzeitig oft ungleiche Machtverhältnisse spiegeln. Dabei scheint der Film die Frage mitzudenken, wie man Tiere filmen kann. Vom technisch hochgerüsteten zeitgenössischen Tierfilm, dessen allmächtige Kameras zu Wasser, zu Lande und in den Lüften jede Grenze überwinden und kein Geheimnis der Schöpfung mehr kennen, ist er dabei weit entfernt. Eine kommentarlose nüchterne Betrachtung – die Kamera ist oft unbewegt und beobachtet von einem festen Punkt aus mit feinem Gespür für Formen und Bewegung: Hörner vor einer Betonwand, die Beine nervöser Zebras in der Enge des Stalls, die Sorgfalt in den kundigen Handgriffen des Tierpräparators. Wohlüberlegte Einstellungen lassen Zeit zum Nachdenken über Schönheit und Fremdheit, über die domestizierte Wildnis in der Zivilisation. Orchestriert von den Umgebungsgeräuschen ergibt das eine Choreografie, ein filmisches Bestiarium, in dem sich zu den stoischen, ungerührten, ungeduldigen, wilden und rebellischen Tieren auch der Mensch gesellt.
Beim 15. Internationalen Festival des unabhängigen Films BAFICI in Buenos Aires sind LA PAZ, VIOLA, I USED TO BE DARKER und MATERIA OSCURA mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden. Santiago Lozas LA PAZ erhielt den Hauptpreis des nationalen Wettbewerbs sowie den Preis der Asociación de Cronistas Cinematográficos Argentinos (ACCA). VIOLA von Matías Piñeiro wurde mit dem FIPRESCI Preis sowie dem Preis für Beste Darstellerin ausgezeichnet, der gemeinsam an die vier Hauptdarstellerinnen María Villar, Agustina Muñoz, Elisa Carricajo und Romina Paula ging. I USED TO BE DARKER von Matt Porterfield erhielt den Preis für die beste Regie und MATERIA OSCURA von Massimo D’Anolfi und Martina Parenti den Preis der Human Rights Competition.
Ramon Zürchers DAS MERKWÜRDIGE KÄTZCHEN hat den mit 15.000 Euro dotierten New Talent Grand PIX des Kopenhagener Filmfestivals CPH:PIX erhalten.
In der Begründung der Jury hieß es: "We spend an hour and a half in a stranger's kitchen, a location we all know. It shows the mystery of the mundane, everyday life through the magnifying glass of cinema. A film so specific it becomes universal". Der Film war im diesjährigen Forum uraufgeführt worden.
Beim 13. Festival des mittel- und osteuropäischen Films "goEast" in Wiesbaden ist IN BLOOM von Nana Ekvtimishvili und Simon Groß mit dem ŠKODA-Filmpreis, dem Hauptpreis des Festivals, ausgezeichnet worden. CIRCLES von Sudan Golubović erhielt den Preis für die Beste Regie der Landeshauptstadt Wiesbaden. Beide Filme waren im Programm des diesjährigen Forums zu sehen.
IN BLOOM erzählt eine Geschichte aus Tbilissi im Jahre 1992. Die Sowjetzeit ist vorüber, Georgien ist auf sich selbst gestellt, in der Provinz Abchasien herrscht Bürgerkrieg. Für Natia und Eka, die erst 14-jährigen Heldinnen des Films, geht die Kindheit zu Ende. Eka wächst ohne ihren Vater auf, sie rebelliert gegen die besorgte Mutter und die ältere Schwester. Bei Natia terrorisiert der cholerische, trunksüchtige Vater die Familie. Frieden finden die beiden Freundinnen aber auch draußen nicht, in der Schule, auf der Straße, in der Schlange vor der Brotausgabe. Chaos, Unsicherheit, Zukunftsangst regieren den Alltag. Ein Verehrer schenkt Natia eine Pistole mit einem einzigen Schuss Munition. Wenig später wird Natia von einem anderen Verehrer entführt.
Virtuos nimmt der erste Spielfilm von Nana Ekvtimishvili und Simon Groß die verschütteten Traditionen des georgischen Kinos wieder auf, verwebt Laut und Leise, Melancholie und Lieblosigkeit, Gewaltausbrüche und Idylle, frühreife Kaltblütigkeit und kindliche Naivität zu einer wunderbar rhythmischen, aufregenden filmischen Komposition. In Georgien ist eine neue Generation von Filmemachern erwacht, und sie beginnt damit, sich der eigenen Geschichte zu erinnern.
Bei der 10. Hamburger Dokfilmwoche ist JAURÈS von Vincent Dieutre mit dem Klaus-Wildenhahn-Preis ausgezeichnet worden. Zum fünften Mal wurde damit im Rahmen der DOKFILMWOCHE HH ein Film ausgezeichnet, der die Auseinandersetzung mit einem politischen Inhalt nutzt, um die ästhetischen und formalen Mittel des Dokumentarischen neu zu hinterfragen. Gemeinsam mit einer Freundin kommentiert Dieutre in JAURÈS Filmaufnahmen aus der Umgebung eines Pariser Kanals, dessen Ufer von jungen Männern aus Afghanistan heimlich bewohnt wird. Gefilmt wurden die Bilder aus der Wohnung eines ehemaligen Geliebten des Filmemachers. In der Begründung der Jury heißt es: "Erzählt wird eine lineare Geschichte in der Gleichzeitigkeit verschiedener Zeiten und Menschen – und wirft dabei Fragen auf: Sehen wir, wie der gesellschaftliche Trend zur Individualisierung eine Entpolitisierung zur Folge hat? Sehen wir eine Parabel über das hegemoniale alte Europa?"
JAURÈS war im Forum 2012 uraufgeführt worden.
Am 22. März stellt der Leiter des Forums Christoph Terhechte DAY IS DONE von Thomas Imbach bei UnionDocs in Brooklyn/New York vor. DAY IS DONE wurde im Forum 2011 uraufgeführt und in das Verleihprogramm des Arsenal übernommen. Zuvor waren im Forum bereits Imbachs Filme LENZ und I WAS A SWISS BANKER gezeigt worden. 2007 würdigte das Arsenal den Schweizer Filmemacher mit einer Werkschau.
DAY IS DONE ist eine fiktive Autobiografie des Regisseurs. "Zuerst der qualmende Schlot, mit dem Teleobjektiv in nächste Nähe gerückt. Dann die Züge, die Wolken und die Vogelschwärme, das Stadtpanorama im Weitwinkel. Flugzeuge. Zeitraffer, Zeitlupe. Später schwarze Regenwolken, Sonne, Schnee, Mondschein. Die Straße vor dem Haus: Lagerhallen, vor denen Schrott sortiert wird, Wein geliefert, eine Party gefeiert. Brennende Autos, ein schwerer Motorradunfall. Eine junge Frau, die tagein tagaus ihre Post abholt und die NZZ. Von links durchquert sie das Bild, von rechts kehrt sie zurück. Den Beobachter scheint sie nicht zu bemerken über all die Jahre, die er mit seiner Kamera am Fenster steht und das Leben aufzeichnet, das sich vor seinem Atelier ausbreitet. Wie die Zeit vergeht, das stellt der Zuschauer zuerst an den Nachrichten auf dem Anrufbeantworter des Filmemachers fest. Anfangs wirken sie ein wenig komisch, die Anrufe glücklicher oder enttäuschter Freundinnen, die Urlaubsgrüße und Glückwünsche. Da sind sie noch aus dem Zusammenhang gerissen, der sich alsbald herstellt. Dann auf einmal kommt jeder Nachricht eine historische Bedeutung zu. Krankheit, Tod, Schwangerschaft, Geburt, Trennung, Erfolge, Misserfolge. Ein Schock, als man schließlich feststellt, dass man sich mitten in einem Leben befindet, dramatischer als jede Fiktion." (Christoph Terhechte)
Wie jedes Jahr wiederholt das Arsenal kommende Woche einige Filme aus dem Programm des Forums: Al-KHOROUG LEL-NAHAR (COMING FORTH BY DAY) von Hala Lotfy, LE COUSIN JULES von Dominique Benicheti, A SINGLE SHOT von David M. Rosenthal, VATERS GARTEN - DIE LIEBE MEINER ELTERN von Peter Liechti, I USED TO BE DARKER von Matt Porterfield, COMPUTER CHESS von Andrew Bujalski und GRZELI NATELI DGEEBI (IN BLOOM) von Nana Ekvtimishvili und Simon Groß. Auch Shirley Clarkes PORTRAIT OF JASON ist Ende des Monats noch mal zu sehen. Der Film wurde von Milestone Films restauriert und verbleibt, ebenso wie die beiden im letztjährigen Forum gezeigten Shirley-Clarke-Filme "The Connection" und "Ornette: Made in America", bei arsenal distribution.
Die unabhängigen Jurys der Berlinale vergaben Preise an vier Filme aus dem Programm des Forums. Der Internationale Verband der Filmkunsttheater, die Conféderation Internationale des Cinémas D'Art et Essai (C.I.C.A.E.), prämierte den georgischen Beitrag GRZELI NATELI DGEEBI (IN BLOOM) von Nana Ekvtimishvili und Simon Groß. KRUGOVI (CIRCLES) von Srdan Golubovic erhielt den mit 2.500 Euro dotierten Preis der Ökumenischen Jury, die auch eine lobende Erwähnung für SENZO NI NARU (ROOTS) von Kaoru Ikeya aussprach. Der 23. NETPAC-Preis (Network for the Promotion of Asian Cinema) ging an den palästinensischen Film LAMMA SHOFTAK (WHEN I SAW YOU) von Annemarie Jacir, und der Preis der Tagesspiegel Leserjury geht an Peter Liechtis VATERS GARTEN - DIE LIEBE MEINER ELTERN.
HÉLIO OITICICA von Cesar Oiticia Filho erhält sowohl den Caligari- als auch den FIPRESCI-Preis. Der von den Kommunalen Kinos und dem FILM-DIENST gestiftete Caligari-Preis ist mit 4.000 Euro dotiert. Der Preisträger erhält 2000 Euro, die andere Hälfte des Betrages wird für Werbemaßnahmen verwendet, um weitere Kinoaufführungen in Deutschland zu begleiten. Seit 2001 stiftet das Modelalbel Trikoton zusätzlicht eine Decke aus ihrer "Voice Knitting Collection", in die Partitur-Auszüge der Komposition Guiseppe Becces zu dem expressionistischen Stummfilm "Das Cabinet des Dr. Caligari" eingestrickt sind.
Die 63. Internationalen Filmfestspiele Berlin widmen dem französischen Regisseur und Produzenten Claude Lanzmann eine Hommage und verleihen ihm den Goldenen Ehrenbären für sein Lebenswerk. Die deutsche Premiere von SHOAH, Lanzmanns neuneinhalbstündigem Dokumentarfilm, der als epochales Meisterwerk der Erinnerungskultur in die Filmgeschichte eingegangen ist, fand 1986 im Forum statt, das sich von Beginn an der der filmischen Aufarbeitung des Holocaust verschrieben hatte. Am heutigen Mittwoch findet ein Gespräch zwischen Claude Lanzmann und dem Gründer und damaligen Leiter des Forums Ulrich Gergor statt. Claude Lanzmann, 1925 als Sohn jüdischer Eltern in Paris geboren, kämpfte in der Résistance, studierte in Frankreich und Deutschland Philosophie und hatte 1948/49 eine Dozentur an der neugegründeten Freien Universität Berlin inne. Er war einer der aktiven Unterstützer der algerischen Unabhängigkeitsbewegung Anfang der 60er Jahre. Seine Auseinandersetzung mit der Shoah, dem Antisemitismus und den politischen Freiheitskämpfen durchziehen sein filmisches wie journalistisches Schaffen. 1972 entstand seine erste filmische Arbeit, die Dokumentation POURQUOI ISRAEL (WARUM ISRAEL), in der er die Notwendigkeit der Staatsgründung Israels aus jüdischer Perspektive darstellt. In dem Film TSAHAL, der 1995 im Forum lief, porträtiert er Frauen und Männer, die in der israelischen Armee dienen. SOBIBOR, 14 OCTOBRE 1943, 16 HEURES (SOBIBOR, 14. OKTOBER 1943, 16 UHR) über den Aufstand im Vernichtungslager Sobibor in Polen wurde 2002 ebenfalls im Forum vorgestellt.
Ein Schwerpunkt des diesjährigen Programms von Forum Expanded liegt auf dem Werk des 1980 verstorbenen brasilianischen Künstlers Hélio Oiticica. Oiticica gilt als einer der berühmtesten Künstler Brasiliens und ist vor allem für seine interaktiven Objekte und partizipativen Installationen und Environments bekannt, die er in den 1960er Jahren produzierte. Zwei seiner Installationen aus der Serie BLOCK-EXPERIMENTS IN COSMOCOCA – PROGRAMA IN PROGRESS sind im Hamburger Bahnhof und im Liquidrom zu sehen, letztere einmalig heute Abend, wobei das Publikum eingeladen ist, im wahrsten Sinne des Wortes baden zu gehen, um die Bild- und Tonsequenz vom Pool aus zu erleben. In der heutigen Paneldiskussion im Kunstgewerbemuseum zeigt Max Jorge Hinderer Cruz eine Auswahl bisher unveröffentlichter Super 8-Fragmente Oiticicas, die auch Filmmaterial von Neville D'Almeida und Thomas Valentin beinhalten. Die Präsentation steht im Dialog mit einer Erörterung der Kunsthitorikerin Sabeth Buchmann zu Oiticicas Konzept des Quasi-Cinema, das auch die BLOCK-EXPERIMENTS IN COSMOCOCA – PROGRAMA IN PROGRESS umfasst.
Eine Panel-Diskussion im Rahmen des Talent Campus widmet sich am heutigen Dienstag den derzeitigen Bedingungen des Filmemachens in den sogenannten Krisenländern Spanien, Portugal und Griechenland. Eingeladen sind die RegisseurInnen Elina Psykou (THE ETERNAL RETURN OF ANTONIS PARASKEVAS), Salomé Lamas (TERRA DE NINGUÉM) und Thanos Anastopoulos (I KÓRI), deren Filme im Programm des Forum laufen.
Auch in diesem Jahr begibt sich die Berlinale in verschiedene Programmkinos der Stadt. Das Forum zeigt am 11.2. um 21:30 Uhr HALBSCHATTEN in den Tilsiter Lichtspielen. Das anschließende Filmgespräch mit Regisseur Nicolas Wackerbarth übernimmt Benjamin Heisenberg, selbst Regisseur ("Der Räuber", "Schläfer") und Mitherausgeber der Zeitschrift Revolver. Am 13.2. sind Matt Porterfields I USED TO BE DARKER und THE WEIGHT OF ELEPHANTS von Daniel Joseph Borman im Kreuzberger fsk Kino zu sehen (18:30 und 21:30 Uhr). Kinopate und Moderator der Filmgespräche ist der Berliner Regisseur Ulrich Köhler ("Montag kommen die Fenster (Forum 2007) und "Schlafkrankheit").
Ein Special Screening ganz besonderer Art ist die Aufführung des ältesten erhaltenen koreanischen Stummfilms CHEONGCHUN-EUI SIPJARO (CROSSROADS OF YOUTH) von Ahn Jong-hwa am Sonntag, 10. Februar im Delphi: Das Ende der japanischen Besatzung, die Teilung des Landes und der verheerende Krieg zwischen Nord und Süd haben das filmgeschichtliche Andenken Koreas ebenso zerstört wie der sorglose Umgang in der Nachkriegszeit. Geblieben ist jedoch die Erinnerung an die Kunst der Inszenierung, an die "pyeonsa" genannten Filmerzähler, die Musik und die Kostüme, die in den 1930er Jahren zu einer Stummfilmaufführung gehörten. Davon angeregt hat der Regisseur Kim Tae-yong (mit "Late Autumn" im Forum 2010) zur Wiederentdeckung dieses filmischen Kleinods eine modernisierte Bühnenshow mit mit Orchester, Erzähler und Sängern inszeniert.
Anlässlich der internationalen Premiere von Matt Porterfields I USED TO BE DARKER spielen die Protagonisten Kim Taylor und Ned Oldham - im Film wie in Realität Musiker und bekannte Größen der Indie-Musikszene (Ned ist der Bruder von Will Oldham, bekannt u.a. als Bonnie 'Prince' Billy) - am Samstag, 9. Februar ein Konzert im Ackerstadtpalast.
Im Rahmen der 63. Internationalen Filmfestspiele wird Isabella Rossellini am Samstag, 9. Februar im Delphi Filmpalast mit einer Berlinale Kamera geehrt. Im Anschluss findet die Uraufführung ihrer Kurzfilmreihe MAMMAS statt.
Isabella Rossellini gehört zu den renommiertesten Darstellerinnen des internationalen Kinos. Sie spielte u.a. in Filmen von Paolo und Vittorio Taviani, Norman Mailer, Robert Zemeckis, Joel Schumacher, John Schlesinger, Peter Greenaway u.v.m. International bekannt wurde sie vor allem durch ihre Rollen in David Lynchs Filmen "Blue Velvet" (1986) und "Wild at Heart" (1990). In den vergangenen Jahren hat sie sich zudem als Produzentin und Regisseurin profiliert. 2011 war sie Präsidentin der Internationalen Jury der Berlinale, zuvor war sie bereits viele Male zu Gast beim Festival, u.a. 2007 als Kinoerzählerin in Guy Maddins BRAND UPON THE BRAIN! im Forum sowie mit ihrer Kurzfilmreihe GREEN PORNO im Forum Expanded 2008, deren Fortsetzung MAMMAS ist.
Auch in diesem Jahr gibt es im Rahmen von Forum und Forum Expanded eine Reihe von Veranstaltungen, die im Zusammenhang mit dem Living Archive Projekt stehen. Den Auftakt des diesjährigen Forum-Expanded-Programms bildet am 8. Februar eine Diskussionsveranstaltung mit Performances und Filmen aus dem Arsenal-Archiv, darunter die digitalisierte Fassung von POR PRIMERA VEZ (Octavio Cortázar, Kuba 1967). Als Forum Special präsentiert Living Archive-Teilnehmerin Nicole Wolf die restaurierte Fassung eines Films aus dem Forumprogramm von 1988: KYA HUA IS SHAHAR KO? (WHAT HAPPENED TO THIS CITY?) von Deepa Dhanraj (Indien 1986). Am 10. und 11.2. finden zwei weitere Panels mit den Living Archive-TeilnehmerInnen Filipa César, Marcel Schwierin, Ala Younis und Florian Zeyfang statt.
Mit der Eröffnung der Ausstellung "Waves vs. Particles" im Silent Green Kulturquartier (ehemaliges Krematorium Wedding) beginnt am 6. Februar das 8. Forum Expanded. Vom 7. bis zum 17. Februar ist die Ausstellung täglich von 11 bis 19 Uhr zugänglich. Am 7. Februar und am 17. Februar gibt es jeweils die Gelegenheit, die ausstellenden KünstlerInnen zu treffen (15-16 Uhr/17-18 Uhr). Eine weitere Ausstellung mit Arbeiten von Marie-Hélène Cousineau im Marshall McLuhan Salon der Botschaft von Kanada wird am 7. Februar um 17 Uhr eröffnet. Weitere Installationen von Basma Alsharif und Lucien Castaing-Taylor/Véréna Paravel gibt es ab dem 8. Februar im Filmhaus zu sehen; eine Ausstellung mit Arbeiten von Hélio Oiticica im Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart läuft vom 6. bis einschließlich 24. Februar.
Mit einer Veranstaltung am 3. Februar möchten wir an Gerhard Scheonberner erinnern, der am 10. Dezember 2012 unvermutet verstarb. Gerhard Scheonberner war bis in die 90er Jahre hinein Mitglied im Auswahlkomitee des Forums und bis 2003 Vorstandsmitglied der damaligen "Freunde der Deutschen Kinemathek", heute Arsenal – Institut für Film und Videokunst und gehört zu den Pionieren der öffentlichen Auseinandersetzung mit den Verbrechen während des Nationalsozialismus. Er hatte zahlreiche Funktionen inne: Er war Leiter des Deutschen Kulturzentrums in Tel Aviv, Jurymitglied verschiedener Auswahlkommissionen der Bundesfilmförderung, Juryvorsitzender des "Kuratoriums Junger Deutscher Film", viele Jahre lang Vizepräsident des Westdeutschen P.E.N.-Zentrums, Mitinitiator und wissenschaftlicher Berater der Gedenkstätte "Topographie des Terrors", Gründungsdirektor der Gedenkstätte "Haus der Wannsee-Konferenz" in Berlin. Schoenberner ist außerdem Autor zahlreicher Bücher, Dokumentationen, Ausstellungen und Filme. Sein bekanntestes Werk ist der 1960 zuerst erschienene, in mehreren Übersetzungen veröffentlichte Dokumentationsband "Der Gelbe Stern. Die Judenverfolgung in Europa 1933-1945". Bis zu seinem Tode arbeitete er an einer erweiterten Neuauflage von "Der Gelbe Stern". 2011 veröffentlichte er einen Band mit Prosagedichten unter dem Titel "Fazit".
Ab sofort ist das komplette Programm von Forum und Forum Expanded online. Viel Spaß beim Stöbern!
Die diesjährige Gruppenausstellung von Forum Expanded, "Waves vs. Particles", findet an einem neuen, ungewöhnlichen Ort statt: im silent green kulturquartier, dem ehemaligen Krematorium Wedding. Ein ruhiger Raum, der die Wahrnehmung fokussiert und zu Projektionen im doppelten Sinne einlädt. Weitere Ausstellungen und Installationen gibt es im Marshall McLuhan Salon der Botschaft von Kanada, in der Blackbox des Arsenal, im Hamburger Bahnhof - Museum für Gegenwart sowie im Liquidrom.
Darüberhinaus gibt es im HAU Hebbel am Ufer, im Kunstgewerbemuseum und im Arsenal täglich Gelegenheit zum Gespräch über neue Formen filmischer Wissensproduktion und Wahrnehmungsweisen. In einer Zeit, die durch Instabilität geprägt ist, hat sich zwischen Kino und Kunst etwas verselbstständigt, was noch immer namenlos ist. So präsentiert auch das 8. Forum Expanded Arbeiten, die überraschen, weil sie überzeugen, ohne sich zuordnen zu lassen. Das Abschlusspanel widmet sich in Zusammenarbeit mit der Medienboard Berlin-Brandenburg der Frage, wie jene offenen Formen unterstützt und gefördert werden können.
Auch in diesem Jahr wird das Programm um filmhistorische Wiederentdeckungen ergänzt, darunter der älteste erhaltene koreanische Stummfilm CHEONGCHUN-EUI SIPJARO, der im Delphi mit Kinoerzähler, Sängern und Orchester aufgeführt wird, sowie eine Reihe von Filmen des japanischen Regisseurs Keisuke Kinoshita.
Von gesellschaftlichen Umbrüchen und Zeiten des Übergangs und Wandels handeln zahlreiche Beiträge zum Forumsprogramm 2013. Versuche der Vergewisserung und Neuorientierung bestimmen dabei nicht nur die Inhalte der Filme, sondern gerade auch ihre formalen Ansätze. Besonders stark zeigt sich das europäische Kino in Ost und West.
Mit FOR ELLEN und HIVER NOMADE starten diese Woche gleich zwei Filme aus dem Programm des letztjährigen Forums in den Kinos. FOR ELLEN, der dritte Film von So Yong Kim nach IN BETWEEN DAYS und TREELESS MOUNTAIN erzählt von einem pflichtvergessenen Rockmusiker, der nach langer Abwesenheit verzweifelt versucht, eine Beziehung zu seiner Tochter aufzubauen. Manuel von Stürlers Debütfilm HIVER NOMADE, der gerade mit dem europäischen Dokumentarfilmpreis ausgezeichnet wurde, begleitet den beschwerlichen Alltag zweier Schweizer Schafhirten während der Wintermonate.
Ab dem 17. Januar bringt arsenal distribution Rainer Kirbergs DAS SCHLAFENDE MÄDCHEN in die Kinos, der im Programm von Forum Expanded 2011 uraufgeführt worden war. Vom 17. bis 23.1. zeigen wir den Film täglich im Kino Arsenal. Wir freuen uns, zur Kinopremiere am 17.1. den Regisseur und weitere Mitglieder des Filmteams begrüßen zu können. Zusätzlich zeigen wir an diesem Tag Kirbergs Kultfilm DIE LETZTE RACHE (BRD 1982). Die außergewöhnliche Mischung aus expressionistischem Figurendrama, Comic, Film noir und Pop-Musical macht das Spielfilm-Debüt bis heute zu einem stilistisch einzigartigen Werk des deutschen Films.
Bereits zum achten Mal präsentiert Forum Expanded Filmprogramme, Ausstellungen und Diskussionsveranstaltungen im Rahmen der Berlinale. Als flexible Plattform für künstlerische Arbeiten gehört es zum Selbstverständnis von Forum Expanded, in jedem Jahr neue Wege zu beschreiten und neue Räume zu erschließen. Inzwischen hat der noch immer namenlose Bereich zwischen Kino und Kunst Eigenständigkeit erfahren, ohne dabei an Offenheit einzubüßen. Das Programm schöpft seine Kraft und Kreativität aus dem Spagat zwischen der nervösen Energie des festivaltypischen Premierenmoments und der konzentrierten Diskussion mit den Künstlern und dem Publikum der Berlinale.
HIVER NOMADE von Manuel von Stürler ist mit dem Europäischen Dokumentarfilmpreis ausgezeichnet worden. Der Film, der im diesjährigen Forum uraufgeführt worden war, war neben "London: The Modern Babylon" von Julien Temple und dem belgischen Film "Le Thé ou l' Electricité" von Jérôme Le Maire nominiert. Die Auszeichnungen werden von den 2700 Mitgliedern der European Film Academy vergeben.
Mit TEPENIN ARDI (BEYOND THE HILL) bringt arsenal distribution ab dem 15.11. einen weiteren Film aus dem Programm des diesjährigen Forums in die Kinos. "Ein Western aus der Türkei von heute!" Mit dieser Begründung vergab die Caligari Filmpreis-Jury in diesem Jahr den Preis an Emin Alpers Spielfilmdebüt. Zusätzlich zum Kinostart tourt der Film vom 16.-19.11. in Anwesenheit des Regisseurs durch ausgewählte Kinos.
Ab dem 11. Oktober bringt arsenal distribution Calle Overwegs BEZIEHUNGSWEISEN, der im diesjährigen Forum uraufgeführt wurde, in die Kinos. Ein Film über Liebes-Beziehungs-Arbeit in progress. Die Versuchsanordnung: Im nüchternen Ambiente eines Studios finden Therapiesitzungen statt. Die verhandelten Probleme sind gängige. Die Klienten werden von Schauspielern dargestellt, die Therapeuten sind tatsächlich in diesem Beruf tätig und nicht inszeniert. Hinzu kommen in der Tradition des epischen Theaters gestaltete Szenen aus dem Alltag der Paare, die mit minimalem Dekor auskommen, sowie Werkstattgespräche, in denen die Therapeuten dem Filmteam aus ihrer Praxis berichten. Dokumentarische Elemente und improvisiertes Schauspiel gehen eine ungewöhnliche Verbindung ein und ergeben eine Spiel-Art des Dokumentarischen, die mit Abstraktion und Fiktion arbeitet und sich um Authentizität nicht schert. In der offensichtlichen Laborsituation und ihrer Künstlichkeit entstehen berührende Momente voller Emotion.
In seinem im Forum 2012 uraufgeführten Film REVISION rollt Regisseur Philip Scheffner einen 20 Jahre zurückliegenden Fall auf: den Tod zweier rumänischer Staatsbürger in einem Feld nahe der deutsch-polnischen Grenze. Was damals schnell als Jagdunfall abgetan wurde, weist in der dokumentarischen "Revision" zahlreiche Widersprüche und Leerstellen auf, wie sie in den Interviews mit Zeugen, Sachverständigen und nicht zuletzt den Familien der Getöteten zur Sprache kommen. Am 11. Oktober diskutieren im Anschluss an die Vorführung im Arsenal Philip Scheffner, Eduard George Caldararu (Amaro Foro e.V.) und Helmut Dietrich (Forschungsgesellschaft Flucht & Migration) unter der Moderation von Grit Lemke (Kuratorin und Autorin) über den Film und seine gesellschaftspolitischen Hintergründe.
Mit DE ENGEL VAN DOEL bringt arsenal distribution am 20. September einen weiteren Film aus dem Forum 2011 in die Kinos.
Tom Fassaerts Dokumentarfilm erzählt von dem Dörfchen Doel, das dem Untergang geweiht ist, weil es dem expandierenden Hafen von Antwerpen im Weg ist, und seiner letzten Bewohnerin Emilienne. Ein Abrissbeschluss steht – die Vergangenheit muss der Zukunft weichen. Emilienne, eine rüstige Dame, sieht das anders. Sie will nicht umziehen, viel zu wohl fühlt sie sich in ihrem Haus mit wildem Garten. Aber die Arbeiten schreiten voran, und Doel wirkt schon jetzt wie ausgestorben. Nur die ältesten Bewohner, darunter Emiliennes Freundin Colette und der betagte Dorfpfarrer, bilden eine ausharrende Schicksalsgemeinschaft. Als der Pfarrer stirbt und Colette aufzugeben scheint, bleibt Emilienne allein zurück. DE ENGEL VAN DOEL erzählt nicht nur von den Opfern des Fortschrittsglaubens, sondern zeigt mit Emilienne eine aktive und mit allen Wassern gewaschene Vertreterin der jüngst aufflackernden Protestkultur. Hoffnungslos und absurd, brisant wie zeitgemäß wirkt der Kampf um die letzten Häuser Doels. Das Schwarzweiß-Format unterstützt die unwirtliche Stimmung, und der Kamera gelingen eindringliche Momentaufnahmen: wenn sich ein gigantisches Frachtschiff am Rande von Doel lautlos durch den Nebel schiebt oder die Blümchentapete in einem Abrisshaus zur Kulisse einer improvisierten Bandprobe wird, während Emilienne, letzter Engel von Doel, weiterhin beharrlich ihre Hühner füttert.
"Revision" von Philip Scheffner, der im diesjährigen Forum uraufgeführt und in der Folge bereits mit mehreren Preisen ausgezeichnet wurde, startet ab dem 13. September bundesweit in ausgewählten Kinos. Die Kinopremiere am 12. September in den Hackeschen Höfen in Berlin sowie einige Vorführungen in weiteren Städten finden in Anwesenheit des Regisseurs oder anderer Teammitglieder statt.
1992 werden zwei Menschen auf einem Feld nahe der deutsch-polnischen Grenze erschossen. Die Umstände, die zum Tod von Grigore Velcu und Eudache Calderar führten, wurden bis heute nicht aufgeklärt. Offiziell handelte es sich um einen Jagdunfall, eine tragische Verwechslung mit Wildschweinen. Zu einer Verurteilung der Jäger kam es nie, der sich über Jahre schleppende Prozess, in dem entscheidende Fragen nicht verfolgt wurden, endete mit einem Freispruch. Knapp 20 Jahre später führt Philip Scheffner die gründliche Ermittlung durch, die damals nicht stattfand. Er sucht die Angehörigen der Getöteten in Rumänien auf und lässt sie die Aussagen machen, die nie gehört wurden. Wie allen anderen Zeugen und Sachkundigen, die er erneut befragt, gibt er ihnen die Möglichkeit, ihre Statements anzuhören und zu überdenken – anders als die gängige Praxis, die einmal gemachte Aussagen zum Fakt erhebt. So unterwirft Scheffner nicht nur den Fall einer filmischen Revision, sondern auch das eigene Medium. Mit sorgsamer Handhabe von Material und Zeugnissen und zunehmend beklemmender Dichte webt er ein Netz aus Landschaft, Erinnerung, Akten und "deutschen Zuständen".
Vom 8. bis 15. August zeigen die Berliner Kinos fsk und Eiszeit eine Reihe mit insgesamt 16 aktuellen Dokumentarfilmen, darunter fünf aus dem Programm des dies- sowie letztjährigen Forums: DIE LAGE von Thomas Heise; JAURÈS von Vincent Dieutre, der Teil eines thematischen Schwerpunkts zum Thema Migration ist, Denis Côtés BESTIAIRE und HIVER NOMADE von Manuel von Stürler, als zwei von mehreren tierlastigen Filmen, sowie DE ENGEL VAN DOEL von Tom Fassaert aus dem Programm des Forums 2011.
Mit KAREN LLORA EN UN BUS (KAREN CRIES ON THE BUS von Gabriel Rojas Vera bringt arsenal distribution ab dem 26. Juli einen weiteren Film aus dem Programm des Forum 2011 in die Kinos. Der Film erzählt mit großer Sympathie für seine Figuren eine kleine Geschichte, die große Fragen berührt. Nach zehn Jahren Ehe verlässt Karen ihren Mann. Eigentlich, so wird sie ihm später sagen, haben sie nie zueinander gepasst. Sie will ihr Leben neu gestalten, herausfinden, wer sie ist oder noch sein könnte. Mehr noch als emotionale, wirft dieser Schritt erstmal lebenspraktische Fragen auf, denn Karen hat keinen Job, keine Freunde, kaum Geld. Sie schlägt sich durch und lernt in der Absteige, in der sie gelandet ist, Patricia, eine Friseurin, kennen. An der Seite der jüngeren und auf den ersten Blick stärkeren Freundin macht Karen ihre ersten Schritte in die Unabhängigkeit und lernt Eduardo, einen Schriftsteller, kennen. Eine Frau auf dem Weg zu sich selbst. Welche Sehnsucht treibt sie? Wann ist man eigentlich bei sich selbst? Wie leicht ist es, das, was andere erwarten, mit dem zu verwechseln, was man selbst will? Wie viel Alleinsein hält man aus, wann hört man auf, Kompromisse zu machen für eine herkömmliche Vorstellung von Sicherheit und Stabilität? Gabriel Rojas Vera richtet in seiner Beschreibung der kleinen Schritte, die Karen macht, seinen Blick mehr auf das Innere seiner Figur als auf das äußere Drama. Der Film läuft ab dem 26.7. zunächst täglich im Berliner Kino fsk.
EVERYBODY IN OUR FAMILY (TOATĂ LUMEA DIN FAMILIA NOASTRĂ) von Radu Jude hat beim Sarajevo Film Festival den mit 16.000 Euro dotierten Preis für den besten Film erhalten. BEYOND THE HILL (TEPENIN ARDI) von Emin Alper wurde mit dem Special Jury Award ausgezeichnet, der mit 10.000 Euro dotiert ist. Beide Filme waren im Programm des diesjährigen Forums uraufgeführt worden.
Mit OS RESIDENTES von Tiago Mata Machada bringt arsenal distribution ab dem 12. Juli einen Film aus dem Programm des Forums 2011 in die Kinos: Angetreten um einer Welt, der die Utopien und die Poesie abhandengekommen sind, den Kampf anzusagen, haben die Bewohner eines Abrisshauses eine temporäre autonome Zone errichtet. Eine Art situationistische Stadtguerilla der Gegenwart, verbringen sie ihre Tage damit, auf materieller wie immaterieller Ebene Unruhe zu stiften. Es wird rezitiert und deklariert, diskutiert, performed und getröstet. Eine Frau wird gekidnappt, pantomimisch der Nahkampf geübt, Schamhaare zu Schnurrbärten umarrangiert. Viele der lustvoll-sinnlosen Aktionen der Bewohner drehen sich im Kreis; hierin ist bereits deren ironische Selbstreflexion enthalten: Letztlich sind sie bloße ästhetische Imitation der Parolen, Gesten und Posen der politischen und künstlerischen Praxis der 1960er und 1970er. So verkünden die Bewohner schließlich das Ende der eigenen Avantgarde und geben ihr Haus dem Abriss anheim. Mit der gleichen Freude am Verwirrspiel experimentiert dieser einfallsreiche, wunderbar fotografierte Film mit Form und Inhalt. Gespickt mit diskursiven und filmischen Referenzen ist er sich der eigenen Begrenztheit vollends bewusst und vertritt doch selbstbewusst die These, dass noch in jeder Wiederholung etwas von der unruhestiftenden Kraft der ursprünglichen Geste liegt.
Der Film läuft zunächst vom 12.–18.7. täglich im Kino Arsenal.
Heinz Emigholz' jüngster Architekturfilm PARABETON - PIER LUIGI NERVI UND RÖMISCHER BETON, der im diesjährigen Forum uraufgeführt wurde und im Juni bereits im Berliner Kino International zu sehen war, läuft ab Juli im Arsenal. Begleitend zum Kinostart zeigen wir im Juni und Juli eine Retrospektive der Architekturfilme von Heinz Emigholz: SENSE OF ARCHITECTURE (24.6.), MAILLARTS BRÜCKEN, ZWEI PROJEKTE VON FRIEDRICH KIESLER UND SULLIVANS BANKEN (29.6.), EINE SERIE VON GEDANKEN (1.7.), SCHINDLERS HÄUSER (8.7.), LOOS ORNAMENTAL (11.7.), GOFF IN DER WÜSTE (15.7.), D'ANNUNZIOS HÖHLE UND MISCELLANEA III (18.7.).
Amos Vogel (1921–2012) war eine zentrale Figur der amerikanischen Avantgardefilmbewegung und des unabhängigen Kinos überhaupt. Und er war unser Freund und Weggefährte des Arsenals. Viele Jahre besuchte er das Forum und das Arsenal, er assistierte bei der Auswahl amerikanischer Filme. Ende April starb Amos Vogel mit 91 Jahren in seinem New Yorker Apartment. In Erinnerung an ihn zeigt das Kino Arsenal mit einer Einführung von Ulrich Gregor FILM AS A SUBVERSIVE ART: AMOS VOGEL AND CINEMA 16, einen Dokumentarfilm von Paul Conin über Amos Vogel, der 2004 im Forum der Berlinale lief: "Ein lebendiges berührendes Porträt aus Archivmaterial, Interviews und Erinnerungen dieses großen alten Mannes." (Viennale) Dazu zeigen wir den Film MICROCULTURAL INCIDENTS IN TEN ZOOS, den Amos Vogel Anfang der 1970er Jahre für das Forum empfahl.
Wir freuen uns, dass ein Großteil der Werke aus dem diesjährigen Forum Expanded-Programm nun in unserem Verleih ist: KING LOST HIS TOOTH und T.S.T.L (Libanon 2012) von Gheit Al-Amine, AS THEY SAY (Hicham Ayouch, Marokko, Vereinigte Arabische Emirate 2011) FALGOOSH / BLAMES AND FLAMES (Mohammadreza Farzad, Iran 2011), THE CONDITION OF THE WORKING CLASS IN ENGLAND – LITTLE IRLAND. 1842/ 2011 (Rainer Ganahl, Österreich, Großbritannien, USA 2011), BYE BYE (Paul Geday, Ägypten, Niederlande 2012), MY FATHER IS STILL A COMMUNIST, INTIMATE SECRETS TO BE PUBLISHED (Ahmed Ghossein, Libanon 2011), O.G.B.I.P. [ Our Global Behaviour Is Psychopathic II ] (Virlani Hallberg & Jennifer Rainsford, Schweden 2011), RIVERRED (Eva Heldmann, Deutschland 2011), TROLLSLÄNDOR MED FAGLAR OCH ORM / DRAGONFLIES WITH BIRDS AND SNAKES (Wolfgang Lehmann, Schweden, Deutschland 2011), LA ROUGE ET LA NOIRE (Isabelle Prim, Frankreich 2011), PERIL OF THE ANTILLES (Fern Silva, USA, Haiti 2011), VATER, MUTTER, WAS SOLL ICH HEUTE FILMEN? (Isabell Spengler, Deutschland 2011) sowie die installativen Arbeiten BAROMETER (I) (Heike Baranowsky, Deutschland 2011), A TALE OF TWO ISLANDS (Paola Calvo & Steffen Köhn, Deutschland 2011), A WORLD OF OUR OWN (Eline McGeorge, Norwegen, Großbritannien 2011), SEEKING THE MONKEY KING (Ken Jacobs, USA 2011) und VENUS MISSION (Anne Quirynen, Belgien, Deutschland 2012).
Es war einer der Höhepunkte in der Geschichte von Forum Expanded, als zum Abschluss des Festivals 2011 zwei der einflussreichsten Größen experimenteller Musik, Genesis Breyer P-Orridge (Throbbing Gristle, Psychic-TV, Thee Majesty) und Tony Conrad auf der Bühne des HAU 2 zusammen kamen. Sie hatten sich bei dem Dreh zu Marie Losiers mittlerweile mehrfach ausgezeichnetem Film THE BALLAD OF GENESIS AND LADY JAYE, der im selben Jahr im Forum uraufgeführt wurde, getroffen und Gemeinsamkeiten in ihrer Herangehensweise an Musik, Sound, Kunst und Leben sowie eine gemeinsame Liebe zur Violine entdeckt. Als dritter Musiker trug der Percussionist Morrison Edley zu dem legendären Konzert bei.
Für alle die dabei waren und diejenigen, die es verpasst haben, gibt es nun einen Live-Mitschnitt auf Vinyl. Die kleine Auflage kommt in individuell gestalteten Exemplaren aus recyceltem, farbigen Vinyl mit in Handarbeit gestalteten Covern inklusive eines kleinen Booklets daher, das Konzertfotos sowie Postkarten mit dem Plakatmotiv enthält.
Beim 25. Festival des tschechischen Films in Pilsen ist Suzanna Liovás Debütfilm DOM (THE HOUSE) mit dem Hauptpreis in der Kategorie bester Spielfilm ausgezeichnet worden. Der Film, der im letztjährigen Forum uraufgeführt worden war, erzählt von einem Generationskonflikt in der tschechischen Provinz. Stein für Stein baut Imrich fast ganz allein an dem kleinen Haus für seine Tochter Eva. Aber für Eva, die kurz vor ihrem Schulabschluss steht, ist ein möglicher Einzug ungefähr so attraktiv wie eine Haftstrafe in einem Gefängnis, an dem sie selbst mitbaut. Sie hat ganz andere Zukunftspläne. Ihr mürrischer, geiziger und herrschsüchtiger Vater hat schon Evas Schwester Jana verstoßen, nachdem diese mit einem Filou durchgebrannt war, von dem sie nun drei Kinder hat. Eva wird deshalb doppelt gut bewacht, aber es gelingt ihr trotzdem, sich kleine Freiheiten zu nehmen: ein paar Tage Schule schwänzen, Nebenjobs für den ersehnten Trip nach London und eine Affäre mit einem älteren Mann, von dem sich herausstellen wird, dass er ihr Englischlehrer ist. Ein Generationenkonflikt in einem Milieu, das bis in die Nebenfiguren hinein so dicht beschrieben ist, dass man seine Vorbilder bei Regisseuren wie Mike Leigh oder Ken Loach vermutet. Doch die Sprachlosigkeit und einzementierten Gefühle der Elterngeneration spiegeln hier auch die prägende Erfahrung und persönliche Bewältigung radikalen gesellschaftlichen Wandels. Damit wird Zuzana Liovás Spielfilm zu einem bemerkenswerten Beispiel für junges, intelligentes Kino aus Osteuropa. (Anna Hoffmann)
Manuel von Stürlers HIVER NOMADE, der im diesjährigen Forum uraufgeführt wurde, hat beim Festival Visions du Réel in Nyon den mit 15.000 Schweizer Franken dotierten Preis für den 'besten Schweizer Film aller Sektionen' erhalten. Die internationale Jury verwies auf die bestechende Handschrift des Regisseurs, der es verstehe das filmische Potential der zwei Protagonisten und ihrer unglaublichen Verbindung zueinander zu nutzen. Diese zeitgenössischen Nomaden erlebten ein aussergewöhnliches Abenteuer, das dennoch tief in unserer Gegenwart verwurzelt sei. Der Regisseur erschaffe in seinem ersten langen Dokumentarfilm eine Magie der Einfachheit durch die Kraft der Kameraführung, die Feinheit des Schnitts sowie durch den Einsatz der Musik.
Beim Filmfestival goEast in Wiesbaden ist REVISION von Philip Scheffner mit dem Dokumentarfilmpreis "Erinnerung und Zukunft" der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft ausgezeichnet worden. REVISION, der im diesjährigen Forum zu sehen war, ist eine filmische Spurensuche: 1992 werden zwei Menschen auf einem Feld nahe der deutsch-polnischen Grenze erschossen. Die Umstände, die zum Tod von Grigore Velcu und Eudache Calderar führten, wurden bis heute nicht aufgeklärt. Offiziell handelte es sich um einen Jagdunfall, eine tragische Verwechslung mit Wildschweinen. Zu einer Verurteilung der Jäger kam es nie, der sich über Jahre schleppende Prozess, in dem entscheidende Fragen nicht verfolgt wurden, endete mit einem Freispruch. Knapp 20 Jahre später sucht Philip Schaffner die Angehörigen der Getöteten in Rumänien auf und lässt sie die Aussagen machen, die nie gehört wurden. Wie allen anderen Zeugen und Sachkundigen, die er erneut befragt, gibt er ihnen die Möglichkeit, ihre Statements anzuhören und zu überdenken – anders als die gängige Praxis, die einmal gemachte Aussagen zum Fakt erhebt. So unterwirft Scheffner nicht nur den Fall einer filmischen Revision, sondern auch das eigene Medium. Mit sorgsamer Handhabe von Material und Zeugnissen und zunehmend beklemmender Dichte webt er ein Netz aus Landschaft, Erinnerung, Akten und "deutschen Zuständen".
TEPENIN ARDI (BEYOND THE HILL) von Emin Alper ist beim Internationalen Filmfestival in Istanbul gleich mehrfach ausgezeichnet worden: Neben der "Goldenen Tulpe" für den besten türkischen Film erhielt er einen Preis für das beste Drehbuch sowie den FIPRESCI-Preis des nationalen Wettbewerbs.
Der Film war beim diesjährigen Forum uraufgeführt und auch hier mit dem Caligari-Preis sowie einer lobenden Erwähnung der Jury für den Besten Erstlingsfilm ausgezeichnet worden.
Mit TRAUMFABRIK KABUL bringt arsenal distribution ab dem 19. April einen weiteren Film aus dem Programm des Forums 2011 in die Kinos. In seinem zweiten abendfüllenden Dokumentarfilm zeichnet Sebastian Heidinger das beeindruckende Portrait der Kabuler Polizistin, Schauspielerin, Regisseurin und Produzentin Saba Sahar. Als Vertreterin der staatlichen Exekutive wie als Filmemacherin setzt sie sich für die Rechte der Frauen in der stark männerdominierten afghanischen Gesellschaft ein. Sahars Stärke ist die unbeirrbare Leidenschaft für ihr zerrüttetes Land: wo Frauenrechte mit Füßen getreten werden, schlägt sie mit den Waffen des Films zurück. So kämpft sie in einem ihrer Filme als Superheldin im Martial-Arts-Stil gegen ihre männlichen Widersacher, um eine Frau aus deren Fängen zu befreien. Persönliche Begegnungen mit Sahar sowie unterhaltsamen Ausschnitten aus ihren Filmen, eröffnen einen ungewohnten Blick auf einen Schauplatz, der sonst Garant für traurige Nachrichten ist. Saba Sahar ist im wahren Leben keine Superheldin – aber eine Heldin, die Hoffnung gibt.
HABITER / CONSTRUIRE (LIVING / BUILDING) von Clémence Ancelin und AUTREMENT, LA MOLUSSIE von Nicolas Rey sind beim Internationalen Dokumentarfilmfestival Cinéma du Réel in Paris ausgezeichnet worden. HABITER / CONSTRUIRE aus dem Programm des diesjährigen Forums erhielt den 'Intangible Heritage Award', AUTREMENT, LA MOLUSSIE, der im Programm von Forum Expanded zu sehen war, den 'Cinéma du Réel Grand Prix'.
Wird ein Film online als "ausverkauft" angezeigt, bedeutet dies lediglich, dass das Onlinekontingent für diesen Film ausgeschöpft ist, nicht aber, dass generell keine Karten...
mehrErneut stellen wir den Forum-Katalog als E-Book für mobile Endgeräte wie Tablets und Smartphones zur Verfügung. Damit verzichten wir nicht nur auf 750.000 Seiten Papier,...
mehrMit dem Preis für den Besten Erstlingsfilm engagiert sich die Berlinale seit 2006 für den Filmnachwuchs. Aus dem Programm des Forums sind in diesem Jahr acht Spielfilmdebüts...
mehrDie Einreichfrist für das 43. Berlinale Forum ist abgelaufen. Die Filmfestspiele finden vom 7. – 17. Februar 2013 statt.
mehrAb sofort sind Filmanmeldungen für das 43. Berlinale Forum vom 7. – 17. Februar 2013 möglich. Die Einreichfrist endet am 31. Oktober 2012. Die Anmeldung erfolgt online über...
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