Es war einer der Höhepunkte in der Geschichte von Forum Expanded, als zum Abschluss des Festivals 2011 zwei der einflussreichsten Größen experimenteller Musik, Genesis Breyer P-Orridge (Throbbing Gristle, Psychic-TV, Thee Majesty) und Tony Conrad auf der Bühne des HAU 2 zusammen kamen. Sie hatten sich bei dem Dreh zu Marie Losiers mittlerweile mehrfach ausgezeichnetem Film THE BALLAD OF GENESIS AND LADY JAYE, der im selben Jahr im Forum uraufgeführt wurde, getroffen und Gemeinsamkeiten in ihrer Herangehensweise an Musik, Sound, Kunst und Leben sowie eine gemeinsame Liebe zur Violine entdeckt. Als dritter Musiker trug der Percussionist Morrison Edley zu dem legendären Konzert bei.
Für alle die dabei waren und diejenigen, die es verpasst haben, gibt es nun einen Live-Mitschnitt auf Vinyl. Die kleine Auflage kommt in individuell gestalteten Exemplaren aus recyceltem, farbigen Vinyl mit in Handarbeit gestalteten Covern inklusive eines kleinen Booklets daher, das Konzertfotos sowie Postkarten mit dem Plakatmotiv enthält.
Beim 25. Festival des tschechischen Films in Pilsen ist Suzanna Liovás Debütfilm DOM (THE HOUSE) mit dem Hauptpreis in der Kategorie bester Spielfilm ausgezeichnet worden. Der Film, der im letztjährigen Forum uraufgeführt worden war, erzählt von einem Generationskonflikt in der tschechischen Provinz. Stein für Stein baut Imrich fast ganz allein an dem kleinen Haus für seine Tochter Eva. Aber für Eva, die kurz vor ihrem Schulabschluss steht, ist ein möglicher Einzug ungefähr so attraktiv wie eine Haftstrafe in einem Gefängnis, an dem sie selbst mitbaut. Sie hat ganz andere Zukunftspläne. Ihr mürrischer, geiziger und herrschsüchtiger Vater hat schon Evas Schwester Jana verstoßen, nachdem diese mit einem Filou durchgebrannt war, von dem sie nun drei Kinder hat. Eva wird deshalb doppelt gut bewacht, aber es gelingt ihr trotzdem, sich kleine Freiheiten zu nehmen: ein paar Tage Schule schwänzen, Nebenjobs für den ersehnten Trip nach London und eine Affäre mit einem älteren Mann, von dem sich herausstellen wird, dass er ihr Englischlehrer ist. Ein Generationenkonflikt in einem Milieu, das bis in die Nebenfiguren hinein so dicht beschrieben ist, dass man seine Vorbilder bei Regisseuren wie Mike Leigh oder Ken Loach vermutet. Doch die Sprachlosigkeit und einzementierten Gefühle der Elterngeneration spiegeln hier auch die prägende Erfahrung und persönliche Bewältigung radikalen gesellschaftlichen Wandels. Damit wird Zuzana Liovás Spielfilm zu einem bemerkenswerten Beispiel für junges, intelligentes Kino aus Osteuropa. (Anna Hoffmann)
Manuel von Stürlers HIVER NOMADE, der im diesjährigen Forum uraufgeführt wurde, hat beim Festival Visions du Réel in Nyon den mit 15.000 Schweizer Franken dotierten Preis für den 'besten Schweizer Film aller Sektionen' erhalten. Die internationale Jury verwies auf die bestechende Handschrift des Regisseurs, der es verstehe das filmische Potential der zwei Protagonisten und ihrer unglaublichen Verbindung zueinander zu nutzen. Diese zeitgenössischen Nomaden erlebten ein aussergewöhnliches Abenteuer, das dennoch tief in unserer Gegenwart verwurzelt sei. Der Regisseur erschaffe in seinem ersten langen Dokumentarfilm eine Magie der Einfachheit durch die Kraft der Kameraführung, die Feinheit des Schnitts sowie durch den Einsatz der Musik.
Beim Filmfestival goEast in Wiesbaden ist REVISION von Philip Scheffner mit dem Dokumentarfilmpreis "Erinnerung und Zukunft" der Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft ausgezeichnet worden. REVISION, der im diesjährigen Forum zu sehen war, ist eine filmische Spurensuche: 1992 werden zwei Menschen auf einem Feld nahe der deutsch-polnischen Grenze erschossen. Die Umstände, die zum Tod von Grigore Velcu und Eudache Calderar führten, wurden bis heute nicht aufgeklärt. Offiziell handelte es sich um einen Jagdunfall, eine tragische Verwechslung mit Wildschweinen. Zu einer Verurteilung der Jäger kam es nie, der sich über Jahre schleppende Prozess, in dem entscheidende Fragen nicht verfolgt wurden, endete mit einem Freispruch. Knapp 20 Jahre später sucht Philip Schaffner die Angehörigen der Getöteten in Rumänien auf und lässt sie die Aussagen machen, die nie gehört wurden. Wie allen anderen Zeugen und Sachkundigen, die er erneut befragt, gibt er ihnen die Möglichkeit, ihre Statements anzuhören und zu überdenken – anders als die gängige Praxis, die einmal gemachte Aussagen zum Fakt erhebt. So unterwirft Scheffner nicht nur den Fall einer filmischen Revision, sondern auch das eigene Medium. Mit sorgsamer Handhabe von Material und Zeugnissen und zunehmend beklemmender Dichte webt er ein Netz aus Landschaft, Erinnerung, Akten und "deutschen Zuständen".
TEPENIN ARDI (BEYOND THE HILL) von Emin Alper ist beim Internationalen Filmfestival in Istanbul gleich mehrfach ausgezeichnet worden: Neben der "Goldenen Tulpe" für den besten türkischen Film erhielt er einen Preis für das beste Drehbuch sowie den FIPRESCI-Preis des nationalen Wettbewerbs.
Der Film war beim diesjährigen Forum uraufgeführt und auch hier mit dem Caligari-Preis sowie einer lobenden Erwähnung der Jury für den Besten Erstlingsfilm ausgezeichnet worden.
Mit TRAUMFABRIK KABUL bringt arsenal distribution ab dem 19. April einen weiteren Film aus dem Programm des Forums 2011 in die Kinos. In seinem zweiten abendfüllenden Dokumentarfilm zeichnet Sebastian Heidinger das beeindruckende Portrait der Kabuler Polizistin, Schauspielerin, Regisseurin und Produzentin Saba Sahar. Als Vertreterin der staatlichen Exekutive wie als Filmemacherin setzt sie sich für die Rechte der Frauen in der stark männerdominierten afghanischen Gesellschaft ein. Sahars Stärke ist die unbeirrbare Leidenschaft für ihr zerrüttetes Land: wo Frauenrechte mit Füßen getreten werden, schlägt sie mit den Waffen des Films zurück. So kämpft sie in einem ihrer Filme als Superheldin im Martial-Arts-Stil gegen ihre männlichen Widersacher, um eine Frau aus deren Fängen zu befreien. Persönliche Begegnungen mit Sahar sowie unterhaltsamen Ausschnitten aus ihren Filmen, eröffnen einen ungewohnten Blick auf einen Schauplatz, der sonst Garant für traurige Nachrichten ist. Saba Sahar ist im wahren Leben keine Superheldin – aber eine Heldin, die Hoffnung gibt.
HABITER / CONSTRUIRE (LIVING / BUILDING) von Clémence Ancelin und AUTREMENT, LA MOLUSSIE von Nicolas Rey sind beim Internationalen Dokumentarfilmfestival Cinéma du Réel in Paris ausgezeichnet worden. HABITER / CONSTRUIRE aus dem Programm des diesjährigen Forums erhielt den 'Intangible Heritage Award', AUTREMENT, LA MOLUSSIE, der im Programm von Forum Expanded zu sehen war, den 'Cinéma du Réel Grand Prix'.
Mit Filmen aus dem diesjährigen Programm und dem Vorjahr präsentiert sich das Forum in Paris und Brüssel. Vom 12.-19. April zeigt das Goethe-Institut Paris eine von Birgit Kohler kuratierte Auswahl, die mit Calle Overwegs BEZIEHUNGSWEISEN (Deutschland 2012) eröffnet. Im Anschluss findet ein Gespräch mit Birgit Kohler und dem Regisseur statt. In den folgenden Tagen sind UNTER KONTROLLE von Volker Sattel (Deutschland 2011, mit anschließendem Gespräch mit Birgit Kohler und dem Regisseur), DAY IS DONE von Thomas Imbach (Schweiz 2011), KAZOKU NO KUNI (OUR HOMELAND) von Yang Yonghi (Japan 2012), David Zellners KID-THING (USA 2012), LA DEMORA von Rodrigo Plá (Uruguay/Mexiko/Frankreich 2012) und PAZIRAIE SADEH (MODEST RECEPTION) von Mani Haghighi (Iran 2012) zu sehen. Mit einem kleinen Sonderprogramm wird darüber hinaus der Künstler und Filmemacher Heinz Emigholz vorgestellt, der zu allen Vorführungen anwesend sein wird.
Im Goethe-Institut Brüssel sind zwischen dem 17. und dem 25. April vier Filme aus dem diesjährigen Programm zu sehen: BEZIEHUNGSWEISEN und KID-THING (in Anwesenheit von Birgit Kohler), PAZIRAIE SADEH (MODEST RECEPTION) sowie JAURÈS von Vincent Dieutre (Frankreich 2012).
Das im Forum 2011 uraufgeführte Filmprojekt "Dreileben" von Dominik Graf, Christian Petzold und Christoph Hochhäusler ist mit dem Grimme-Preis Spezial ausgezeichnet worden. Das Projekt geht auf einen Mailwechsel der drei Regisseure über Filmästhetik, die Berliner Schule, Deutschland und das Genre (veröffentlicht in der Zeitschrift "Revolver") zurück. Zwei Jahre später beschlossen sie, die theoretische Diskussion mit einem gemeinsamen Filmprojekt fortzuführen: drei individuelle Geschichten, die um denselben Fait divers kreisen, die Flucht eines verurteilten Straftäters. Grafs KOMM MIR NICHT NACH erzählt von einer Polizeipsychologin, die an ihrem Einsatzort alte Bekannte trifft. In Petzolds ETWAS BESSERES ALS DEN TOD erlebt ein Zivildienstleistender eine Liebesgeschichte ohne Perspektive. Und Christoph Hochhäusler lässt in EINE MINUTE DUNKEL einen rastlosen Polizisten auf der Jagd nach dem Geflohenen falsche Gewissheiten anzweifeln. Drei Filme, drei Stile, drei spannende Annäherungen, Abschweifungen, Auseinandersetzungen. Ermöglicht haben das deutsche Fernsehsender, was einen besonderen Reiz ausmachte: "… dieses Arbeiten im Angesicht des TV-Mainstreams, an seinem Rand, im Widerspruch und trotzdem, ob gewollt oder nicht, im Kommentar dazu – das finde ich/fand ich schon immer extrem kreativ." (Dominik Graf)
Mit TREELESS MOUNTAIN von So Yong Kim bringt arsenal distribution ab dem 1. März einen Film aus dem Programm des Forums 2009 in die Kinos. Der mit zahlreichen Preisen ausgezeichnete zweite Langfilm der Regisseurin, deren jüngster Film FOR ELLEN im diesjährigen Forum zu sehen war, erzählt die Geschichte der sechsjährigen Jin, die mit ihrer Mutter und ihrer kleinen Schwester Bin in Seoul lebt. Als die Mutter sich auf die Suche nach dem Vater der beiden Mädchen macht, von dem sie getrennt lebt, müssen Jin und Bin den Sommer bei ihrer alkoholkranken Schwägerin verbringen. Zum Abschied bekommen sie von der Mutter ein Sparschwein; sie verspricht, zurück zu sein, sobald es voll ist. Doch als es soweit ist, bleibt die Mutter verschwunden. Jin und ihre Schwester werden auf eine Farm gebracht, die ihren Großeltern gehört. Durch dieses Erlebnis erkennt Jin die Bedeutung familiärer Bindungen. Unter dem Einfluss ihrer resoluten und hart arbeitenden Großmutter lernt sie, dass sie durch ihre Fürsorge für die jüngere Schwester ihren Schmerz verwinden kann. Von ihrer eigenen Kindheitsgeschichte inspiriert, erzählt So Yong Kim vom Verrat an familiärer Geborgenheit. Gänzlich unsentimental gelingt es ihr, mit Bildern mehr als mit Worten eine Welt zu erschaffen, in der der Zuschauer Zeuge eines Verbrechens wird. Obwohl niemand Gewalt ausübt – die Kinder sind nur einfach nicht mehr gewollt. Mit einer seltsamen Wucht erlebt man, wie Kinder durch die Lügen der Erwachsenen aus ihrem Paradies vertrieben werden können.
Wie jedes Jahr wiederholt das Arsenal kommende Woche einige Filme aus dem Programm des Forums: BESTIAIRE von Denis Côté, BAGRUT LOCHAMIM (SOLDIER / CITIZEN) von Silvina Landsmann, HIVER NOMADE von Manuel von Stürler, BEZIEHUNGSWEISEN von Calle Overweg, KAZOKU NO KUNI (OUR HOMELAND) von Yang Yonghi und LE SOMMEIL D'OR von Davy Chou. Zusätzlich wiederholen wir die Filme des außerhalb Japans kaum bekannten Regisseurs Kawashima Yuzo THE SUN IN THE LAST DAYS OF THE SHOGUNATE, SUZAKI PARADISE: RED LIGHT und BETWEEN YESTERDAY AND TOMORROW – eine Gelegenheit, die so schnell nicht wiederkehren dürfte, zumal seine Filme auf DVD nicht verfügbar sind.
Auch THE CONNECTION und ORNETTE: MADE IN AMERICA von Shirley Clarke, Wegbereiterin des unabhängigen amerikanischen Kinos, sind noch einmal zu sehen. Die von Milestone restaurierten Kopien haben wir in unser Verleihprogramm übernommen.
Der diesjährige Caligari-Preis geht an TEPENIN ARDI (BEYOND THE HILL) von Emin Alper, der auch eine lobende Erwähnung der Jury für den Besten Erstlingsfilm bei der offiziellen Bärenverleihung der 62. Internationalen Filmfestspiele erhielt. Die Caligari-Jury vergab lobende Erwähnungen an die Dokumentarfilme BAGRUT LOCHAMIM (SOLDIER / CITIZEN) von Silvina Landsmann und ESCUELA NORMAL von Celina Murga sowie eine lobende Erwähnung für den "herausforderndsten Film im diesjährigen Forum": JAURÈS von Vincent Dieutre.
Die unabhängigen Jurys der Berlinale vergaben Preise an drei Filme aus dem Programm des Forums. Der 22. NETPAC-Preis (Network for the Promotion of Asian Cinema) ging an PAZIRAIE SADEH (MODEST RECEPTION) des iranischen Regisseurs Mani Haghighi. LA DEMORA (THE DELAY) von Rodrigo Plá erhielt den mit 2.500 Euro dotierten Preis der Ökumenischen Jury für einen Film aus dem Forum sowie den Preis der Tagesspiegel-Leserjury. Und der Internationale Verband der Filmkunsttheater, die Conféderation Internationale des Cinémas D'Art et Essai (C.I.C.A.E.), prämierte KAZOKU NO KUNI (OUR HOMELAND) von Yang Yonghi.
Der Special Award der diesjährigen TEDDY-Jury geht an JAURÈS von Vincent Dieutre. Die Begründung der Juroren Joako Ezpeleta, Joao Federici, Shannon Kelley, Nhlanhla Nadja, Alessandro Rais, Magali Simard, Bielke Tas, Monika Visniarová und Yang Yang lautet: "Auf formaler und narrativer Ebene herausragend zeigt der Film den menschlichen Impuls, das persönliche und emotionale mit dem politischen abzugleichen. Die Jury ehrt einen außergewöhnlichen Essay-Film voller Tiefgang und Schönheit."
Der Preis des internationalen Filmkritikerverbandes FIPRESCI für einen Film aus dem Programm des Forums geht in diesem Jahr an Sacha Polaks Debütfilm HEMEL. Die Jury bildeten Scott Foundas, Essam Zakarea, Zsolt Gyenge, Nils Olav Saeveras, Youngmee Hwang, Claudia Lenssen, Beat Glur, Meenakshi Shedde und Bettina Schuler.
Zum Abschluss des diesjährigen Forum Expanded präsentiert Avi Mograbi am kommenden Samstag im HAU2 "At the Back/The Details" - ein Programm mit Videoperformance und Live-Musik. In "At the Back or Through the Looking Glass and What Mrs. Mograbi Found There" spielen die Musiker Noam Enbar, Adam Sheflan, Ariel Armoni und Yoni Silver live nach einem Text von Lewis Carroll zu dem Video von Avi Mograbi, in dem seine damalige Frau als beobachtete Beobachterin durch ein leicht zu erkennendes fremdes Land der Wunder spaziert. "The Details" ist eine Live-Vierkanal-Videokomposition von Avi Mograbi, die aus einer Serie von Szenen aus und über die seit 1967 von Israel besetzten palästinensischen Gebiete besteht. Diese Szenen werden simultan auf vier Leinwände projiziert. Die meisten der Szenen wurden für frühere Filme von Avi Mograbi gedreht. Hier erzeugen sie einen chaotischen Raum, eine verstörende Repräsentation des Blicks des Filmemachers auf die Realität der besetzten Gebiete und den Akt ihrer Dokumentation.
Auch in diesem Jahr begibt sich die Berlinale in verschiedene Programmkinos der Stadt. Das Forum zeigt am 13.2. um 18.30 Uhr die Weltpremiere von Mani Haghihghis PAZIRAIE SADEH (MODEST RECEPTION) in der Passage Neukölln und am 14.2. PŘÍLIŠ MLADÁ NOC (A NIGHT TOO YOUNG) im Bundesplatz-Kino (21:30 Uhr). Olmo Omerzus Debütfilm erzählt von zwei pubertierenden Jungen, die als spontane Gäste einer seltsam aufgeladenen Feier am Neujahrstag einen ersten Einblick in die verwirrenden sexuellen Dynamiken der Erwachsenenwelt bekommen. MODEST RECEPTION verfolgt ein reiches Paar bei dem absurden Unterfangen, in einer von Krieg gezeichneten Bergregion Geld an vermeintlich Bedürftige zu verteilen. Eine Erzählung über Erniedrigung, Moral und falsche Wohltätigkeit.
Mit zwei restaurierten Fassungen ihrer Filme stellen wir das Werk der 1997 verstorbenen US-Regisseurin Shirley Clarke vor. Clarkes erster Film, THE CONNECTION (1961), der als Meilenstein des Cinéma Vérité, aber auch als Jazzmusical in die Filmgeschichte einging, lief bereits 1985 im Forum in einer Jazzfilm-Reihe. (11.2. & 17.2.) ORNETTE: MADE IN AMERICA (1985), Clarkes letzter Film, porträtiert den legendären Jazz-Saxophonisten Ornette Coleman anhand von Aufführungen des Stücks "Skies of America" an unterschiedlichen Orten der Welt. (12.2. & 18.2.) Ergänzt wird der Fokus durch ein Werkstattgespräch "Where is Shirley?" mit Dennis Doros, der über seine Arbeit als Restaurator von Clarkes Filmen spricht. Derzeit arbeitet er an der Restaurierung von PORTRAIT OF JASON. (13.2.)
Mit einer prominent besetzten Podiumsdiskussion im neu eröffneten Haus der Berliner Festspiele präsentieren wir am 12. Februar die Weltpremiere von Heinz Emigholz' Architekturfilm PARABETON – PIER LUIGI NERVI UND RÖMISCHER BETON. Im Anschluss an die Vorführung diskutieren der Architekt Arno Brandlhuber, die Filmwissenschaftlerin Prof. Gertrud Koch und Kurator Anselm Franke mit Regisseur Heinz Emigholz. Moderation: Hanns Zischler.
Seit 1993 arbeitet Heinz Emigholz an der Serie "Architektur als Autobiografie". Er erzählt darin anhand ihrer Gebäude die Biografien einzelner Architekten und dokumentiert tagebuchartig seinen filmischen Zugang zu den Räumen. Die dritte Autobiografie, die die Serie schreibt, ist die der architektonischen Moderne. In PARABETON geht es um die Bauten des italienischen Architekten Pier Luigi Nervi, dessen kühne Betonkonstruktionen zu den Großbauten der Antike aus römischem Beton in Beziehung gesetzt werden. "PARABETON bildet mit seinem Rückbezug des Konstruktionskerns der Moderne auf die Betonbauten der Antike das vorweggenommene Finale der Serie". (Heinz Emigholz)
Im Rahmen des diesjährigen Forum Expanded gibt es eine Reihe von Veranstaltungen, die im Zusammenhang mit dem Living Archive Projekt stehen, darunter Projektpräsentationen von TeilnehmerInnen sowie Podiumsgespräche zum Thema Archivpolitik. "Möglichkeitsraum IV - Access: Diamond, Enter, Fin... Archival Viewing Acts (Speculations on the Invention and Emergence of New Subject Constellations in Cinema)" am 10.2. um 21:30 im Arsenal ist eine performative Archivsichtung der Projektteilnehmerinnen Angela Melitopoulos und Constanze Ruhm. Darin zeigen sie Filme bzw. Filmausschnitte rund um das Programm des Forums von 1972 in einem performativen Herstellungsakt als offenen Sichtungsprozess. Am 14.2. um 20 Uhr hält Harun Farocki im Anschluss an die Vorführung von LA VERIFICA INCERTA (Gianfranco Baruchello/Alberto Grifi, Italien 1965, 16mm, 31 min), ein Zusammenschnitt aus Spielfilm-Stücken verschiedener Genres, im HAU2 eine Filmlecture. Am zweiten Samstag des Festivals präsentiert Avi Mograbi im HAU2 "At the Back/The Details" - ein Programm mit Videoperformance und Live-Musik. Zwei Podiusmdiskussionen runden das Pogramm ab: "Cairo: the City, the Images, the Archives" moderiert von Marcel Schwierin am 11.2. um 15 Uhr im Veranstaltungsraum des Filmhauses und "Programming the Archive" am 12.2. um 15 Uhr moderiert von Projektleiterin Stefanie Schulte Strathaus.
Mit dem Preis für den Besten Erstlingsfilm engagiert sich die Berlinale seit 2006 für den Filmnachwuchs. Aus dem Programm des Forums sind in diesem Jahr neun Spielfilmdebüts nominiert: ANG BABAE SA SEPTIC TANK (THE WOMAN IN THE SEPTIC TANK) von Marlon N. Rivera, Philippinen, FRANCINE von Brian M. Cassidy and Melanie Shatzky, USA/Kanada, HEMEL von Sacha Polak, Niederlande/Spanien, KASHI (CHOKED) von Joong-Hyun Kim, Republik Korea, KOI NI ITARU YAMAI (THE END OF PUBERTY) von Kimura Shoko, Japan, PŘÍLIŠ MLADÁ NOC (A NIGHT TOO YOUNG) von Olmo Omerzu, Tschechische Republik/Slowenien, SALSIPUEDES von Mariano Luque, Argentinien, SLEEPLESS KNIGHTS von Stefan Butzmüheln und Cristina Diz, Deutschland und TEPENIN ARDI (BEYOND THE HILL) von Emin Alper, Türkei/Griechenland.
Mit einer Reihe von Special Screenings vervollständigen wir unser diesjähriges Programm. In dem Dokumentarfilm LAWINEN DER ERINNERUNG porträtiert Dominik Graf, einer der einflussreichsten deutschen Film- und Fernsehregisseure, eine andere Fernsehpersönlichkeit, den Autor, Regisseur und Produzenten Oliver Storz. Sein Film ist zugleich ein Beitrag zur deutschen Fernsehgeschichte und zur deutschen Geschichte überhaupt. Das dokumentarische Projekt IN ARBEIT / EN CONSTRUCTION / W TOKU / LAVORI IN CORSO von Minze Tummescheit und Arne Hector folgt dem Prinzip des Ketteninterviews. Der erste Interviewpartner führt das Filmteam zum zweiten, und so fort. Alle verbindet die Arbeit in kooperativen Strukturen. Die Frage, die sie verhandeln, ist die ihrer Legitimation: Ist es sinnvoll und überhaupt möglich, sich außerhalb des industriellen Fortschritts, der politischen Öffentlichkeit oder des Weltmarkts zu verorten? Einen festen Platz im Forum haben Wiederaufführungen und "Ausgrabungen" seltener Werke. Mit Filmen von Tom Kalin, Wynn Chamberlain, der legendären US-Regisseurin Shirley Clarke und dem Japaner Kawashima Yuzo setzen wir diese Tradition fort. Ein besonderes Abenteuer ist die Wiederentdeckung des kambodschanischen Kinos der 1960er und frühen 70er Jahre.
Neben den Ausstellungen in den Kunstsaelen Berlin (Kritik und Klinik) und im Gutschow-Haus sowie den Veranstaltungen im HAU präsentiert Forum Expanded zehn Filmprogramme im Arsenal und im Delphi. Das Programm ist offen für sämtliche Längen und Formate. Die vorgestellten Arbeiten erproben auf experimentelle Weise individuelle Formsprachen, um neue, kritische Perspektiven auf die Welt herzustellen. Am radikalsten versucht dies WHITEONWHITE:ALGORITHMICNOIR von Eve Sussman/Rufus Corporation. Der live und in Echtzeit geschnittene Film, der die Überwachung eines Mannes in einem fiktiven osteuropäischen Staat zeigt, wird jeden Tag anders, jedesmal neu zusammengesetzt. Wir präsentieren ihn täglich im Arsenal 2. Viele der anderen Arbeiten stellen sich ihren Präformierungen durch Figuren und Gespenster aus der Vergangenheit.
Die Auseinandersetzung über gegensätzliche Lebensentwürfe, der Konflikt zwischen den Generationen und die Ambivalenz des sogenannten Fortschritts stehen im Mittelpunkt zahlreicher Beiträge zum Forum 2012. So trifft in dem Spielfilm FORMENTERA von Ann-Kristin Reyels ein junges Paar im Urlaub auf die 68er-Elterngeneration und stellt dabei fest, wie sehr die eigenen Lebensvorstellungen voneinander abweichen. Ebenfalls in Spanien spielt SLEEPLESS KNIGHTS von Stefan Butzmühlen und Cristina Diz, die eine schwule Liebesgeschichte in der Provinz erzählen und das Zusammenleben der Generationen als Gegenentwurf zur städtischen Entwurzelung beschreiben. Um die komplizierten Übereinkünfte des alltäglichen Zusammenlebens geht es auch in BEZIEHUNGSWEISEN von Calle Overweg, der in halb inszenierter, halb dokumentarischer Weise Menschen bei der Paartherapie beobachtet, sowie in WHAT IS LOVE von Ruth Mader, die in fünf Miniaturen aus der österreichischen Provinz unterschiedlichen Ausprägungen der Liebe nachspürt. Nomaden der Gegenwart stehen im Mittelpunkt der Filme HABITER / CONSTRUIRE (LIVING / BUILDING) von Clémence Ancelin, die ein Straßenbauprojekt im Tschad und dessen Auswirkungen auf die Wüstenbevölkerung dokumentiert, und HIVER NOMADE (WINTER NOMADS) von Manuel von Stürler, der zwei Schafhirten in der winterlichen französischen Schweiz porträtiert. Stark vertreten ist im Forum 2012 das europäische Kino auch mit weiteren Beiträgen aus Frankreich, den Niederlanden, Schweden, Polen, der Tschechische Republik, Russland, Rumänien und der Türkei.
Zum sechsten Mal beruft die Berliner Tageszeitung "Der Tagesspiegel" eine neunköpfige Leserjury, die einen Preis für den besten Film im Forum vergibt. Wer als Mitglied dieser Jury an der Berlinale teilnehmen möchte, kann sich bis 26. Januar beim Tagesspiegel bewerben. Teilnehmer/innen sollten Interesse am unabhängigen Kino und genügend Zeit mitbringen, um sich zwischen dem 9. und 18. Februar das gesamte Programm des Forums anzusehen. Jeden Tag werden vier bis fünf Filme von der Jury gesichtet. Der Gewinnerfilm wird am 18. Februar bekannt gegeben und am 19. Februar in einer gemeinsamen Veranstaltung des Forums und des "Tagesspiegel" nochmals zu sehen sein.
AUSENTE von Marco Berger ist ab dem 12. Januar in ausgewählten Kinos zu sehen. Der Film, der im letztjährigen Forum uraufgeführt und mit dem TEDDY für den besten Spielfilm ausgezeichnet wurde, erzählt vom Missbrauch eines Erwachsenen durch einen Minderjährigen, der um die heikle Position seines Lehrers weiß und sie ausnutzt. Unter allerlei Vorwänden schleicht sich Martin in die Privatsphäre seines Sportlehrers Sebastian ein und verbringt eine Nacht in dessen Wohnung. Als der Lehrer die Intentionen seines Schülers erkennt, hat dieser ihn bereits kompromittiert. Es bedarf eines tragischen Unfalls, damit Sebastian sich seiner eigenen Zuneigung zu Martin bewusst wird. Marco Bergers origineller Spielfilm erzählt vor allem mit den Blicken, die seine Protagonisten austauschen. Dem herausfordernden Blick Martins, konterkariert durch eine entschuldigende Körpersprache, die allerdings nicht verbergen kann, dass er Tabus zu verletzen, sich Territorien anzueignen sucht. Dem ausweichenden, ängstlichen Blick Sebastians, der nicht wahrhaben will, welches Spiel mit ihm getrieben wird.
Mit UTOPIANS von Zbigniew Bzymek bringt arsenal distribution ab dem 5. Januar einen weiteren Film aus dem Forum 2011 in die Kinos. Er erzählt von drei Menschen, die sich am Rand bewegen, der Gesellschaft, der Beherrschung der Kräfte, des Zusammenbruchs. Roger arbeitet als Yoga-Lehrer. Das Verhältnis zu seiner frisch aus dem Militärdienst ausgeschiedenen Tochter Zoe wird durch deren Liebe zu Maya belastet, einer jungen Frau, der Schizophrenie attestiert wurde. Rogers wiederholtes Zuspätkommen und ein mitgebrachter herrenloser Hund sorgen für Spannungen mit den Teilnehmern seiner Yoga-Klasse. Auch ein Renovierungsauftrag, den Roger, Zoe und Maya in einem bürgerlichen Haus übernehmen, verläuft alles andere als plangemäß und spannungsfrei. Die von Roger problematisierten unterschiedlichen Realitäten, für die Mayas Schizophrenie metaphorisch steht, holen ihn in der Yoga-Klasse ein, wenn sein Glaube "we can make our own time" ebenso schnell an seine Grenzen stößt, wie das "feel united with the world around you" mit der sozialen Realität kollidiert. Fernab vom Sozialdrama hat Zbigniew Bzymek in seinem Spielfilmdebüt eine Form gefunden: Entdramatisiert und nicht linear bildet sich aus teils durch Schwarzblenden separierte Szenen die Skizze einer Geschichte. Mit einer eigentümlich schwebenden Atmosphäre und einer der nachhaltigsten Gitarrenimprovisationen seit "Dead Man".
Auch in der kommenden Ausgabe untersucht Forum Expanded neue Spielräume von Kunst, Kino und Politik.
37 Arbeiten von Künstler/innen, Filmemacher/innen, Theoretiker/innen und Musiker/innen aus 20 Ländern bilden ein dichtes und konzentriertes Programm. Es umfasst Ausstellungen, Filmprogramme, Diskussionen und Performances und steht im Zeichen der ästhetischen Auseinandersetzungen mit globalen und individuellen Dimensionen gegenwärtiger Krisen. Das Programm prüft die Aktualität vergangener radikal-avantgardistischer Ideen und versucht sich an der Neubestimmung eines Kinos der Gegenwart.
Mit DAY IS DONE von Thomas Imbach bringt arsenal distribution einen weiteren Film aus dem Programm des diesjährigen Forums in die Kinos. Erst vor wenigen Tagen wurde er mit dem Zürcher Filmpreis 2011 ausgezeichnet. Wir freuen uns sehr, Ihnen den Film zum Kinostart am 1. Dezember in Anwesenheit des Regisseurs präsentieren zu können. Nach der Vorstellung führt Dorothee Wenner, Filmemacherin, Journalistin und Mitglied im Auswahlkomitee des Forums, ein Gespräch mit dem Regisseur. Im Anschluss findet ein Umtrunk im Foyer statt, zu dem wir Sie herzlich einladen. Ab dem 1.12. läuft der Film zudem täglich im Acud sowie im fsk Kino. Über mehrere Jahre hat Regisseur Thomas Imbach die Welt vor seinem Atelierfenster beobachtet und die Nachrichten auf seinem Anrufbeantworter archiviert. Das filmische Ergebnis ist eine vielschichtige Studie vergehender Zeit und künstlerischer Identität.
TERRITOIRE PERDU von Pierre-Yves Vandeweerd startet ab kommender Woche in ausgewählten Kinos in Frankreich. Soeben erhielt der Film, der im diesjährigen Forum uraufgeführt wurde, den Hauptpreis des Internationalen Dokumentarfilmfestivals Montréal (RIDM). Zuvor war er bereits mit dem Grand prix des Internationalen Dokumentarfilmfestivals in Jihlava (Tschechien) sowie dem Spezialpreis der Jury von Doclisboa ausgezeichnet worden. In eindringlichen schwarzweißen 8mm-Bildern zeigt TERRITOIRE PERDU die von der Weltöffentlichkeit weitgehend vernachlässigte Situation der Saharauis in der geteilten West-Sahara. Bewohner von Flüchtlingslagern und Widerständige erzählen von Flucht, verschwundenen Angehörigen, Unterdrückung, Folter und der Sehnsucht nach ihrer Heimat.
Marie Losiers THE BALLAD OF GENESIS AND LADY JAYE, im diesjährigen Forum uraufgeführt und mit dem Caligari-Preis sowie dem Teddy für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnet und in der Folge auf zahlreichen internationalen Festivals gefeiert, ist ab der kommenden Woche bundesweit in ausgewählten Kinos zu sehen. Im Rahmen der Caligari-Preis-Tour zeigt das Arsenal am 23.11. eine Preview in Anwesenheit von Marie Losier. Danach tourt die Regisseurin durch sieben weitere Städte. Ab Kinostart am 24.11. läuft der Film täglich im Kino Arsenal sowie im Berliner fsk-Kino. THE BALLAD OF GENESIS AND LADY JAYE (USA/Frankreich 2011) ist ein intimes, berührendes Porträt über das Leben und Werk des bahnbrechenden Performance-Künstlers und Musik-Pioniers Genesis Breyer P-Orridge – bekannt durch Throbbing Gristle und Psychic TV – und seiner Lebens- und Arbeitspartnerin Lady Jaye. Man mag einen Film über die Geschichte der Industrial Music erwarten, über Genesis als Bindeglied zwischen Pre- und Postpunkära, über den Underground seit den 70er Jahren. Das ist er auch, aber erzählt aus der Perspektive einer großen romantischen Liebe. Genesis und Lady Jaye beginnen durch Operationen eins zu werden, ein Drittes, ein Pandrogyn. Beeinflusst, wie so vieles in Genesis’ Arbeit, von Brion Gysins und William Burroughs "Cut Ups", war es der Versuch, zwei einzelne Identitäten zu dekonstruieren, durch die Schaffung einer unsichtbaren Dritten.
Mit SUBMARINE von Richard Ayoade startet am 17.11. ein weiterer Film aus dem Programm des diesjährigen Forums in ausgewählten Kinos. Oliver Tate, der Held des Films, ist ein überzeugend durchgeknallter Teenager. Er lebt mit seinen Eltern in der beige-braunen walisischen Provinz – und spinnt. Seine Spinnereien um Jordana, seine erste Liebe, die im Klassenzimmer schräg hinter ihm sitzt, sind einerseits so unglaublich und todessüchtig, wie es nur die erste Liebe sein kann. Als Kind seiner Zeit ist sich Oliver andererseits halb bewusst, dass seine Gefühle vielleicht nur ein Wiederaufguss der Liebesbeziehung seiner Eltern sind. Oder der ersten Liebe seiner Mutter zu dem Esoteriker-Freak und Immer-noch-Nachbarn Graham? Oder ist seine Liebe zu Jordana doch dieses unkopierbar-ozeanische Gefühl, das ihn zuweilen eins werden lässt mit den Sonnenuntergängen am Strand – während all die berufstätigen Erwachsenen um ihn herum die echten Spinner sind? (Dorothee Wenner)
AUF DER SUCHE von Jan Krüger ist ab dem 10. November in ausgewählten Kinos zu sehen. Der Film, der im diesjährigen Forum uraufgeführt wurde, wird von Edition Salzgeber verliehen.
Nachdem Valerie von ihrem in Marseille lebenden Sohn Simon kein Lebenszeichen mehr erhält, macht sie sich gemeinsam mit seinem Ex-Freund Jens auf die Suche nach dem Verschwundenen. Alsbald entwickelt sich der Film zu einem eigensinnigen Psycho-Krimi. Jede Spur, die Valerie und Jens aufnehmen, führt letztlich ins Nichts. Die gebuchte Reise nach Marokko hat Simon nicht angetreten, den Kauf eines teuren gelben Sportwagens können sich beide nicht erklären. Gemeinsam schauen sie sich Urlaubs- und andere Videos an, die sie in der Wohnung vorfinden. Und sie treffen auf zwei Menschen – Simons Kollegin Camille und den rätselhaften Autohändler Jalil –, die zu dem Verschwundenen offenbar eine besondere Beziehung hatten. Valerie und Jens beginnen, ihr eigenes Verhältnis zu Simon zu hinterfragen und dabei auch sich selbst. Die Suche wirft alle Beteiligten aus ihren gewohnten Bahnen. Dabei spielt die französische Hafenstadt mit ihrer besonderen Atmosphäre eine ganz eigene Rolle.
Ab sofort sind Filmanmeldungen für das 42. Berlinale Forum vom 9. – 19. Februar 2012 möglich. Die Einreichfrist endet am 31. Oktober 2011. Die Filmanmeldung erfolgt online über www.berlinale.de. Bitte machen Sie sich mit den Richtlinien des Forums vertraut, bevor Sie einen Film anmelden.
Mit PUTTY HILL von Matt Porterfield bringt arsenal distribution ab dem 29. September einen Film aus dem Forum 2010 in die Kinos. Der Film, der im Forum uraufgeführt wurde und in der Folge erfolgreich auf zahlreichen internationalen Filmfestivals lief, erzählt vom sozialen Umfeld des jungen Cory, der an einer Überdosis Heroin starb. Am Tag vor seiner Beerdigung versammeln sich seine Familie und Freunde, deren Leben schon weitergehen, obwohl ihnen noch die Verletzbarkeit, die ein so plötzlicher Tod auslöst, ins Gesicht geschrieben steht. Mit einem fast dokumentarischen Gestus der Beobachtung fängt der Film gleichzeitig eine Stimmung und ein Milieu ein. Teenager, die seltsam erschöpft wirken von den Zumutungen des Erwachsenwerdens, denen ein bisschen Zivilisationsgrün am Fluss oder die Skateboardanlage den einzigen Freiraum bieten; Erwachsene, die das Leben nicht nur mit Tattoos gezeichnet hat. Mit großer Behutsamkeit bringt der Film die Orte und Protagonisten zum Sprechen.
Am 29. August sendet die ARD das Fernsehprojekt "Dreileben", das im Rahmen des diesjährigen Forums uraufgeführt wurde. Im Sommer 2006 führten die Regisseure Dominik Graf, Christian Petzold und Christoph Hochhäusler einen Mailwechsel über Filmästhetik, die Berliner Schule, Deutschland und das Genre (veröffentlicht in der Zeitschrift "Revolver"). Zwei Jahre später beschlossen sie, die theoretische Diskussion mit einem gemeinsamen Filmprojekt fortzuführen: drei individuelle Geschichten, die um denselben Fait divers kreisen, die Flucht eines verurteilten Straftäters. In Petzolds ETWAS BESSERES ALS DEN TOD erlebt ein Zivildienstleistender eine Liebesgeschichte ohne Perspektive. Grafs KOMM MIR NICHT NACH erzählt von einer Polizeipsychologin, die an ihrem Einsatzort alte Bekannte trifft. Und Christoph Hochhäusler lässt in EINE MINUTE DUNKEL einen rastlosen Polizisten auf der Jagd nach dem Geflohenen falsche Gewissheiten anzweifeln. Drei Filme, drei Stile, drei spannende Annäherungen, Abschweifungen, Auseinandersetzungen. Ermöglicht haben das deutsche Fernsehsender. Wie Dominik Graf schrieb: "… dieses Arbeiten im Angesicht des TV-'Mainstreams', an seinem Rand, im Widerspruch und trotzdem, ob gewollt oder nicht, im Kommentar dazu – das finde ich/fand ich schon immer extrem kreativ."
SWANS von Hugo Vieira da Silva, der im diesjährigen Forum uraufgeführt wurde, startet am 14. Juli bundesweit in ausgewählten Kinos. Der Film wird von Edition Salzgeber verliehen.
Nanouk Leopolds BROWNIAN MOVEMENT aus dem Programm des diesjährigen Forums startet am 30.6. bundesweit in ausgewählten Kinos. Bei der gestrigen Verleihung des deutschen Filmkunstpreises erhielt Hauptdarstellerin Sandra Hüller eine lobende Erwähnung für ihre Rolle der Charlotte.
Ab dem 9.6. ist Szabolcs Hajdus BIBLIOTHÈQUE PASCAL aus dem Programm des Forum 2010 bundesweit in ausgewählten Kinos zu sehen. Der Film wird vom Camino Filmverleih herausgebracht.
Philips Scheffners DER TAG DES SPATZEN ist bei der Verleihung des Deutschen Dokumentarfilmpreises 2011 mit dem Preis der Stadt Ludwigsburg ausgezeichnet worden.
Volker Sattels hochaktueller Film UNTER KONTROLLE, der im diesjährigen Forum uraufgeführt wurde, startet am 26.5. mit 25 Kopien bundesweit. Der Film wird von Farbfilm in Kooperation mit Arsenal distribution in die Kinos gebracht.
EL MOCITO von Marcela Said und Jean de Certeau hat beim DOK.fest München den mit 3.000 Euro dotierten Horizonte Preis erhalten. Der Film war im diesjährigen Forum uraufgeführt worden.
Erstmals stellen wir den Forum-Katalog als E-Book für mobile Endgeräte wie Tablets und Smartphones zur Verfügung. Damit verzichten wir nicht nur auf 750.000 Seiten Papier,...
mehrMit der Vernissage der Ausstellung "Kritik und Klinik" in den Kunstsaelen Berlin eröffnet am 8. Februar das 7. Forum Expanded. Ab dem 9. Februar ist die Ausstellung täglich...
mehrDas komplette Programm 2012 ist ab sofort online. Unter dem Menüpunkt "programm" finden Sie Informationen und Termine zu allen Filmen und Veranstaltungen von Forum und Forum...
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