"Die Menschheit ist vom Meer besessen. [...] Es verhandelt die Grenze zwischen Leben und Tod, Oben und Unten, Luft und Wasser. [...] Es ist unendlich schön – wenn auch beunruhigend tief."
In den Gewässern, in denen schon Melvilles Pequod Moby Dick jagte, fängt Leviathan den Zusammenprall von Mensch, Natur und Maschine ein. Ein Jahr verbrachten Castaing-Taylor und Paravel filmend mit Hochseefischern aus New England auf dem Meer. Das entstandene Porträt der Fischereiarbeit steht in der alten Tradition, Fischerleute als Motiv für Bilder zu benutzen. Und dennoch widersteht der Film jedweder Romantisierung und dem Anthropozentrismus, die oftmals mit dieser Tradition einhergehen. Er evoziert vielmehr eine weniger emotionale Beziehung zwischen Mensch und Ozean sowie eine in ästhetischer und ontologischer Hinsicht gleichwertige Gewichtung von Humanem, Ökologischem und Industriellem. Mit einem Dutzend Kameras gedreht – die herumgeschleudert und angebunden sowie von Fischer zu Filmemacher gereicht wurden – entsteht das kosmische Porträt eines der ältesten Unterfangen des Menschen.
Wir freuen uns sehr, ab sofort Eva Heldmanns FREMD GEHEN. GESPRÄCHE MIT MEINER FREUNDIN auf unserem Video-on-Demand-Channel bei realeyz.tv präsentieren zu können. FREMD GEHEN. führt in eine Subkultur: in fremde Welten und auf fremdes Territorium. Auf der Suche nach Sex und Vergnügen begibt sich Eva Heldmanns Freundin Annette auf erotische Streifzüge durch Clubs und Kasernen der amerikanischen Armee in Frankfurt und Umgebung. Die Offenheit und provozierende Direktheit, mit der eine Frau über ihre sexuelle Lust spricht, und der Exhibitionismus, mit dem sich die deutsche Akademikerin an der Seite von schwarzen GIs vor der Kamera inszeniert, erhellt eine Seite weiblicher Lust, die nur wenig dargestellt ist. Durch Annettes neugieriges erotisches und waches Verhalten, ihren spezifischen und auch "unverschämten" Blick verändert und verkehrt sich die Perspektive auf eine Kasernen- und Männerwelt. Ihre Gefühle sind ambivalent: einerseits verführt sie der Charme, die Unverhohlenheit und Direktheit der Männer, das offensichtliche Begehrtwerden unabhängig von "Stand" und "Alter", gleichzeitig sind die Beziehungen die in den Militärclubs entstehen meist von Unverbindlichkeit, Flüchtigkeit und Fremdheit geprägt.
Ein Zeichenkurs, ein Safaripark, die Werkstatt eines Tierpräparators: drei Umgebungen, in denen sich Mensch und Tier begegnen. Im Mittelpunkt der Beobachtung stehen Blick- und Wahrnehmungsverhältnisse, die gleichzeitig oft ungleiche Machtverhältnisse spiegeln. Dabei scheint der Film die Frage mitzudenken, wie man Tiere filmen kann. Vom technisch hochgerüsteten zeitgenössischen Tierfilm, dessen allmächtige Kameras zu Wasser, zu Lande und in den Lüften jede Grenze überwinden und kein Geheimnis der Schöpfung mehr kennen, ist er dabei weit entfernt. Eine kommentarlose nüchterne Betrachtung – die Kamera ist oft unbewegt und beobachtet von einem festen Punkt aus mit feinem Gespür für Formen und Bewegung: Hörner vor einer Betonwand, die Beine nervöser Zebras in der Enge des Stalls, die Sorgfalt in den kundigen Handgriffen des Tierpräparators. Wohlüberlegte Einstellungen lassen Zeit zum Nachdenken über Schönheit und Fremdheit, über die domestizierte Wildnis in der Zivilisation. Orchestriert von den Umgebungsgeräuschen ergibt das eine Choreografie, ein filmisches Bestiarium, in dem sich zu den stoischen, ungerührten, ungeduldigen, wilden und rebellischen Tieren auch der Mensch gesellt. (Forumskatalog, Anna Hoffmann)
Wir freuen uns sehr, den diesjährigen Caligari- sowie FIPRESCI-Preisträgerfilm HÉLIO OITICICA sowie den Gewinner des entwicklungspolitischen Filmpreises 'Cinema fairbindet' ART/VIOLENCE (Palästinensische Gebiete/USA 2013) als Neuzugänge im Verleih begrüßen zu können. Beide Filme starten diesen Herbst im Kino. Aus dem diesjährigen Forum-Expanded-Programm werden die folgende Arbeiten bereits über arsenal distribution verliehen: Isabelle Prims DEJEUNER AVEC GERTRUDE STEIN, ONCE EVERY DAY von Richard Foreman, ROTATION von Ginan Seidl und Clara Wieck, James Richards’ NOT BLACKING OUT JUST TURNING THE LIGHTS OFF sowie BÜHNE von Daniel Kötter.
Düsseldorf, Anfang der 1970er Jahre. Der junge, introvertierte Beuys-Schüler Hans (Jakob Diehl) lernt Ruth (Natalie Krane) kennen, eine jugendliche Streunerin, die in einem Stadtpark lebt. Fasziniert von ihr, macht er Ruth zum Motiv seiner Videoarbeit und nimmt sie bei sich auf. Ruth wächst schnell in die Künstlerszene um Hans hinein, sie nimmt einen Job als Aktmodell an der Akademie an. Doch Hans misstraut ihrem neuen Leben, er argwöhnt, dass Ruth mit der Wandlung zum ‚Glamourgirl’ nur vor sich selbst flieht. Für ihn bleibt sie das rätselhafte, verirrte Mädchen, in das er sich insgeheim verliebt hatte, ein Sujet, das er mit niemandem teilen will. Eifersüchtig auf seinen besten Freund Philipp (Christoph Bach), sperrt er Ruth im Atelier ein, um – wie er glaubt – im Reagenzglas der Kunst ihr Geheimnis zu erforschen. Mit diesem Experiment geraten ihm Kunst und Leben unauflösbar durcheinander.
Seit einiger Zeit ist bei ARTE Creative – einer interaktiven Plattform für experimentelle Film- und Videoarbeiten – eine Auswahl an Filmen von arsenal distribution zu sehen. Neuester Zugang ist .SPURNAHME von Juliane Henrich. .SPURNAHME ist der Versuch, einen Ort als Erinnerungsort zu zeichnen. Und stellt die Frage, inwieweit man Dinge erinnern kann, die man nicht selbst erlebt hat, aber glaubt aus einem Ort lesen zu können. Der Film kreist um das Areal in Berlin Mitte, auf dem die neue Zentrale des Bundesnachrichtendienstes errichtet wird. Im Kaiserreich befand sich dort ein Exerzierplatz, zu DDR-Zeiten das "Stadion der Weltjugend." Eine Erzählerin spricht mit einem abwesenden Gegenüber, dabei greifen verschiedene Zeitebenen ineinander, verschiedene Perspektiven der Erinnerung und des Zurückdenkens – in eine vorgeschichtliche Vergangenheit, in die geschriebene Geschichte der Preußen, des Krieges, der Deutschen Demokratischen Republik. Im Hintergrund steht die Frage, wie sich Orte durch wechselnde Ideologien verändern oder Kontinuitäten aufweisen.
Wir gratulieren dem Team von "Tepenin ardı - Beyond the Hill" zum Best Feature Film award der 6. Asia Pacific Screen Awards, der höchsten filmischen Auszeichnung der Region. Mit der Begründung: „Ein Western aus der Türkei von heute!“ vergab die Caligari Filmpreis-Jury in diesem Jahr den Preis an Emin Alpers Spielfilmdebüt "Tepenin ardı - Beyond the Hill". Der pensionierte Forstverwalter Faik, der mit seinem jüngeren Sohn und dessen Familie ein abgeschiedenes Stück Land bewirtschaftet, bekommt Besuch von seinem älteren Sohn Nusret und den beiden Enkeln. Doch die Stimmung ist gedrückt. Faik hat Probleme mit Nomaden, die hinter dem Hügel leben, wo das Land nicht mehr ihm gehört. Sie wollen ihre Ziegen auch auf seinen Wiesen weiden lassen, Faik lehnt dies strikt ab. Auch innerhalb der Familie herrschen Spannungen. Nicht nur prallen unterschiedliche Temperamente aufeinander, sondern auch soziale Schichten. Doch Konflikte werden vermieden.
Drei Paare in der Krise suchen Rat in einer Therapie. Sie tragen Kontroversen um Seitensprünge, Abtreibung und getrennte Schlafzimmer aus. Vorwürfe, Ängste und Verletzungen kommen zur Sprache. Die Option Trennung steht im Raum. Die Fallgeschichten lassen überindividuelle Konfliktlinien, Strukturen und Beziehungsmuster zutage treten. Ein Film über Liebes-Beziehungs-Arbeit in progress. Die Versuchsanordnung: Im nüchternen Ambiente eines Studios finden Therapiesitzungen statt. Die verhandelten Probleme sind gängige. Die Klienten werden von Schauspielern dargestellt, die Therapeuten sind tatsächlich in diesem Beruf tätig und nicht inszeniert. Hinzu kommen in der Tradition des epischen Theaters gestaltete Szenen aus dem Alltag der Paare, die mit minimalem Dekor auskommen, sowie Werkstattgespräche, in denen die Therapeuten dem Filmteam aus ihrer Praxis berichten. Dokumentarische Elemente und improvisiertes Schauspiel gehen eine ungewöhnliche Verbindung ein und ergeben eine Spiel-Art des Dokumentarischen, die mit Abstraktion und Fiktion arbeitet und sich um Authentizität nicht schert. In der offensichtlichen Laborsituation und ihrer Künstlichkeit entstehen berührende Momente voller Emotion.
Seit Jahren versuchen christlich-religiöse Gruppen in Uganda ein verschärftes Anti-Homosexualitäts-Gesetz durchzusetzen, das Haftstrafen für Homosexuelle und in „schweren Fällen“ sogar die Todesstrafe vorsieht. David Kato, Menschenrechtsaktivist und der erste offen schwul lebende Mann Ugandas, und seine Mitstreiter_innen versuchen, das mit allen Mitteln zu stoppen. CALL ME KUCHU dokumentiert ihren Kampf gegen die Hetze der Presse und der ugandische Regierung. Die brutale Ermordung Katos während der Dreharbeiten im Januar 2011 erschüttert die Gemeinschaft zutiefst und gibt dem Anliegen der Aktivisten eine noch stärkere, traurige Dringlichkeit. Nach weltweiten Protesten wird der Gesetzesentwurf vorläufig zurückgezogen, nur um ihn nach Abebben der Proteste im Februar 2012 erneut ins Parlament einzubringen. Mitte November 2012 lies die ugandische Regierung wissen, dass sie das Gesetz bald möglichst verabschieden wollen.
Das Dörfchen Doel ist dem expandierenden Hafen von Antwerpen im Weg. Ein Abrissbeschluss steht – die Vergangenheit muss der Zukunft weichen. Emilienne, eine rüstige Dame, sieht das anders. Sie will nicht umziehen, viel zu wohl fühlt sie sich in ihrem Haus mit wildem Garten. Aber die Arbeiten schreiten voran, und Doel wirkt schon jetzt wie ausgestorben. Nur die ältesten Bewohner, darunter Emiliennes Freundin Colette und der betagte Dorfpfarrer, bilden eine ausharrende Schicksalsgemeinschaft. Als der Pfarrer stirbt und Colette aufzugeben scheint, bleibt Emilienne allein zurück.
Wir freuen uns, am 16. August den neuen Film von Wendelien Van Oldenborgh zu präsentieren, den wir seit Juli in unserem Verleih führen: BETE & DEISE (Niederlande / Brasilien, 2012) zeigt die Begegnung zweier Frauen in Rio de Janeiro, die in ihrer jeweils eigenen Art und Weise der Öffentlichkeit eine Stimme geben. Bete Mendes ist eine Veteranin der Telenovela-Darstellerinnen und politische Aktivistin, Deise -Tigrona eine der stärksten Stimmen des Baile Funk, deren Song "Injeção" Ausgangspunkt für den Song "Bucky Done Gun" der Musikerin M.I.A. war. Der Film entstand im Rahmen von Van Oldenborghs Recherchen zum brasilianischen Kino und ihrer Untersuchung von Gesten im öffentlichen Raum als Ausdruck sozialer Verhältnisse. Die Filmemacherin wird zur Premiere im Kino Arsenal anwesend sein.
Wir freuen uns, ab dem 1. September Bernhard Sallmanns Dokumentarfilm DAS SCHLECHTE FELD auf unserem Video-on-Demand-Channel bei realeyz.tv präsentieren zu können. Der Blick aus dem Fenster seines Zimmers im elterlichen Haus auf DAS SCHLECHTE FELD ist die Antriebskraft dieses Filmprojekts. Das Feld ist die Schnittstelle und Projektionsfläche für alle verhandelten Themen: Kindheit, Krieg, das Verschwinden der bäuerlichen Welt – eine Kollision von Zeiten.
Nach zehn Jahren Ehe verlässt Karen ihren Mann. Eigentlich, so wird sie ihm später sagen, haben sie nie zueinander gepasst. Sie will ihr Leben neu gestalten, herausfinden, wer sie ist oder noch sein könnte. Mehr noch als emotionale, wirft dieser Schritt erstmal lebenspraktische Fragen auf, denn Karen hat keinen Job, keine Freunde, kaum Geld. Sie schlägt sich durch und lernt in der Absteige, in der sie gelandet ist, Patricia, eine Friseurin, kennen. An der Seite der jüngeren und auf den ersten Blick stärkeren Freundin macht Karen ihre ersten Schritte in die Unabhängigkeit und lernt Eduardo, einen Schriftsteller, kennen. Eine Frau auf dem Weg zu sich selbst. Welche Sehnsucht treibt sie? Wann ist man eigentlich bei sich selbst? Wie leicht ist es, das, was andere erwarten, mit dem zu verwechseln, was man selbst will? Wie viel Alleinsein hält man aus, wann hört man auf, Kompromisse zu machen für eine herkömmliche Vorstellung von Sicherheit und Stabilität? Gabriel Rojas Vera richtet in seiner Beschreibung der kleinen Schritte, die Karen macht, seinen Blick mehr auf das Innere seiner Figur als auf das äußere Drama. Mit großer Sympathie für seine Figuren erzählt er eine kleine Geschichte, die große Fragen berührt.
CALL ME KUCHU von Malika Zouhali-Worrall und Katherine Fairfax Wright, auf der diesjährigen Berlinale mit dem entwicklungspolitischen Filmpreis 'Cinema fairbindet' sowie dem Dokumentarfilm-Teddy ausgezeichnet, startet ab 20. September bundesweit in ausgewählten Kinos. Begleitend tourt der Film mit der 'Cinema fairbindet'-Roadshow durch mehrere Städte; Auftakt ist am 18. September in Bonn.
Seit Jahren versuchen christlich-religiöse Gruppen in Uganda ein verschärftes Anti-Homosexualitäts-Gesetz durchzusetzen, das Haftstrafen für Homosexuelle und in „schweren Fällen“ sogar die Todesstrafe vorsieht. David Kato, Menschenrechtsaktivist und der erste offen schwul lebende Mann Ugandas, und seine Mitstreiter_innen versuchen, das mit allen Mitteln zu stoppen. CALL ME KUCHU dokumentiert ihren Kampf gegen die Hetze der Presse und der ugandische Regierung. Die brutale Ermordung Katos während der Dreharbeiten im Januar 2011 erschüttert die Gemeinschaft zutiefst und gibt dem Anliegen der Aktivisten eine noch stärkere, traurige Dringlichkeit. Nach weltweiten Protesten wird der Gesetzesentwurf vorläufig zurückgezogen, nur um ihn nach Abebben der Proteste im Februar 2012 erneut ins Parlament einzubringen. Der Ausgang der Debatte ist noch offen.
Angetreten um einer Welt, der die Utopien und die Poesie abhandengekommen sind, den Kampf anzusagen, haben die Bewohner eines Abrisshauses eine temporäre autonome Zone errichtet. Eine Art situationistische Stadtguerilla der Gegenwart, verbringen sie ihre Tage damit, auf materieller wie immaterieller Ebene Unruhe zu stiften. Es wird rezitiert und deklariert, diskutiert, performed und getröstet. Eine Frau wird gekidnappt, pantomimisch der Nahkampf geübt, Schamhaare zu Schnurrbärten umarrangiert. Viele der lustvoll-sinnlosen Aktionen der Bewohner drehen sich im Kreis; hierin ist bereits deren ironische Selbstreflexion enthalten: Letztlich sind sie bloße ästhetische Imitation der Parolen, Gesten und Posen der politischen und künstlerischen Praxis der 1960er und 1970er. So verkünden die Bewohner schließlich das Ende der eigenen Avantgarde und geben ihr Haus dem Abriss anheim. Mit der gleichen Freude am Verwirrspiel experimentiert dieser einfallsreiche, wunderbar fotografierte Film mit Form und Inhalt. Gespickt mit diskursiven und filmischen Referenzen ist er sich der eigenen Begrenztheit vollends bewusst und vertritt doch selbstbewusst die These, dass noch in jeder Wiederholung etwas von der unruhestiftenden Kraft der ursprünglichen Geste liegt.
Ein Filmfestival hat zwei Funktionen: die Entdeckung neuer Filme, sowie die Begegnung mit Filmschaffenden, Kuratoren, Kritikern und Zuschauern, mit denen man sich über die Entdeckungen auseinandersetzt. Organisiert vom Goethe-Institut Kairo und unter der künstlerischen Leitung von Marcel Schwierin fand von 2009–2011 mit "Arab Shorts" ein Festival statt, das erfolgreich gezeigt hat, wie bedeutsam und keineswegs selbstverständlich beides immer noch ist. Kuratoren aus arabischen Ländern waren eingeladen, in Kairo Kurzfilmprogramme zu präsentieren. Zusammen gekommen ist eine Vielzahl an unabhängigen Arbeiten aus der arabischen Welt, wie wir sie in solch kompakter Form nur selten zu sehen bekommen. Überzeugt davon, dass die "Arab Shorts" über das Festival in Kairo hinaus gesehen und diskutiert werden sollten, haben wir einige kuratierte Programme und Einzelwerke ausgewählt. In Zusammenarbeit mit dem Goethe-Institut Kairo und durch seine großzügige Unterstützung konnten wir so insgesamt 61 Arbeiten in den Verleih übernehmen.
Das Ergebnis stellen wir vom 2.-5. Juli im Kino Arsenal vor: Drei Abende mit jeweils zwei kuratierten Programmen finden mit der Long Night of Arab Shorts ihre Vollendung, in der Einzelwerke in einem mehr als vierstündigen Programm gezeigt werden. Zuschauer, Kuratoren und Filmemacher sind dazu eingeladen, in den Pausen im Foyer zu essen, zu trinken und sich auszutauschen. Wir freuen uns besonders, dass die KuratorInnen Ala Younis, zur Zeit Living Archive-Stipendiatin, sowie Yazan Khalili und Maha Maamoun und die FilmemacherInnen und KünstlerInnen Monira Al Qadiri, Firas Taybeh, Ammar Bouras und Solmaz Shahbazi zu Gast sein werden. Im Anschluss gehen die "Arab Shorts" auf Tournee und stehen für den Verleih zur Verfügung.
Wir freuen uns, dass ein Großteil der Werke aus dem diesjährigen Forum Expanded-Programm nun in unserem Verleih ist: KING LOST HIS TOOTH und T.S.T.L (Libanon 2012) von Gheit Al-Amine, AS THEY SAY (Hicham Ayouch, Marokko, Vereinigte Arabische Emirate 2011) FALGOOSH / BLAMES AND FLAMES (Mohammadreza Farzad, Iran 2011), THE CONDITION OF THE WORKING CLASS IN ENGLAND – LITTLE IRLAND. 1842/ 2011 (Rainer Ganahl, Österreich, Großbritannien, USA 2011), BYE BYE (Paul Geday, Ägypten, Niederlande 2012), MY FATHER IS STILL A COMMUNIST, INTIMATE SECRETS TO BE PUBLISHED (Ahmed Ghossein, Libanon 2011), O.G.B.I.P. [ Our Global Behaviour Is Psychopathic II ] (Virlani Hallberg & Jennifer Rainsford, Schweden 2011), RIVERRED (Eva Heldmann, Deutschland 2011), TROLLSLÄNDOR MED FAGLAR OCH ORM / DRAGONFLIES WITH BIRDS AND SNAKES (Wolfgang Lehmann, Schweden, Deutschland 2011), LA ROUGE ET LA NOIRE (Isabelle Prim, Frankreich 2011), PERIL OF THE ANTILLES (Fern Silva, USA, Haiti 2011), VATER, MUTTER, WAS SOLL ICH HEUTE FILMEN? (Isabell Spengler, Deutschland 2011) sowie die installativen Arbeiten BAROMETER (I) (Heike Baranowsky, Deutschland 2011), A TALE OF TWO ISLANDS (Paola Calvo & Steffen Köhn, Deutschland 2011), A WORLD OF OUR OWN (Eline McGeorge, Norwegen, Großbritannien 2011), SEEKING THE MONKEY KING (Ken Jacobs, USA 2011) und VENUS MISSION (Anne Quirynen, Belgien, Deutschland 2012).
Wir freuen uns sehr, Stefan Landorfs vielschichtiges Debüt AUFNAHME ab dem 1. Mai auf unserem VoD-Channel bei realeyz.tv präsentieren zu können. Landorf, selbst ein ehemaliger Arzt, widmet sich hier einem Berliner Krankenhaus. Visite, der ärztliche Rundgang, und Anamnese, die Erfragung eines Krankenbildes, diese Begriffe aus der Medizin lassen sich auch auf die Struktur des Films anwenden, denn die Institution erscheint darin wie ein Organismus, der auf verschiedenen Wegen untersucht und abgeklopft wird.
Saba Sahar ist Polizistin in Afghanistan – sowie Schauspielerin, Regisseurin und Produzentin. Als Vertreterin der staatlichen Exekutive wie als Filmemacherin setzt sie sich für die Rechte der Frauen in der stark männerdominierten afghanischen Gesellschaft ein. Sahars Stärke ist die unbeirrbare Leidenschaft für ihr zerrüttetes Land: wo Frauenrechte mit Füßen getreten werden, schlägt sie mit den Waffen des Films zurück. So kämpft sie in einem ihrer Filme als Superheldin im Martial-Arts-Stil gegen ihre männlichen Widersacher, um eine Frau aus deren Fängen zu befreien. Persönliche Begegnungen mit Sahar sowie unterhaltsamen Ausschnitten aus ihren Filmen, eröffnen einen ungewohnten Blick auf einen Schauplatz, der sonst Garant für traurige Nachrichten ist. Saba Sahar ist im wahren Leben keine Superheldin – aber eine Heldin, die Hoffnung gibt.
2009 präsentierten das Arsenal und das Hebbel am Ufer (HAU) "LIVE FILM! JACK SMITH! Five Flaming Days in a Rented World", kuratiert von Susanne Sachsse, Stefanie Schulte Strathaus und Marc Siegel. Gemeinsam mit 50 internationalen Künstlern und Wissenschaftlern widmete sich das Event dem Underground-Pionier und der queeren Ikone Jack Smith (1932–89). Superstar Mario Montez, der für LIVE FILM zum ersten Mal wieder auf der Bühne stand, und die teilnehmende Regisseurin Ulrike Ottinger erhielten bei der Berlinale einen Ehren-Teddy. Nun gibt es wieder große Neuigkeiten: Auf Initiative von Jerry Tartaglia und durch die Leidenschaft und Tatkraft vieler stellt das Jack Smith Archive der Barbara Gladstone Gallery dem Arsenal nagelneue 16mm-Kopien für Verleihzwecke zur Verfügung. Pünktlich zu Camp / Anti-Camp können wir sie am 13. April dem Publikum präsentieren und wir hoffen, dass sie künftig auf vielen Leinwänden erstrahlen!
Wir freuen uns sehr, zwei neue Filme auf unserem VoD-Channel bei realeyz.tv präsentieren zu können. AFTER EFFECT von Stephan Geene erzählt eine Liebesgeschichte, die auf der Stelle zwischen Kunst, kulturellem Kapital und Marketing tritt. UMDEINLEBEN von Gesine Danckwart ist ein unterhaltsamer, selbstironischer Film über sechs Frauen, die an diesem Tag mal wieder versuchen, ihr Leben zu retten. Bisher sind auf unserem VoD-Channel folgende Filme verfügbar: AUSGERECHNET BULGARIEN von Christo Bakalski, DER TAG DES SPATZEN von Philip Scheffner, MR. GOVERNOR von Måns Månsson, SUNNY LAND von Aljoscha Weskott & Marietta Kesting, SUPER ART MARKET von Zoran Solomun, ÜBERTRAGUNG von Harun Farocki sowie Angelika Levis Filme MEIN LEBEN TEIL 2 und ABSENT PRESENT.
Die sechsjährige Jin lebt mit ihrer Mutter und ihrer kleinen Schwester Bin in einer kleinen Wohnung in Seoul, Südkorea. Als die Mutter sich auf die Suche nach dem Vater der beiden Mädchen macht, von dem sie getrennt lebt, müssen Jin und Bin den Sommer bei ihrer alkoholkranken Schwägerin verbringen. Zum Abschied bekommen sie von der Mutter ein Sparschwein; sie verspricht, zurück zu sein, sobald es voll ist. Doch als es soweit ist, bleibt die Mutter verschwunden. Jin und ihre Schwester werden auf eine Farm gebracht, die ihren Großeltern gehört. Durch dieses Erlebnis erkennt Jin die Bedeutung familiärer Bindungen. Unter dem Einfluss ihrer resoluten und hart arbeitenden Großmutter lernt Jin, dass sie durch ihre Fürsorge für die jüngere Schwester ihren Schmerz verwinden kann.
Seit Februar letzten Jahres ist bei ARTE Creative – einer interaktiven Plattform u.a. für experimentelle Film- und Videoarbeiten – eine Auswahl an Filmen von arsenal distribution zu sehen. Jeden Monat kommt ein neuer Film hinzu, der für jeweils ein Jahr gestreamt wird. Ab März wird Gheith Al-Amines Video ONCE UPON A SIDEWALK (Libanon 2009, 20’) gezeigt, das die Darstellung von Frauen als Objekte des Begehrens betrachtet und das Medium Video analysiert, indem es wiederholt dessen Parameter manipuliert. Geith Al-Amines Arbeiten "T.S.T.L" und "King Lost His Tooth" wurden im Forum Expanded der Berlinale 2012 gezeigt.
Roger arbeitet als Yoga-Lehrer. Das Verhältnis zu seiner frisch aus dem Militärdienst ausgeschiedenen Tochter Zoe wird durch deren Liebe zu Maya belastet, einer jungen Frau, der Schizophrenie attestiert wurde. Rogers wiederholtes Zuspätkommen und ein mitgebrachter herrenloser Hund sorgen für Spannungen mit den Teilnehmern seiner Yoga-Klasse. Auch ein Renovierungsauftrag, den Roger, Zoe und Maya in einem bürgerlichen Haus übernehmen, verläuft alles andere als plangemäß und spannungsfrei. Drei Menschen, die sich am Rand bewegen: der Gesellschaft, der Beherrschung, der Kräfte, des Zusammenbruchs. Die von Roger problematisierten unterschiedlichen Realitäten, für die Mayas Schizophrenie metaphorisch steht, holen ihn in der Yoga-Klasse ein, wenn sein Glaube "we can make our own time" ebenso schnell an seine Grenzen stößt, wie das "feel united with the world around you" mit der sozialen Realität kollidiert. Fernab vom Sozialdrama hat Zbigniew Bzymek in seinem Spielfilmdebüt eine Form gefunden: Entdramatisiert und nicht linear bildet sich aus teils durch Schwarzblenden separierte Szenen die Skizze einer Geschichte. Mit einer eigentümlich schwebenden Atmosphäre und einer der nachhaltigsten Gitarrenimprovisationen seit "Dead Man".
SONNENSYSTEM ist ein Film über das Verschwinden. Er erzählt vom Alltag der indigenen Gemeinschaft der Kollas von Tinkunaku in den Bergen Nordargentiniens. Er erzählt von Ramona und Viviano im hoch gelegenen Santa Cruz und in Blanquito im Tal und vom taubstummen Fortunato und von Luis Familie, und von Soto dem Hirten, von Cecilia und Bernardo, dessen Traktor sich überschlug, und von Guido dem Kind, das den Menschen aus dem Lehm ritzt, von Gott und vom Fasching den alle feiern, und von den fließenden Wassern. Der Film zeigt Begegnung ohne Kenntnis der Sprache des andern. Eine Erzählung ohne Worte vom Kennenlernen und einander Sehen. Ausschließlich über Bilder, ohne jedes Interview oder Kommentierung nähert sich der Film den Menschen dieser kleinen Gemeinde, folgt der Wanderung von Viviano und Ramona vom Tal in das dreieinhalbtausend Meter hoch gelegene Dorf Santa Cruz, wo sie den Sommer verbringen bis der irgendwann einsetzende Herbstregen sie wieder hinabsteigen lässt nach Rio Blanquito. Mit den religiösen Kollas lebend, zwischen alten Riten und hereinbrechender Moderne, in der grandiosen Landschaft der Yunga und Quechua erzählt der Film vom Alltag des Verschwindens eines indigenen Volkes. Dies irae. (Text: Thomas Heise)
Zuerst der qualmende Schlot, mit dem Teleobjektiv in nächste Nähe gerückt. Dann die Züge, die Wolken und die Vogelschwärme, das Stadtpanorama im Weitwinkel. Flugzeuge. Zeitraffer, Zeitlupe. Später schwarze Regenwolken, Sonne, Schnee, Mondschein. Die Straße vor dem Haus: Lagerhallen, vor denen Schrott sortiert wird, Wein geliefert, eine Party gefeiert. Brennende Autos, ein schwerer Motorradunfall. Eine junge Frau, die tagein tagaus ihre Post abholt und die NZZ. Von links durchquert sie das Bild, von rechts kehrt sie zurück. Den Beobachter scheint sie nicht zu bemerken über all die Jahre, die er mit seiner Kamera am Fenster steht und das Leben aufzeichnet, das sich vor seinem Atelier ausbreitet. Wie die Zeit vergeht, das stellt der Zuschauer zuerst an den Nachrichten auf dem Anrufbeantworter des Filmemachers fest. Anfangs wirken sie ein wenig komisch, die Anrufe glücklicher oder enttäuschter Freundinnen, die Urlaubsgrüße und Glückwünsche. Da sind sie noch aus dem Zusammenhang gerissen, der sich alsbald herstellt. Dann auf einmal kommt jeder Nachricht eine historische Bedeutung zu. Krankheit, Tod, Schwangerschaft, Geburt, Trennung, Erfolge, Misserfolge. Ein Schock, als man schließlich feststellt, dass man sich mitten in einem Leben befindet, dramatischer als jede Fiktion. (Forumskatalog, Christoph Terhechte)
Der Film, der auf der Berlinale 2011 mit dem Caligari-Preis des Forums sowie dem Teddy für den besten Dokumentarfilm ausgezeichnet wurde, ist ein intimes, berührendes Porträt über das Leben und Werk des bahnbrechenden Performance-Künstlers und Musik-Pioniers Genesis Breyer P-Orridge - bekannt durch COUM Transmissions (1969-1976), Throbbing Gristle (1975-1981) und Psychic TV (1981 bis heute) - und seiner Lebens- und Arbeitspartnerin Lady Jaye. Man mag einen Film über die Geschichte der Industrial Music erwarten, über Genesis als Bindeglied zwischen Pre- und Postpunk-Ära, über den Underground seit den 1970er Jahren. Das ist er auch, aber erzählt aus der Perspektive einer großen romantischen Liebe, die in den 1990er Jahren ihren Anfang nahm. Genesis und Lady Jaye beginnen durch Operationen eins zu werden, ein Drittes, ein Pandrogyn. Beeinflusst, wie so vieles in Genesis‘ Arbeit, von Brion Gysins und William Burroughs "Cut Ups", war es der Versuch, zwei einzelne Identitäten zu dekonstruieren, durch die Schaffung einer unsichtbaren Dritten.
Der Preisträgerfilm des in diesem Jahr zum ersten Mal während der Berlinale verliehenen entwicklungspolitischen Filmpreises "Cinema fairbindet", gestiftet vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (BMZ), tourt im Rahmen der "Cinema fairbindet"-Roadshow vom 18. Oktober bis 21. Dezember durch 25 Städte in Deutschland. Weiter unten finden Sie die komplette Liste der Kinos sowie die Vorführungsdaten. Bitte besuchen Sie die Homepage Ihres nächstgelegenen Kinos für weiteren Angaben.
Da der Vater des siebenjährigen Sahand Arbeit auf einem Ölfeld im Süden des Irans gefunden hat, muss die Familie aus dem fruchtbaren Norden in den heißen, trockenen Süden ziehen. Kurz darauf bricht der Krieg gegen den Irak aus. Sahand ist mit seiner Mutter allein zuhause, als eine Bombe die Mutter tötet. Er selbst überlebt schwer traumatisiert. Überfordert bringt der Vater Sahand und seine zwölfjährige Schwester Shooka zurück in ihr Heimatdorf, wo sie beim Großvater unterkommen. Die Ruhe und die Schönheit des Nordens sollen Sahand von seinem Trauma befreien. Doch Sahand hat es schwer, wird von den anderen Kindern im Dorf gehänselt. Bei einem Ausflug an einen nahegelegenen See entdeckt er eine angeschossene Wildgans. Ihr Gefieder erinnert ihn an das weiße Kleid seiner Mutter, das sie am Tag ihres Todes trug. Der Großvater verbietet Sahand, sich um die Gans zu kümmern. Doch in der Nacht schleicht sich der Junge davon, um sie zu suchen.
13 Experimentalfilme aus dem Programm des diesjährigen Forum Expanded sind ab sofort im Verleih von arsenal distribution erhältlich: BLIND von Annika Larsson, (Deutschland/Schweden 2010, 20’), CARRYING PICTURES von Tom Holert (Deutschland 2010, 10’); CET HOMME von Markus Ruff (Deutschland 2011, 45’), DAS SCLAFENDE MÄDCHEN von Rainer Kirberg (Deutschland 2010, 114’), FÜHRUNG von René Frölke (Deutschland 2010, 37’), INTO THIN AIR von Mohammadreza Farzad (Iran 2010, 26’), MINOR von Patty Chang (USA 2010, 25’), NATIONAL MOTIVES von Raphaël Grisey (Frankreich/Ungarn 2010, 28’), PARALLEL WORLDS von Harald Thys und Jos de Gruyter (Belgien 2010, 26’), PAROLE À LA FEMME von Eléonore de Montesquiou (Estland 2010, 8’), PIGS von Pawel Wojtasik (USA 2007-2010, 7’), THE STORY OF MILK & HONEY von Basma Alshrif (Libanon 2010, 10’) und SURFACE NOISE von Tim Blue, David Phillips und Paul Rowley (Deutschland 2010, 7’).
Vom 28. Oktober bis 1. November 2009 präsentierte das Arsenal gemeinsam mit dem HAU / Hebbel am Ufer das Festival "LIVE FILM! JACK SMITH! Five Flaming Days in a Rented World". Dieses Festival, kuratiert von Stefanie Schulte Strathaus, Marc Siegel und Susanne Sachsse, widmete sich gemeinsam mit 50 internationalen KünstlerInnen und WissenschaftlerInnen dem Pionier des US-amerikanischen Underground und der queeren Ikone, Jack Smith. Mit Performances, Filmen, Videos, Diashows, Ausstellungen, Konzerten, Vorträgen und Diskussionen eröffnete "LIVE FILM!" nicht nur unterschiedliche Perspektiven auf das Gender- und Genregrenzen sprengende Werk Jack Smiths, Andy Warhols und anderer Avantgardisten der 1960er Jahre, sondern inszeniert Smiths Werk auch im Austausch mit neuen Arbeiten einer Vielzahl internationaler zeitgenössischer KünstlerInnen.
Die im Rahmen dieses Festivals vom Arsenal Institut in Auftrag gegebenen Videos und Filme sind ab sofort im Verleih von arsenal distribution erhältlich.
Eine DVD-Box mit insgesamt 40 Arbeiten aus den Jahren 2009 und 2010 kann ab sofort von Kurator/innen, Festivals und andere Multiplikator/innen angefordert werden.