Ala Younis: Everything is Alright, Officer (2011)

(1) LE MONDE SOUS LA TABLE 2010 (2) 2026 2010 (3) CHILDREN OF FIRE 2009 (4) MERELY A SMELL 2007 (5) PAPER DRESS 2009 (6) SANS TITRE 2010 (7) AL WADI 2011 (8) WITH SOUL WITH BLOOD 2006

LE MONDE SOUS LA TABLE
Mohssin Harraki, Marokko/Frankreich 2010, OmE, 8 min

In LE MONDE SOUS LA TABLE zeichnet eine unsichtbare Hand eine Weltkarte auf einer weißen Oberfläche. Ein Magnet unter dem Zeichentisch zeichnet die Konturen der Karte nach und steuert die Bewegungen des Stiftes, der sich über dem Tisch befindet. Der Magnet auf dem Tisch folgt somit den Linien seines unsichtbaren Gegenparts unter dem Tisch und macht so einen Vorschlag für eine neue Weltkarte.

Mohssin Harraki, geboren 1981, ist ein Künstler, der in verschiedenen Disziplinen arbeitet und dessen Werk kulturelle Konstruktionen, die Konsequenzen des Postkolonialismus und kollektive Wahrnehmung untersucht. Durch sein Studium an der Hochschule für Bildende Künste in Dijon interessiert sich Harraki besonders für kulturelle Grenzen und soziale Praktiken, seine ersten Videoarbeiten zeigen Interviews mit Künstlerkollegen, die alltägliche politische Themen diskutieren, ohne direkten Bezug zur künstlerischen Praxis. Er lebt in Dijon and Tanger.

2026
Maha Maamoun, Ägypten 2010, OmE, 10 min

Basierend auf einem Text des zeitgenössischen ägyptischen Romans „The Revolution of 2053“ von Mahmoud Uthman und mit einer Referenz auf Chris Markers LA JETÉE (1962) schildert in dem Film ein Zeitreisender im Jahr 2026 seine Zukunftsversion der Region der Pyramiden und, darüber hinaus, ganz Ägyptens. Eine Vision, die sehr viel weiter gehen möchte als es die durch die Gegenwart bedingten gedanklichen Einschränkungen erlauben.

Maha Maamoun, geboren 1972, arbeitet hauptsächlich mit Fotografie und Video, dabei gehen ihre Arbeiten häufig von visuellen Überblicksdarstellungen Kairos aus, um von dort aus zu erforschen, wie diese mit persönlichen Erfahrungen verwoben bzw. von diesen bestimmt sind. Maamouns Arbeiten wurden bei verschiedenen Biennalen und Ausstellungen gezeigt, darunter „Mapping Subjectivity: Experimentation in Arab Cinema from the 1960s to Now" (MoMA, 2010). Die Kuratorin und Künstlerin lebt in Kairo.

CHILDREN OF FIRE
Mohammed Al Hawajiri, Palästina 2009, OF, 3 min

Mit der Kindheit lernt man, dass die Nacht mit dem Schlaf einhergeht und währenddessen das Leben stillsteht. Die Dunkelheit ruft Mythen und mysteriöse Geschichten wach, die jungen Menschen Angst machen. In den dunklen Nächten Gazas gehen Kinder raus um diese Angst zu verbrennen. Um ihre Alltagsschwierigkeiten zu überwinden, werden sie zu Kindern des Feuers, die sich der Dunkelheit stellen.

Mohammed Hawajiri, geboren. 1975, studierte Malerei und Zeichnen am YMCA in Gaza. Abgesehen von privaten Ausstellungen vor Ort hat Hawajri sein Werk in internationalen Ausstellungen präsentiert. Er ist einer der Gründer des Programms für Bildende Künste der Palestine Red Crescent Society im Gazastreifen sowie der Eltiqa Group für Zeitgenössische Kunst. Hawajri arbeitet in verschiedenen Medien – Malerei, Bildhauerei, Videokunst, Fotgrafie –, wobei die Wahl des Mediums von solch profanen Gründen wie der Zugänglichkeit der Materialien zum jeweiligen Zeitpunkt abhängt. Er lebt in Gaza.

MERELY A SMELL
Maher Abi Samra, Libanon 2007, engl. OF mit franz. UT, 10 min

Sommer 2006: Israel führt Krieg gegen den Libanon. Ein Schiff legt im belagerten Beirut an um Ausländer zu evakuieren. Aus den Trümmern zerstörter Gebäude bergen humanitäre Helfer die Körper der Toten. Körper bewegen sich zwischen Licht und Dunkelheit, dem Leben und seinem Erlöschen, und ziehen dabei die Grenzen zu den anderen Körpern neu, während der Geruch des Todes alles verhüllt.

Maher Abi Samra, geboren 1965, lebt in Beirut und studierte Theaterwissenschaften an der Lebanese University in Beirut und Audio-visuelle Medien am Institut National de l’Image et du Son in Paris. Er hat als Fotojournalist für libanesische Tageszeitungen und internationale Agenturen gearbeitet. MERELY A SMELL wurde beim Internationalen Wettbewerb für kurze Dokumentarfilme des DOK Leipzig 2007 und beim Brazil‘s It‘s All True International Documentary Film Festival 2008 ausgezeichnet.

PAPER DRESS
Kasem Kharsa, Jordanien/Ägypten 2009, OmE, 7 min

Von der Dunkelheit umgeben erzählt eine junge Iranerin von einem schmerzlichen Moment in ihrem Leben. Die Kindheitserinnerungen werden anhand persischer Scherenschnitte verdeutlicht, Bilder, die an ein Märchen oder ein Kinderbuch erinnern. Das Nebeneinanderstellen von Imaginären und Realem belebt Papierwelt und -figuren und kreiert dabei ein komplexes Netz aus Nostalgie, Tragödie und Hoffnung.

Kasem Kharsa, geboren 1977, ist ägyptisch-amerikanischer Designer, Filmemacher, Schriftsteller und bildender Künstler. Seine Kindheit verbrachte Kharsa in den USA und im Nahen Osten, heute besucht er das Rawi Screenwriter Lab, die Sundance Directors/ Writers Labs und Binger Filmlabs. Momentan arbeitet er an seinem ersten Langspielfilm SHELTER. Er lebt in Beirut.

SANS TITRE (UNTITLED)
Neil Beloufa, Algerien/Frankreich 2010, OmE, 15 min

Eine mit Pappkarton und Fotografien nachgebaute, luxuriöse Villa in Algerien im kalifornischen Stil. Die Bewohner und andere Protagonisten fragen sich, warum und wie die Villa von Terroristen besetzt wurde, die sich dort versteckten, obwohl das Gebäude komplett aus Glas gebaut ist. Um keine Spuren zu hinterlassen, putzten sie sogar die Scheiben blank. Diese unwahrscheinliche und unlösbare Anekdote ermutigt die Protagonisten Bilder eines Medienereignisses zu erfinden, allerdings ohne Bilder und Story – womit sie am Wichtigsten scheitern.

Neil Beloufa, geboren 1985, studierte Bildende Kunst an der Ecole Nationale Supérieure des Beaux-Arts und an der Ecole Nationale Supérieure des Arts Décoratifs in Paris und nimmt momentan an dem Stipendiatenprogramm von Le Fresnoy teil. Er erhielt verschiedene Preise. Seine Arbeiten wurden in Einzel- und Sammelausstellungen gezeigt. Seine Filme sind international bei Video- und Dokumentarfilmfestivals vertreten. Er lebt in Paris.

AL WADI (THE VALLEY)
Firas Taybeh, Jordan 2011, OmE, 13 min


AL WADI ist eine Komödie, die in der Zukunft spielt, mit einer primitiven Kulisse in einem Wüstengebiet in dem ein Fluss ausgetrocknet ist. Zwei Figuren bewohnen das Gebiet: ein Bergarbeiter und ein Mann, dessen Arbeit darin besteht, Menschen bis zur anderen Seite des Tales zu führen. Eine Verschwörung löst einen Konflikt zwischen den beiden Männern aus und sie verlassen das Tal. Durch nahöstliche Volkssagen inspiriert, ist diese experimentelle work-in-progress-Arbeit eine Skizze für einen abendfüllenden Spielfilm.

Firas Taybeh, 1983 in Lybien geboren, lebt heute in Amman. Er studierte Regie und Kamera am Red Sea Institute of Cinematic Arts in Aqaba und begann seine künstlerische Laufbahn während des Bildhauerei-Studiums, bevor er sich 2007 dem Filmemachen zuwandte. Taybeh hat als unabhängiger Produzent, Kameramann und Artdirector in vielen jordanischen Produktionen gearbeitet und ist einer der Gründer von Aramram, Jordaniens erstem Web-TV.

WITH SOUL, WITH BLOOD
Rabih Mroué, Libanon 2006, OmE, 4 min

WITH SOUL, WITH BLOOD zeigt den vergeblichen Versuch Rabih Mroués durch intensive Betrachtung eines körnigen Zeitungsfotos, das eine riesige protestierende Menge zeigt, Spuren seiner eigenen Anwesenheit bei dem politischen Ereignis zu finden.

Rabih Mroué, geboren 1967, ist Schauspieler, Regisseur, Dramatiker, bildender Künstler und Redakteur für The Drama Review (TDR). Mit seinem komplexen und vielfältigen Werk, das Disziplinen und Formate aus Theater, Performance und bildender Kunst vereint, hat Mroué sich als Schlüsselfigur einer neuen Generation von Künstlern im Libanon etabliert. Er lebt in Beirut.