Januar 2018, distribution news

"Spell Reel"

von Filipa César, Kinostart: 12. April 2018

© Spectre Productions

2011 tauchte in Guinea-Bissau ein Film- und Tonbandarchiv wieder auf, das den Befreiungskampf gegen die Kolonialmacht Portugal (1963–74) dokumentiert. Filipa Césars Film ist das Ergebnis eines vielschichtigen Recherche- und Digitalisierungsprojekts in Kooperation mit den guineischen Filmemachern und Freiheitskämpfern Sana na N’Hada und Flora Gomes. Beide begannen nach ihrer Filmausbildung in Kuba, die Kamera als Beobachter einzusetzen.

Das Archivmaterial wurde zunächst in Berlin digitalisiert, um dann an verschiedenen Orten gezeigt, kommentiert, diskutiert und neu imaginiert zu werden. Ein mobiles, transnationales Kino, das zwischen abgelegenen Dörfern in Guinea-Bissau und europäischen Hauptstädten das Archiv zu einem Ort macht, an dem Menschen nach Gegenentwürfen suchen zu einer Welt im Ausnahmezustand.

Begleitend zum Kinostart finden mehrere Veranstaltungen in Anwesenheit der Regisseurin statt.

Interview mit der Regisseurin im Forumsblatt.

Informationen zum Digitalisierungsprojekt Animated Archive. Im Rahmen dieses Projektes konnte der dokumentarische Filmbestand des nationalen Filminstitut von Guinea-Bissau (INCA – Instituto Nacional de Cinema e Audiovisual), der nicht im Bürgerkrieg 1998/99 zerstört worden war, mit der Unterstützung durch das Auswärtige Amt im Kulturerhalt-Programm digitalisiert werden. Das Material stammt aus der Zeit des Befreiungskampfes (1963–1974) und der ersten Jahre der Unabhängigkeit des Landes sowie von ausländische Filmproduktion, die insbesondere die solidaritäts- und geopolitischen Beziehungen zu anderen Ländern in den 1970er Jahren widerspiegelt.

Festivals 2017 (Auswahl)
Berlinale Forum
San Sebastián International Film Festival | Zabaltegi-Tabakalera Award
Buenos Aires Festival Internacional de Cine Independiente
Doclisboa International Film Festival | International Competition, José Saramago Foundation Award for Best Film Spoken Mostly in Portuguese

Presse (Auswahl)
"SPELL REEL Shows a Revolution Filmed, on the Leader’s Orders - The experimental feature SPELL REEL is simultaneously a tribute, a documentary and an excavation — “a ciné-port opened into a time capsule,” as a bit of onscreen text puts it. The movie’s subject is a trove of so-called revolutionary films shot to chronicle Guinea-Bissau’s war of independence from Portugal in the 1960s and ’70s." Ben Kenigsberg, www.nytimes.com

"Manche der in SPELL REEL verwendeten Archivaufnahmen sind bis zur Unkenntlichkeit beschädigt. Es sind Dokumente aus dem Unabhängigkeitskampf gegen die portugiesische Kolonialherrschaft in Guinea-Bissau, in dem das guerilla filmmaking mit dem guerilla fighting Hand in Hand ging – und nicht minder gefährlich war. So erzählt es der Filmemacher Sana na N'Hada, der in den von der Regisseurin Filipa César gedrehten aktuellen Passagen mit den geretteten Filmdokumenten durchs Land reist, Vorführungen kommentiert und mit Zuschauern spricht." David Assmann, www.tagesspiegel.de

"Vor drei Jahren habe ich in der FAZ (20. Juni 2013) schon einmal ausführlich über das Projekt 'Living Archive' geschrieben, an dem das Berliner Arsenal maßgeblich beteiligt ist: ein Versuch, die Rolle des Kinos in den emanzipatorischen Bewegungen des 20. Jahrhunderts aufgrund der Materialien zu ermessen, die in Vergessenheit zu geraten drohen, weil viele dieser Bewegungen gescheitert sind. Oder doch nicht? Das ist nun eben die spannende Frage in SPELL REEL, in dem wir dabei zusehen können, wie ein Land, ein (uneinheitliches) Volk sich mit einem unterbrochenen Aufbruch beschäftigt, indem es sich die alten Filme ansieht. Dass das deutsche Außenministerium hier auch finanziell involviert ist, hatte vor ein paar Jahren, als das Projekt begann, noch einen anderen Kontext. Nun, da Afrika aus guten Gründen in den Fokus gerückt ist, bekommt eine Szene aus SPELL REEL geradezu programmatische Bedeutung: Eine junge Frau plädiert dafür, es mit dem eigenen Land noch einmal zu versuchen. Die löchrigen Bilder von einst, die in nächtlichen Open-Air-Vorführungen gezeigt werden, geben Anlass, dass Guinea-Bissau seine in vielen tödlichen Fraktionskämpfen zermürbten Hoffnungen nicht fahren lässt. Eine neue Generation könnte aus dem Archiv neue Inspiration gewinnen." Bert Rebhandl, http://blogs.faz.net/filmfestival

Filipa César wurde 1975 in Porto geboren. Sie studierte Malerei an der Faculty of Fine Arts der Universität in Porto und an der Faculdade de Belas Artes in Lissabon. 2008 schloss sie ein Masterstudium im Fach Art in Context an der Universität der Künste in Berlin ab. Als Künstlerin ist Filipa César seit 2001 international in Einzel- und Gruppenausstellungen vertreten, seit 2007 ist sie auch als Filmemacherin tätig. Sie lebt und arbeitet in Berlin.

Filmografie: 2007: Rapport (16 Min.), Allee der Kosmonauten (8 Min.). 2008: Le passeur (34 Min.). 2009: The Four Chambered Heart (29 Min.). 2010: Insert (10 Min.), Memograma (40 Min.), Porto, 1975 (10 Min.). 2011: The Embassy (7 Min.). 2012: Cuba (10 Min., Forum Expanded 2013), Cacheu (10 Min.). 2013: Conakry (10 Min.). 2014: Mined Soil (32 Min.). 2015: Transmission from the Liberated Zones´ (30 Min., Forum Expanded 2016). 2017: SPELL REEL.

SPELL REEL
Deutschland / Portugal 2017. DCP. Länge: 96 Min. Sprachen: Portugiesisch, Fulfulde, Guinea-bissauisches Kreol, Englisch, Französisch. Fassung: OmU. Regie & Schnitt: Filipa César. Buch: Sana na N’Hada. Kamera: Jenny Lou Ziegel. Sound Design: Didio Pestana. Ton: Nikolas Mühe. Production Design: Olivier Marboeuf. Produktion: Filipa César, Oliver Marboeuf, Maria João Mayer. Produktionsfirmen: Filipa César (Berlin, Deutschland), Spectre Productions (Rennes, Frankreich), Filmes do Tejo II (Lissabon, Portugal). Uraufführung: 15. Februar 2017, Berlinale Forum