Anlässlich des bevorstehenden 40-jährigen Jubiläums des Forums findet vom 1.-5. Juli im Kino Arsenal das Symposium "Dialoge mit Filmen: Vier Jahrzehnte Internationales Forum des Jungen Films" statt.
"Man macht Filme in Bezug auf das, was bereits gemacht wurde von den großen Cineasten der Vergangenheit, jenen, die das Kino begründeten, und in Bezug auf jene, die unsere Zeitgenossen, unsere Nachfolger sind." (Jacques Rivette)
Der Dialog zwischen verschiedenen Generationen von Filmemachern aber auch der Austausch zwischen Filmemachern und Publikum sind das Anliegen des Symposiums "Dialoge mit Filmen: Vier Jahrzehnte Internationales Forum des Jungen Films", das wir anlässlich des bevorstehenden 40-jährigen Jubiläums des Forums vom 1.- 5. Juli im Kino Arsenal veranstalten.
Wenn die Berlinale 2010 in ihr 60. Jahr geht, feiert auch das Forum sein 40-jähriges Bestehen. Ein 1969 und 1970 von den "Freunden der Deutschen Kinemathek" in Reaktion auf die Krise der Berliner Filmfestspiele organisiertes Gegenfestival war so erfolgreich, dass das Festspiele-Kuratorium ihnen den Auftrag erteilte, das "Internationale Forum des Jungen Films" fortan als "gleichberechtigte Parallelveranstaltung" neben dem Wettbewerb auszurichten. Als solche leistet das Forum - inzwischen weitgehend harmonisch in die Struktur des Festivals integriert - seither einen wesentlichen Beitrag zum Programm der Berliner Filmfestspiele und zur Bereicherung der internationalen Filmkultur. Jacques Rivette, dessen 4 1/2-stündiger Film OUT ONE SPECTRE 1973 als Weltpremiere im Forum zu sehen war, gehört zur großen Zahl außergewöhnlicher Filmemacher, deren frühe Werke das Forum zeigte und damit nicht selten zu internationalem Durchbruch und Anerkennung verhalf. Im Forum wurde und wird das Kino als künstlerische Ausdrucksform gegen Grenzziehungen und Kategorisierungen verteidigt. Stets ging es darum, das Kino als Experimentierfeld zu behaupten und Neuartiges, Unkonventionelles und solche Strömungen zu stärken, die eine größere Öffentlichkeit erst noch finden mussten. Bei Filmemachern von höchstem Rang genießt das Forum für diese Arbeit Respekt. Wer hier seine frühen Werke vorgestellt hat, ist dem Programm oft verbunden geblieben – ob als häufig wiederkehrender Gast oder als Zuschauer, der sich mit den Filmen jüngerer Kollegen auseinandersetzt. Umgekehrt sind viele von ihnen Vorbilder geworden für nachfolgende Generationen von Filmemachern.
Für das Symposium wurden dem Forum verbundene Filmemacher eingeladen, sich mit vier Jahrzehnten Festivalarbeit zu beschäftigen und ein Programm bestehend aus prägnanten und für sie wegweisenden Filmen zu kuratieren. In begleitenden öffentlichen Gesprächen werden sie in einen Dialog treten und über Geschichte, Gegenwart und Perspektiven programmatischer Festivalarbeit diskutieren. Hiermit setzen wir die Tradition ausführlicher Filmgespräche zwischen Filmemachern und Publikum fort, mit der das Forum seit jeher seinem Namen Rechnung trägt.
Zu den Kuratoren:
Der thailändische Regisseur Aditya Assarat, Jahrgang 1972, präsentierte 2008 sein gefeiertes Langfilmdebüt Wonderful Town im Forum.
Bradley Rust Gray, Jahrgang 1971, und So Yong Kim, Jahrgang 1968, die als Paar ihre Filme gegenseitig produzieren, erscheinen als zwei der bemerkenswertesten Filmemacher des gegenwärtigen unabhängigen US-Kinos. Das Forum zeigte Bradley Rust Grays "Salt" (2003), der den Caligari-Preis erhielt, und The Exploding Girl (2009) sowie beide bisherigen Filme von So Yong Kim: In Between Days wurde 2006 mit dem FIPRESCI-Preis ausgezeichnet; Treeless Mountain gewann 2009 den Preis der ökumenischen Jury.
Jia Zhangke, Jahrgang 1970, hat mit seinem filmischen Schaffen den Aufbruch des neuen chinesischen Kinos maßgeblich geprägt. 1998 feierte er mit "Xiao Wu" sein internationales Debüt im Forum und wurde dort mit dem Wolfgang-Staudte-Preis sowie dem NETPAC Award ausgezeichnet. Seitdem erhielten seine Filme Anerkennung auf vielen internationalen Filmfestivals.
Der 1969 geborene Ulrich Köhler zählt mit fünf Kurz- und zwei Spielfilmen zu den profiliertesten jungen deutschen Filmregisseuren. Das Forum zeigte 2006 seinen zweiten Langfilm Montag kommen die Fenster.
Die amerikanische Fotografin und Filmemacherin Sharon Lockhart, Jahrgang 1964, zählt zu den Hauptvertreterinnen des neo-strukturalistischen Films. Forum und Forum expanded zeigten fast sämtliche ihrer filmischen Arbeiten, zuletzt Pine Flat (2006) und Lunch Break (2009).
Avi Mograbi, Jahrgang 1956, dessen Filme "How I Learned to Overcome My Fear and Love Arik Sharon" (1997), "Happy Birthday, Mr Mograbi" (1999), "August" (2002) und "Detail" (2004) im Forum zu sehen waren, ist einer der unorthodoxesten Filmemacher des gegenwärtigen Israel.
Die 1942 geborene Ulrike Ottinger gilt als eine der eigenwilligsten deutschen Filmemacherinnen von internationalem Rang. Das Forum zeigt seit 1976 regelmäßig ihre die üblichen Normen sprengenden Filme, zuletzt Prater (2007) und Die koreanische Hochzeitstruhe (2009).
Der japanische Regisseur Sabu, Jahrgang 1964, war mit drei Filmen im Forum vertreten. Zuletzt erhielt "Monday" im Jahr 2000 sowohl den Caligari- als auch den FIPRESCI-Preis.
Die 1976 geborene Österreicherin Anja Salomonowitz realisiert politische Filme und Videokunst an der Schnittstelle von Dokumentation und Fiktion. Ihr Langfilmdebüt Kurz davor ist es passiert gewann 2007 im Forum den Caligari-Preis.
Die Berliner Regisseurin Angela Schanelec, Jahrgang 1964, erhielt mit ihrem Film "Marseille" (2004) in Cannes internationale Beachtung. Das Forum entdeckte bereits ihre früheren Filme und ebnete damit einer Strömung von Filmen den Weg, die später unter dem Label "Berliner Schule" allgemeine Anerkennung fand.
Der 1954 in Kamerun geborene, in Frankreich lebende Jean-Marie Téno will mit seinen Werken den Blick für die Probleme des kolonialen Erbes in Afrika schärfen. Das Forum zeigte seine Filme "Chef!" (1999) und "Vacances au pays" (2000).
Die 1974 in Sarajevo geborene Filmemacherin Jasmila Žbanić, deren Langfilmdebüt "Grbavica" 2006 den Wettbewerb der Berlinale gewann, war 2005 mit einem Kurzfilmbeitrag zum Omnibus-Filmprojekt Lost and Found im Forum vertreten.
Das vollständige Programm wird in Kürze bekannt gegeben. Eine Auswahl der Filme präsentieren wir in einer Pressevorführung am 16. Juni.
Die Veranstaltung wird realisiert aus Mitteln des Hauptstadtkulturfonds.


