dezember 2017, kino arsenal

Retrospektive Ernst Lubitsch

Ernst Lubitsch (1892–1947) war ein Meister in der Inszenierung geistreicher Komödien, die seine unverwechselbare Handschrift tragen, und deren Popularität und Wertschätzung bis heute ungemindert andauern. Spielerische Leichtigkeit, subtile Andeutungen, beredte Auslassungen, sarkastisch zugespitzte Dialoge, Ironie, Prägnanz und exaktes Timing sind kennzeichnend für den sprichwörtlichen "Lubitsch Touch". Ernst Lubitsch begann im elterlichen Berliner Konfektionsbetrieb als Buchhalter, ehe er als 19-jähriger Schauspielschüler zum Ensemble von Max Reinhardt am Deutschen Theater kam. 1913 konnte er erste Rollen beim Film übernehmen, im Jahr darauf die erste Regiearbeit. Zwischen 1914 und 1918 entstanden zahlreiche Ein- bis Dreiakter unter seiner Regie, vorwiegend Lustspiele mit einem Hang zu derber Komik, in denen Lubitsch auch als Schauspieler mitwirkte. 1918 begann Lubitsch, aufwendigere, abendfüllende Filme zu realisieren. Sein erster großer Historienfilm Madame Dubarry sowie die beiden Komödien Die Austernprinzessin und DIE PUPPE, die den Übergang vom Lustspiel zur Satire markieren, begründeten 1919 Lubitschs Ruhm. In den folgenden Jahren wechselte er häufig die Genres, Kammerspiele folgten auf Monumentalfilme, Volksstücke auf Melodramen und Komödien. Als einer der herausragenden europäischen Filmemacher seiner Zeit ging Lubitsch 1923 nach Hollywood, wo er bruchlos seine erfolgreiche Arbeit fortsetzen konnte. Die Erfindung des Tonfilms nutzte er für einfallsreiche Filmoperetten bzw. Musicals und die Perfektionierung seiner Gesellschaftskomödien, mit denen er, folgt man einem Jean Renoir zugeschriebenen Zitat, das moderne amerikanische Kino etablierte. Seine sophisticated comedies wurden stilbildend für die niveauvolle Komödie, die Anspruch mit Popularität verband. Wiederkehrende Themen der Filme waren Schein und Sein der High Society, Dreieckskonstellationen und die Konventionen bürgerlicher Partnerschaftsmodelle. Durch die Virtuosität seiner Inszenierung, die subtile Kunst des Aussparens und indirekt Vermittelten, konnten selbst nach Durchsetzung des Hays Codes 1934 Lubitschs frivole Andeutungen und verhüllte sexuelle Eindeutigkeiten unbeanstandet die Zensur passieren.

Das Arsenal zeigt bis Ende Januar 20 Filme aus Lubitschs umfangreichem Schaffen, mit einem Schwerpunkt auf den in Hollywood entstandenen Komödien.

dezember 2017, kino arsenal

Magical History Tour: 
Make Them Laugh – Lachen im Kino, Lachen im Film

"Make them laugh!" – Diesen Aufruf haben sich offensichtlich bereits die Brüder Lumière zu eigen gemacht: Das erste Lachen der Filmgeschichte sieht man im kurzen Sketch "L'arroseur arrosé" (oder auch "Le jardinier"), einem von zehn Kurzfilmen des Grand-Café-Programms von 1895, der weltweit ersten öffentlichen Filmvorführung im Salon Indien in Paris. Nicht überliefert ist, ob das anwesende Publikum auf diese erste Kurzkomödie mit Lachen reagiert hat oder ob ein staunend-ungläubiges Lachen über das technische Wunder des bewegten Bildes nicht die gesamte Vorführung begleitet hat. 122 Jahre später hat das Kino das Lachen in unendlicher Weise diversifiziert, potenziert, dekliniert, manipuliert. Gelacht wird nicht mehr nur in Komödien – pars pro toto sei hier nur der klassische "comic relief" erwähnt, der auf dem Höhepunkt größter filmischer Spannung, Furcht, Trauer etc. eben diese Emotionen in einem Moment des Lachens auflöst.

Einige dieser ganz unterschiedlichen Spiel-, Produktions- und Rezeptionsarten des Lachens im Film und im Kino präsentiert die Magical History Tour im Dezember. Jenseits von Filmen von und mit großen Komiker*innen und etwaigen Klassikern des Genres wirft das Programm auch einen Blick auf vermeintliche (indes nicht minder komische) Seitenlinien der Filmgeschichte sowie auf die unterschiedlichen Variationen des Lachens: zwischen Befreiung und Beklemmung, mal aus vollem Halse und dann genau dort steckenbleibend, eruptiv oder hintergründig.

oktober 2017, distribution news

Georgisches Kino aus der Sammlung des Arsenal

Erfindungsreichtum, surrealer Humor, eine poetische Bildsprache und satirischer Scharfblick – seit Beginn des 20. Jahrhunderts hat Georgien ganz eigene Filmsprachen und Stile hervorgebracht. Mit der Filmszene verbindet das Arsenal seit langem eine enge und besondere Beziehung und es verfügt mit rund 130 Kopien über die zweitgrößte Sammlung georgischer Filme weltweit.

Drei dieser Filme - DIDI MTSWANE WELI (Ein großes, grünes Tal, 1967) von Merab Kokotschaschwili, RAMDENIME INTERWIU PIRAD SAKITCHEBSE (Einige Interviews zu persönlichen Fragen, 1978) von Lana Gogoberidse und SGHWARZE (Am Rande, 1993) von Dito Tsintsadze - konnten mit Mitteln des Kulturerhalt-Programms des Auswärtigen Amts digital restauriert werden und liegen jetzt als DCP im georgischen Original mit dt. UT vor.

kino arsenal: Der 2. Juni 1967 als deutsch-iranisch-deutsches Ereignis

19:30 Kino 1


Nah beim Schah

Nah beim Schah Wolfgang Landgräber BRD 1978
Blu-ray 42 min

Im Anschluss Podiumsdiskussion mit Bahman Nirumand, Hans-Christian Ströbele, Wolfgang Landgräber, Jens Gieseke (ZZF) und Birgit Schäbler (Nahost-Historikerin)
Eintritt frei
kino arsenal: Magical History Tour – Musik im Film

20:00 Kino 2


Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt?

*Kuhle Wampe oder Wem gehört die Welt?
Slatan Dudow D 1932 Mit Herta Thiele, Ernst Busch
35 mm 80 min