Das Interview hat eine Nähe zum Geständnis, zur Beichte, zum Verhör, zur "Redekur" und scheint auf dem Gesetz der absoluten Identifikation zu basieren. Die Person, die spricht, versichert uns, dass sie es in ihrem Namen tut. Das Interview ist der Ort, an dem man sich selbst spielt, sich dauernd bestätigt und performt, indem man den Sprechakt benutzt, um eine Eins-zu-eins-Identität zu behaupten. Aufmerksamkeit und Haltung der Interviewerin sind auf ganz besondere Weise herausgefordert. Wo also positionierst du dich, wie interagierst du, welche Idee von Austausch hast du, was passiert nach dem Interview? Das Filmprogramm stellt drei Beispiele zur Diskussion. In Alan Berliners NOBODY'S BUSINESS (USA 1996, 6.6.) verweigert sich der Zeuge, in Hayn / Remmerts SCHULDNERBERICHTE (D 2002, 13.6.) werden die Interviews anonymisiert und Syberbergs SEX-BUSINESS – MADE IN PASING (BRD 1969, 27.6.) wird zu einem situativen "Beitrag zur Filmsoziologie in Deutschland 1969". (Madeleine Bernstorff)
Begrüßung durch Rainer Rother, Künstlerischer Direktor der Deutschen Kinemathek
14.15: Avantgarde im Archiv?: Podiumsgespräch mit Daniel Meiller (Deutsche Kinemathek), Simona Monizza (EYE Film Institut), Stefanie Schulte Strathaus (Arsenal – Institut für Film und Videokunst) und Mark Toscano (Academy Archive)
Moderation: Martin Koerber (in englischer und deutscher Sprache)
15.30: Homeless Films Demand Special Care – Ein sicherer Hafen für heimatlose Filme (Daniel Meiller, Deutsche Kinemathek, Berlin)
Going Underground I: Avantgardefilme aus der Deutschen Kinemathek, Berlin
Let My People Go! Mikael Buch Frankreich 2011 Blu-ray OmU 87 min
My Winnipeg Guy Maddin
Kanada 2007 35 mm OmU 80 min
Taliya.Date.Com Taliya Finkel Israel 2011 DigiBeta OmU 54 min
Vorfilm: The Honeymoon Suite Sam Leifer Großbritannien 2010 HDCam OF 10 min