dezember 2017, kino arsenal

A City Called Home – 
Zehn Filme aus Los Angeles

Seit 50 Jahren sind Berlin und Los Angeles Partnerstädte. In beiden Städten gab es aus diesem Anlass zahlreiche Veranstaltungen, den Jahresschluss bildet eine Filmreihe des UCLA Film & Television Archive auf Anregung der Deutschen Kinemathek. Beide Institutionen arbeiten seit Jahren als Mitglieder der Fédération Internationale des Archives du Film (FIAF) eng zusammen, so lag es nahe, den Geburtstag der Städtepartnerschaft mit dem Austausch von Programmen zu feiern. Zehn Filme aus und über Berlin reisten in diesem Herbst nach Los Angeles und wurden im Billy Wilder Theater in Westwood gezeigt, im Dezember folgt nun der Gegenbesuch in Berlin mit zehn Filmen aus den großen Sammlungen des UCLA, kuratiert vom Leiter seines Filmarchivs, Jan-Christopher Horak.

Das UCLA Film and Television Archive ging aus Sammelaktivitäten hervor, die 1965 begannen und das Archiv inzwischen zum zweitgrößten Filmarchiv der USA nach der Library of Congress haben anwachsen lassen. Einzigartig ist seine Sammlung von Nitrofilmen der Hollywood Majors, wie auch der riesige Bestand an Ausgangsmaterial der Hearst Metrotone News, das dokumentarische Aufnahmen aus der Zeit von 1915 bis 1975 enthält. Für die Restaurierung von Filmen leistete das UCLA unter der langjährigen Ägide von Robert Gitt Pionierarbeit in der Bearbeitung von Filmen in frühen Farbsystemen und der Herstellung authentisch anmutender Sicherungskopien von wichtigen Filmen der amerikanischen Filmgeschichte.

dezember 2017, kino arsenal

Retrospektive Ernst Lubitsch

Ernst Lubitsch (1892–1947) war ein Meister in der Inszenierung geistreicher Komödien, die seine unverwechselbare Handschrift tragen, und deren Popularität und Wertschätzung bis heute ungemindert andauern. Spielerische Leichtigkeit, subtile Andeutungen, beredte Auslassungen, sarkastisch zugespitzte Dialoge, Ironie, Prägnanz und exaktes Timing sind kennzeichnend für den sprichwörtlichen "Lubitsch Touch".

Ernst Lubitsch begann im elterlichen Berliner Konfektionsbetrieb als Buchhalter, ehe er als 19-jähriger Schauspielschüler zum Ensemble von Max Reinhardt am Deutschen Theater kam. 1913 konnte er erste Rollen beim Film übernehmen, im Jahr darauf die erste Regiearbeit. Zwischen 1914 und 1918 entstanden zahlreiche Ein- bis Dreiakter unter seiner Regie, vorwiegend Lustspiele mit einem Hang zu derber Komik, in denen Lubitsch auch als Schauspieler mitwirkte. 1918 begann Lubitsch, aufwendigere, abendfüllende Filme zu realisieren. Sein erster großer Historienfilm Madame Dubarry sowie die beiden Komödien Die Austernprinzessin und DIE PUPPE, die den Übergang vom Lustspiel zur Satire markieren, begründeten 1919 Lubitschs Ruhm. In den folgenden Jahren wechselte er häufig die Genres, Kammerspiele folgten auf Monumentalfilme, Volksstücke auf Melodramen und Komödien. Als einer der herausragenden europäischen Filmemacher seiner Zeit ging Lubitsch 1923 nach Hollywood, wo er bruchlos seine erfolgreiche Arbeit fortsetzen konnte. Die Erfindung des Tonfilms nutzte er für einfallsreiche Filmoperetten bzw. Musicals und die Perfektionierung seiner Gesellschaftskomödien, mit denen er, folgt man einem Jean Renoir zugeschriebenen Zitat, das moderne amerikanische Kino etablierte. Seine sophisticated comedies wurden stilbildend für die niveauvolle Komödie, die Anspruch mit Popularität verband. Wiederkehrende Themen der Filme waren Schein und Sein der High Society, Dreieckskonstellationen und die Konventionen bürgerlicher Partnerschaftsmodelle. Durch die Virtuosität seiner Inszenierung, die subtile Kunst des Aussparens und indirekt Vermittelten, konnten selbst nach Durchsetzung des Hays Codes 1934 Lubitschs frivole Andeutungen und verhüllte sexuelle Eindeutigkeiten unbeanstandet die Zensur passieren.

Das Arsenal zeigt bis Ende Januar 20 Filme aus Lubitschs umfangreichem Schaffen, mit einem Schwerpunkt auf den in Hollywood entstandenen Komödien.

dezember 2017, kino arsenal

Magical History Tour: 
Make Them Laugh – Lachen im Kino, Lachen im Film

"Make them laugh!" – Diesen Aufruf haben sich offensichtlich bereits die Brüder Lumière zu eigen gemacht: Das erste Lachen der Filmgeschichte sieht man im kurzen Sketch "L'arroseur arrosé" (oder auch "Le jardinier"), einem von zehn Kurzfilmen des Grand-Café-Programms von 1895, der weltweit ersten öffentlichen Filmvorführung im Salon Indien in Paris. Nicht überliefert ist, ob das anwesende Publikum auf diese erste Kurzkomödie mit Lachen reagiert hat oder ob ein staunend-ungläubiges Lachen über das technische Wunder des bewegten Bildes nicht die gesamte Vorführung begleitet hat. 122 Jahre später hat das Kino das Lachen in unendlicher Weise diversifiziert, potenziert, dekliniert, manipuliert. Gelacht wird nicht mehr nur in Komödien – pars pro toto sei hier nur der klassische "comic relief" erwähnt, der auf dem Höhepunkt größter filmischer Spannung, Furcht, Trauer etc. eben diese Emotionen in einem Moment des Lachens auflöst. Einige dieser ganz unterschiedlichen Spiel-, Produktions- und Rezeptionsarten des Lachens im Film und im Kino präsentiert die Magical History Tour im Dezember. Jenseits von Filmen von und mit großen Komiker*innen und etwaigen Klassikern des Genres wirft das Programm auch einen Blick auf vermeintliche (indes nicht minder komische) Seitenlinien der Filmgeschichte sowie auf die unterschiedlichen Variationen des Lachens: zwischen Befreiung und Beklemmung, mal aus vollem Halse und dann genau dort steckenbleibend, eruptiv oder hintergründig.

dezember 2017, kino arsenal

Harun-Farocki-Schulworkshop III

dezember 2017, kino arsenal

Neues französisches Kino

Das Arsenal präsentiert im Rahmen der Französischen Filmwoche aktuelle Filme aus Frankreich, die in den letzten Jahren international viel Beachtung fanden, für die sich hierzulande jedoch bedauerlicherweise kein Verleih gefunden hat. Im Fokus stehen fünf herausragende Arbeiten des französischen Kinos aus den Jahren 2013 bis 2017, die von künstlerisch eigensinnigen Filmemacherinnen stammen: Pascale Breton, Léonor Serraille, Claire Simon, Rebecca Zlotowski sowie Valérie Massadian, die zur Deutschlandpremiere ihres jüngst u.a. in Locarno preisgekrönten Films MILLA zu Gast sein wird.