Februar 2018, kino arsenal

13. Forum Expanded
 – A Mechanism Capable of Changing Itself

AN UNTIMELY FILM FOR EVERY ONE AND NO ONE, 2018

In einer Notiz aus dem Jahr 1947 schreibt die Pionierin des Avantgarde-Kinos Maya Deren: "Marxismus – einzige politische Theorie, die einen Mechanismus entwickelt, der sich selbst verändern kann – wie im Konzept des absterbenden Staats." Mit diesem Zitat beginnt die Medienwissenschaftlerin Ute Holl einen Aufsatz zur Theorie der Filmpoetin und deren Entwurf eines Kinos, das "nachhaltig in die sinnlichen und sozialen Verhältnisse aller interveniert, die an dieser laufenden Kommunikation teilhaben." Der dem Text entlehnte Programmtitel "A Mechanism Capable of Changing Itself" verweist auf die vielfältigen Handlungsmöglichkeiten des Kinematografischen, die besonders im Formenreichtum dokumentarischer Arbeiten ihren Ausdruck finden.

Der Begriff des Dokumentarischen umfasst auch in diesem Jahr ein breites Spektrum, das die Möglichkeiten des digitalen Kinos ebenso zum Inhalt hat wie mannigfaltige Versuche, Geschichte, Gegenwart und Zukunft in ein neues Verhältnis zu setzen. So fächert Margaret Honda in einer 36-stündigen Arbeit das gesamte Darstellungsspektrum eines digitalen Projektors auf, während eine audiovisuelle Komposition von The Otolith Group, die in der Gruppenausstellung in der Akademie der Künste am Hanseatenweg zu sehen ist, eine Begegnung mit dem militanten Minimalismus des Avantgarde-Komponisten, Pianisten und Vokalisten Julius Eastman inszeniert.

Zu den ausgewählten Arbeiten gehören insgesamt 35 Filme und Videoarbeiten aller Genres, darunter die Arbeit AN UNTIMELY FILM FOR EVERY ONE AND NO ONE von Ayreen Anastas und Rene Gabri, sowie 14 Installationen. Außerdem freuen wir uns auf ein Konzert der ägyptischen Band "The Invisible Hands", die Thema eines Dokumentarfilms von Marina Gioti und Georges Salameh ist, der bei der documenta 14 in Athen erstmalig zu sehen war.

Im Marshall-McLuhan-Salon der Botschaft 
von Kanada präsentieren wir eine Installation des Künstlerinnen-Duos Bambitchell. SPECIAL WORKS SCHOOL untersucht Überwachung als ästhetische Praxis.

SAVVY Contemporary präsentiert eine Ausstellung der Künstlerin und Filmemacherin Jasmina Metwaly. WE ARE NOT WORRIED IN THE LEAST beschäftigt sich mit ihren Recherchen und ihrem von 2011 bis 2016 in Ägypten entstandenen Werk.

"Think Film No. 6 – Archival Constellations", ein internationales Symposium zu filmarchivarischen Themen und alternativen Archiv-Projekten, findet am 22.2. in der Kuppelhalle des silent green Kulturquartier im Wedding statt.

Das Arsenal-Foyer, in dem b_books Literatur zum Verkauf anbietet, wird wieder von den Prinzessinnengärten gestaltet. (stss)

Teilnehmende Künstler*innen und Filmemacher*innen: Milad Amin, Ayreen Anastas/Rene Gabri, Bambitchell, James Benning, Zach Blas, Musquiqui Chihying/Gregor Kasper, Kudzanai Chiurai, Bruce Conner, Anouk De Clercq/Tom Callemin, Heinz Emigholz, Morgan Fisher, Alex Gerbaulet, Marina Gioti/Georges Salameh, Barbara Hammer, Jan Peter Hammer, Margaret Honda, Laura Horelli, Marta Hryniuk, The Invisible Hands, Ken Jacobs, Alexander Johnston, Jane Jin Kaisen, Adam Kaplan/Gilad Baram, Chris Kennedy, Nesrine Khodr, Jen Liu, Mariam Mekiwi, Jasmina Metwaly, Ash Moniz, Bahar Noorizadeh, The Otolith Group, Didem Pekün, Andreas Reihse/Dalia Neis/Mohamad A. Gawad, Ben Rivers/Ben Russell, Michael Robinson, RoxLEE, Ghassan Salhab/Mohamed Soueid, Gabraz Sanna/Anne Santos, Kerstin Schrödinger, Maya Shurbaji, Siska, John Smith, Sanghee Song, Rania Stephan, Deborah Stratman, Jerry Tartaglia, Clarissa Thieme, Wendelien van Oldenborgh, Ala Younis. Kuratiert von Stefanie Schulte Strathaus (Leitung), Khaled Abdulwahed, Maha Maamoun, Ulrich Ziemons. Beratung: Anselm Franke. Ko-Kuratorinnen: Antonia Alampi, Pia Chakraverti-Wuerthwein (SAVVY Contemporary), Nicole Wolf (Think Film No. 6). Eröffnung: 14.2., 19 Uhr.