Arsenal Summer School 2010

What 80 Million Items Want – Archive in Bewegung

Vom 25. bis zum 28. August findet zum zweiten Mal die Arsenal Summer School statt. Unter dem Titel "What 80 Million Items Want – Archive in Bewegung" beschäftigen sich zehn Veranstaltungen – Workshops, Diskussionen, Performances und Screenings – sowie ReferentInnen aus Theorie und Praxis mit verschiedenen Auffassungen von Archiven, ihrer Zugänglichkeit und ihrer Vermittlung. Versteht man ein Filmarchiv als Ergebnis einer langen institutionellen Praxis, sind es nicht nur Filmkopien, die es definieren. Briefe, Programmhefte, Poster, Gossip, Erinnerungen, alte Abspielgeräte und Mythen aller Art gehören ebenso zur Biografie eines Archivs, wie die Personen, die es geprägt haben. Erfahrbar wird es durch Vorführungen, Ausstellungen, Performances, Forschung, kuratorische Praxis und in Gesprächen. Nicht nur, aber auch von der Geschichte des Arsenals ausgehend, widmet sich die Summer School einem Begriff, der von unterschiedlichen Zuschreibungen geprägt ist und gleichzeitig so unbestimmt und in Bewegung erscheint wie nie zuvor.

Mit Beiträgen von John Blue, Tim Blue, Christa Blümlinger, Vaginal Davis, Karola Gramann, Erika und Ulrich Gregor, Milena Gregor, Birgit Kohler, Daniel Meiller, Constanze Ruhm, Heide Schlüpmann, Marc Siegel, Stefanie Schulte Strathaus, Nicole Wolf, Akram Zaatari.

Zur Eröffnung am 25. August zeigen wir den Stummfilm WHAT 80 MILLION WOMEN WANT (Will Louis, USA 1913) mit einer Performance von Vaginal Davis und einer Soundcollage von John und Tim Blue. Am 27. (und 29. August) präsentiert und diskutiert Akram Zaatari, Künstler und Mitbegründer der Arab Image Foundation in Beirut, seine Videos, die von einer Sammlung von Bildern und Objekten ausgehen und sich durch einen spezifischen künstlerisch-analytischen Umgang mit Dokumenten auszeichnen. Die zwei Abendveranstaltungen sind öffentlich.

Veranstaltungsort
Arsenal – Institut für Film und Videokunst
Potsdamer Str. 2
10785 Berlin

Teilnahme
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt (30 Personen). Plätze werden nach Eingang der Anmeldungen vergeben.
Teilnahmegebühren: 110 Euro /
90 Euro (Mitglieder und Studenten) /
70 Euro (Fördermitglieder)

Verlängerter Anmeldeschluss: 30. Juli 2010.
Bei Fragen wenden Sie sich bitte an:
Nadja Talmi | Projektkoordination
summerschool@arsenal-berlin.de

Programm

Mittwoch, 25.8.
20 Uhr 
Eröffnung
(öffentlich)
WHAT 80 MILLION WOMEN WANT (Will Louis, USA 1913)
Stummfilmperformance von Vaginal Davis mit einer Soundcollage von John und Tim Blue.
Anschließend: Empfang auf der Dachterasse

Donnerstag, 26.8.
10 – 12 Uhr
What 80 Million Items Want – Archive in Bewegung
Begrüßung der TeilnehmerInnen und Einführung
Milena Gregor, Birgit Kohler und Stefanie Schulte Strathaus (Arsenal – Institut für Film und Videokunst)
"Der neue Archivar kündigt an, dass er nur mehr Aussagen berücksichtigen werde. Er wird sich nicht mit dem befassen, dem auf tausenderlei Weise die Aufmerksamkeit der früheren Archivare galt: den Propositionen und den Sätzen. Die vertikale Hierarchie der Propositionen, die sich übereinanderschichten, wird er ebenso vernachlässigen wie das Nebeneinander der Sätze, in dem jeder Satz auf einen anderen zu antworten scheint. Beweglich wird er sich in einer Art von Diagonalen einrichten, die lesbar machen wird, was man anders nicht begreifen konnte, eben genau die Aussagen. Eine atonale Logik? Es ist ganz normal, wenn man hier eine gewisse Unruhe verspürt." (Aus: Gilles Deleuze, "Ein neuer Archivar")

13.30 – 15.30 Uhr
Eine Filminstitution beginnt zu sammeln
Anschließend: Tour durch die Archivräume
Erika und Ulrich Gregor (MitbegründerInnen der Freunde der Deutschen Kinemathek, heute Arsenal - Institut für Film und Videokunst)

16 – 18 Uhr
Fernglas oder Mikroskop?
Von Fallen, Schätzen und anderen Abenteuern beim Versuch, "Weltkino" im Arsenal-Archiv zu sammeln

Das Arsenal-Archiv entstand nicht aus dem Verlangen, das Weltkino abzubilden - die Sammlung ist vielmehr nach radikal subjektiven Auswahlkriterien erfolgt. Von heute aus betrachtet ist im Arsenal-Archiv eine eigene Filmwelt entstanden - mit Schätzen, von denen viele erst noch gehoben werden müssen. Am Beispiel von zwei konkreten indischen Dokumentarfilmen (zwischen 1976 und 1985 enstanden und im Arsenal Archiv gelandet), soll diskutiert werden wie kontextuell unterschiedliche Filmgeschichten geschrieben werden können, wie der Archivraum zum freien Denkraum wird, der dann wiederum in politisch komplexe Filmgenealogien zurück wirken kann und revidierende Ereignisse schafft.
Nicole Wolf (Goldsmiths, University of London)

19 Uhr
Abendessen

Freitag, 27.8.
10 – 12 Uhr
Filmarchive gestern, heute .. und morgen!? Filmarchive und ihre Veränderungen im digitalen Zeitalter
Wie entstanden die großen (und kleinen) Filmarchive? Wie definiert und konstituiert sich die Sammlung eines Filmarchivs? Und vor welchen Veränderungen und Herausforderungen steht das Selbstverständnis der Filmarchive im digitalen Zeitalter, in dem sich neue Produktions- und Distributionswege eröffnen?
Daniel Meiller (Deutsche Kinemathek – Museum für Film und Fernsehen)

13.30 – 15.30 Uhr
Kino aus zweiter Hand
Wie geht die (Film-)Kunst mit Archiven, bzw. mit einem filmhistorischen Gedächtnis um? Was passiert, wenn nicht die Realität, sondern ein Filmbild zum Bezugsobjekt wird?
Christa Blümlinger (Université de Paris 8) und Constanze Ruhm (Akademie der Bildenden Künste Wien)

16 – 18 Uhr
Archive Secrets / Secret Archives
Es gibt immer Geheimnisse am Rande der offiziellen Geschichte: das Flüstern hinter den Kulissen, das Gerede im Flur, der Klatsch beim Wäsche waschen. Es sind diese indiskreten Kommunikationsmittel, mit denen Geheimnisse entstehen und verbreitet werden.
Der Workshop bringt das Geheimnis und die Medien seiner Verbreitung ans Licht. Welche Themen sind von der offiziellen Geschichtsschreibung ausgeschlossen und existieren nur als Geheimnis? Anhand von Beispielen aus der Geschichte der Avantgarde untersuchen wir Archiv-Geheimnisse und erschließen uns geheime Archive.
Marc Siegel (Freie Universität Berlin)

20 Uhr
Akram Zaatari: Filmprogramm und Gespräch (öffentlich)
Akram Zaatari, Künstler und Mitbegründer der Arab Image Foundation in Beirut, präsentiert und diskutiert seine Videos, die ausgehen von einer Sammlung von Bildern und Objekten und sich durch einen spezifischen künstlerisch-analytischen Umgang mit Dokumenten auszeichnen.

Samstag, 28.8.
10 – 12 Uhr
Aufbrüche im Schmalfilmformat: 1960-1990
Mit dem 16mm-Format verbindet sich eine vielfältige Filmwelt, die ausscherte aus dem Kino, sich nicht nur in den Wohnstuben der Wohlhabenden, in Erziehungsinstitutionen und an Kriegsschauplätzen herumtrieb, sondern seit den 40er Jahren in den Ateliers der Avantgarde, den Zirkeln der Subkultur und auf den Straßen zu finden war, in denen die politischen Aufbrüche der 60er und 70er Jahre stattfanden. Das Arsenal war seit 1970 ein zentraler Ort, an dem unabhängiges Kino stattfand und sich in Gestalt unzähliger 16 mm-Rollen ablagerte - um immer wieder auf´s Neue Gegenwart zu werden. Der Workshop versucht genau dies: eine Filmbewegung, die auf's engste mit gesellschaftlichen Bewegungen verbunden war, zu vergegenwärtigen.
Heide Schlüpmann und Karola Gramann (Kinothek Asta Nielsen, Frankfurt)

13.30 – 15.30 Uhr
Mit dem Archiv kuratieren
Mit dem Archiv kuratieren: Wie beeinflusst die zeitgenössische kuratorische Praxis die Konzeption von Archiven? Die Wiederkehr des Verdrängten: Wie prägen Archive unsere kuratorische Arbeit? Wie können Archive zeitgenössisch genutzt werden?
Milena Gregor, Birgit Kohler und Stefanie Schulte Strathaus

16 – 18 Uhr
Abschlussdiskussion mit anschließendem Umtrunk.