Wenn man Dublin in nördlicher Richtung verlässt, gelangt man nach einer Stunde zu einer merkwürdigen Ansammlung grauer Zementhäuser; die Türen sind bunt gestrichen, und am nahen Meer verrosten alteJahrmarktsattraktionen: Mosney wurde 1948 als Ferienlager eröffnet, in dem irische Familien ihrem Alltag entfliehen und sich erholen konnten.
Wer Mosney heute besucht, findet eine völlig andere Welt vor, die allerdings noch immer mit dem Thema entkommen zu tun hat: der ehenalige Ferienort dient heute als Aufnahmelager für Asylbewerber aus der ganzen Welt.
Die Filmemacher haben drei Jahre in Mosney gelebt und das Vertrauen der Bewohner gewonnen, die ihnen ihre Lebensgeschichten erzählt haben.
Langjährige Angestellte führen uns durch das Lager, durch riesige, verlassene Küchen und entlang verwahrloster Einzäunungen.
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Gogan und Rowley gelingen persönliche Gespräche, in denen die tragischen Dimensionen in den Einzelschicksalen der Asylanten ebenso thematisiert werden wie Alltäglichkeiten des Lagerlebens.
Die Regisseure über den Film:
Einfach ausgedrückt, versucht dieser Film Menschen eine Stimme zu geben, die ansonsten nirgendwo gehört werden. Anfangs hatten wir einen Spielfilm über Asylsuchende geplant. Unsere Recherchen führten uns nach Mosney, wo wir im Hinblick auf die entwicklung der figuren und der handlung Asylsuchende interviewten. Nach kurzer Zeit wurde uns klar, dass die eigentliche Geschichte in Mosney selbst zu finden ist: Dieser Ort erwies sich als riesiger, surrealer Warteraum voller Menschen mit unterschiedlichen Hoffnungen und Ängsten. Wir waren fassziniert von diesem Ort, von seinem Wandel vom Ferienlager zum Asylantencamp.
Wir änderten unsere Planung und konzipierten den Film als Dokumentarfilm, und zwar als Teil eines größeren Projekts. Wir veranstalteten Videoworkshops mit Kindern und Erwachsenen in Mosney, in denen die Grundlagen des Umgangs mit der Kamera und der Schnitttechnik vermittelt wurden. Einige Passagen des Films wurden im Rahmen dieser Workshops gedreht. Wir kümmerten uns darum, dass nicht mehr gebrauchte Computer gespendet wurden, und installierten auf ihnen einfache Schnittprogramme. wir organisierten Konzerte für Rapper, die sich in dem Lager zusammengefunden hatten, und unterstützten sie dabei, ihre eigenen Musikvideos zu drehen. Wir leiteten ein gemeinschaftliches Radioprojekt und haben inzwischen einige kontinuierlich stattfindende Workshops installiert. Der Film ist gewissermaßen eine offene Zusammenarbeit zwischen uns und den Bewohnern von Mosney und zugleich ein Dokument der Zeit, die wir dort verbracht haben. Die ursprünglichen Sujets unseres Films wurden im Verlauf der Zusammenarbeit zu aktiv Mitwirkenden.
In dem Bemühen um einen kreativen und zugleich sozialkritischen Film stützen wir uns auf unsere Erfahrung in den Bereichen Bildende Kunst, Ausstellungen in Museen, Film- und Fernshproduktion und Leitung von Filmfestivals. Wir haben typische Talking-Head-Situationen vermieden und stattdessen mit ausdruckvollen Bildern und atmosphärischem Sounddesign versucht, die Ängste der Asylsuchenden zu vermitteln.
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SEAVIEW
Regie: Nicky Gogan, Paul Rowley
Land: Irland 2008. Produktion: Still Films, Dublin. Kamera,Schnitt: Paul Rowley. Ton: Dumnac Goulet. Musik: Dennis McNulty
Format: 35mm, 1:1,1.85, Farbe. Länge: 82 Minuten, 24 Bilder/Sekunde. OmU Originalsprachen: Englisch, Kurdisch. Uraufführung: 13.Februar 2008, Internationales Forum, Berlin, Kinostart: 29.1.2009



