oktober 2017, distribution news

Georgisches Kino aus der Sammlung des Arsenal

Erfindungsreichtum, surrealer Humor, eine poetische Bildsprache und satirischer Scharfblick – seit Beginn des 20. Jahrhunderts hat Georgien ganz eigene Filmsprachen und Stile hervorgebracht. Mit der Filmszene verbindet das Arsenal seit langem eine enge und besondere Beziehung und es verfügt mit rund 130 Kopien über die zweitgrößte Sammlung georgischer Filme weltweit.

Drei dieser Filme - DIDI MTSWANE WELI (Ein großes, grünes Tal, 1967) von Merab Kokotschaschwili, RAMDENIME INTERWIU PIRAD SAKITCHEBSE (Einige Interviews zu persönlichen Fragen, 1978) von Lana Gogoberidse und SGHWARZE (Am Rande, 1993) von Dito Tsintsadze - konnten mit Mitteln des Kulturerhalt-Programms des Auswärtigen Amts digital restauriert werden und liegen jetzt als DCP im georgischen Original mit dt. UT vor.

august 2017, distribution news

"In den letzten Tagen der Stadt" (Akher ayam el madina)

von Tamer El Said, Kinostart: 7. September 2017 begleitet von der Caligari Filmpreistour

Kairo im Jahr 2009, zwei Jahre vor der ägyptischen Revolution. Khalid ist Filmemacher und arbeitet an einem Porträt seiner Heimatstadt. Immer wieder sieht er seine Bilder an, als warte er darauf, dass sie einen Sinn ergeben. Die Geschichten seiner Protagonist*innen scheinen von irgendwoher aus seinem Inneren zu stammen, in der Außenwelt sucht er nach Anknüpfungspunkten, doch je mehr er sucht, desto mehr scheinen sie zu verschwinden.

juli 2017, distribution news

Neu im Verleih: "For Ahkeem"

von Jeremy S. Levine, Landon Van Soest

Daje ist 17 Jahre alt, so widerspenstig und verträumt wie ihre Altersgenossinnen anderswo auf der Welt. Wie ernst es um ihre Zukunft steht, das ahnt man zwar, als Daje mit ihrer Mutter zum Jugendrichter muss, weil sie wegen Aufsässigkeit von der Schule geflogen ist und nur noch eine Chance bekommt. Doch wirklich begreifen lässt sich ihre Situation erst allmählich: wenn man auf ihrem Schulheft die vielen Namen von ihren Freunden sieht, mit dem Kuli gekritzelt – dahinter ein R.I.P. und ein frisches Datum. Wenn Daje mit ihrem Freund darüber redet, dass sie – oder er – vielleicht auch so jung sterben werden?

FOR AHKEEM erforscht den Kosmos einer jungen schwarzen Frau in St. Louis, Missouri, unweit von Ferguson, wo im August 2014 Michael Brown erschossen wurde. Aus einer strikt persönlichen Sicht erzählt der Film von ihrem Aufwachsen im heutigen US-Amerika, von den für sie vorgezeichneten Wegen, den verrammelte Backsteinhäuser säumen. Aber auch von Dajes Talent, weder als Opfer noch als „Musterschülerin“ zur beeindruckenden Protagonistin in einem Dokumentarfilm zu avancieren, der ihr kompliziertes Leben eher wie ein bewegender Spielfilm denn als Sozialreportage zeigt. (Dorothee Wenner)

juli 2017, distribution news

Neu im Verleih: "Shu'our akbar min el hob - A Feeling Greater Than Love"

von Mary Jirmanus Saba

Ein Auto mit Lautsprecher auf dem Dach fährt durch den Südlibanon. Der alte Mann am Steuer ruft zu einer Demonstration auf, um die Brüder und Schwestern zu unterstützen, die ein Tabakunternehmen besetzt halten und von der Armee belagert werden. Seine Worte stammen aus einer anderen Zeit. Er bezieht sich auf Ereignisse im Jahr 1973 – von denen heute kaum noch jemand weiß. Weder die Proteste der Tabakbauern aus dem Süden gegen das Monopol der Großgrundbesitzer noch der Streik der Arbeiter einer Schokoladenfabrik in Beirut für bessere Arbeitsbedingungen sind im kollektiven Gedächtnis des Landes verankert. Die Erinnerung an diese soziale Bewegung wurde vom Bürgerkrieg ausgelöscht, seitdem prägen konfessionelle Gräben die Gesellschaft. Auf der Suche nach einer verlorenen Zeit und nach Strategien für aktuelle Kämpfe sammelt die Filmemacherin Spuren. Ausgehend von einer während des Streiks getöteten jungen Frau befragt sie damalige Aktivistinnen und Aktivisten, Archivfotos, Dokumentarfilme der 1970er Jahre, sich selbst und die Möglichkeiten von Militanz in Kino und Gesellschaft. Durch Überlagerungen des vielfältigen Materials hallt der Appell des alten Mannes in der Gegenwart nach. (Forumskatalog, Birgit Kohler)

juli 2017, distribution news

Neu im Verleih: "Mzis qalaqi - City of the Sun"

von Rati Oneli

Einst wurden in den Minen Tschiaturas bis zu 50 Prozent des weltweit benötigten Metalls Mangan gefördert. Heute wirkt der westgeorgische Ort wie eine apokalyptische Geisterstadt. Mzis qalaqi porträtiert einige verbliebene Einwohner: Musiklehrer Zurab zerlegt marode Betonbauten, um mit den Eisenträgern ein Zubrot zu verdienen. Archil arbeitet noch im Bergwerk, seine Leidenschaft gilt jedoch einer Laientheatergruppe. Zwei junge Athletinnen trainieren trotz Mangelernährung stoisch für die nächsten Olympischen Spiele.

In seinem Debütfilm gibt Regisseur Rati Oneli faszinierende Einblicke in einen Lebensraum, dessen düstere Industrieruinen gewaltig und kulissenhaft zugleich wirken. Ein Gewirr maroder Stromkabel und betagter Seilbahnen durchzieht Tschiatura wie verstopfte Blutbahnen einen siechenden Organismus, der unermüdlich dem Lauf des Lebens trotzt. Mzis qalaqi erinnert uns an die Flüchtigkeit von Utopien. In der Stadt, in der die Sonne niemals scheint, sind es einzig ihre Bewohner, die Wärme generieren. Viel mehr als dem Minenunternehmen gelingt Oneli etwas Großartiges: Seine Kamera fördert den wertvollsten Rohstoff zu Tage – Menschlichkeit. (Forumskatalog, Ansgar Vogt)

märz 2017, distribution news

"Barakah Meets Barakah"

von Mahmoud Sabbagh, Kinostart: 9. März 2017

Die erste romantische Komödie, die je in Saudi-Arabien realisiert wurde. - Würde man eine Umfrage unter Filmexperten starten, welches Land ihrer Einschätzung nach derzeit das am wenigsten geeignete ist, eine sehr lustige und echt abgefahrene "Romantic Comedy" anzusiedeln: Saudi-Arabien hätte beste Chancen, die Top-Position einzunehmen. Aber falsch geraten – nichts weniger beweist BARAKAH MEETS BARAKAH: In der saudischen Hafenstadt Dschidda soll Barakah (Hisham Fageeh) als Ordnungsbeamter dafür sorgen, dass das öffentliche Leben nach dem islamischen Recht verläuft. Dies tut er immer freundlich aber ohne religiösen Eifer, viel lieber spielt er in einer Laientheatergruppe Hamlet. Seine Rolle ist die der Ophelia, Proben und Aufführungen mit Frauen sind verboten. Als er ein illegales Fotoshooting unterbinden soll, verliebt er sich auf den ersten Blick in Bibi (Fatima AlBanawi), die für das Label ihrer Adoptivmutter ‚Heavenly Hips‘ modelt, aber viel berühmter als gesellschaftskritische Vloggerin und IT-Girl ist. Nur wie soll er sie näher kennenlernen, in einem Land, das jeder Form von „dating“ feindlich gegenübersteht? Elegant und kreativ hebeln die beiden das System von Tradition, Etikette und Religionspolizei aus.

märz 2017, distribution news

"Hachimiri Madness – Japanese Indies from the Punk Years"

10 Filme der Reihe neu im Verleih

Unter dem Titel "Hachimiri Madness – Japanese Indies from the Punk Years" zeigte das Forum 2016 eine Reihe neu digitalisierter japanischer 8-mm-Filme aus den Jahren 1977 bis 1990, die den rebellischen Geist jener Zeit atmen. Viele der heute profilierten Regisseure Nippons debütierten mit langen Spielfilmen in diesem Format – die wenigsten davon sind je international gezeigt worden. Wir freuen uns, zehn der elf Filme nun als DCPs mit englischen Untertiteln im Verleih zu haben.

februar 2017, distribution news

Neu digitalisierte Filme im Berlinale Programm

januar 2017, distribution news

Digital im Verleih: Das Gesamtwerk von Clemens Klopfenstein

Clemens Klopfenstein, das "Urgestein des Schweizer Films", drehte mit allem, was er in die Hand und vors Auge kriegte: erst auf 8 mm, dann Super8, später 16 mm, Super16, 35 mm und dann Video8, Video Hi8, analog dann digital. Er lebt seit 40 Jahren in Umbrien als Maler, Zeichner, produziert mit familiären franziskanischen Budgets. Wir freuen uns sehr, jetzt neben unseren analogen Kopien auch Clemens Klopfensteins Gesamtwerk in digitalen Formaten im Verleih zu haben – sowie die Aussicht auf drei weitere Filme, die sich noch in der Produktion befinden.

november 2016, distribution news

"Les Sauteurs – Those Who Jump"

von Moritz Siebert, Estephan Wagner, Abou Bakar Sidibé; Kinostart: 17. November 2016

Vom Berg Gurugu blickt man auf die spanische Enklave Melilla an der nordafrikanischen Mittelmeerküste. Afrika und die Europäische Union werden hier durch eine hochgesicherte Grenzanlage, bestehend aus drei Zäunen, voneinander getrennt. In den Wäldern des Bergausläufers leben Geflüchtete, meist aus der Subsahara-Region, die versuchen, diese direkte Landgrenze zwischen Marokko und Spanien zu überqueren. So auch der Malier Abou Bakar Sidibé, der zugleich Protagonist und Dokumentierender in LES SAUTEURS ist.