November 2013, distribution news

"Al-khoroug lel-nahar – Coming Forth by Day"

von Hala Lotfy, Kinostart: 14. November 2013 mit begleitender Kino-Tour

Bild aus Coming Forth by Day

Kairo. Soad lebt mit ihrer Mutter und ihrem pflegebedürftigen Vater am Rande der ägyptischen Hauptstadt. Ihre Aufgabe, den kranken Vater zu pflegen, hat sie schicksalsergeben akzeptiert und das eigene Leben hintangestellt. Während hinter halb geschlossenen Fensterläden der Tag vergeht, folgt die Kamera Soads alltäglicher Routine und fängt dabei sowohl ihre Frustration als auch Momente großer Zärtlichkeit ein. Doch ihre Sehnsucht ist spürbar nach draußen gerichtet. Als sie am Abend die Wohnung verlässt und einsam durch das nächtliche Kairo treibt, wird deutlich, wie weit sie sich schon von ihren eigenen Bedürfnissen entfernt hat. In den Wirren der Revolution gedreht, legt Hala Lotfy in ihrem beeindruckenden Debüt den Fokus auf das Private und schafft darin einen revolutionären Film, ohne die Revolution selbst zu zeigen. AL KHOROUG LEL-NAHAR – COMING FORTH BY DAY ist der erste Film einer sich im Aufbau befindlichen neuen ägyptischen Filmkultur.

Screenings in Anwesenheit der Regisseurin Hala Lotfy und ihrer Hauptdarstellerin Donia Maher

14.11., 18 Uhr        Mal seh’n Kino, Frankfurt/M
15.11., 19 Uhr        Metropolis, Hamburg
16.11., 20 Uhr        Eiszeit Kino, Berlin
18.11., 20 Uhr        Cineding, Leipzig
19.11., 18.30 Uhr   Kino Arsenal, Tübingen - eine Sonderveranstaltung des Arabischen Filmfests Tübingen

"Etwas ist verloren gegangen" – Hala Lotfy über ihren Film

In gewisser Hinsicht fühle ich mich genau so festgefahren, wie es die Figuren meines Drehbuchs sind. Ich habe Schwierigkeiten, mich zu offenbaren und ich selbst zu sein. Die Frage ist nur: Was fesselt mich? Ich sehe keine äußerlichen Hindernisse, die ich überwinden müsste. Habe ich meine Grenzen also selbst geschaffen, oder entziehen sie sich einfach meiner Kontrolle? Als wir jünger waren, glaubten wir nicht, dass es so etwas wie Schicksal gibt. Wir glaubten an die Möglichkeit zu verändern, was wir nicht akzeptieren wollten. Und vor allem glaubten wir an das Potenzial der Zusammenarbeit, um solche Veränderungen zu bewirken. Zu unserer großen Enttäuschung kam es aber anders. Irgendetwas ging uns allmählich unbemerkt verloren, und eines Tages wachte ich mit dem Gedanken auf, dass vielleicht alles verloren ist. Lag es daran, dass die Verhältnisse immer unangenehmer und härter wurden, oder daran, dass ich den ständigen Zwang, der Korruption durch die Außenwelt Widerstand entgegenzusetzen, nicht mehr ertragen konnte? Oder vielleicht auch einfach nur an einem Gefühl tief im Innern, dass es keine kollektive Rettung geben kann?
Trotz allem bin ich fest davon überzeugt, dass man nicht im Film arbeiten kann, ohne die Menschen zu lieben und an die Würde und den Mut selbst jener zu glauben, die nichts für eine Veränderung tun können oder die noch nicht einmal erkennen, welchen Verhältnissen sie sich stellen müssten. Alle Figuren meines Films leiden unter der Unfähigkeit, sich in schwierigen Situationen zu öffnen und ihre Gefühle zu zeigen. Sie bleiben stumm, zerrissen zwischen dem Gefühl, Opfer zu sein, und der Gleichgültigkeit von Menschen, die sich an das Leiden gewöhnt haben und ihm nicht entkommen können, obwohl die Lichter eines besseren Lebens verführerisch in der Ferne funkeln. Dieser Film handelt davon, wie wir unsere eigenen Gefängnisse erschaffen, indem wir mit großer Würde ein Leben akzeptieren, das alles andere als würdig ist.

Hala Lotfy wurde 1973 in Ägypten geboren. 1995 schloss sie ein Studium der Wirtschafts- und Politikwissenschaften an der Uni Kairo ab. Anschließend studierte sie bis 1999 am Cairo Film Institute. 2005/06 drehte sie für Al Jazeera sieben Folgen der Serie Arabs of Latin America. 2007 begann sie mit der Arbeit an ihrem Spielfilmdebüt AL KHOROUG LEL-NAHAR – COMING FORTH BY DAY. 2010 gründete Hala Lotfy die unabhängige Filmproduktion Hassala Productions, deren Ziel es unter anderem ist, junge Künstler zu unterstützen.

Der Verleih des Films wird gefördert durch den Berlinale World Cinema Fund, ein Initiativprojekt der Kulturstiftung des Bundes und den Internationalen Filmfestspielen Berlin, gefördert vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien, in Kooperation mit dem Goethe Institut und mit Unterstützung des Auswärtigen Amts.

AL KHOROUG LEL-NAHAR – COMING FORTH BY DAY
Land/Jahr: Ägypten, Vereinigte Arabische Emirate 2012. Format: DCP, BluRay. Farbe. Länge: 96 Minuten. Sprache: Arabisch. Fassung: OmU. Regie, Buch: Hala Lotfy. Kamera: Mahmoud Lotfi. Kostüme: Naira Dahshoury. Ton: Abdul Rahman Mahmoud. Schnitt: Heba Othman. Produzenten: Manal Khalil, Hala Lotfy. Darsteller: Donia Maher (Suad), Salma Al-Najjar (Mutter), Ahmad Lutfi (Vater), Doaa Oreyqat (Mädchen im Kleinbus), Ahmad Sharaf (Kleinbusfahrer), Galal Beheiri (Soldat), Nadia Al-Gindi (Krankenschwester).