Januar 2014, distribution news

"I Used to Be Darker"

von Matt Porterfield; Kinostart: 9. Januar 2014

Bilder aus I Used to Be Darker

Anders als mit ihren Eltern vereinbart, verbringt Taryn den Sommer nicht in Wales, sondern in Ocean City, USA - der Liebe wegen. Als die zerbricht, flüchtet sie zu ihren Verwandten nach Baltimore. Sie hofft, hier Geborgenheit zu finden, doch ihrer Tante Kim befindet sich gerade selbst im emotionalen Umbruch. Ihre Ehe steht vor dem Aus. Ihrem Mann Bill, der seine Karriere als Musiker zugunsten der Familie für einen gut bezahlten Jobs an den Nagel gehängt hat, fällt es besonders schwer, die Trennung auch als Chance für einen Neuanfang zu begreifen. Obwohl sie die Scheidung ohne Streit über die Bühne bringen wollen, leidet ihre Tochter Abby besonders darunter. Sie alle müssen einen Neuanfang wagen und verbringen das Ende des Sommers in einer Mischung aus Abschied, Trauer und Vorfreude. Ein Film über das Loslassenkönnen. "And then I got lighter …"

I USED TO BE DARKER Trailer

Kim Taylor Europa Tour 2014 präsentiert von CashGirls Berlin
Wir freuen uns sehr, dass Kim Taylor, Singer-Songwriterin und Darstellerin der Tante Kim, parallel zum Kinostart in Deutschland auf Tour sein wird. Alle ihre Tour Termine bei facebook

Alle Screenings (Stand 30.12.2013)

07.01., 20.15 Uhr, Unknown Pleasures Festival im Babylon Mitte, Berlin
Kim Taylor zu Gast für ein "Q&A with songs"

ab 09.01.
fsk - Kino am Oranienplatz, Berlin - tgl. 20.15 , 22.15 (außer Do), Sa/So auch 16.15
09.01., 20.15 Uhr im Anschluss an das Screening "Q&A with songs" mit Kim Taylor
Thalia Cinema, Dresden
Filmhauskino, Köln
Kino Koki, Lübeck
Apollo, Aachen
Galerie Cinema
, Essen

10.–14.01. Kinemathek Karlsruhe

ab 16.01.
Mal seh'n Kino, Frankfurt
Cineding, Leipzig

ab 23.01.
3001, Hamburg
Filmhaus, Nürnberg
Preview: 18.01. um 19 Uhr, anschließend Konzert mit Kim Taylor um 21 Uhr im Zentralcafe

ab 06.02.
Kino im Künstlerhaus, Hannover
Werkstattkino, München
Cinema, Münster
Puschkino, Halle
Lichtblick, Berlin

13.-19.02.: Filmhaus, Saarbrücken

18.-23.02.: Cinématèque, Leipzig

21.-26.02.: Brotfabrik, Berlin

27.02.-12.03: Kino Xenix, Zürich

Anfang und Ende zugleich
Der Regisseur über seinen Film

Meine Koautorin Amy Belk und ich wollten eine ehrliche Geschichte über das Thema Scheidung erzählen; wir beide kennen dieses Thema aus eigener Erfahrung – ich sogar aus zweifacher Erfahrung, wenn ich die Scheidung meiner Eltern mitzähle. Um diese Erfahrung ging es uns, und darum, wie komplex und voller Leben selbst das Ende einer Ehe ist: Für das davon betroffene Paar ist es gleichermaßen ein Anfang und ein Ende; das gilt auch für die Menschen, mit denen die beiden verbunden sind. Es war uns wichtig, diese Geschichte sehr offen und ohne Einschränkungen zu erzählen. Was uns wirklich bei Beziehungen staunen lässt, ist die Gleichzeitigkeit von allem, was geschieht. Die Gemeinschaft bzw. die Familie verändert sich, wenn zwei Menschen sich trennen, aber sie hört nicht eine Sekunde lang auf, ihre ganz eigenen Schwierigkeiten und Triumphe zu erleben.

In meinem dritten Film greife ich auf traditionelle Erzähltechniken zurück, bewege mich aber gleichzeitig auf formal etwas abenteuerlichen Wegen. Beeinflusst vom Melodrama des 18. Jahrhunderts, ist I USED TO BE DARKER voller großer Gefühle, großer Gesten und Gesang. Aber wie bei einem guten realistischen Film geht es auch um Alltägliches, um Fragen zum künstlerischen Handwerk und zu den formalen Mitteln, die die Illusion von Realität zerbrechen lassen; gleichzeitig gibt er dem naturalistischen Potenzial Raum, das sich aus der Arbeit mit Laiendarstellern und authentischen Schauplätzen ergibt.

I USED TO BE DARKER ist mein bislang persönlichster und zugleich am meisten in gemeinschaftlicher Arbeit entstandener Film. Ich bin glücklich über die erneute Zusammenarbeit mit Jeremy Saulnier, der auch bei meinen beiden ersten Filmen hinter der Kamera stand, und mit Marc Vives, der "Putty Hill" geschnitten hat. Ich habe das Drehbuch Wort für Wort gemeinsam mit Amy Belk verfasst – die Welt dieses Films ist genauso ihre wie meine. Danny Meltzer und Gene Park verantworten gemeinsam das Sounddesign. Dank Dannys Erfahrung ist die Live-Musik, die unsere Darsteller aufführen, brillant wiedergegeben, während Gene sein unfehlbares Gehör und seinen Sinn für das Detail mit einbrachte. Unser Ausstatter Bart Mangram schuf die Räume für die Figuren; sie erzählen uns so viel über deren Leben wie die Worte, die sie sagen, und die Lieder, die sie singen. Aus den Energien all der kreativen Menschen, die an dem Film mitgewirkt haben, ist ein ebenso präzises wie authentisches und einzigartiges Abbild der Welt entstanden.

Es geht um Familie.
Besonders begeistert bin ich von den bemerkenswerten Darstellern in I USED TO BE DARKER. Jedes Mal, wenn ich den Film sehe, bin ich bewegt von dem, was sie auf die Leinwand bringen. Ich sehe reale Menschen, die ich liebe, und keine Allerweltsfiguren. Obwohl die Darstellung subtiler ist als die in "Putty Hill", stützen sich die Schauspieler hier zu einem großen Teil auf Erfahrungen, die sie in ihrem realen Leben gemacht haben: Sie nahmen ihre Stärken und Schwächen, ihre Intelligenz und Intuition zu Hilfe, um das Innere der von ihnen dargestellten Figuren durch eine präzise Kombination von Worten, Gesten und Gefühlen lebendig werden zu lassen. Sämtliche Darsteller standen für diesen Film zum ersten Mal vor der Kamera. Ich bin sicher, es war nicht das letzte Mal.

Musik spielt eine sehr wichtige Rolle: Zwei der Hauptdarsteller, Kim Taylor und Ned Oldham, singen Originalsongs auf der Leinwand. Außerdem wirken einige unserer Lieblingskünstler aus Baltimore am Soundtrack mit: Dope Body, Dustin Wong, Jana Hunter, The Entrance Band. Ich fand schon immer die Idee sehr interessant, die Verwendung von nondiegetischer Musik in meinen Filmen einzuschränken. I Used to Be Darker ist der erste Film, in dem jeder einzelne Einsatz von Musik unmittelbar aus einer auf der Leinwand sicht- und hörbaren Quelle stammt. Wenn man genau aufpasst, hört man sogar einen Song von Bill Callahan: "Jim Cain" von seinem Album Sometimes I Wish We Were An Eagle. Dieses Album half Amy und mir durch schwere Zeiten. Eine Zeile geht so: "I used to be darker, then I got lighter, then I got dark again / Something too big to be seen was passing over and over me."

Im Kern geht es in diesem Film um Beziehungen: um Menschen, die sich umeinander kümmern und einander gehen lassen, die nach Liebe und Nähe suchen – entweder da, wo sie sie schon früher gefunden haben oder dort, wo sie sie künftig finden werden. Es geht um das Thema Familie: um das, was uns von uns selbst forttreibt, was uns zurückweichen lässt, und darum, wie wir uns auf neue Formen der Verbindlichkeit einlassen, wie wir unseren eigenen Raum in der Welt gestalten. I USED TO BE DARKER ist ein Film über Heimat; er basiert auf dem Glauben, dass man auch wieder nach Hause zurückkehren kann, dass man aber damit zugleich immer etwas Neues schafft.

Presse (Auszüge)

"Mit diesem sensibel beobachten, klischeefreien und undramatisch in Szene gesetzte Porträt einer Familie im Umbruch zeigt Regisseur Matt Porterfield – zuletzt war er vor zwei Jahren im Forum mit "Putty Hill" zu Gast – dass er zu Recht als einer der interessantesten Filmemacher der US-Indie-Szene gilt." Stephanie Grimm, Zitty

"In seiner Heimat Baltimore werden Porterfields Filme "Hamilton" und "Putty Hill" bereits im gleichen Atemzug wie "The Wire" genannt. Wenige schafften es so präzise Skizzen des Arbeiterlebens von Maryland zu visualisieren. Jetzt bringt er uns die Geschichte eines nordirischen Ausreißermädchens, das inmitten der amerikanischen Verheißung die Winkelzüge des wirklichen Lebens kennenlernt. I USED TO BE DARKER ist eine filmische und poetische Offenbarung." Mattes Teschabai, White Lightnin' Filmblog

"Endlich mal wieder ein Film, bei dem man am Liebsten noch zwei Stunden sitzen bleiben würde, um die vielen Details, die Kleinteiligkeit der eigentlich einfachen Erzählung im Ganzen zu erfassen." Jennifer Borrmann, kino-zeit.de

Matt Porterfield wurde am 6. Oktober 1977 in Baltimore, Maryland, geboren. Er studierte Film an der Tisch School of the Arts der New York University. 2006 drehte er seinen ersten Langfilm Hamilton. Neben seiner Arbeit als Regisseur und Drehbuchautor unterrichtet er an der Johns Hopkins University in Baltimore. Filme: 2006: "Hamilton" (67 Min.). 2010: "Putty Hill" (89 Min., Forum 2010). 2013: I USED TO BE DARKER (Forum 2013)

I USED TO BE DARKER