Januar 2015, distribution news

"Ich will mich nicht künstlich aufregen"

von Max Linz, Kinostart: 08. Januar 2015

Bilder aus Ich will mich nicht künstlich aufregen

ICH WILL MICH NICHT KÜNSTLICH AUFREGEN spielt in einer von allen Nebensächlichkeiten befreiten „Berliner Republik“ heute, es geht um Kunstproduktion, Kreativwirtschaft – insbesondere aber um Film und Kino – ein politisches Manifest im Spielfilmformat. Die Hauptfigur Asta Andersen, Kuratorin für zeitgenössische Kunst, ist eine moderne Kämpferin, tough, durchgestlyed, theoriegestählt, das gängige Vokabular der Kulturszene perlt ihr elegant von den Lippen. Durch Äußerungen in einem Radio-Interview verscherzt sie es sich mit ihren Geldgebern, öffentliche Mittel werden auf Eis gelegt. Im Kampf um die Finanzierung ihrer Ausstellung „Das Kino. Das Kunst“, für die Hannelore Hoger unhörbare Empfehlungen in das Ohr des Bundespräsidenten flüstert, sucht sich Asta schließlich internationales „backing“ bei einem indischen Freund, der zum Glück zufällig vor Ort ist, als es irgendwo im Grünen zur folgenreichen Begegnung mit ihrer Widersacherin, Frau Ober-Kultur-Intenzentin, kommt. Der Film ist eine vergnügliche Vivisektion der Kulturbranche und ihres unbehaglichen Arrangements mit falschen Verhältnissen.

ALS DIE MAUER NOCH STAND, KONNTE DER REAKTIONÄR ZUR KRITIKERIN SAGEN: DANN GEH DOCH RÜBER. HEUTE HEISST ES: VIELLEICHT BIST DU BEI DER BILDENDEN KUNST BESSER AUFGEHOBEN. Asta Andersen

Homepage des Films mit allen Spielterminen.

Trailer

PRESSESTIMMEN (Auszüge)

"Update eines genuin politischen Kinos unter gegenwärtigen Produktionsbedingungen." taz

"Lehrstück, das die Funktionsweisen eines zu Selbstreflexion und -kritik unfähigen Kulturbetriebs zur Kenntlichkeit bringt." Texte zur Kunst

"Bester deutscher Film der Nachkriegszeit (also seit 1989)." Junge Welt

"Wirkt durchweg selbstreflexiv – komödiantisch und erinnert an das intelligente politische Kino der späten 1960er Jahre." NZZ

"Systemkritik sah nie besser aus. Dass man oft lachen muss, macht dem Film nichts aus." Perlentaucher

Der Regisseur über seinen Film
Mit der Setzung einer Kuratorin als Hauptfigur wollte ich die Beschäftigung mit dem Kino direkt in einem Spielfilm thematisieren, ohne dafür auf reflexive Manöver wie den Film-im-Film zurückgreifen zu müssen. Die Kuratorin geht davon aus, dass die Migration von Filmemacher_innen aus dem Kino und dem Fernsehen in andere Bereiche der Bildproduktion, zum Beispiel ins Feld der bildenden oder visuellen Künste, eine Art politisches Exil ist. Dafür spielen unserer Ansicht nach zwei Aspekte eine wesentliche Rolle: zum einen eine bestimmte politisch so gewollte Ökonomie des Kinos, zum anderen ein Diskurs, der immer noch weiter eingrenzt, was Kino ist, um bestimmte Traditionen durchzusetzen oder aufrechtzuerhalten. Dass beide Befunde eine lange Geschichte haben, wird am Anfang des Films deutlich, wenn zwei Zitate vorgelesen werden, eines von Horkheimer/Adorno aus dem Kulturindustrie-Kapitel in Dialektik der Aufklärung, gefolgt von einem Brecht-Eintrag aus seinem "Arbeitsjournal". Die Zitate wiederum hatte Sarah Ralfs bei Drehbeginn vorgeschlagen und damit den Einsatz des Films nochmal klarifiziert.

Max Linz, geb. 1984, studierte Filmwissenschaft in Berlin und Paris. Seit 2008 studiert er Regie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin (DFFB).
ICH WILL MICH NICHT KÜNSTLICH AUFREGEN ist sein erster abendfüllender Film.

ICH WILL MICH NICHT KÜNSTLICH AUFREGEN
Land/Jahr: D 2014. Format: DCP, BluRay. Länge: 84 Minuten. Sprache: Deutsch, Englisch. Sprachfassung: OmdU und OmeU. Darsteller: Sarah Ralfs (Asta Andersen), Pushpendra Singh (Waris Singh), René Schappach (René Rausch), Hannelore Hoger (Dagmar Andersen). Buch & Regie: Max Linz. Kamera: Carlos Andrés López. Ton: Jaime Bustamante. Musik: Tamer Fahri Özgönenc. Schnitt: Max Linz, René Frölke. Produzent: Maximilian Haslberger. Produktion: Amerikafilm; Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin; Rundfunk Berlin-Brandenburg.