April 2016, distribution news

"Queen of Earth"

von Alex Ross Perry, Kinostart: 05. Mai 2016

Sommer am See. Wie im vergangenen Jahr treffen sich die Freundinnen Catherine (Elisabeth Moss) und Virginia (Katherine Waterston) im Haus von Virginias Eltern. Während Virginias Leben gerade unbeschwert dahin plätschert, droht Catherine nach dem Tod ihres Vaters und der Trennung von ihrem Freund in einer persönlichen Krise unterzugehen. Sie hofft auf Ruhe, Entspannung und Geborgenheit doch die Ereignisse des letzten Jahres überlagern mehr und mehr die Gegenwart. Als Virginia einen neuen Freund mitbringt, kippt die einstige Nähe zwischen den Freundinnen. Das vermeintliche Paradies verwandelt sich in einen Ort voller Vorwürfe und Abscheu.

Der Regisseur über seinen Film: Grausame Zudringlichkeit
Mit "Queen of Earth" wollte ich mich selbst herausfordern. Ich habe hintereinander einige Filme realisiert, die als Komödien gelten, was so viel heißt wie, dass ein paar Leute darüber lachen, wenn sie sie sehen. Mit der Unterstützung eines Teams, mit dem ich bereits mehrfach eng zusammengearbeitet habe, schien es das Natürlichste der Welt, einmal einen Film über Themen wie Not und Einsamkeit zu drehen und dabei eher den Konventionen eines psychologischen Thrillers zu folgen als dem, was die meisten Menschen offenbar amüsant finden. Es geht in diesem Film um Privatsphäre. Ich habe festgestellt, dass manche Menschen in einem geradezu hoffnungslosen Ausmaß unfähig dazu sind, anderen ihren Raum zu lassen. "Queen of Earth" handelt von der Reaktion einer Frau auf die Weigerung der Welt, sie in Ruhe zu lassen. Unehrlichkeit, Grausamkeit und Neugierde sind ein und dasselbe. Die ständige Freude, die Menschen daran finden, Dinge über jeden außer sich selbst zu erfahren, wirkt auf mich wie eine Krankheit der Gesellschaft. Der Film zeigt eine Figur, die allmählich immun gegen diese Krankheit wird, weil sie immer weiter in ihre persönliche Tragödie abgleitet.

Presse (Auswahl)

"Queen of Earth ist eine Freundschafts- und Persönlichkeitsstudie im Gewand eines Horrorfilms, folgt aber gleichzeitig auch dem Seelenentkleidungskino Ingmar Bergmans. Eine hervorragende Mischung, die dem Schmerz und dem Diabolischen gleichermaßen Raum gibt." Esther Buss, derstandard.at

"Ode an das weibliche Gesicht" In seinem Porträt zweier unglücklicher Frauen lehnt Alex Ross Perry sich mit "Queen of Earth" eng an Ingmar Bergman und Roman Polanski an… In schmerzvollen psychologischen Beobachtungen folgt der Film auf unterschiedlichen Zeitebenen Catherine (eine fantastische Elisabeth Moss) und Virginia (Katherine Waterstone). Die beiden Frauen sind beste Freundinnen, aber auch beste Feindinnen. Beide haben und hatten Schwierigkeiten in ihrem Liebesleben und in privaten sowie sozialen Dingen. Die beiden ziehen sich in ein verlassenes Haus an einem See zurück und versuchen ihre Wunden zu lecken. Gestört und begleitet werden sie hauptsächlich von ihren Partnern, die entweder in Erinnerungen oder in der Gegenwart zu Besuch sind. Dabei entsteht ein kontemplativer Sog aus Reue, Zweifel und Ängsten, bis zum Wahnsinn… In "Queen of Earth" geht es um Fragen der Ehrlichkeit in Beziehungen und Freundschaften, Selbstzweifel und die Unmöglichkeit von Nähe und Ewigkeit. Dabei nutzt Perry auch filmische Mittel, um ein Gefühl für die Konflikte aufzubauen. Dialoge werden häufig durch einen versierten Umgang mit Tiefenschärfe und Räumlichkeit inszeniert. So wechselt der Fokus in einem langen Gespräch der beiden Freundinnen über die Vergangenheit immer wieder zwischen den Gesichtern hin und her und macht damit das Zuhören und das Zusehen zu einem zweischneidigen Ereignis. Ebenso suggestiv erscheinen die Überblendungen zwischen dem flirrenden Wasser des Sees und den Silhouetten der Frauen im Gegenlicht oder manche Einstellungen, die das Haus zu einem dritten Protagonisten werden lassen. Nicht nur in diesem Sinn ist der Film ein Horrorfilm über den Verlust von Hoffnung." Patrick Holzapfel, perlentaucher.de

"Der dritte Feature-Film des US-Amerikaners Alex Ross Perry ist ein bitterböses Kammerspiel, vor allem aber eine Demonstration der Montagekunst... Zwei Protagonistinnen, zwei Wochen im gleichen Haus am gleichen See, zwischen denen ziemlich genau ein Jahr liegt, verwoben zu einem Film. Und was für ein Film! "Queen of Earth" ist zunächst ein konzentriertes Kammerspiel, dass das Binnenverhältnis zweier Freundinnen mit höchster Konzentration einfängt, ein Verhältnis als ständige Kippfigur: Da ist Empathie, fast schon Liebe, aber da sind auch untergründige Sticheleien, offensive Gehässigkeiten, sind Vorwürfe, ist Mitleid vs. Missgunst. Die Diffizilität der Figurenpsychologie (und wie großartig sie hier umgesetzt wird) erinnert mitunter an das Kino Ingmar Bergmanns, dessen existentiellen Gestus Perry aber glücklicherweise niemals übernimmt. Die Wortgefechte zwischen Catherine und Virginia sind ebenso böse, wie sie lustig sind – und dabei so pointiert, dass "Queen of Earth" vielleicht auch als Ausweis einer Tendenz des Independent-Kinos gelten kann, in der das Script wieder an Gewicht gewinnt." Christian Blumberg, dasfilter.com 

"Often, the camera would make like Tinker Bell, flitting between the characters to peek from behind one and gawp at the other. Mr. Perry avoids over-the-shoulder shots, but, as suggested by the opener that turns Catherine’s face into a landscape of pain, he likes claustrophobic close-ups. Like the movie, these close-ups are alternately mesmerizing and suffocating, which dovetails with Mr. Perry’s pull-push strategy of bringing you uncomfortably close to the action, to the tears and the drama, only to shove you away... Perched comfortably between art house and mainstream filmmaking idioms, Mr. Perry does a great deal with his hybrid visual style, emotional palette, restricted location and a minimal cast." Manohla Dargis, The New York Times

Alex Ross Perry
, geb. 1984 in Bryn Mawr, Pennsylvania, USA. Er studierte an der Tisch School of the Arts der New York University und arbeitete lange Zeit in dem Video- und Musikverleih ‚Kim’s Video‘ in Manhattan. Perry lebt in Brooklyn, New York. Filme: 2009: Impolex (73 Min.). 2011: The Color Wheel (83 Min.). 2014: Listen Up Philip (108 Min.). 2015: Queen of Earth.

QUEEN OF EARTH
Land/Jahr: USA 2015. Format: DCP, BluRay (gedreht auf 16mm). Farbe. Länge 90 Min. Sprache: Englisch. Sprachfassung: OmdU. Produktion: Elisabeth Moss, Alex Ross Perry, Adam Piotrowicz, Joe Swanberg. Produktionsfirmen: Her Majesty September (New York, USA); Forager Film Company (Chicago, USA). Buch & Regie: Alex Ross Perry. Kamera Sean Price Williams. Production Design: Anna Bak-Kvapil. Kostüm: Amanda Ford. Maske: Amy Forsythe. Ton: Clayton Castellanos. Musik: Keegan DeWitt. Sound Design: Ryan Price. Schnitt: Robert Greene. Darsteller: Elisabeth Moss (Catherine), Katherine Waterston (Virginia), Patrick Fugit (Rich), Kentucker Audley (James), Keith Poulson (Keith), Kate Lyn Sheil (Michelle), Craig Butta (Gärtner). Uraufführung: 7. Februar 2015, Berlinale Forum