Oktober 2017, distribution news

Georgisches Kino aus der Sammlung des Arsenal

(1) RAMDENIME INTERWIU PIRAD SAKITCHEBSE (Einige Interviews zu persönlichen Fragen) von Lana Gogoberidse (2) ZISPERI MTEBI ANU DAUJEREBELI AMBAVI (Blaue Berge oder Eine unwahrscheinliche Geschichte) von Eldar Schengelaja (3) SGHWARZE (Am Rande) von Dito Tsintsadze (4) DIDI MTSWANE WELI (Ein großes, grünes Tal) von Merab Kokotschaschwili

Erfindungsreichtum, surrealer Humor, eine poetische Bildsprache und satirischer Scharfblick – seit Beginn des 20. Jahrhunderts hat Georgien ganz eigene Filmsprachen und Stile hervorgebracht. Mit der Filmszene verbindet das Arsenal seit langem eine enge und besondere Beziehung und es verfügt mit rund 130 Kopien über die zweitgrößte Sammlung georgischer Filme weltweit. Drei dieser Filme - DIDI MTSWANE WELI (Ein großes, grünes Tal, 1967) von Merab Kokotschaschwili, RAMDENIME INTERWIU PIRAD SAKITCHEBSE (Einige Interviews zu persönlichen Fragen, 1978) von Lana Gogoberidse und SGHWARZE (Am Rande, 1993) von Dito Tsintsadze - konnten mit Mitteln des Kulturerhalt-Programms des Auswärtigen Amts digital restauriert werden und liegen jetzt als DCP im georgischen Original mit dt. UT vor.

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DIDI MTSWANE WELI (Ein großes, grünes Tal, 1967) von Merab Kokotschaschwili
Das vom italienischen Neorealismus beeinflusste, bildgewaltige Drama um einen Außenseiter im Spannungsfeld zwischen Tradition und Fortschritt porträtiert den Hirten Sosana, der für seine Kolchose das Vieh in einem abgelegenen Gebirgstal versorgt. Im Land seiner Väter verwurzelt, lebt Sosana von der Nähe zur Natur und zu ihren Gesetzmäßigkeiten. Doch seine Frau Pirimse zieht es zu Menschen, die im Rhythmus der neuen Zeit leben, sie möchte sich von ihrem Mann, der ihr fremd geworden ist, trennen. Die Forderung des Kolchosvorsitzenden, Sosana müsse mit seiner Familie und dem Vieh in die neugebaute Stadt umziehen, da im Tal Erdölvorkommen gefunden wurden, setzt Sosana zudem unter Druck.  

 

RAMDENIME INTERWIU PIRAD SAKITCHEBSE (Einige Interviews zu persönlichen Fragen, 1978) von Lana Gogoberidse
Sofiko geht ganz in ihrem Beruf auf. Als Journalistin interviewt sie unterschiedlichste Frauen zu ihren Lebensbedingungen und Wünschen, dass ihr eigenes Glück und ihre Familie darunter leiden, bemerkt sie zu spät. Feinfühlig erzählt Lana Gogoberidse in dokumentarisch anmutendem Stil und mit dynamischer Kameraführung von der Verzahnung des Privaten und des Politischen, die sich auch in den Erinnerungen Sofikos an die Mutter fortsetzt, die, für das Kind unverständlich, im Gulag verschwand. Mit seinem Fokus auf die alltäglichen Kämpfe einer emanzipierten Frau und der Reflexion über weibliche Lebensentwürfe gilt RAMDENIME INTERWIU PIRAD SAKITCHEBSE als einer der ersten feministischen Filme der Sowjetunion.    
 
SGHWARZE (Am Rande, 1993) von Dito Tsintsadze
Ein Bürgerkrieg kündigt sich an. Der bewaffnete Konflikt steht kurz vor dem Ausbruch, die Vorzeichen sind unübersehbar, überall Aggressionen, Hass und Propaganda. Ein junger Physiker versucht, seine Unabhängigkeit zu bewahren, kapselt sich zunächst von seiner Umwelt ab, versucht mit seiner Freundin das Land zu verlassen, kann sich der Ereignisse letztlich doch nicht entziehen. Ohne direkte Bezüge auf die regionalen Konflikte Anfang der 90er Jahre in Georgien entwirft Tsintsadse ein visuelles Niemandsland, das vor der Auflösung steht, und erzählt düster-lakonisch von einem Menschen, der unparteiisch sein möchte, jedoch erkennen muss, dass dies nicht möglich ist.