Dezember 2015, edition

Neu bei arsenal edition: 3D Blu-ray Ken Jacobs

A PRIMER IN SKY SOCIALISM (2013)

THE GUESTS (2013)

Eine 3D Blu-ray Edition mit drei Filmen von Ken Jacobs ist ab sofort an der Kasse des Kino Arsenal erhältlich. Darauf: die 3D-Meditation über die Brooklyn Bridge A PRIMER IN SKY SOCIALISM (2013, gezeigt in Forum Expanded 2014), THE GUESTS (2013, gezeigt im Forum 2014), in dem 120 Jahre Filmgeschichte – Stummfilm, Avantgarde und 3D – zu einem einzigen Kinoereignis verschmelzen, sowie BLANKETS FOR INDIANS (2012), eine 3D-Dokumentation von Antikriegs und -kapitalismus-Protesten in New York, deren Titel auf die pockenbefallenen Decken verweist, mit denen die europäischen Siedler die Ureinwohner Amerikas bedachten.

A PRIMER IN SKY SOCIALISM
Ken Jacobs, USA 2013, 58 min, Farbe, stumm, Sprache: Englisch

A PRIMER IN SKY SOCIALISM, eine 3D-Meditation über die Brooklyn Bridge, ist inspiriert von der Geschichte der Roebling-Famile. Jacobs kehrt damit zum Thema seines Films THE SKY SOCIALIST von 1964 zurück. Washington Roebling wurde 1869 zum Chefingenieur der Brücke. Er entwickelte neue Bauweisen, unter anderem Druckluftcaissons, die die Basis der beiden Türme bildeten. Ein Unfall zwang ihn zum Rückzug von der aktiven Bauleitung, die erfolgreich von seiner Frau, Emily Warren Roebling, übernommen wurde. "Jedes Silvester begeben meine Frau Flo und ich uns zusammen mit einer vielsprachigen Menge junger Leute auf die Brooklyn Bridge, vermeintlich um dort das Feuerwerk zu sehen. Das eigentliche Spektakel sind aber die Brücke und die Menschenmenge. Die Brücke ist uns, seit wir in den 1960ern von der Geschichte der Roeblings, Vater, Sohn und Schwiegertochter, erfahren haben, immer sehr am Herzen gelegen. Sie symbolisiert, was sie Amerika gewünscht haben, eigentlich ihren Segen. Ich habe damals THE SKY SOCIALIST auf 8mm gefilmt, und mit dieser neuen Arbeit schließe ich daran an." (Ken Jacobs)
"Eine imaginäre Erläuterung: Vorausgesetzt, sie wollten verstanden werden, und ihr Galerist wäre mit dem Verstandenwerden einverstanden, dann hätten Picasso und Braque der Öffentlichkeit nur folgendes zu sagen: Wir versuchen nicht länger, die Geister von Tieren auf geheimen Höhlenwänden einzufangen. Die Kirche hat nichts mehr zu sagen, jedenfalls nicht hier. Die Impressionisten, Symbolisten und Futuristen können nicht mehr verbessert werden und folgen können wir ihnen auch nicht, wenn wir uns selbst einen Namen machen wollen. Also müssen wir vorne anfangen, ein radikaler Neuanfang ... der mit einer Tiefenillusion beginnt. Die erklären wir zum Zentrum unseres Schaffens und wir erklären es als vollständig willkürlich. In der Nachfolge von Cézanne werden die Tiefendarstellungen uns unsere Erwartungen um die Ohren fliegen lassen." (Ken Jacobs, Januar 2014)


THE GUESTS

Ken Jacobs, USA 2013, 73 min, s/w, ohne Dialog

Die Schwester eines technischen Mitarbeiters der Gebrüder Lumière heiratet. Festlich gekleidete Gäste betreten über eine breite Treppe das Gebäude, in dem die nach außen gerichtete Kamera steht. Sie kommen vom Kirchplatz, der im Hintergrund zu sehen ist. Das Schwarz-Weiß, die Kleidung, das Straßenbild: eine Fotografie aus dem vorletzten Jahrhundert. Als die Gruppe beginnt, sich in Bewegung zu setzen, scheint es, als würde sie an der Hochzeit vorbei unsere Gegenwart beschreiten. Wir sehen die eng genähten Kleider der Frauen und denken darüber nach, wie sie es darin aushalten. Wir sehen die Aufregung im Gesicht eines Jungen. Wir beginnen uns zu fragen, wie lange es dauert, bis jemand die Linse der Kamera und damit das Bild verdeckt. Beim Warten entdecken wir hinter den Gästen eine fahrende Kutsche. Wenn wir den Blick wieder nach vorne richten, ist die Fotografie nicht mehr die gleiche. Unsere Augen wandern von vorne nach hinten, von links hinten nach rechts vorn, ist die Leinwand konkav oder konvex? Sind wir es, die durch die Fläche des Bildes hindurch diese Tiefe erzeugen? Stummfilm, Avantgarde und digitales 3D: 120 Jahre Filmgeschichte verschmelzen zu einem einzigen Kinoereignis. (Stefanie Schulte Strathaus)


BLANKETS FOR INDIANS
USA 2012, Farbe, Englisch, 57’

The title alludes to the smallpox-infested blankets that were given as gifts to the original inhabitants of this continent by Europeans. I carry a Fuji W3 3D pocket-camera at all times. It looks like a cell-phone but records 3D stills and video, with stereo-sound. Intending to record the antique water-fountain in City Hall Park a block from where we live, we turned onto Broadway to see many people gathering and cops putting up metal barricades to prevent them from spilling into traffic. A very disciplined protest march was forming, all sorts of people objecting to our wars and economic imbalance. Teacher unions, hospital workers, the march went on for hours, mid-day into night, many people with small children. From the little media coverage, we did learn that 75 were arrested (devil knows why) and many more roughed up by the police. They were to gather further downtown at Zuccotti Park, joining the people of Occupy Wall Street. Of course I began to record, but there was no way I'd be taking Flo to Zuccotti Park. We're old, with vivid memories if not scars of Vietnam War protests. And I wanted to keep my camera from being "confiscated", keep my recordings.
America was told by God to manage the globe, at a profit, only first having to clear away prior nations living on this land mass before venturing offshore (though not before taking half of Mexico and some failed attempts to wrest Canada from Canadians). Surely you asked when a child, "Daddy, what was America doing so far from home when the Japanese bombed Pearl Harbor?" - "Grabbing Hawaii, darling, and much more", Daddy may have answered. Bush and Cheney were religiously observant when they opted to enrich Halliburton further, when with their 9/11 pretext -arranged with the Saudis- they invaded Iraq and Afghanistan and the Middle East generally. This movie shows dissenters to the American mission marching down New York’s lower Broadway to gather at Zuccotti Park where the Occupy Wall Street kids were standing their ground. We live close to where the crowd turned onto Broadway and swept us along. (Ken Jacob)