juli 2016, kino arsenal

Schauspielerin, Produzentin, Regisseurin: Ida Lupino

Die 1918 in London geborene Ida Lupino stammt aus einer Showbiz-Familie, stand bereits im Alter von 13 Jahren zum ersten Mal vor der Kamera und erhielt zwei Jahre später einen Fünfjahresvertrag bei Paramount. Das vom Production code gebändigte Studiosystem bot für die mit Vorliebe sinnliche, ein wenig wahnwitzige Figuren verkörpernde Lupino zunächst wenig Entfaltungsspielraum. Erst der in den 40er Jahren aufblühende Film noir bescherte ihr eine Reihe von Paraderollen, unter anderem entwarf sie für Raoul Walsh denkwürdige Femme fatales in HIGH SIERRA und THEY DRIVE BY NIGHT. Gemäß den Maßstäben der Industrie hatte Lupino den Höhepunkt ihrer Karriere erreicht.

Ihren künstlerischen Ambitionen allerdings genügten glamouröse Hauptrollen und der damit verbundene Starruhm nicht. In der zweiten Hälfte ihrer Karriere, von den späten 40er bis in die späten 60er Jahre, widmete sie sich hauptsächlich der Produktion und der Regie in Kino und Fernsehen. Um die Gelegenheit zu bekommen, als Frau auf die andere Seite der Kamera zu wechseln, musste sie freilich erst eine eigene Firma gründen. Gemeinsam mit ihrem Ehemann Collier Young und dem Drehbuchautor Malvin Wald produzierte sie unter dem Banner "The Filmakers" ab 1949 in schneller Folge neun Filme, fünf davon inszenierte sie selbst. NEVER FEAR (1949) war der erste Hollywoodfilm seit Dorothy Arzners "First Comes Courage" (1943), 
den eine Frau als Regisseurin unterzeichnen konnte.

Eine von Hannes Brühwiler und Lukas Foerster kuratierte Filmreihe verbindet beide Aspekte der Karriere und präsentiert vom 2.-30. 7. jeweils fünf Arbeiten der Schauspielerin und der Regisseurin Lupino.

juli 2016, kino arsenal

Magical History Tour
: Flanierendes Kino, Flaneure im Film

Edgar Allan Poe beschrieb ihn als Mann in der Menge, von der Großstadt absorbiert. Charles Baudelaire feierte seine Fähigkeit, im urbanen Raum gleichzeitig Anonymität zu wahren und Individualist sein zu können. Walter Benjamin befreite ihn in seinen Schriften von der vielzitierten Schildkröte, von der Attitüde und Pose und prägte die "zentrale Figur der Moderne", den hochsensiblen Stadt-Entzifferer, der durch die Straßen streift, mal von ihr angezogen, mal abgestoßen seine städtische Umgebung betrachtet und seinerseits von seiner Umgebung betrachtet wird: den Flaneur. Das für die Literatur der letzten zwei Jahrhunderte so essentielle Begriffstrio – Flaneur, Flanerie und Flanieren – findet seit den 20er Jahren auch in der Filmgeschichte ein Echo unterschiedlicher Ausprägung.

Die Magical History Tour im Juli präsentiert Stadtwandler der ersten Stunde und ihre Nachfolger (vor und hinter der Kamera), öffnet den Begriff für das weibliche Pendant, die Flaneuse, versammelt flanierende dokumentarische und essayistische Arbeiten – mäandernde Gänge durch Stadträume, entschleunigte Wahrnehmungen und Eroberungen urbaner Strukturen, Erkundungen von Straßen und den sie bevölkernden Massen, Reflexionen über die Bedingungen moderner Existenz.

juli 2016, kino arsenal

Retrospektive 
Andrej Tarkowskij

Tarkowskij im Sommer – seit mehr als 25 Jahren ist das eine lieb gewordene Tradition für uns und unser Publikum. Wir zeigen im Juli und August die sieben langen Filme und den mittellangen Diplomfilm des russischen Regisseurs Andrej Tarkowskij (1932–1986), von dessen monumentalem Werk eine anhaltende Faszination ausgeht.

Tarkowskijs Abschlussarbeit an der staatlichen Filmhochschule KATOK I SKRIPKA (Die Walze und die Geige, UdSSR 1960) zeigen wir zusammen mit seinem letzen Film OFFRET (Opfer, Schweden/Frankreich 1986, 8.7. & 26.8.). KATOK I SKRIPKA zeigt einen Tag im Leben des verträumten Sascha, der seine Geige dem Fußballspiel vorzieht und deshalb von seinen Kameraden verspottet wird. Die Abgeschiedenheit einer einsamen Insel ist Schauplatz von OFFRET. Hier finden die Geburtstagsfeierlichkeiten für den 50-jährigen Alexander statt, als die Nachricht eines Atomschlags über die Feiernden hereinbricht. Tarkowskij gelingt in seiner wort- und bildgewaltigen Vision die Verbindung von poetischer Filmsprache und philosophisch-religiösem Diskurs.

juni 2016, transfer

Arsenal Summer School: "Erbgemeinschaften"

Jedes Jahr im August bietet das Arsenal – Institut für Film und Videokunst eine Summer School an. Drei Tage lang setzen sich die Teilnehmer_innen mit einem Thema an der Schnittstelle von Theorie und Praxis auseinander.

Die diesjährige Summer School mit dem Titel "Erbgemeinschaften. Zum Umgang mit dem, was sein wird" findet vom 25. bis 27. August im silent green Kulturquartier statt, einem neuen Veranstaltungsort, der auch das Filmarchiv des Arsenal beheimatet. Im Zentrum der Auseinandersetzung stehen Konzepte des kulturellen Erbes: Woraus besteht es, von wem kommt es, für wen ist es bestimmt? Wie bewegt es sich aus der Vergangenheit in die Zukunft? Es geht um Filme, um Bauwerke, aber auch um Ephemeres wie Nachrichten und Performancekunst. Und natürlich um das Kino.

Anmeldung bis zum 10. August.

mai 2016, transfer

Zukunft der Erinnerung: 
Bundesweite Schulkinoreihen zur filmischen Erinnerung an den Holocaust

Im Rahmen des Projekts "Zukunft der Erinnerung" werden bundesweit in ausgesuchten Kinos in elf Städten Schulkinoveranstaltungen angeboten. Der Fokus der von pädagogischen Rahmenprogrammen begleiteten Veranstaltungen liegt auf der Auseinandersetzung mit den Themen Holocaust, Faschismus, Nationalsozialismus und Antisemitismus. Für die Vorführungen steht eine Auswahl von 46 Dokumentar- und Experimentalfilmen aus der Sammlung des Arsenals zur Verfügung. Zu sechs Filmen wurde eigens Schulfilmmaterial erstellt.

Januar '13
kino arsenal: Klassiker nicht nur für Kinder

16:00 Kino 1


Chang: A Drama of the Wilderness

Chang: A Drama of the Wilderness 
Merian C. Cooper, Ernest B. Schoedsack USA 1927
Musik: Bruce Gaston
ab 12 Jahre 35 mm engl. ZT 60 min

kino arsenal: Magical History Tour im Januar: Land in Sicht - Landschaften im Film

19:00 Kino 2


U samogo sinjego morja

U samogo sinjego morja Am blauen, blauen Meer
Boris Barnet UdSSR 1936
35 mm OmU 72 min

kino arsenal: Retrospektive Martin Scorsese

19:30 Kino 1


Goodfellas

Goodfellas USA 1990
Mit Robert De Niro, Ray Liotta, Joe Pesci
35 mm OF 146 min