september 2015, kino arsenal

Želimir Žilnik zu Gast: "Logbook Serbistan"

Nach "Fortress Europe" und der "Kenedi"-Trilogie, die wir im Rahmen einer Žilnik gewidmeten Retrospektive im Januar 2014 gezeigt haben, wirft Želimir Žilnik in LOGBOOK_SERBISTAN (Serbien 2015) erneut einen Blick auf das Leben von Migranten in einem mit Grenzzäunen abgeschotteten Europa. Es sind Asylbewerber aus Syrien, Afghanistan und verschiedenen Ländern Afrikas, die in der serbischen Provinz – am Rand Europas, in einem Land, das sich um Aufnahme in die EU bemüht – gelandet sind. Viele haben einen langen Weg zu Fuß durch die Türkei und Südosteuropa hinter sich. In einem ungewissen Transitstadium befinden sie sich alle. Teilweise ist ihr Aufenthaltsstatus noch ungeklärt, viele wollen weiterziehen. Žilnik folgt ihnen mit seiner Kamera, lässt sie mit anderen Menschen diskutieren und so zu Darstellern ihrer eigenen Geschichte werden.

Im Anschluss an die Vorführung am 3. September findet eine Diskussion mit dem Regisseur Želimir Žilnik statt.

september 2015, kino arsenal

Schwarze Wellen, rote Horizonte – Der Neue Jugoslawische Film

Was heute unter dem Begriff "Schwarze Welle" (crni talas) bekannt ist, begann Anfang der 60er Jahre als Neuer Jugoslawischer Film (novi jugoslovenski film). Er hinterfragte alte Mythen, forderte die herrschende Politik heraus und rief lautstark nach einem besseren Sozialismus. Die Diskrepanz zwischen dem Alltagsleben und dem Ideal einer sozialistischen Gesellschaft führte zur Enttäuschung über den Stillstand beim Aufbau des Sozialismus. Dabei war die Kritik am herrschenden System durchaus konstruktiv zu verstehen. Der Angriff auf Autoritäten und offizielle Ideologien bestand im Einfordern einer egalitären Gesellschaft und der stetigen Weiterentwicklung der revolutionären Ideale. Weitab vom Helden des Partisanenfilms – der Partisanenkampf gegen die deutsche Besatzung gilt als Gründungsnarrativ des sozialistischen Jugoslawiens –, der in der Nachkriegszeit das jugoslawische Filmschaffen beherrschte, beleuchteten die Filme der Schwarzen Welle mit analytischer Schärfe und oft anarchischem Humor die Kehrseiten der Gesellschaft und schreckten dabei vor keinem Tabu zurück. Armut, Arbeitslosigkeit, Obdachlosigkeit, Schmutz und Gewalt standen im Zentrum ihrer Erzählungen, die oft von einer düsteren und fatalistischen Sichtweise geprägt waren. Das blieb nicht ohne Reaktion von offizieller Seite. Geprägt wurde der Ausdruck Schwarze Welle 1969 von einem Kulturfunktionär in der Zeitschrift Borba (Kampf), der sich abschätzig über Filme äußerte, die sich im Gegensatz zum Partisanenfilm (heute auch als Rote Welle bezeichnet) kritisch mit der jugoslawischen Gesellschaft auseinandersetzten.

Želimir Žilnik wiederum eignete sich 1971 mit seinem Kurzfilm CRNI FILM (Schwarzer Film) den zur Diffamierung gedachten Begriff ironisch an. Obwohl es offiziell keine Zensur gab, verschwanden zahlreiche Filme in den Regalen und wurden Regisseure in ihrer Arbeit behindert. Heute sind die Filme der Schwarzen Welle kaum noch bekannt. Von wenigen berühmten Protagonisten wie Dušan Makavejev und Želimir Žilnik (die beide über die 70er Jahre hinaus tätig waren) abgesehen, sind die meisten Regisseure und Filme außerhalb des ex-jugoslawischen Territoriums in Vergessenheit geraten.

Mit der umfangreichen Retrospektive "Schwarze Wellen, rote Horizonte" möchten wir diese wichtige Episode des jugoslawischen Films im September näher beleuchten und freuen uns, mit Želimir Žilnik und Karpo Godina zwei wichtige Vertreter des Neuen Jugoslawischen Films im Arsenal begrüßen zu können. Einführungen und Vorträge über das Verhältnis von Liebe, Sex und Politik, über Arbeiterorganisation und die Repräsentation von Frauen im Sozialismus kontextualisieren die Filme.

september 2015, kollektion

Asynchron. Dokumentar- und 
Experimentalfilme zum Holocaust. 
Aus der Sammlung des Arsenal

Das Jahr 2015 steht im Zeichen des Gedenkens an die Opfer des Holocaust – ein Thema, das für unsere Institution von besonderer Bedeutung ist, bildet doch die filmische Auseinandersetzung mit dem Holocaust seit Vereinsgründung 1963 – damals noch als Freunde der Deutschen Kinemathek – eines der Kernanliegen unserer Arbeit. Vom 1. Oktober bis zum 9. November zeigt das Arsenal in einer zweiten Reihe alle zehn im Rahmen des Projekts neu digital verfügbar gemachten Filme, begleitet von einem umfangreichen Rahmenprogramm mit internationalen Gästen. Im Rahmen des Projekts erschien in Zusammenarbeit mit dem filmwissenschaftlichen -Seminar "Filmische Erinnerungen an den Holocaust" der Freien Universität Berlin eine begleitende Publikation. Neben einleitenden Beiträgen von Christian Pischel und Tobias Ebbrecht-Hartmann stellt der Katalog alle 46 Filme des Projekts vor und ordnet sie in einen filmhistorischen Kontext ein. Der Katalog ist im Handel und an der Kinokasse erhältlich.

Im Rahmen des Internationalen Literaturfestivals Berlin (ilb) wird ein Film aus dem Projekt - LE BEAU DANGER (Deutschland 2014) von René Frölke - am 20. September um 17 Uhr im Filmkunst 66 präsentiert. Im Anschluss an den Film, der das Leben und Werk des Schriftstellers und Holocaust-Überlebenden Norman Manea porträtiert, findet ein Gespräch mit dem Regisseur und Norman Manea statt.

september 2015, kino arsenal

15 Jahre Museum für Film und Fernsehen

Im September 2000 wurde das Museum für Film und Fernsehen am Potsdamer Platz eröffnet. Mit einer Kinomatinee am 20. September wird nun der 15. Geburtstag des Filmmuseums gefeiert, das u.a. den Nachlass eines großen Stars der Stummfilmzeit verwahrt: Asta Nielsen. Das Programm umfasst einen kurzen Querschnittsfilm von Walter Jerven, ein "kleines Erinnerungsbild" der bereits "sagenhaften" Stummfilmvergangenheit, die von Nielsen geprägt wurde. Sodann präsentiert 
sich die dänische Schauspielerin als überaus wandlungsfähig, wenn sie in DAS LIEBES-ABC (Magnus Stifter, D 1916) als schmachtende Heranwachsende agiert, die von der Männerwelt enttäuscht wird. Doch als Mann verkleidet gelingt es ihr, einen Pariser Jüngling in das ABC der Liebe einzuführen. Drastisch und doch fein nuanciert spielt Asta Nielsen diese "Hosenrolle", mit der sie Geschlechterrollen durcheinanderwirbelt.

september 2015, kino arsenal

Pedro Costas Fontainhas-Filme

Der portugiesische Filmemacher Pedro Costa (*1959) zählt zu den radikalsten und eigenwilligsten Regisseuren seiner Generation. Seit 1989 hat er acht Langfilme und zahlreiche kurze Arbeiten gedreht, darunter Meilensteine des zeitgenössischen Kinos. Ein Großteil seines Werks ist an einem spezifischen Ort verankert: Fontainhas, jenes mittlerweile abgerissene Elendsviertel ohne Strom und Kanalisation am Rande von Lissabon, wo sich seit den 70er Jahren vor allem Einwanderer aus Angola, den Kapverden und Guinea-Bissau ansiedelten. Ein Ort also, an dem sich die Folgen der kolonialen Vergangenheit Portugals materialisieren. Costas seit 20 Jahren andauernde Auseinandersetzung mit den in Fontainhas lebenden Ausgestoßenen und Marginalisierten der Gesellschaft brachte ein Überdenken seiner bisherigen Arbeitsweise und das Herausbilden einer veränderten kinematografischen Handschrift mit sich. Nach der Abkehr vom Drehen mit großem Team und auf 35-mm-Film ging er dazu über, mit einer kleinen digitalen Kamera grandiose Bilder zu komponieren und entwickelte eine ganz eigene Form dokumentarischer Fiktionen. Die Ausdehnung von Zeit, das Modellieren mit Licht und Schatten und eine extrem elliptische Erzählweise mit Zeitsprüngen zeichnen Costas Fontainhas-Filme darüber hinaus aus.

Vom 25.-27. September zeigt das Arsenal zeigt vier außergewöhnlichen Langfilme von Pedro Costa, die mit Fontainhas und seinen Bewohnern in Verbindung stehen, in einer Zusammenschau, die auch die Berliner Premiere seiner preisgekrönten aktuellen Arbeit CAVALO DINHEIRO (2014) umfasst. Wir freuen uns ganz besonders, dass Pedro Costa seine Filme an vier Abenden persönlich präsentiert.

Januar '13
kino arsenal: Öffentliche Sichtung – Filme des Newsreel Collective

19:00 Kino 2


Öffentliche Sichtung

Öffentliche Sichtung
Wilmington
Erkenne Deinen Feind USA 1969 16mm OmU 15 min
Janie's Janie
USA 1971 16mm OF 24min
Only the Beginning
Nur der Anfang USA 1971 16mm OF 20 min
Eintritt frei

kino arsenal: Retrospektive Martin Scorsese

20:00 Kino 1


Raging Bull

Raging Bull USA 1980 Mit Robert De Niro, Cathy Moriarty, Joe Pesci
35 mm OF 129 min