juli 2015, kino arsenal

Politik des Rhythmus: 
Das Kino der 
ukrainischen Avantgarde

Klischeevorstellungen vom sowjetischen Revolutionsfilm neigen dazu, dessen regionale und nationale Vielfalt auszublenden. Mit der Konzentration auf Filme, die in der Ukrainischen SSR entstanden sind, versucht eine von Elena Vogman und Georg Witte in Zusammenarbeit mit Stanislav Menzelevskyi kuratierte Reihe vom 1.-10. Juli ein differenzierteres Bild zu vermitteln. Neben dem Produktionsort verweist sie – und dies ist der aktuelle Impuls – auf einen Ort der Überlieferung von Filmen, das Nationale Alexander Dowshenko Zentrum in Kiew, das trotz politischer Krisensituation der letzten Jahre kontinuierlich eine beachtliche Arbeit der Restaurierung, Edition und Vermittlung wertvoller Archivbefunde realisiert.

Der Blick auf die restaurierten und neuvertonten Filme des Dowshenko-Zentrums versucht zugleich das Verhältnis des Politischen und des Ästhetischen neu zu reflektieren. So unterschiedlich sie sind, stellen diese Filme doch die Ereignisse der Revolution dar. Sie sollen nicht als Klassiker des Agitprop vorgestellt werden, sondern als ästhetische Manifeste, die einen Blick nicht nur für Fahnen, sondern für einzigartige Gesichter, nicht nur für Fäuste, sondern für bewegte Körper und Gesten, nicht nur für die Ausbeutung von Naturressourcen, sondern für deren Fakturen und Texturen lehren.

Die Reihe nimmt auch das "große Kino" des kleinen Genres auf: die selten projizierten und in geringer Zahl überlieferten Trailer und Animationsfilme der sowjetischen Stummfilmzeit.

juli 2015, kino arsenal

Retrospektive Don Siegel

Don Siegel (1912–1991) war ein Meister des actionreichen Genre-Kinos, der zwischen 1945 und 1982 fünfzig Filme für Kino und Fernsehen inszeniert hat, darunter Science-Fiction, Western, Thriller, Gefängnis-, Gangster- und Kriegsfilme sowie vor allem Polizei- bzw. Kriminalfilme. Straffe Szenenführung, zügiges Tempo, Vitalität, Nüchternheit, erzählerische Ökonomie und eine präzise getimte Schnitttechnik sind kennzeichnend für seine Filme – Siegel arbeitete u.a. als Leiter der Montageabteilung bei Warner, bevor er begann, eigene Filme zu realisieren. Nach zwei Oscar-prämierten Kurzfilmen und zwei Spielfilmen für Warner drehte er mit relativ geringen Mitteln in den 50er Jahren unprätentiöse, effektvoll inszenierte B-Movies. Ab den 60ern entwickelte sich Siegel zum Regiestar mit größeren Budgets und Starbesetzungen.

Wir zeigen vom 10. Juli bis 30. August eine umfangreiche Retrospektive.

juli 2015, kino arsenal

Magical History Tour – 
Production Design

Das "Auge des Regisseurs" – so lautet Ken Adams prägnant-knappe Beschreibung der Funktion des Production Designers (je nach Produktion, Land oder Zeitpunkt auch Set Designer, Szenograf oder Ausstatter genannt), der für ein breites Aufgabenspektrum verantwortlich zeichnet, beginnend bei der konzeptuellen Visualisierung des Drehbuchs, dem Entwerfen des filmischen Universums bis hin zur Umsetzung und Gestaltung von Innen- und Außenräumen. Nicht nur der Look, sondern auch Atmosphäre und Stimmung eines Films werden wesentlich von der Arbeit des Production Designers geprägt, und das nicht nur in Design-intensiven Genrefilmen. Trotz seiner "Unübersehbarkeit" wird der zentrale Beitrag des Production Designs zum "Gesamtkunstwerk" Film selten genug zur Kenntnis genommen. Ein Grund mehr, die Magical History Tour des Sommerprogramms der im Wortsinne vielgestaltigen Welt des Production Designs zu widmen.

juli 2015, kino arsenal

Jeden Montag: Fassbinder

Aus Anlass der Ausstellung "Fassbinder – JETZT", die noch bis zum 23. August im Martin-Gropius-Bau zu sehen ist, zeigen wir jeden Montag einen Film aus dem reichen Œuvre von Rainer Werner Fassbinder, der dieses Jahr 70 Jahre alt geworden wäre. Auch 33 Jahre nach seinem Tod geht von seinem Werk eine unverminderte Aktualität aus. Als Chronist der deutschen Geschichte und Gegenwart erforschte er die Strukturen, die Menschen andere unterdrücken lassen ebenso wie die emotionale Ausbeutung in intimen Beziehungen und ihre Abhängigkeit von ökonomischen Bedingungen.

juni 2015, transfer

Summer School 2015: Shifting Shapes – Kino als Formwandler

Jedes Jahr im August bietet das Arsenal eine Summer School an. Drei Tage lang setzen sich die Teilnehmer_innen mit einem Thema an der Schnittstelle von Theorie und Praxis des Kinos auseinander. Die diesjährige, nunmehr siebte Summer School findet vom 27.-29. August erstmals auch im silent green Kulturquartier statt. Der neue und unabhängige Standort für Kunst und Kultur befindet sich auf dem Gelände eines ehemaligen Krematoriums, das vor mehr als 100 Jahren erbaut wurde. Hier wird ab Oktober 2015 die umfangreiche Filmsammlung des Arsenal beheimatet sein - öffentlich zugänglich für alle Interessierten.

Neue Orte verändern das, was dort verortet ist — und vice versa: Insbesondere, wenn es sich dabei um Filme handelt, die aus der Geschichte kommend die Gegenwart gestalten. Das Thema "Shifting Shapes – Kino als Formwandler" widmet sich solchen Transformationen durch Zeit und Raum, aber auch durch Dispositive und analoge und digitale Formate hindurch. Formwandler sind Wesen, die in der Lage sind, ihre eigene äußere Form zu verändern. Sie tun dies ganz aus sich selbst heraus, aber stets im Bezug auf die Außenwelt, aus strategischen Gründen, im Affekt oder aus Motiven, die im Verborgenen bleiben. Der Fokus der Veranstaltung richtet sich auf ein Kino der Geschichte gewordenen Gegenwart, und auf Filme (und ihre Orte) die noch im Prozess der Entstehung sind.

Die Veranstaltungen finden in deutscher Sprache statt. Aufgrund einer Begrenzung der Teilnehmerzahl bitten wir um Anmeldung bis zum 30. Juli.

Januar '13
kino arsenal: Magical History Tour im Januar: Land in Sicht - Landschaften im Film

19:30 Kino 2


U samogo sinjego morja

U samogo sinjego morja Am blauen, blauen Meer
Boris Barnet UdSSR 1936
35 mm OmU 72 min

kino arsenal: Retrospektive Martin Scorsese

20:00 Kino 1


Cape Fear

Cape Fear Kap der Angst USA 1991
Mit Robert De Niro, Nick Nolte, Jessica Lange,
Juliette Lewis, Robert Mitchum, Gregory Peck
35 mm OmU 128 min