januar 2015, kino arsenal

Asynchron. Dokumentar- und Experimentalfilme zum Holocaust. Aus der Sammlung des Arsenal

Das Jahr 2015 steht im Zeichen des Gedenkens an die Opfer des Holocaust – ein Thema, das für unsere Institution von besonderer Bedeutung ist, bildet doch die filmische Auseinandersetzung mit dem Holocaust seit Vereinsgründung 1963 – damals noch als Freunde der Deutschen Kinemathek – eines der Kernanliegen unserer Arbeit. Dies zeigt sich bis heute sowohl im Programm des Arsenals, des Berlinale Forums, als auch im Portfolio unseres Filmverleihs. So war eines der herausragenden Ereignisse des Forums 1986 die deutsche Erstaufführung von Claude Lanzmanns SHOAH im Delphi-Filmpalast, ein Film, der seitdem von uns verliehen wird. Weitere Filme zur Thematik, die Teil des Arsenal-Filmarchivs geworden sind, nachdem sie im Forum liefen, sind u.a. DIE FEUERPROBE von Erwin Leiser, HABEHIRA VEHAGORAL (Wahl und Schicksal) von Tsipi Reibenbach oder Lanzmanns "Sobibor, 14 octobre 1943, 16 heures". Diese besonderen audiovisuellen Zeitdokumente laufen Gefahr, in Vergessenheit zu geraten. Zum einen ist der Bestand der Filmkopien durch Zerfalls- und Abnutzungsprozesse bedroht, zum anderen gibt es durch den medialen Wandel der letzten Jahre immer weniger Vorführorte für analoge Filme. Um die filmische Erinnerung auch für kommende Generationen sichtbar zu halten, wurde aus unserer Filmsammlung eine Auswahl von 46 Titeln zusammengestellt, von denen im Laufe der nächsten Monate zehn Filme digitalisiert bzw. in digitaler Kinofassung (DCP) angekauft werden. Dabei haben wir sowohl bekannte Filme als auch bisher zu wenig beachtete oder zu Unrecht in Vergessenheit geratene Werke berücksichtigt. Zu den thematisch passenden Werken aus der Sammlung wird ab 27. Januar 2015 ein Katalog vorliegen, der die Filme vorstellt und kontextualisiert.

Vom 27. Januar bis 4. Februar 2015 findet zum Auftakt des Projekts eine umfangreiche Filmreihe mit Einführungen, Filmgesprächen und Diskussionsrunden im Kino Arsenal statt. Der Schwerpunkt liegt auf Fragen zu Erinnerung, Archiv und Öffentlichkeit. Wir freuen uns, im Januar bereits folgende Filme in neuer digitaler Fassung vorführen zu können: DARK LULLABIES, DER LETZTE JUDE VON DROHOBYTSCH, HABEHIRA VEHAGORAL (Wahl und Schicksal) und SHOAH. Die gesamte Filmauswahl wird über arsenal distribution bundesweit Kinos angeboten.

januar 2015, kino arsenal

Susan Sontag Revisited

Susan Sontag (1933–2004) war Essayistin und Schriftstellerin, Aktivistin und Theoretikerin, darüber hinaus Celebrity der Pop-Kultur. Sontag verband leichthändig Geist, Glamour und Dissidenz. Ihre Texte zu Fotografie und Kriegsberichterstattung, Krebs und AIDS und nicht zuletzt auch Film und Kino sind legendär. Vielzitiert ihre Formulierung von 1964 – enthalten im Essay Gegen Interpretation –, dass der Film gegenwärtig die lebendigste, erregendste und bedeutendste aller Kunstgattungen sei. Sie war fest überzeugt, dass Filme durch die von ihnen herbeigeführte Wahrnehmung der Realität eine außergewöhnliche Erziehungsfunktion haben könnten, nicht nur im Sinne einer ästhetischen Bildung, sondern auch im Sinne einer Ausweitung des Empfindungsvermögens, sozusagen einer Erziehung des Herzens.

Weitgehend unbekannt blieb Susan Sontags Wirken als Filmemacherin: Zwischen 1969 und 1993 hat sie selbst ein halbes Dutzend Filme gedreht. In einem Porträt der New York Times "gestand" Susan Sontag anlässlich ihres ersten Films DUETT FÖR KANNIBALER (1969), dass sie seit Jahren eine unerfüllte Ambition mit sich herumgetragen habe, nämlich selbst Regie zu führen: "Ich hätte jedes Angebot angenommen, nur um zu beweisen, dass ich es kann. Ich wäre sogar nach Afghanistan gegangen." Mit unüberhörbarer Süffisanz ergänzt der Autor Mel Gussow: "Es stellte sich jedoch heraus, dass sie nur bis nach Schweden gehen musste."

Regie zu führen erschien Susan Sontag als eine logische Fortsetzung ihrer bisherigen Karriere, hatten doch schon andere, von ihr bewunderte europäische Autoren wie Jean Cocteau, Marguerite Duras, Alain Robbe-Grillet und Pier Paolo Pasolini den Weg vom Schreiben zum Filmemachen beschritten – wobei sie Pasolini, als erklärter Wilderer in vielerlei Jagdrevieren, möglicherweise gar als direktes Role Model sah.

Das erste Mal seit über zwei Jahrzehnten zeigt das Arsenal im Januar und Februar eine von Ralph Eue kuratierte Werkschau der Filme, die Susan Sontag als Regisseurin oder Koregisseurin gedreht hat. Ergänzend geben einige weitere filmische Arbeiten Einblicke in ihr Universum.

januar 2015, berlinale forum

Forum und Forum Expanded 2015: Programm online

Ab sofort ist das komplette Programm von Forum und Forum Expanded online. Viel Spaß beim Stöbern!

januar 2015, berlinale forum

Forum 2015: Der Blick zurück, der Blick nach vorn

Das 45. Berlinale Forum zeigt insgesamt 43 Filme im Hauptprogramm, davon 31 als Welt- und 10 als internationale Premiere. Eröffnet wird das diesjährige Programm mit dem bisher wohl anarchischsten, entfesseltesten Film des Kanadiers Guy Maddin. THE FORBIDDEN ROOM kommt als nicht enden wollender, scheinbar chaotischer, aber doch stets bedeutungsvoller erotisch-klaustrophobischer Alptraum daher. Die zahllosen fantastischen Handlungsstränge des Films sind inspiriert von realen, eingebildeten und fotografischen Erinnerungen an verschollene Werke der Stummfilmzeit, denen auch die Ästhetik halbzerstörter viragierter Filmkopien fabelhaft huldigt.

januar 2015, berlinale forum

10. Forum Expanded komplett

Das Programm des 10. Forum Expanded unter dem Titel "To the Sound of the Closing Door" ist komplett. Die Gruppenausstellung in der Akademie der Künste (Hanseatenweg) besteht aus 19 Installationen von 16 zeitgenössischen Künstlerinnen und Künstlern sowie der Filmloop-Version einer Performance von David Askevold aus dem Jahre 1971: Für CONCERT C WITH DOOR produzierte er mit einer Stimmgabel Töne einer sich öffnenden und schließenden Tür. Einen eigenen Raum bespielt der kanadische Künstler Michael Snow. Seine Installation TAUT besteht aus einem Klassenzimmer, angefüllt mit journalistischen Fotografien der Black Star Collection, die das Ryerson Image Centre zur Verfügung stellte.

Im Studio der Akademie sowie im Kino Arsenal werden außerdem 32 Filme in 18 Filmprogrammen und zwei Performances aus insgesamt mehr als 20 Ländern präsentiert. Der Trend des letzten Jahres schreibt sich auch in diesem Jahr fort: Das halblange Filmformat setzt sich zunehmend gegen den Kurzfilm durch. Der längste Film im Programm ist hingegen der 243-minütige Film LES CHOSES ET LES MOTS DE MUDIMBE von Jean-Pierre Bekolo. Darin werden wir zu Zuschauern eines autobiografischen Interviews mit dem kongolesischen Literaturwissenschaftler Valentin-Yves Mudimbe, der Position zu den Revolutionen und Veränderungen der Zeitgeschichte bezieht.

Januar '13
kino arsenal: Retrospektive Martin Scorsese

19:00 Kino 1


Who's That Knocking at My Door?

Who’s That Knocking at My Door? USA 1968
Mit Harvey Keitel 35 mm OmU 90 min

kino arsenal: Magical History Tour im Januar: Land in Sicht - Landschaften im Film

19:30 Kino 2


Zabriskie Point

Zabriskie Point Michelangelo Antonioni USA 1969/70
35 mm OmU 111 min

kino arsenal: Retrospektive Martin Scorsese

21:00 Kino 1


Taxi Driver

Taxi Driver USA 1976
Mit Robert De Niro, Harvey Keitel, Jodie Foster
35 mm OF 114 min