august 2016, kino arsenal

Modulationen des Lächelns
 – Hommage auf Setsuko Hara

Keine andere Schauspielerin beherrschte die Kunst des Lächelns wie Setsuko Hara (1920–2015), die als gefeierter Star und bewundertes Idol zu den herausragenden Darstellerinnen des japanischen Kinos der 40er und 50er Jahre gehört. Ihr strahlendes Lächeln flutet ganze Szenen und unterwandert hin und wieder vorsichtig kokett und ironisch etwaige an sie gestellte Erwartungen. Zum beeindruckenden Spektrum ihres Lächelns zählen jedoch auch dessen dunklere Schattierungen: nämlich Haras feines, würdevoll-melancholisches Lächeln, mit dem sie Enttäuschungen auffängt, emotionale Untiefen überbrückt oder ernüchternde Lebenserkenntnisse flankiert. Hier verdichtet sich nicht nur ihr ausdrucksstarkes, gleichzeitig zurückgenommenes, immer präzises Spiel, sondern es blitzt für einen Moment die Essenz der Filme auf – oftmals sind es Alltagsstudien, Nachkriegsdramen, Geschichten, die um das Aufbrechen familiärer Strukturen kreisen oder um das Scheitern von Ehen. Immer wieder lotet sie in ihren Rollen den schmalen Grat zwischen gesellschaftlicher Erwartung und persönlicher Neigung im Japan der Nachkriegszeit aus und versucht, die Eigenständigkeit ihrer Figuren zu behaupten – nicht selten mit einem Lächeln.

Zwischen 1935 – ihr Schwager verschaffte ihr im zarten Alter von 15 Jahren die erste Rolle – und 1962 hat Setsuko Hara in über 100 Filmen gespielt, von denen vor allem die in der kreativen Partnerschaft mit Yasujiro Ozu entstandenen Arbeiten von BANSHUN (Später Frühling, 1949) bis KOHAYAGAWA KE NO AKI (Early Autumn, 1961) bekannt sind. Wir freuen uns, im August vier Filme aus dieser Zusammenarbeit zu präsentieren, darüber hinaus jedoch den Blick auf die im vergangenen September verstorbene große Schauspielerin erweitern zu können und sie in selten zu sehenden Filmen von Mikio Naruse, Keisuke Kinoshita, Akira Kurosawa, Kozaburo Yoshimura sowie in einer deutsch-japanischen Koproduktion von Arnold Fanck zu zeigen.

august 2016, kino arsenal

Magical History Tour
 – Von Schattenwesen, Geistern und Doppelgängern

Das ephemere, spukhafte und unheimliche Wesen des Kinos findet in der flüchtigen Form der Schatten, Geister und Doppelgänger im Film seine folgerichtige wie unbeständige Gestalt. Geister der Geschichte(n), Kulturen und Mythen, Schatten, von ausgeschnitten bis mondbeschienen, die dunklen Seiten der Protagonisten, die in der Figur des Doppelgängers deutlich zu Tage treten, verheißen das Unheimliche, das Andere und Fremde. Im dunklen Kinosaal begegnen wir dem Schauer als Urprinzip des Kinos, wie auch dem Spiel mit den Zeiten, Identitäten, der Wahrnehmung, der Ungläubigkeit. Mitunter erahnen wir im Grenzgebiet der projizierten und imaginierten Bilder vielleicht auch den Schatten unserer selbst.

Die Magical History Tour im August lädt zu 17 ganz unterschiedlichen Begegnungen ein – mit magischen Riten, ruhelosen Geistern, illusionären Schatten und entfesselten Doppelgängern.

august 2016, kino arsenal

No Home Movies – Filme von Chantal Akerman

Auch wenn NO HOME MOVIE nicht zum Vermächtnis der 2015 verstorbenen belgischen Filmemacherin und Videokünstlerin Chantal Akerman geworden wäre, würde sich dieses Porträt vom Lebensende ihrer betagten Mutter als Ausgangspunkt einer Rückschau auf ihr Werk anbieten – ein an die 50 Arbeiten umfassendes Werk, das seit 1968 tiefe Spuren in der Geschichte des modernen Kinos hinterlassen hat, radikal, experimentierfreudig, facettenreich und oft autobiografisch grundiert. Ein Werk, das in all seinen Formen und Genres aufgrund des Traumas der Shoah von einer existentiellen Unbehaustheit durchzogen ist und in dessen Zentrum, so formulierte Akerman es selbst, ihre Mutter Natalia (Nelly) steht, eine polnische Jüdin, die als einzige ihrer Familie Auschwitz überlebte und darüber stets schwieg. In NO HOME MOVIE und TOUTE UNE NUIT ist sie in persona zu sehen, in anderen Filmen tritt sie als körperlose Stimme aus dem Off, in zitierter oder in fiktionalisierter Form in Erscheinung. Im Gedenken an Chantal Akerman, die sich als Nomadin sah, die nirgendwo hingehörte, zeigt das Arsenal vom 1. bis zum 6. September eine Auswahl von ganz unterschiedlichen Filmen der großen Avantgardistin, die mit ihrer letzten Arbeit NO HOME MOVIE in Dialog treten.

august 2016, transfer

"Offener Vorführraum" am 3. September

Vorführraum des Arsenal

Was bedeutet 16mm, 35mm und 70mm? Wie kommt der Ton zum Bild? Was ist und wozu dient ein Kasch? Wie funktioniert eine Überblendung? Und was passiert, wenn auf der Leinwand das Bild stehen bleibt und dahin schmilzt? Das Arsenal lädt all jene, die sich dafür interessieren, wie die Bilder auf die Leinwand kommen, zu einem Blick hinter die Kulissen in den "Offenen Vorführraum" ein. Bei einem Rundgang durch die Bildwerferräume erklärt unser Vorführer Bodo Pagels Filmformate, Projektoren und Vorführtechniken, er zeigt, wie ein Film in den Projektor eingelegt wird und führt kenntnisreich in die Geheimnisse der Vorführkunst ein. Selbstverständlich beantwortet er gerne alle Fragen zur Kinotechnik und orientiert seine Führung nach Möglichkeit auch an den Interessen und Wünschen der BesucherInnen. Der nächste Termin ist am Samstag, den 3. September um 16 Uhr. Um Anmeldung im Voraus wird gebeten.

august 2016, living archive

Rising Stars, Falling Stars – Sweet 16mm #2

Zum zweiten Mal präsentiert Vaginal Davis gemeinsam mit Daniel Hendrickson die Serie "Rising Stars, Falling Stars – Sweet 16mm" in der Kuppelhalle des silent green im Wedding. Am 4. September stellt die Filmgeschichtsexpertin eine besondere Rarität aus dem Archiv des Arsenal vor: NOT A PRETTY PICTURE (USA 1976), einen frühen Dokumentarfilm der Hollywood-Regisseurin Martha Coolidige, der weitgehend unbekannt geblieben ist.

NOT A PRETTY PICTURE basiert auf einer Vergewaltigungserfahrung in ihrer Jugend. Sie bricht mit der dokumentarischen Form, indem sie fiktionale Szenen sowie Aufnahmen ihrer Arbeit am Film und Diskussionen mit dem Team einbaut. Dieses Verfahren führt sie bis zur vollständigen Verflechtung der Ebenen, wobei sie alle Beteiligten dicht an ihre Grenzen treibt. Der 1976 entstandene und in den 60ern angesiedelte Film widmet sich auch der Frage nach gesellschaftlichen Veränderungsprozessen, was ihm bis heute besondere Relevanz verleiht.

Januar '13
kino arsenal: Die Filme von Larissa Schepitko

19:00 Kino 2


Natschalo newedomogo weka

Natschalo newedomogo weka Der Beginn eines unbekannten Zeitalters Larissa Schepitko, Andrej Smirnow UdSSR 1967 35 mm OmU 74 min

kino arsenal: Happy Birthday, Heinz!

20:00 Kino 1


Perret in Frankreich und Algerien

Perret in Frankreich und Algerien
Heinz Emigholz D 2012
DCP 110 min

Zu Gast: Heinz Emigholz