oktober 2016, kino arsenal

Retrospektive Philippe Garrel

Es gibt wohl kaum einen anderen französischen Filmemacher von Rang, der in Deutschland eine so unbeschriebene Größe ist wie Philippe Garrel. Obwohl er als Schlüsselfigur des Post-Nouvelle-Vague-Kinos gilt, ist sein 30 Filme umfassendes Werk hierzulande weitgehend unbekannt. Mit Ausnahme von L'OMBRE DES FEMMES (Frankreich/Schweiz 2015) kam seit Jahrzehnten kein einziger seiner Filme regulär in die deutschen Kinos.

Das Arsenal widmet Philippe Garrel im Oktober eine umfassende Retrospektive, die es – erstmalig in Deutschland – ermöglicht, die verschiedenen Phasen seines über 50-jährigen Schaffens nachzuvollziehen und in der Gesamtschau zu erkennen, was seinen Kern ausmacht. Zur Eröffnung am 1. Oktober präsentieren wir Garrels vorletzten Film LA JALOUSIE (Frankreich 2013) als Deutschlandpremiere. Einführungen von Birgit Kohler, Thomas Arslan, Volker Pantenburg, Marc Siegel, Angela Schanelec und Anja Streiter ergänzen das Programm.

oktober 2016, kino arsenal

Die Ästhetik des Widerstands – Peter Weiss 100

Peter Weiss ist vor allem als Schriftsteller und Bühnenautor bekannt, begann seine künstlerische Laufbahn aber als Maler. Nach der Emigration nach Schweden bestimmten das Gefühl des Fremdseins, die Unsicherheit und existentielle Not im Exil die anstrengende Suche nach neuen Ausdrucksformen. In den 50er Jahren wandte sich Weiss schließlich den Bewegtbildern des Films zu. Er drehte insgesamt 18 Experimental-, Dokumentar- und Spielfilme, von denen vier Fragment blieben. Weiss' filmisches Werk markiert den Übergang von einer surrealistisch geprägten Innensicht zur Auseinandersetzung mit der sozialen Wirklichkeit in der geteilten Welt des Kalten Krieges. In seinen Dokumentarfilmen tritt der detaillierte Blick auf Menschen und Orte hervor, die akribische Arbeit mit Fakten und Lebensgeschichten deutet sich an, die später für den Roman "Die Ästhetik des Widerstands" eine so große Rolle spielte.

Die bereits im September gestartete Filmreihe widmet sich an vier weiteren Abenden im Oktober dem Verhältnis von ästhetischer und politischer Subjektivität in Bezug auf Widerstand und gesellschaftliche Veränderung. Die Zusammenstellung internationaler historischer und zeitgenössischer Filme und Kurzfilmprogramme aktualisiert einige der wiederkehrenden Themen bei Weiss – von der ewigen Ausbeutung menschlicher Arbeit und der Macht des Kapitals über den Kampf gegen Unterdrückung und Ungleichheit, Rassismus und Faschismus bis zu den Schrecken des Krieges und der Frage der Gewalt als Mittel revolutionärer Politik.

oktober 2016, kino arsenal

Magical History Tour – Special und Visual Effects

Sind Special Effects – oder ihr digitales Pendant, die Visual Effects – ein marginaler Bereich der Filmkunst, Griffe in die Trickkisten von Bastlern, Feuerwerkern und Computerfreaks? Oder stellen sie die Kür künstlerisch-kreativer Imagi-nation dar? Sind sie ein sich ständig perfektionierender Illusionsgenerator, die künstlichste Konstruktion einer in sich künstlichen Welt: des Kinos? Ein Blick zurück zu den Anfängen macht deutlich, dass die Geschichte des Films auch eine Geschichte der technischen Manipulation des Bildes ist. Knapp 90 Jahre nach Méliès' ersten "Zauber"-Filmen und zahlreichen Innovationen im Special-Effects-Bereich erlebte auch diese Branche des Kinos die digitale Revolution. Die Möglichkeiten, die die sogenannten Computer Generated Images (kurz CGIs) bieten, scheinen grenzenlos, Imagination und Fantasie in Bewegtbilder zu übersetzen. Doch generieren Computer bzw. ihre "analogen" Vorfahren nicht nur vergangene oder zukünftige Welten mitsamt ihren Bewohnern, sondern auch komplexe Visualisierungen von Gefühls-, Wahrnehmungs- und Gedankenwelten, denen sich die Magical History Tour im Oktober schwerpunktmäßig widmet.

oktober 2016, living archive

Öffentliche Sichtung

Living Archive: Filme leben, doch Filmkopien altern. Auch in unserer Sammlung gibt es Essigsyndrom, Rotstich und Kopienschrumpfung. In einer neuen Serie wollen wir Alterungssymptome anhand von Beispielen vorstellen und mit dem Publikum erörtern, wie die Zukunft des jeweiligen Films als Bestandteil der Sammlung aussehen könnte. Wir beginnen am 24. Oktober mit der Vorführung einer Kopie, die vom Essigsyndrom befallen ist. KRYLJA (Flügel) von Larissa Schepitko (UdSSR 1966) erzählt die Geschichte von Nadeschda, die im Krieg eine berühmte Kampfpilotin war und nun als Schuldirektorin tätig ist. Von der Gesellschaft wird sie geachtet, ihr Bild hängt im örtlichen Museum. Doch mit der jüngeren Generation gerät sie immer wieder in Konflikte.

Die Serie findet monatlich statt, ab 2017 alternierend mit Archivpräsentationen des Harun Farocki Instituts.

oktober 2016, transfer

Zukunft der Erinnerung: 
Bundesweite Schulkinoreihen zur filmischen Erinnerung an den Holocaust

Im Rahmen des Projekts werden bundesweit in ausgesuchten Kinos Schulkinoveranstaltungen angeboten. Der Fokus der von pädagogischen Rahmenprogrammen begleiteten Veranstaltungen liegt auf der Auseinandersetzung mit den Themen Holocaust, Faschismus, Nationalsozialismus und Antisemitismus. Für die Vorführungen steht eine Auswahl von 46 Dokumentar- und Experimentalfilmen aus der Sammlung des Arsenals zur Verfügung. Die Filme aus den Jahren 1955 bis 2014 zeigen in ihrer Vielfältigkeit, wie divers sich die Diskussionen um die Darstellung des Holocaust gestalteten und gestalten. Zu sechs Filmen wurde eigens Schulfilmmaterial erstellt. In Berlin finden die Schulkinovorführungen mit Einführung und anschließender Diskussion im Kino Arsenal statt.

Januar '13
kino arsenal: Magical History Tour im Januar: Land in Sicht - Landschaften im Film

19:30 Kino 2


Tabu

*Tabu Friedrich Wilhelm Murnau USA 1930
Restaurierte Kopie
35 mm 91 min

Am Klavier: Eunice Martins
kino arsenal: Die Filme von Larissa Schepitko

20:00 Kino 1


Snoj

Larisa

Snoj Heat UdSSR 1963 35 mm OmU 85 min
Anschließend: Larisa Elem Klimow UdSSR 1980
35 mm OmU 21 min