januar 2018, kino arsenal

Unknown Pleasures #9
 – American Independent Film Fest

An US-amerikanischen Filmen herrscht in den Berliner Kinos eigentlich kein Mangel. Was wir dort zu sehen bekommen, deckt aber keineswegs die ganze Bandbreite des US-Kinos ab. Diese Lücke füllt das von Hannes Brühwiler kuratierte Festival des amerikanischne Independent-Films Unknown Pleasures, das vom 12.-28. Januar zum zweiten Mal im Arsenal stattfindet.

Die bei Unkown Pleasures #9 gezeigten zehn Filme – viele davon in deutscher Erstaufführung, einite davon in Anwesenheit der Regisseure – sind allesamt in den letzten zwei Jahren entstanden und decken verschiedene Facetten des amerikanischen Filmschaffens ab.

Es fällt auf, dass sich einige mit der Frage beschäftigen, wie man etwas zeigt, von dem es eigentlich keine Bilder gibt: Wie kann man Erinnerungen darstellen (MARJORIE PRIME)? Wie muss man sich die Entstehung des Universums vorstellen (VOYAGE OF TIME)? Wie erzählt man von seiner eigenen Familiengeschichte, wenn davon nur Fragmente übrig sind (DID YOU WONDER WHO FIRED THE GUN?)? Die Antworten sind vielfältig und fallen sehr unterschiedlich aus. Blickt man auf die Ereignisse der vergangenen Monate zurück, so erscheint es nur folgerichtig, dass ein Film im Zentrum von UP#9 steht, der den Tag der Präsidentschaftswahl dokumentiert. Wir sehen: Bilder eines Wahllokals in einem überwiegend afroamerikanischen Quartier in Charlottesville, Virginia; Bilder einer gelebten Demokratie. TONSLER PARK ist einer der wichtigsten Filme des Jahres, dessen reduziertes Dispositiv eine maximale Kraft entwickelt. Seit der Premiere des Films hat sich dessen Re-zeption grundlegend verändert: Vergangenen Sommer war Charlottesville Schauplatz einer White-Supremacy-Demonstration, es kam zu gewalttätigen Ausschreitungen, ein Auto raste in eine friedliche Gegendemonstration. Es ist interessant zu beobachten, wie genau sich die Filme mit ihrer Umgebung auseinandersetzen. Das regionale Kino jenseits der Metropolen stellt seit jeher einen zentralen Strang des unabhängigen Filmschaffens dar. Von Menschen zu erzählen, bedeutet in diesen Filmen auch immer, von ihrer Umgebung zu sprechen, Landschaften, Städte, Straßen und Gebäude sind nicht bloßer szenischer Hintergrund. Eines der schönsten Beispiele dafür ist COLUMBUS, das Spielfilmdebüt von Kogonada. Die mittelgroße Stadt Columbus im Bundesstaat Indiana ist bekannt für ihre modernistische Architektur. Kogonadas Film ist ein dokumentarischer Spielfilm, in dem Architekturgeschichte und das Schicksal zweier Menschen furios ineinander übergehen. Mit MARJORIE PRIME und ESCAPES werden gleich zwei Filme von Michael Almereyda gezeigt. MARJORIE PRIME ist ein Science-Fiction-Film, in dem Hologramme (Jon Hamm, Tim Robbins, Geena Davis) den Platz Verstorbener einnehmen, Trost spenden und als "lebendige" Erinnerungen dienen sollen. Hampton Fancher kennt man vor allem als Autor des Science-Fiction-Klassikers "Blade Runner" (1982) und von "Blade Runner 2049" (2017). In ESCAPES erfahren wir aber noch viel mehr über sein außergewöhnliches Leben. Kosmisch bleibt es auch in Terrence Malicks VOYAGE OF TIME: LIFE'S JOURNEY. Nach jahrelangen Dreharbeiten ist nun zum ersten Mal sein Dokumentarfilm über die Entstehung des Universums in Deutschland zu sehen.

januar 2018, kino arsenal

Retrospektive Ernst Lubitsch (2)

"Was heißt Ernst, Ernst habe ich genug in meinem Vornamen": Ernst Lubitsch (1892–1947) war ein Meister in der Inszenierung geistreicher Komödien, die seine unverwechselbare Handschrift tragen. Spielerische Leichtigkeit, subtile Andeutungen, beredte Auslassungen, sarkastisch zugespitzte Dialoge, Ironie, Prägnanz und exaktes Timing sind kennzeichnend für den sprichwörtlichen "Lubitsch Touch". Lubitschs sophisticated comedies wurden stilbildend für die Gesellschaftskomödie, die Anspruch mit Popularität verband. Wiederkehrende Themen der Filme waren Schein und Sein der High Society, Dreieckskonstellationen und die Konventionen bürgerlicher Partnerschaftsmodelle. Durch die Virtuosität seiner Inszenierung, die subtile Kunst des Aussparens und des indirekt Vermittelten, konnten selbst nach Durchsetzung des Hays Codes in Hollywood 1934 Lubitschs sexuelle Andeutungen unbeanstandet die Zensur passieren.

Wir setzen unsere Reihe im Januar fort und zeigen aus dem umfangreichen Werk Lubitschs 14 Filme aus den Jahren 1918 bis 1948, mit einem Schwerpunkt auf den in Hollywood entstandenen Komödien.

januar 2018, kino arsenal

Magical History Tour – 
Improvisation im Film

"Improvisation ist die höchste Form der Konzentration, des Bewusstseins, der intuitiven Erkenntnis; es ist der Moment, in dem die Imagination alles Festgefügte, die engen geistigen Strukturen überwindet und direkt in die Tiefe der Dinge vordringt. Improvisation ist keine Methode, sondern vielmehr ein Bewusstseinszustand und unverzichtbare Basis eines wahren Schaffensprozesses." Ausgehend von Jonas Mekas' Zitat aus seinem Text "Notes on the New American Cinema" widmen wir die Magical History Tour in diesem Monat den unterschiedlichen Formen und Ausprägungen von Improvisation im Film. Zwölf Beispiele quer durch die Filmgeschichte zeugen von umfassenden Freiräumen in Probenphasen oder auch vor laufender Kamera, von programmatischen Gestaltungsmöglichkeiten von und für Schauspieler, vom Überwinden von Grenzen und Konventionen und nicht zuletzt von einer überbordenden Lust am (Zusammen)Spiel, am Experiment, am Unvorhergesehenen.

dezember 2017, berlinale forum

13. Forum Expanded: "A Mechanism Capable of Changing Itself"

In einer Notiz aus dem Jahr 1947 schreibt die Pionierin des Avantgarde-Kinos Maya Deren: "Marxismus – einzige politische Theorie die einen Mechanismus entwickelt der sich selbst verändern kann – wie im Konzept des absterbenden Staats". Mit diesem Zitat beginnt die Medienwissenschaftlerin Ute Holl einen Aufsatz zur Theorie der Filmpoetin und deren Entwurf eines Kinos, das "nachhaltig in die sinnlichen und sozialen Verhältnisse aller interveniert, die an dieser laufenden Kommunikation teilhaben." Der diesem Aufsatz entlehnte Programmtitel "A Mechanism Capable of Changing Itself" verweist auf die vielfältigen Handlungsmöglichkeiten des Kinematografischen, die besonders im Formenreichtum dokumentarischer Arbeiten ihren Ausdruck finden.

Seit seiner Gründung legt Forum Expanded ein besonderes Augenmerk auf das Dokumentarische. Der Begriff umfasst auch in diesem Jahr Archivarbeit, Fiktion und Experiment, sofern darin eine Wirklichkeit zum Ausdruck kommt, die Vergangenes neu erzählt und zu einer möglichen Zukunft werden lässt.

kino arsenal: Retrospektive 
Manoel de Oliveira

19:00 Kino 1


Je rentre à la maison / Vou para Casa

Je rentre à la maison / Vou para Casa
Ich geh' nach Hause Portugal/Frankreich 2001
Mit Michel Piccoli, Catherine Deneuve, John Malkovich
35 mm OmE 90 min

kino arsenal: Magical History Tour
 – Niemandsländer, Parallelgesellschaften und Halbwelten im Film

20:00 Kino 2


The Last of England

*The Last of England Derek Jarman
GB 1987 Mit Tilda Swinton, Nigel Terry
35 mm OmU 92 min

kino arsenal: Retrospektive 
Manoel de Oliveira

21:00 Kino 1


O Estranho Caso de Angélica

O Estranho Caso de Angélica
Der seltsame Fall der Angélica
Portugal/Spanien/Frankreich/Brasilien 2010
35 mm OmE 96 min