januar 2017, kino arsenal

Ola Balogun
 – Pionier des nigerianischen Kinos

Das 1970 gegründete Forum, die Sektion der Berlinale, die vom Arsenal ausgerichtet wird, macht es sich seit seinen Anfängen zur Praxis, möglichst viele der während des Festivals gezeigten Filmkopien anzukaufen, in den Verleih zu nehmen und verfügbar zu halten. Mit den Jahrzehnten ist so eine umfangreiche Sammlung entstanden, in der sich Schätze aus allen Teilen der Welt befinden. Zuweilen können wir heute feststellen, dass sich in unserem Archiv die einzig existierende Kopie eines Films befindet. Von dem im Forum 1980 gezeigten Spielfilm "Ija Ominira" des nigerianischen Regisseurs Ola Balogun blieb leider keine Kopie in Berlin. So gehört er zu den fünf von insgesamt zehn entstandenen Spielfilmen Ola Baloguns, die heute nicht mehr verfügbar sind. Dieser Verlust ist umso tragischer, da das Werk von Balogun, einem der wichtigsten Regisseure des anglophonen Afrikas, heute weitgehend in Vergessenheit geraten ist. Es ist dem Filmkollektiv Frankfurt und Françoise Balogun zu verdanken, Ola Baloguns Filme wieder in den Fokus eines westlichen Publikums zu rücken.

Wir freuen uns sehr, vom 13.-19. Januar die verbliebenen Filme unserem Publikum vorstellen zu können. Die Suche nach verschollenen Kopien geht indes weiter. Von "Ila Ominira" ist kürzlich ein Negativ in einem Londoner Filmlabor aufgetaucht., ebenso das Positiv von einem weiteren Film. Wir hoffen, eines Tages unsere Ola Balogun-Retrospektive damit ergänzen zu können.

januar 2017, kino arsenal

Retrospektive Frank Capra (2)

Frank Capra (1897–1991) zählt zu den erfolgreichsten Filmemachern des klassischen Hollywoodkinos. Er war der erste, dessen Name vor dem Titel im Vorspann erschien und einer der wenigen Regisseure, der in Hollywood die weitgehende Kontrolle über seine Filme besaß. Capras eigene Verwirklichung des amerikanischen Traums vom armen sizilianischen Immigranten zum bestbezahlten Hollywoodregisseur und die daraus resultierende Dankbarkeit gegenüber den Vereinigten Staaten fand Ausdruck in seinen Filmen. In den krisenhaften 30er Jahren warben seine sozialkritischen, aber versöhnlichen (Tragi-)Komödien für die Wiederherstellung des Glaubens an die amerikanischen Werte, die Freiheit des Einzelnen und den Sieg der Gerechtigkeit über zynische Geschäftemacher und korrupte Politiker. "Vielleicht war das gar nicht Amerika, woran wir in all diesen Jahren glaubten, vielleicht war es nur Frank Capra", befand John Cassavetes, Kollege der nachfolgenden Filmemacher-Generation. Der "Capra Touch" – ein von Eleganz und Witz, exaktem Timing, präzisen Dialogen, brillanter Schauspielerführung und humanistischen Idealen bestimmtes, gefühlsbetontes Kino mit persönlicher Handschrift – vermittelte Hoffnung und Optimismus in politisch und wirtschaftlich schwierigen Zeiten. Capras glaubhaftes Eintreten für Menschlichkeit, Verständnis, Mitgefühl, Solidarität und Nächstenliebe in Verbindung mit der Komplexität und Subtilität seiner Arbeiten bewirkt, dass man geneigt ist, auch märchenhafte Überwindungen von Klassenschranken, mirakulöse Wendungen und zuweilen etwas abrupte Happy Endings nachzuvollziehen.

Der Glaube an den Sieg der gerechten Sache veranlasste den Patrioten Frank Capra, sich auf dem Höhepunkt seiner Karriere freiwillig in den Dienst der Army zu stellen. Als Leiter der Filmabteilung des Kriegsministeriums realisierte er zwischen 1942 und 1945 ein Dutzend dokumentarische Auftragsarbeiten. Wir setzen bis zum 20. Januar unsere umfassende Retrospektive fort.

januar 2017, kino arsenal

Magical History Tour
: Von Formen und Figuren – Choreografien im Film

Anordnungen von Menschen in Räumen, Orchestrierung von Gegenständen, selbst Konstruktionen von Mimik oder Gestik – zu filmischen Choreografien verschmelzende Bewegungsabläufe treten in unterschiedlichsten Formen und fast allen Genres in Erscheinung. Jenseits präzise koordinierter und minutiös getimter Arrangements von Figuren, Objekten und Einzelbewegungen können sich auch exakte Inbezugsetzungen von Kamerafahrten, Handlungssträngen und Schnittsequenzen zu komplexen filmischen Choreografien verdichten. Wenn auch bei weitem nicht immer getanzt, ist ihnen fast immer ein tänzerisches Element zu eigen: Choreografien im Film rhythmisieren, abstrahieren, stilisieren, kreieren Bildräume und Beziehungsgeflechte, reflektieren Stillstand und Bewegung, schaffen ein oft physisches Kino. Ein Kino der komprimierten Inszenierungseinheiten, welchem wir im Januar in 16 Programmen nachgehen.

januar 2017, berlinale forum

Forum 2017: Lebensnah und surreal

Das 47. Berlinale Forum zeigt 43 Filme im Hauptprogramm, davon 29 als Welt- und zehn als internationale Premiere.

Besonderes Augenmerk legt das diesjährige Programm auf den extremen Formenreichtum des Dokumentarfilms. Dabei sind Beiträge aus Südostasien, Europa, Latein- und Nordamerika, dem Nahen Osten und Afrika. Mit Institutionenporträts, Langzeitbeobachtungen, partizipierenden, narrativen, autobiografischen, essayistischen, ethnografischen, politischen und experimentellen Arbeiten ist die Bandbreite auffallend groß. Dazu gesellen sich Hybride, die weder dem Dokumentar- noch dem Spielfilm eindeutig zuzuordnen sind. Häufig dient die Landschaft nicht als Hintergrund, sondern spielt eine Hauptrolle.

januar 2017, berlinale forum

Chamissos Schatten

Fast genau ein Jahr nachdem Ulrike Ottingers jüngster Film CHAMISSOS SCHATTEN im Rahmen des Berlinale Forum uraufgeführt wurde, präsentiert das Arsenal am 15., 22., 27. und 29. Januar in Anwesenheit der Regisseurin die vier Teile ihrer großangelegten filmischen Expedition in das nördliche Eismeer, an die äußerste Ostküste Russlands, entlang der Halbinsel Kamtschatka sowie deren geografische Brücke hinüber nach Alaska.

Angeregt von den Berichten früherer Forscher wie Alexander von Humboldt, Georg Wilhelm Steller, Reinhold und Georg Forster und Adelbert von Chamisso führt auch Ottinger ein Logbuch und verknüpft ihren eigenen, künstlerisch-ethnografischen Blick mit den Erkenntnissen und bildlichen Darstellungen der einstmaligen Expeditionsreisenden. So berühren sich Vergangenheit und Gegenwart im Film, werden historische und kulturelle Veränderungen deutlich. Ein Spannungsverhältnis entsteht zwischen damals und heute, das zeigt, wie untrennbar beides zusammengehört: so wie der Schatten und Peter Schlemihl, der ihn in Chamissos "Wundersamer Geschichte" erst verliert und ihm dann mit Siebenmeilenstiefeln über alle Kontinente nachjagt.

januar 2017, distribution news

Digital im Verleih: Das Gesamtwerk von Clemens Klopfenstein

Clemens Klopfenstein, das "Urgestein des Schweizer Films", drehte mit allem, was er in die Hand und vors Auge kriegte: erst auf 8 mm, dann Super8, später 16 mm, Super16, 35 mm und dann Video8, Video Hi8, analog dann digital. Er lebt seit 40 Jahren in Umbrien als Maler, Zeichner, produziert mit familiären franziskanischen Budgets. Wir freuen uns sehr, jetzt neben unseren analogen Kopien auch Clemens Klopfensteins Gesamtwerk in digitalen Formaten im Verleih zu haben – sowie die Aussicht auf drei weitere Filme, die sich noch in der Produktion befinden.

Januar '17
kino arsenal: Ola Balogun
 – Pionier des nigerianischen Kinos

18:00 Kino 1


Gods of Africa in Brazil

A Deusa Negra

Gods of Africa in Brazil Nigeria 1998
DVD engl. OF 26 min
A Deusa Negra Black Goddess Brasilien/Nigeria 1978
35 mm OmE 95 min
Kopie der Cinémathèque française

kino arsenal: Magical History Tour
: Von Formen und Figuren – Choreografien im Film

20:00 Kino 2


Tsubaki Sanjuro

Tsubaki Sanjuro Akira Kurosawa
Japan 1962 Mit Toshiro Mifune
DCP OmU 96 min

kino arsenal: Ola Balogun
 – Pionier des nigerianischen Kinos

20:30 Kino 1


Money Power / Owo l'agba

Money Power / Owo l'agba Nigeria 1982
16 mm OmE 190 min
Kopie der Cinémathèque française