juli 2017, kino arsenal

Hommage an Valeska Gert

Die Tänzerin, Schauspielerin, Kabarettistin, Barbetreiberin und Buchautorin Valeska Gert (1892–1978) war "eine der einflussreichsten Künstlerinnen der Moderne" (Wolfgang Müller) und mit ihrer grenzüberschreitenden, transdisziplinären Kunst ihrer Zeit voraus. Ihre große Zeit hatte Valeska Gert im Berlin der Weimarer Republik. In einer Verbindung von Tanz, Pantomime und Schauspiel, die sie selbst "Grotesktanz" nannte, produzierte sie Kurt Tucholsky zufolge "das Frechste, was wohl je auf einer Bühne gemacht worden ist". Sie tanzte Themen wie "Baby", "Tod", "politische Versammlung", "Nervosität", "moderner Straßenverkehr" und mit "Canaille" den detailgetreuen Berufsalltag einer Prostituierten: "Weil ich den Bürger nicht liebte, tanzte ich die von ihm Verachteten, Dirnen, Kupplerinnen, Ausgeglitschte und Herabgekommene" ("Mein Weg", 1931). Ihre in antibürgerlicher Hemmungslosigkeit und Wildheit aufgeführten Tontanz-Nummern polarisierten das Publikum und führten Valeska Gert auf die großen internationalen Bühnen. In Deutschland verlor sie als jüdische Avantgardekünstlerin nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten ihre Auftrittsmöglichkeiten und emigrierte 1939 in die USA, wo sie mit ihrer "Beggar Bar" einen Treffpunkt der New Yorker Bohème schuf. In Berlin konnte sie nach ihrer Rückkehr 1949 mit ihrem Kabarettlokal "Hexenküche" nicht an frühere Erfolge anknüpfen und zog sich in den 50er Jahren auf die Insel Sylt zurück, wo sie bis zu ihrem Tod das Lokal "Ziegenstall" führte.

Vom 6.-27. Juli zeigen wir eine Auswahl der Filme, in denen Valeska Gert zwischen 1925 und 1976 als Schauspielerin mitgewirkt hat. Obwohl sie darin zumeist nur in Nebenrollen zu sehen ist, haben ihre ausdrucksstarken Auftritte, in denen sie stets ein eigenständiges Frauenbild behauptete, die Filme nachhaltig geprägt.

juli 2017, kino arsenal

Creative Visions – Hong Kong Cinema 1997–2017

Made in Hongkong – Filme mit diesem Label bewegen sich auf einem resonanz- und (film-)geschichtsträchtigen Feld, auf dem die produktiven Berührungspunkte von Action- und Autorenkino, Innovationskraft und Genre, wilder Rauheit und technischer Perfektion immer wieder neu verhandelt werden. "Creative Visions" bietet anlässlich des 20. Jahrestags des Handovers, der Rückgabe der einstigen britischen Kronkolonie an China, die Gelegenheit, anhand von zehn Filmen aus den letzten zwei Jahrzehnten höchst unterschiedliche filmische Positionen eines wandlungsfähigen, vielgestaltigen, dynamischen Kinos nachzuvollziehen.

Vom 14.7.-3.8. präsentiert das Programm Arbeiten international renommierter Regiegrößen wie auch vielversprechende Debütfilme und spannt den Bogen zwischen Thriller, Melodram, Actionfilm, Triaden- und Sportdrama – allesamt auch Momentaufnahmen einer Stadt und ihrer Bewohner*innen, die sich im Wandel der Zeit und der sich verändernden politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse bewegen.

juli 2017, distribution news

"In den letzten Tagen der Stadt" (Org. Titel: "Akher ayam el madina")

von Tamer El Said, Kinostart: 7. September 2017 begleitet von der Caligari Filmpreistour

Kairo im Jahr 2009, zwei Jahre vor der ägyptischen Revolution. Khalid, Filmemacher und Alter Ego des Regisseurs Tamer El Said, arbeitet an einem Porträt seiner Heimatstadt. Immer wieder sieht er seine Bilder an, als warte er darauf, dass sie einen Sinn ergeben. Die Geschichten seiner ProtagonistInnen scheinen von irgendwoher aus seinem Inneren zu stammen, in der Außenwelt sucht er nach Anknüpfungspunkten, doch je mehr er sucht, desto mehr scheinen sie zu verschwinden.

juni 2017, transfer

Analog-Workshop

Je mehr wir uns dem Erhalt und der Neuentdeckung und -belebung von Archivfilmen widmen, desto mehr müssen wir Sorge tragen, dass es auch künftig ausreichend Kompetenz im Umgang mit analogem Filmmaterial gibt.

Aus diesem Grund bieten wir vom 18.-23. August erstmalig einen sechstägigen Analog-Workshop an. Arsenal-Mitarbeiter*innen und Partner*innen begleiten die Teilnehmer*innen von der Herstellung eines 16-mm-Films über seine Digitalisierung bis hin zur Projektion im Kino und geben Einblicke in die Archivierung und Pflege von Kopien. Der letzte Tag dient der Archivsichtung.

Der Workshop gibt Einblicke in die verschiedenen Arbeitsbereiche und enthält gleichermaßen Theorie- und Praxisteile, in denen Grundlagen vermittelt werden. Ab 2019 bietet das Arsenal vertiefende Workshops in den einzelnen Bereichen an.

juni 2017, transfer

Arsenal Summer School: Curating the Archive

Die diesjährige Summer School mit dem Titel "ONE PLUS ONE. Curating the Archive" findet vom 24. bis 26. August im silent green Kulturquartier und im Kino Arsenal statt und widmet sich den Themen Digitalisierung, Restaurierung und Langzeitarchivierung, die das Arsenal derzeit sehr beschäftigen.

Die Zeit ist knapp, da analoge Filme vom Zerfall bedroht sind, und die Kosten sind hoch, so dass in der Regel für jede Maßnahme erst einmal eine Finanzierung gefunden werden muss. Trotz dieses Handlungsdrucks darf nicht übersehen werden, dass zu einem nachhaltigen Umgang mit Filmgeschichte auch das kollektive Gedächtnis beiträgt. Filme leben in der Erinnerung derjenigen weiter, die sie gesehen haben. Die Art und Weise, wie sich dabei ein Film ins Gedächtnis einprägt, steht in enger Verbindung mit den Bedingungen der Rezeption: Wann, wie und unter welchen Umständen wurde der Film gesehen? Welche anderen Filme oder filmischen Ereignisse haben seine Vorführung gerahmt?

One Plus One: Die Summer School 2017 geht davon aus, dass ein Archivfilm nur in Bezug auf die Gegenwart Bedeutung haben kann und nicht losgelöst von der konkreten Aufführungssituation erinnert wird. In den Beiträgen und Workshops geht es deshalb um die Praxis des Kuratierens: Wie schaffe ich Wahrnehmungsräume für Archivfilme, in denen die Filmgeschichte zu einer Erfahrung der Gegenwart werden kann? Wie kann die Aufführungspraxis zur Gedächtnisbildung und damit zu Prozessen der Archivierung beitragen?

Januar '17
kino arsenal: FU-Vorlesungsreihe: Die Filmwissenschaft, 
das Archiv und die Differenz

17:00 Kino 2


Vorlesung von Sabine Nessel

Bestiaire

Vorlesung von Sabine Nessel: Dinge des Filmarchivs: Filmdosen, Zettel, Aufkleber
18.00: *Bestiaire Denis Côté Kanada/Frankreich 2012
DCP ohne Dialog 72 min

kino arsenal: DAAD-Stipendiatin 
Athina Rachel Tsangari zu Gast

19:00 Kino 1


The Slow Business of Going

The Slow Business of Going USA/Griechenland 2001
DCP engl. OF 101 min

Im Anschluss Diskussion mit Athina Rachel Tsangari
kino arsenal: Magical History Tour
: Von Formen und Figuren – Choreografien im Film

20:00 Kino 2


Dance in the Sun

In Paris Parks

Bullfight

A Moment in Love

Brussels Loops – Gestures

Brussels Loops – World Kitchen

Bridges-Go-Round

Skyscraper

Kurzfilme von Shirley Clarke:
Dance in the Sun USA 1953 DCP 7 min
In Paris Parks USA 1954 DCP 13 min
Bullfight USA 1955 DCP 9 min
A Moment in Love USA 1956 DCP 9 min
Brussels Loops – Gestures USA 1957 DCP 7 min
Brussels Loops – World Kitchen USA 1957 DCP 3min
Bridges-Go-Round USA 1958 DCP 4 min
Skyscraper USA 1959 DCP 21 min

kino arsenal: DAAD-Stipendiatin 
Athina Rachel Tsangari zu Gast

21:15 Kino 1


Attenberg

Attenberg Griechenland 2010
35 mm OmU 95 min

Im Anschluss Diskussion mit Athina Rachel Tsangari