juni 2017, kino arsenal

Durchlässige Grenzen – Neue Wege im mexikanischen Film

Kaum ein anderes Kinoland erlebt derzeit eine so rasante Wachstumsperiode wie Mexiko. Seit die Regierung 2005 ein neues Gesetz verabschiedet hat, das die Finanzierung von Filmproduktionen erleichtert, werden mehr Filme realisiert als je zuvor. Parallel dazu entstehen vielerorts Festivals, die das neue Kinoschaffen beflügeln und die Filmkultur befeuern. Dieser Quantitätssprung geht mit einer zunehmenden Finesse der entstehenden Filme einher, was auch außerhalb des Landes mit Interesse registriert wird. Im Laufe der letzten Jahre gelang nicht wenigen mexikanischen Regisseur*innen der Sprung nach Hollywood oder der internationale Durchbruch.

Mit Ausnahme der zahlreichen mexikanischen Beiträge, die im Forum der Berlinale gezeigt wurden, ist dieses Kino hierzulande bisher kaum präsent. Das von James Lattimer kuratierte Programm "Durchlässige Grenzen – Neue Wege im mexikanischen Film" bietet dem Berliner Publikum vom 2. - 30. Juni die einmalige Möglichkeit, sich mit dem Einfallsreichtum des zeitgenössischen mexikanischen Filmschaffens vertraut zu machen und ungewöhnliche Sichtweisen auf das Land zu entdecken. Die Auswahl besteht aus 15 langen, mittellangen und kurzen Filmen, die bei renommierten internationalen Festivals Erfolge feierten und in vielen Fällen zum ersten Mal in Deutschland vorgeführt werden. Neben Werken bereits etablierter Regisseur*innen wie Nicolás Pereda, Natalia Almada, Tatiana Huezo und Pedro González-Rubio zeigt die Reihe auch Arbeiten neuer, preisgekrönter Nachwuchsregisseure wie Ricardo Silva, Pablo Chavarría Gutiérrez und Pablo Escoto.

Wir freuen uns sehr, dass einige Regisseur*innen ihre Filme in Berlin persönlich vorstellen werden. Zwei Expert*innen ergänzen und kontextualisieren das Programm mit ihren Einführungen: der Filmwissenschaftler, Kurator und Festivalleiter Gonzalo de Pedro Amatria, der 2016 einen Artikel über die aktuelle mexikanische Kinolandschaft für das Magazin des Berlinale Forums verfasste, und die Festivalleiterin Eva Sangiorgi, die 2011 das Festival Internacional de Cine de la Universidad Nacional Autónoma de México (FICUNAM) in Mexiko-Stadt gründete, das sich zu einer wichtigen Plattform für das neue mexikanische Kino entwickelt hat.

juni 2017, kino arsenal

Drei Filme von Sadao Yamanaka

Nicht weniger als 26 Filme drehte der japanische Regisseur Sadao Yamanaka zwischen 1932 und 1937, bevor er mit nur 29 Jahren an der Front starb. Aufgrund von Kriegsschäden und mangelnder Sorgfalt sind nur drei seiner Filme erhalten geblieben, die indes von einem außergewöhnlichen Talent zeugen. Wir freuen uns sehr, sie an drei aufeinanderfolgenden Abenden vom 11.-13. Juni zum ersten Mal zusammen in Berlin zeigen zu können.

Yamanaka, tätig in einer Zeit der filmischen Innovation im japanischen Kino, kommt das große Verdienst zu, das Genre des jidai-geki – in der Edo-Zeit situierte Historienfilme –, von Klischees befreit und modernisiert zu haben. Seine Stoffe fand er in der traditionellen Volkskultur Japans, machte aus stolzen Samurais und Heldenfiguren aber verletzliche, vielschichtige Charaktere. Die Vergangenheit wird bei ihm weder verklärt noch romantisiert, sondern in realistischer und durchaus kritischer Weise beschrieben. Die Konflikte und Probleme seiner Protagonist*innen schildert er als gegenwärtig und prangert die Armut und Rechtlosigkeit zur Zeit der Feudalherrschaft an. Der Stil von Yamanakas handlungsreichen und mit Schauspielensembles entstandenen Filmen erinnert an den poetischen Realismus des französischen Kinos der 30er und 40er Jahre. Die mit Tiefenschärfe komponierten und mit Leichtigkeit und Eleganz inszenierten Bilder durchweht eine wehmütig-düstere Sichtweise auf die Welt und die Menschen.

juni 2017, kino arsenal

Magical History Tour – Musik im Film

Die Verbindung von Musik und Film geht bis zu den Anfängen der Kinematografie zurück. Neben dem Kinoerzähler gehörte die musikalische Begleitung der frühen Filme zum integralen Bestandteil der Filmerfahrung, eine spannungsreiche Beziehung, die bis heute existiert. Anhand von 13 Beispielen präsentieren wir in der Magical History Tour im Juni unterschiedlichste Positionen innerhalb des umfangreichen Themas "Musik im Film" und bieten mit (Original)Kompositionen für den Film, Musik(er)- und Bandporträts, Konzertfilmen, filmischen Inszenierungen von Musik, gesampelten Soundtracks sowie Musicals der anderen Art Einblicke in die Bedeutung und Funktion von Musik im Film (und in der Gesellschaft). Hinweisen möchten wir ganz besonders auf die vier Stummfilmveranstaltungen, die von der Pianistin und Komponistin Eunice Martins begleitet werden. Mit ihr sprechen wir am 15. und am 28. Juni im Anschluss an die Vorführungen über Musik im frühen Kino, über das Begleiten von und Komponieren für "Stummfilme/n".

juni 2017, distribution news

"Akher ayam el madina / In the Last Days of the City"

von Tamer El Said, Kinostart: 7. September 2017 begleitet von der Caligari Filmpreistour

Downtown Kairo ist einen Organismus, der im Winter 2009/10 noch zu leben scheint, aber selbst Jenen immer fremder wird, die dort geboren sind. Khalid ist Filmemacher. Seine Bilder sieht er immer wieder an, als warte er darauf, dass sie einen Sinn ergeben. Die Geschichten seiner ProtagonistInnen scheinen von irgendwoher aus seinem Inneren zu stammen, in der Außenwelt sucht er nach Anknüpfungspunkten. Je mehr er sucht, desto mehr scheinen sie zu verschwinden.

März '17
kino arsenal: Die DEFA-Stiftung präsentiert

19:00 Kino 2


Eine Berliner Romanze

Eine Berliner Romanze Gerhard Klein DDR 1956
35 mm 80 min

Zu Gast: Annekathrin Bürger
kino arsenal: Magical History Tour: 
Exzess und Opulenz

19:30 Kino 1


Heaven's Gate

Heaven's Gate Michael Cimino USA 1980
Mit Kris Kristofferson, Christopher Walken, John Hurt,
Isabelle Huppert, Joseph Cotten, Jeff Bridges
Restaurierte Langfassung 35 mm OF 216 min

kino arsenal: Die DEFA-Stiftung präsentiert

21:00 Kino 2


Leichensache Zernik

Leichensache Zernik Helmut Nitzschke DDR 1972
DCP 96 min

Zu Gast: Annekathrin Bürger