Oktober 2013, living archive

Ian White (1971-2013)

A Shared Stage of Contingent Production, im HAU Hebbel am Ufer am 13 März 2012 | © Nina Hoffmann

Mit großer Trauer haben wir die Nachricht vom Tod unseres Freundes, Kollegen und Living Archive Teilnehmers Ian White erhalten, der am Samstag, den 26. Oktober im Alter von 41 Jahren in London verstorben ist. Ian White war Kurator, Autor, Künstler und Lehrer. In seiner jahrzehntelangen Verbindung mit der Londoner Filminstitution LUX hat er zahlreiche Projekte initiiert, kuratiert und organisiert, zuletzt das Associate Artist Programme. Als Jurymitglied und Kurator war er regelmäßig zu Gast bei den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen. Außerdem hat er für die Whitechapel Gallery und die Frieze Kunstmesse gearbeitet. Dem Arsenal war Ian White seit einer dreimonatigen Kuratorenresidenz in Kooperation mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst DAAD, die er in unserem Haus verbrachte, eng verbunden. Im Rahmen seines Aufenthalts kuratierte er im Jahr 2009 das Projekt "It's Not The Homosexual Who Is Perverse, But The Situation in Which He Lives: Art, Cinema, Context Now“. Darin untersuchte er die Verbindungen zwischen künstlerischer und kuratorischer Praxis – zwischen der Filmpräsentation und ihrem Kontext. Das Projekt wurde zu einer großen Inspiration für das Konzept von "Living Archive – Archivarbeit als künstlerische und kuratorische Praxis der Gegenwart".

Für das Forum Expanded 2010 produzierte er "Kopietheater", ein radikales Kino-Experiment, das gleichzeitig das Endergebnis seines Rechercheprojekts in unserem Haus war. Im "Kopietheater" wurden Film, Video, Fotos, Ton, Text und Performance in einer einzigartigen Präsentation auf radikale Weise gegenübergestellt.

Ian Whites Projekt für "Living Archive" bestand aus zwei Performances von Ian White selbst und Johannes Paul Raether, die unter dem Titel "A Shared Stage of Contingent Production" im März 2012 im HAU1 präsentiert wurden. Die Performances bezogen Filme aus der Experimentalfilmsammlung des Arsenal ein, zerlegten den Theaterraum entlang des Proszeniums und befragten die Beziehung von Performance und Produktion.

Die letzten Monate seines Lebens verbachte Ian White in England. Als seine Krebserkrankung es ihm nicht mehr erlaubte vor Ort in Berlin an den letzten Monaten des Living-Archive-Projekts teilzunehmen, brachte er sich aus der Ferne unermüdlich in die Diskussionen mit Kommentaren und Ideen ein.

Living Archive wäre ohne ihn nicht dasselbe gewesen.

Wir vermissen ihn.