oktober 2017, kino arsenal

Georgisches Kino - Aus der Sammlung des Arsenal

Mit dem georgischen Filmschaffen verbindet das Arsenal seit langem eine enge und besondere Beziehung. Seit Erika und Ulrich Gregor, die Gründer und langjährigen Leiter des Arsenal, in den 70er Jahren bei Besuchen in Moskau Filme aus Georgien sehen konnten, fanden georgische Filme regelmäßig Eingang in das Programm des Arsenals und des Forums. Das fortwährende Interesse am georgischen Kino führte dazu, dass das Arsenal heute mit rund 130 Filmen nach dem staatlichen russischen Filmarchiv Gosfilmofond außerhalb Georgiens weltweit die zweitgrößte Sammlung georgischer Filme besitzt und so einen wichtigen Beitrag zur Bewahrung der georgischen Filmgeschichte leistet.

 

Bereits innerhalb der sowjetischen Filmproduktion traten die in der georgischen Republik gedrehten Filme durch ihre Eigenwilligkeit und fantastische Fabulierfreude hervor. Sie zeichnen sich durch satirischen Scharfblick und poetische Bildsprache, Erfindungsreichtum und oft surrealen Humor aus. Das georgische Kino ist der künstlerischen Tradition des Landes verbunden und doch gegenwartsnah und genau in der Beobachtung.

 

Drei georgische Filme aus der Sammlung des Arsenal konnten mit Mitteln aus dem Kulturerhalt-Programm des Auswärtigen Amts digital restauriert werden. DIDI MTSWANE WELI (Ein großes, grünes Tal, 1967) von Merab Kokotschaschwili, RAMDENIME INTERWIU PIRAD SAKITCHEBSE (Einige Interviews zu persönlichen Fragen, 1978) von Lana Gogoberidse und SGHWARZE (Am Rande, 1993) von Dito Tsintsadze, die in Anwesenheit ihrer Regisseur*innen im Arsenal präsentiert werden, ebenso wie 14 weitere Filme aus unserer Sammlung von den 20er bis 90er Jahren. Ergänzt wird das Programm um den neuesten Film von Otar Iosseliani, CHANT D’HIVER (2015). Lana Gogoberidses Film wird gerahmt durch einen Film ihrer Mutter Noutsa Gogoberidse, der ersten Regisseurin Georgiens, und einen Film ihrer Tochter Salomé Alexi. In einer Podiumsdiskussion am 2.10. diskutieren Erika und Ulrich Gregor mit Khatuna Khundadze (Georgian Film) und Susan Oxtoby (University of California, Berkeley Art Museum and Pacific Film Archive) über die georgische Filmgeschichte in den Archiven, moderiert von Stefanie Schulte Strathaus.

oktober 2017, kino arsenal

Harun Farocki: Nacheinander / Nebeneinander (2)

Die 80er Jahre waren ein ungemein produktives Jahrzehnt in Harun Farockis Arbeit als Filmemacher und Autor. Produktionen für das Fernsehen, ein Spielfilm für das Kino, Beiträge für die "Filmkritik". Ein Grund dafür war die freundschaftliche Zusammenarbeit mit Werner Dütsch, der als Filmredakteur beim WDR in Köln zahlreiche Autoren-Filmemacher dieser Zeit beauftragte und damit auch ein Überleben des unabhängigen Dokumentarfilms ermöglichte. Parallel zu den dokumentarisch-politischen Filmen seit den 60er und 70er Jahren verstärkt sich in den frühen 80er Jahren bei Farocki auch ein Interesse am Bild, das sich von der bild-agitatorischen Analyse abwenden möchte. Die 80er waren nicht nur ökonomisch betrachtet ein forderndes Jahrzehnt für ihn, sondern es war vor allem auch von Versuchen geprägt, neue Bild-Horizonte zu erschließen. Die Zusammenarbeit mit Jean-Marie Straub und Danièle Huillet, die er bereits bei einem Vortrag Straubs im ersten Jahr an der dffb 1966 kennenlernte, spielt für letzteres eine wesentliche Rolle. Hier widmete sich Farocki dem Bild des Spielfilms als mögliche Arbeitsfläche für ein Erzählkino gegen Hollywood. Sein Interesse am Erzählkino ist bereits in Kurzfilmen der 60er sowie 70er Jahre zu beobachten und vertieft sich schließlich in der jahrzehntelangen Zusammenarbeit und Freundschaft mit Christian Petzold, der 1988 an der dffb zu studieren begann. Die Erfahrungen mit der Produktion eines eigenen Spielfilms Mitte der 80er Jahre führten ihn bereits jedoch zu der Entscheidung, sich dem Essay-Film bzw. ab Mitte der 90er der Film-Installation im Ausstellungsraum zuzuwenden.

"Nacheinander/Nebeneinander" ist die bisher umfangreichste Retrospektive der Kino- und Fernseharbeiten Harun Farockis. Gemeinsam mit der Ausstellung "Harun Farocki: Mit anderen Mitteln – By Other Means" (kuratiert von Antje Ehmann und Carles Guerra) im Neuen Berliner Kunstverein, der vom Harun Farocki Institut ausgerichteten Akademie "Farocki Now" im Haus der Kulturen der Welt und dem silent green Kulturquartier (18. bis 21. Oktober) sowie der Fragment gebliebenen, gerade publizierten Autobiografie "Zehn, zwanzig, dreißig, vierzig" gibt die Reihe Gelegenheit, das Werk des Dokumentaristen in all seinen Verzweigungen zum ersten Mal oder erneut zu sehen. Zahlreiche verloren geglaubte, so gut wie unsichtbare Produktionen konnten dafür in Archiven recherchiert und zusammengetragen werden.

oktober 2017, kino arsenal

Female Gazes from Georgia - Contemporary Documentaries

Von Georgien hat Europa oftmals noch eher vage Vorstellungen, auch wenn das Land zunehmend präsent ist: Georgische Filme und Bücher, Georgien selbst als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2018 oder als touristisches Ziel rücken es stärker in den Blick. Am diesjährigen deutsch-georgischen Freundschaftsjahr beteiligt sich die Heinrich-Böll-Stiftung mit einer Dokumentarfilmreihe von Regisseurinnen aus Georgien. Der dokumentarische Fokus zeigt uns das südkaukasische Land am Rande Europas in klischeefreien Ausschnitten. Die Film- und Diskussionsreihe präsentiert Dokumentarfilme, die sich dem Alltag in Georgien mit einer eigenen Ästhetik und originellen journalistischen Recherchen nähern. Die Filme reflektieren den anhaltenden Umbruch des kaukasischen Landes seit 1989, das auf der Suche nach seinem Platz zwischen Ost und West ein modernes Selbstbild entwirft.