januar 2015, kino arsenal

Susan Sontag Revisited

Susan Sontag (1933–2004) war Essayistin und Schriftstellerin, Aktivistin und Theoretikerin, darüber hinaus Celebrity der Pop-Kultur. Sontag verband leichthändig Geist, Glamour und Dissidenz. Ihre Texte zu Fotografie und Kriegsberichterstattung, Krebs und AIDS und nicht zuletzt auch Film und Kino sind legendär. Vielzitiert ihre Formulierung von 1964 – enthalten im Essay Gegen Interpretation –, dass der Film gegenwärtig die lebendigste, erregendste und bedeutendste aller Kunstgattungen sei. Sie war fest überzeugt, dass Filme durch die von ihnen herbeigeführte Wahrnehmung der Realität eine außergewöhnliche Erziehungsfunktion haben könnten, nicht nur im Sinne einer ästhetischen Bildung, sondern auch im Sinne einer Ausweitung des Empfindungsvermögens, sozusagen einer Erziehung des Herzens.

Weitgehend unbekannt blieb Susan Sontags Wirken als Filmemacherin: Zwischen 1969 und 1993 hat sie selbst ein halbes Dutzend Filme gedreht. In einem Porträt der New York Times "gestand" Susan Sontag anlässlich ihres ersten Films DUETT FÖR KANNIBALER (1969), dass sie seit Jahren eine unerfüllte Ambition mit sich herumgetragen habe, nämlich selbst Regie zu führen: "Ich hätte jedes Angebot angenommen, nur um zu beweisen, dass ich es kann. Ich wäre sogar nach Afghanistan gegangen." Mit unüberhörbarer Süffisanz ergänzt der Autor Mel Gussow: "Es stellte sich jedoch heraus, dass sie nur bis nach Schweden gehen musste."

Regie zu führen erschien Susan Sontag als eine logische Fortsetzung ihrer bisherigen Karriere, hatten doch schon andere, von ihr bewunderte europäische Autoren wie Jean Cocteau, Marguerite Duras, Alain Robbe-Grillet und Pier Paolo Pasolini den Weg vom Schreiben zum Filmemachen beschritten – wobei sie Pasolini, als erklärter Wilderer in vielerlei Jagdrevieren, möglicherweise gar als direktes Role Model sah.

Das erste Mal seit über zwei Jahrzehnten zeigt das Arsenal im Januar und Februar eine von Ralph Eue kuratierte Werkschau der Filme, die Susan Sontag als Regisseurin oder Koregisseurin gedreht hat. Ergänzend geben einige weitere filmische Arbeiten Einblicke in ihr Universum.

januar 2015, kino arsenal

Asynchron. Dokumentar- und Experimentalfilme zum Holocaust. Aus der Sammlung des Arsenal – Institut für Film und Videokunst

Das Jahr 2015 steht im Zeichen des Gedenkens an die Opfer des Holocaust – ein Thema, das für unsere Institution von besonderer Bedeutung ist, bildet doch die filmische Auseinandersetzung mit dem Holocaust seit Vereinsgründung 1963 – damals noch als Freunde der Deutschen Kinemathek – eines der Kernanliegen unserer Arbeit. Dies zeigt sich bis heute sowohl im Programm des Arsenals, des Berlinale Forums, als auch im Portfolio unseres Filmverleihs. So war eines der herausragenden Ereignisse des Forums 1986 die deutsche Erstaufführung von Claude Lanzmanns SHOAH im Delphi-Filmpalast, ein Film, der seitdem von uns verliehen wird. Weitere Filme zur Thematik, die Teil des Arsenal-Filmarchivs geworden sind, nachdem sie im Forum liefen, sind u.a. DIE FEUERPROBE von Erwin Leiser, HABEHIRA VEHAGORAL (Wahl und Schicksal) von Tsipi Reibenbach oder Lanzmanns "Sobibor, 14 octobre 1943, 16 heures". Diese besonderen audiovisuellen Zeitdokumente laufen Gefahr, in Vergessenheit zu geraten. Zum einen ist der Bestand der Filmkopien durch Zerfalls- und Abnutzungsprozesse bedroht, zum anderen gibt es durch den medialen Wandel der letzten Jahre immer weniger Vorführorte für analoge Filme. Um die filmische Erinnerung auch für kommende Generationen sichtbar zu halten, wurde aus unserer Filmsammlung eine Auswahl von 46 Titeln zusammengestellt, von denen im Laufe der nächsten Monate zehn Filme digitalisiert bzw. in digitaler Kinofassung (DCP) angekauft werden. Dabei haben wir sowohl bekannte Filme als auch bisher zu wenig beachtete oder zu Unrecht in Vergessenheit geratene Werke berücksichtigt. Zu den thematisch passenden Werken aus der Sammlung wird ab 27. Januar 2015 ein Katalog vorliegen, der die Filme vorstellt und kontextualisiert.

Vom 27. Januar bis 4. Februar 2015 findet zum Auftakt des Projekts eine umfangreiche Filmreihe mit Einführungen, Filmgesprächen und Diskussionsrunden im Kino Arsenal statt. Der Schwerpunkt liegt auf Fragen zu Erinnerung, Archiv und Öffentlichkeit. Wir freuen uns, im Januar bereits folgende Filme in neuer digitaler Fassung vorführen zu können: DARK LULLABIES, DER LETZTE JUDE VON DROHOBYTSCH, HABEHIRA VEHAGORAL (Wahl und Schicksal) und SHOAH. Die gesamte Filmauswahl wird über arsenal distribution bundesweit Kinos angeboten.

januar 2015, kino arsenal

All Singing, All Dancing (2): Hollywood-Musicals 1933–1957

Das Filmmusical ist eines der populärsten Genres der goldenen Ära des klassischen Hollywoodfilms, das Elemente der Komödie, des Theaters, des Tanzes und des Zirkus mit der Musik zu einer künstlerischen Einheit verschmolz. Wir führen unsere umfassende Retrospektive im Januar fort und zeigen weitere 13 Filmmusicals: von Busby Berkeleys Choreografien aus komplexen, geometrischen Figuren, über Fred Astaires und Ginger Rogers’ musikalische Version der Screwball Comedy, bis zur Hochblüte des Genres in strahlendem Technicolor, den MGM-Musicals der späten 40er und 50er Jahre.