september 2014, kino arsenal

Alle Tage wieder – let them swing! Zur Aktualität der Filme von Margaret Raspé

Margaret Raspé, Malerin, Performancekünstlerin und Filmmacherin, drehte in den 1970er Jahren die legendären "Filme mit dem Kamerahelm": "… Kamerahelm auf dem Kopf: gleichzeitig malen und filmen. Das instrumentalisierte Auge löst Orientierung auf … Ich spalte mich: einerseits körperlich locker in der aktionistisch gelöst malenden Hand, andererseits rational konzentrierte Beobachterin im Sucher der Kamera …" (MR). Raspé wurde inspiriert durch die Aktions- und Fluxuskunst der 1960er Jahre und stand der Wiener Avantgarde nahe. Der Anstoß zu ihrem außergewöhnlichen Einsatz der Kamera kam aber von woanders. Er ist im Zusammenhang mit den damaligen politischen Debatten zum Thema Hausarbeit zu sehen: buchstäblich zu sehen. Ihr erster Film "mit dem Kamerahelm" – SCHWEINESCHNITZEL (BRD 1971) – zeigt den alltäglichen Arbeitsprozess der Zubereitung eben dieses Schnitzels – aus der Perspektive der Köchin. Gleichzeitig kochen, spülen, ausnehmen, schlagen und künstlerisch arbeiten: Raspé hatte von 1954 bis 1957 Malerei an der Kunstakademie München und an der Hochschule für Bildende Künste Berlin studiert. "SCHWEINESCHNITZEL entstand 1971, nachdem ich lange über Aggression in der Küche nachgedacht hatte.“

september 2014, kino arsenal

Retrospektive Pier Paolo Pasolini

Filmemacher, Schriftsteller, Lyriker, Theater-regisseur, Essayist, Maler, Schauspieler – Pier Paolo Pasolini (1922–1975) gehört zu den vielseitigsten, einflussreichsten und radikalsten Künstlern und Intellektuellen des 20. Jahr-hun-derts. Seine Filme, Romane und Essays haben im Nachkriegseuropa Zäsuren und Maßstäbe gesetzt, provoziert und polarisiert, Skandale und Kontroversen ausgelöst, gesellschaftliche Diskussionen initiiert. Seine Werke sind mittlerweile in die Film- bzw. Literaturgeschichte eingegangen, ohne sich dabei in ein Schema pressen zu lassen. Pier Paolo Pasolini war und ist ein Singulär, bewegte sich zeitlebens außerhalb von künstlerischen, politischen oder gesellschaftlichen Konventionen, war widersprüchlich, kompromisslos, kämpferisch und ungeheuer produktiv: Zwischen seinem bahnbrechendem Debüt ACCATTONE (1961) und seinem gewaltsamen Tod Ende 1975, kurz nach Fertigstellung seines letzten Films SALÒ, drehte Pasolini in rascher Folge über 20 Spiel- und Dokumentarfilme unterschiedlichster Form und Länge. In seinen Filmen widmete er sich immer wieder den Randzonen der Gesellschaft, dem Subproletariat, bearbeitete griechische Mythen ebenso wie das Matthäus-Evangelium, thematisierte Sexualität und Tod, Katholizismus und Marxismus; sein Denken kreiste um philosophische, politische oder soziale Fragen. Härte und Zartheit, Monumentalität und Kargheit, Dokumentarisches und Mythisches, unterschiedliche Zeitebenen, Stile, Einflüsse finden in seinem "Kino der Poesie" auf beeindruckende, unverwechselbare Weise zusammen. Die Stadt Rom spielt in zahlreichen Filmen, aber auch in Pasolinis Leben eine entscheidende Rolle. Dieser Verflechtung geht eine umfangreiche Ausstellung im Martin-Gropius-Bau nach, die unter dem Titel "Pasolini Roma" vom 11.9. bis Anfang nächsten Jahres zu sehen sein wird und in deren Zusammenhang wir im September und Oktober in kompakter Weise eine vollständige Retrospektive der Filme von Pier Paolo Pasolini im Arsenal präsentieren können.

september 2014, kino arsenal

Werkschau Albert Serra

Der Katalane Albert Serra (*1975) gehört zu den eigenwilligsten Köpfen im zeitgenössischen Filmschaffen. Seit seinem aufsehenerregenden Debüt HONOR DE CAVALLERIA (2006) fanden all seine Filme große Beachtung bei Festivals, zuletzt wurde HISTÒRIA DE LA MEVA MORT (2013) mit dem Hauptpreis in Locarno ausgezeichnet. Auch im Bereich der Bildenden Kunst ist Serra seit einigen Jahren mit Auftragsarbeiten für verschiedene Museen tätig. Trotz seiner internationalen Reputation sind seine Arbeiten hierzulande jedoch kaum bekannt. Vor diesem Hintergrund präsentiert das Arsenal nun eine Werkschau, die Serras Spielfilme genauso umfasst wie die für Ausstellungen konzipierten Arbeiten, inklusive eines Kurzfilms, der Teil des für die documenta realisierten monumentalen Projekts "Three Little Pigs" ist. Hinzu kommt ein Making-of, das den Filmemacher bei der Arbeit zeigt. Wir freuen uns sehr, dass Albert Serra persönlich zu Gast im Arsenal sein wird. Neben den Diskussionen mit dem Publikum findet am 7.9. in der Reihe "Revolver Live" ein von Nicolas Wackerbarth moderiertes Werkstattgespräch unter Filmemachern statt.