august 2015, kino arsenal

Retrospektive Don Siegel

Don Siegel (1912–1991) war ein Meister des actionreichen Genre-Kinos, der zwischen 1945 und 1982 fünfzig Filme für Kino und Fernsehen inszeniert hat, darunter Science-Fiction, Western, Thriller, Gefängnis-, Gangster- und Kriegsfilme sowie vor allem Polizei- bzw. Kriminalfilme. Straffe Szenenführung, zügiges Tempo, Vitalität, Nüchternheit, erzählerische Ökonomie und eine präzise getimte Schnitttechnik sind kennzeichnend für seine Filme – Siegel arbeitete u.a. als Leiter der Montageabteilung bei Warner, bevor er begann, eigene Filme zu realisieren. Nach zwei Oscar-prämierten Kurzfilmen und zwei Spielfilmen für Warner drehte er mit relativ geringen Mitteln in den 50er Jahren unprätentiöse, effektvoll inszenierte B-Movies. Ab den 60ern entwickelte sich Siegel zum Regiestar mit größeren Budgets und Starbesetzungen. Eine besondere Beziehung verband ihn mit Clint Eastwood, für den Siegel Lehrer und Mentor war. Die beiden drehten fünf Filme zusammen, darunter mit DIRTY HARRY (1971) den Film, der Clint Eastwood weltberühmt machte.

Ein zentrales Thema von Don Siegels Werk ist Aggressivität. "Crime is aggressive, and so is the law", heißt es in THE LINEUP (1958), für Peter von Bagh das Kernstück von Siegels Karriere. Seine Filme sind Beiträge zu einer Phänomenologie der Aggression, Diskurse über die Zusammenhänge zwischen Gesellschaft und Verbrechen, die Gemeinsamkeiten zwischen Hütern und Brechern des Gesetzes sind augenfällig. Siegels Interesse galt dabei, seinem Selbstbild entsprechend, den Außenseitern. "The last of the independents" steht in CHARLEY VARRICK (1973) auf dem Firmenschild der Titelfigur – ein Anspruch, den Don Siegel für sich selbst erhob: einer der letzten Unabhängigen zu sein, die sich gegen übermächtige Organisationen behaupten können, und auch unter widrigen Umständen Überdurchschnittliches zustande bringen. Don Siegel ist es vielfach gelungen, Einfluss auf alle Phasen der Produktion zu nehmen, zum Teil als sein eigener Produzent, und sich ein erhebliches Maß an Freiheit innerhalb des Studiosystems zu bewahren.

august 2015, kino arsenal

Rainer Werner Fassbinder

Aus Anlass der Ausstellung "Fassbinder – JETZT", die noch bis zum 23. August im Martin-Gropius-Bau zu sehen ist, zeigen wir jeden Montag einen Film aus dem reichen Œuvre von Rainer Werner Fassbinder, der dieses Jahr 70 Jahre alt geworden wäre. Auch 33 Jahre nach seinem Tod geht von seinem Werk eine unverminderte Aktualität aus. Als Chronist der deutschen Geschichte und Gegenwart erforschte er die Strukturen, die Menschen andere unterdrücken lassen ebenso wie die emotionale Ausbeutung in intimen Beziehungen und ihre Abhängigkeit von ökonomischen Bedingungen.