juni 2017, kino arsenal

Drei Filme von Sadao Yamanaka

26 Filme drehte der japanische Regisseur Sadao Yamanaka zwischen 1932 und 1937, bevor er zum Kriegsdienst eingezogen wurde und 1938 an der mandschurischen Front mit nur 29 Jahren starb. Lediglich drei seiner Filme sind heute noch erhalten, zeugen aber von einem außergewöhnlichen Talent und von einem zugleich unermesslichen und doppelten Verlust – von Filmen, die verloren gingen und solchen, die er nicht mehr drehen konnte. Yamanaka, tätig in einer Zeit der filmischen Innovation im japanischen Kino, kommt das große Verdienst zu, das Genre des jidai-geki – in der Edo-Zeit situierte Historienfilme –, von Klischees befreit und modernisiert zu haben. Seine Stoffe fand er in der traditionellen Volkskultur Japans, machte aus stolzen Samurais und Heldenfiguren aber verletzliche, vielschichtige Charaktere. Die Vergangenheit wird bei ihm weder verklärt noch romantisiert, sondern in realistischer und durchaus kritischer Weise beschrieben. Die Konflikte und Probleme seiner Protagonist*innen schildert er als gegenwärtig und prangert die Armut und Rechtlosigkeit zur Zeit der Feudalherrschaft an. Der Stil von Yamanakas handlungsreichen und mit Schauspielensembles entstandenen Filmen erinnert an den poetischen Realismus des französischen Kinos der 30er und 40er Jahre. Die mit Tiefenschärfe komponierten und mit Leichtigkeit und Eleganz inszenierten Bilder durchweht eine wehmütig-düstere Sichtweise auf die Welt und die Menschen.

juni 2017, kino arsenal

Durchlässige Grenzen – Neue Wege im mexikanischen Film

Kaum ein anderes Kinoland erlebt derzeit eine so rasante Wachstumsperiode wie Mexiko. Seit die Regierung 2005 ein neues Gesetz verabschiedet hat, das die Finanzierung von Filmproduktionen erleichtert, werden mehr Filme realisiert als je zuvor. Parallel dazu entstehen vielerorts Festivals, die das neue Kinoschaffen beflügeln und die Filmkultur befeuern. Dieser Quantitätssprung geht mit einer zunehmenden Finesse der entstehenden Filme einher, was auch außerhalb des Landes mit Interesse registriert wird. Im Laufe der letzten Jahre gelang nicht wenigen mexikanischen Regisseur*innen der Sprung nach Hollywood oder der internationale Durchbruch.

juni 2017, kino arsenal

Magical History Tour – Musik im Film

Die Verbindung von Musik und Film geht bis zu den Anfängen der Kinematografie zurück. Neben dem Kinoerzähler gehörte die musikalische Begleitung der frühen Filme zum integralen Bestandteil der Filmerfahrung, eine spannungsreiche Beziehung, die bis heute existiert. Anhand von 13 Beispielen präsentieren wir in der Magical History Tour unterschiedlichste Positionen innerhalb des umfangreichen Themas "Musik im Film" und bieten mit (Original)Kompositionen für den Film, Musik(er)- und Bandporträts, Konzertfilmen, filmischen Inszenierungen von Musik, gesampelten Soundtracks sowie Musicals der anderen Art Einblicke in die Bedeutung und Funktion von Musik im Film (und in der Gesellschaft). Hinweisen möchten wir ganz besonders auf die vier Stummfilmveranstaltungen, die von der Pianistin und Komponistin Eunice Martins begleitet werden. Mit ihr sprechen wir am 15. und am 28. Juni im Anschluss an die Vorführungen über Musik im frühen Kino, über das Begleiten von und Komponieren für "Stummfilme/n".