dezember 2014, kino arsenal

All Singing, All Dancing: Hollywood-Musicals 1933–1957

Das Filmmusical ist eines der populärsten Genres der goldenen Ära des klassischen Hollywoodfilms, das Elemente der Komödie, des Theaters, des Tanzes und des Zirkus mit der Musik zu einer künstlerischen Einheit verschmolz. Die Entwicklung des Genres ist eng mit der Einführung des Tonfilms verbunden. "All talking! All singing! All dancing!" bewarb Metro-Goldwyn-Mayer 1929 das erste abendfüllende Tonfilmmusical The Broadway Melody, das eine Vielzahl ähnlicher Produktionen nach sich zog. Der Typus der frühen Filmrevuen und des hinter den Kulissen spielenden Bühnenstücks, dem die Story nur als Aufhänger für Musik- und Tanzrevuen dient, wich ab 1933 zunehmend dem eigenständigen Filmmusical. Warner Bros. setzte im Verlauf weniger Monate mit drei modernen, unsentimentalen und temporeichen Produktionen voller schnoddriger Dialoge (42ND STREET, "Gold Diggers of 1933" und "Footlight Parade") neuartige Akzente. Für die Choreografie der aufwendigen musikalischen Nummern arrangierte Busby Berkeley Dutzende Showgirls zu geometrischen und kaleidoskopischen Mustern und transformierte mit Spezialeffekten, mobiler Kamera und rasanten Schnittfolgen die Bühne in eine Welt der filmischen Fantasie. Parallel entstanden bei RKO Musicals mit dem Tanzpaar Fred Astaire und Ginger Rogers, die wie ein Gegenentwurf zu Berkeleys ornamentalen Massenszenen und der visuellen Opulenz der Warner-Musicals wirken. Die Filme zeichnen sich durch eine intimere, individuelle Eleganz und den Alltagscharakter der Geschichten aus, die Songs und Tänze werden mehr in die Handlung integriert. Die vollständige Verschmelzung von Songs, Tanz und Handlung gelang den MGM-Musicals der 40er und 50er Jahre, die vor allem mit Arthur Freeds Production Unit und dem Regisseur Vincente Minnelli verbunden sind. Gesang und Tanz bedürfen keiner Erklärung mehr, in einer eigenen Realität lösen sich die Grenzen zwischen Traum und Wirklichkeit auf, Regeln und Konventionen des Alltags werden außer Kraft gesetzt: "Musik, Tanz und Farbe künden den 'Ernst des Lebens' auf und versprechen den Sieg der Liebe und des Glücks". (Ulrich Gregor/Enno Patalas)

In einer umfassenden Filmreihe präsentiert das Arsenal im Dezember und Januar 22 Filme des Genres, vom Backstage Musical der frühen 30er, Busby Berkeleys Choreografien aus komplexen, geometrischen Figuren, über Fred Astaires und Ginger Rogers' musikalische Version der Screwball Comedy bis zur Hochblüte des Genres in strahlendem Technicolor in den späten 40er und 50er Jahren. Starring Fred Astaire, Lucille Ball, Leslie Caron, Cyd Charisse, Judy Garland, Kathryn Grayson, Rita Hayworth, Lena Horne, Gene Kelly, Ruby Keeler, Oscar Levant, Carmen Miranda, The Nicholas Brothers, Eleanor Powell, Ginger Rogers, Frank Sinatra, Esther Williams u.v.a.m.

dezember 2014, kino arsenal

FU-Seminar: Filmische Erinnerungen an den Holocaust

Die Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz am 27. Januar 1945 jährt sich 2015 zum 70. Mal. Das von der Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin geförderte Projekt "Asynchron. Dokumentar- und Experimentalfilme zum Holocaust. Aus der Sammlung des Arsenal – Institut für Film und Videokunst e.V." widmet sich dem filmischen Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus und verbindet damit Fragen zur Erinnerung, dem Archiv und der Öffentlichkeit. Für das Projekt wurde aus der Sammlung des Arsenals eine Auswahl von rund 50 Titeln zusammengestellt, zehn davon werden neu digital verfügbar gemacht. Zusätzlich entsteht zu allen Filmen ein Katalog. Zum Projektauftakt findet ab 27. Januar eine Filmreihe im Arsenal mit umfassendem Rahmenprogramm statt. Im Vorfeld stellt das filmwissenschaftliche FU-Seminar von Christian Pischel in Kooperation mit dem Projekt in sechs öffentlichen Sichtungsterminen im Dezember und Januar eine Auswahl der Filme vor.

dezember 2014, kino arsenal

Im Fokus: Vincent Macaigne

Der Schauspieler Vincent Macaigne (*1978) ist im jungen französischen Kino allgegenwärtig. Zusammen mit den FilmemacherInnen Guillaume Brac, Justine Triet, Sébastien Betbeder und Antonin Peretjatko, in deren Filmen er als Darsteller auftritt, gehört er zu den prägenden Figuren des Nachwuchsfilms, die zur Zeit frischen Wind ins französische Autorenkino bringen. Die Langfilmdebüts dieser Generation der Mittdreißiger werden in Frankreich als Aufbruch eines vitalen, unabhängigen Kinos gefeiert, das neue Blicke auf die Gegenwart wirft. Dabei legen sie viel Sinn für Komik, Gespür für die Absurditäten des Alltags und Bewusstsein für politische und private Krisen an den Tag. Vincent Macaigne, Schauspieler, Theaterregisseur und selbst Filmemacher, wurde gewissermaßen zum Gesicht der Filme dieser Gruppe von Gleichgesinnten, in denen er stets Männer um die 30 verkörpert, die sich charmant, schüchtern und mit umwerfender Unschuld mit dem Vergehen der Jugend, den Komplikationen des Verliebtseins und auch mit Einsamkeit herumschlagen. Tragik, Komik und eine gewisse Melancholie prägen seine Figuren. Wir freuen uns, im Rahmen der Französischen Filmwoche sechs aktuelle Filme mit Vincent Macaigne präsentieren zu können.