februar 2016, kino arsenal

46. Forum

Einen regionalen Schwerpunkt des diesjährigen Programms bilden Filme aus dem arabischen Raum. Zwischen Ägypten und Saudi-Arabien befragen die oft jungen Regisseur_innen den Zustand ihrer Heimat.

In A MAGICAL SUBSTANCE FLOWS INTO ME spürt Jumana Manna Vergangenheit und Gegenwart der musikalischen Vielfalt der Region Palästina nach. Tamer El Said lässt in seinem Spielfilm AKHER AYAM EL MADINA (In the Last Days of the City) sein Alter Ego Khaled durch seine Heimatstadt Kairo wandern, die sich in Aufruhr befindet. Maher Abi Samra dokumentiert in MAKHDOUMIN (A Maid for Each) das im Libanon allgegenwärtige Phänomen von Dienstmädchen aus Ländern des globalen Südens, die unsichtbar sind und unsichtbar bleiben sollen. BARAKAH YOQABIL BARAKAH (Barakah Meets Barakah) des Regisseurs Mahmoud Sabbagh zeigt in bemerkenswert freimütiger Weise eine saudi-arabische Liebesgeschichte, die den Widrigkeiten, mit dem das Paar zu kämpfen hat, viel Humor entgegensetzt.

februar 2016, kino arsenal

11. Forum Expanded

Ein Architekt, der im Auftrag der Hisbollah eine entlegene Gegend mit Monumenten versieht. Ein Künstler, dessen Skulpturen in den 80er Jahren explodierten oder auf mysteriöse Weise verschwanden. Ein Magier, der Kindheitsträume weckt und Tiere und Menschen, demnächst vielleicht sich selbst, verschwinden lässt. Illusion und Aberglaube formen kollektive Vorstellungswelten. In seinem Film AL MARHALA AL RABIAA (The Fourth Stage) und seiner Lecture Performance "When the Ventriloquist Came and Spoke to Me" reist Ahmad Ghossein in den Süden Libanons, der seit dem Krieg 2006 nicht mehr der gleiche ist. Er durchquert das Land seiner Kindheit, das aus Phantasmen, Mythen und Konsumwelten besteht, um Monumente zu erforschen, die plötzlich die Landschaft beherrschen. Aus Forschung wird Produktion: "The fourth stage" meint den Zustand der Hypnose, die durch Rückführung in die Kindheit helfen soll, Heilungsansätze für psychische Krankheiten zu finden. Das erklärt ihm der Bauchredner, den er als Kind bewunderte.

februar 2016, kino arsenal

The Hitchcock 9

Ein Teil von Alfred Hitchcocks Filmen ist relativ unbekannt geblieben. Dabei handelt es sich um die zehn Stummfilme, die Hitchcock zwischen 1925 und 1929 drehte. Neun von ihnen sind erhalten, als verschollen gilt einzig sein zweiter Film "The Mountain Eagle". Unter dem Titel "The Hitchcock 9" wurden die neun Stummfilme vom British Film Institute restauriert und sind nun wieder in neuen 35-mm-Kopien verfügbar. Wir zeigen alle neun Filme live am Flügel begleitet von Eunice Martins.

Dass Hitchcock seine Karriere im Stummfilm begann, war für ihn prägend. Hier lernte er, eine Geschichte visuell zu erzählen, dem Bild eine Vormachtstellung vor dem Dialog zu geben, genuin filmische Mittel zu benutzen, um Emotionen darzustellen. Seine Experimentierfreude und ein stupender Einfallsreichtum sind schon in den frühen Filmen klar erkennbar. Obwohl seine Stummfilme in den unterschiedlichsten Genres angesiedelt sind – Thriller, Komödien und Melodramen – weisen sie verblüffend viele Themen und Motive auf, die charakteristisch für Hitchcock werden sollten: Neben der Ambiguität von Schuld, moralischen Ambivalenzen und dem Motiv des unschuldig Verfolgten sind das sein ironischer Humor und die kühle Blondine als Objekt der Begierde.

februar 2016, kino arsenal

Lyrisch, aufmerksam, kämpferisch – 
Die Filme Cecilia Manginis

Während die Spielfilme von Regisseuren wie Michelangelo Antonioni oder Pier Paolo Pasolini unterdessen kanonisch sind, ist der italienische Dokumentarfilm der Nachkriegszeit hierzulande nahezu unbekannt. Cecilia Mangini war die erste Frau, die im Italien der Nachkriegszeit ästhetisch anspruchsvolle, politische Dokumentarfilme gedreht hat. Mangini gehört zu einer Generation von Filmemacher_innen, für die das italienische Kino in den Auseinandersetzungen der Nachkriegszeit kein Begleitmedium war, sondern Akteur. Bevor Cecilia Mangini ab 1959 eigene Filme realisierte, später auch in Zusammenarbeit mit ihrem Mann Lino del Fra, schrieb sie für Filmzeitschriften wie Cinema Nuovo oder Cinema '60. Die Reihe "Lyrisch, aufmerksam, kämpferisch" präsentiert erstmals in Deutschland eine größere Auswahl aus ihrem Werk. Cecilia Mangini und der Filmemacher und Festivalleiter des Cinema del Reale, Paolo Pisanelli, werden am 4. und 5.2. zu Gast sein.