juni 2013, kino arsenal

Das Kino der Republiken (Marcel Schwierin)

Jede der 16 sozialistischen Sowjetrepubliken hatte mindestens ein eigenes Filmstudio. Zwar studierten alle Filmemacher an der WGIK in Moskau, viele kehrten dann aber in ihre Heimat zurück und entwickelten dort eine besondere Filmsprache, die das internationale und sowjetische Kino mit der spezifischen Bildtradition ihrer Heimat verband. Obwohl diese Kommunikation zwischen Zentrum und Peripherie in der Filmgeschichte einmalig war, fand sie bisher nur wenig Beachtung. Wegen der besonderen Bedeutung, die der sowjetische Film für das Arsenal hatte, befinden sich in seinem Archiv Filme aus allen Regionen der Sowjetunion. Die Programme des Living-Archive-Festivals zeigen insgesamt 20 Filme aus zehn Republiken, die zwischen 1930 und 1990 produziert wurden, davon je zur Hälfte Spiel- und Dokumentarfilme. Der Schwerpunkt der Auswahl liegt auf dem georgischen Film und dem sehr innovativen kurzen Format. Darunter finden sich Klassiker, wie Kalatosows DJIM SHVANTE! (10.6.), oder Paradshanows SAYAT NOVA (11.6.), aber auch Filme, die nur sehr selten im Kino zu sehen sind, wie Peleschjans OBITALELI (12.6.), Muratowas PEREMENA UTSCHASTI (18.6.), Tschcheidses BENSINIS TSCHAMOMSCHMELI (9.6.) und Tyulkins POVELITEL MUKH (13.6.). Das Kino der Republiken wird so zu einer imaginären Reise durch die einzigartige Bildsprache der sowjetischen Union. (9. - 18.6.)

juni 2013, kino arsenal

50 Jahre Arsenal: Living Archive – Archivarbeit als künstlerische und kuratorische Praxis der Gegenwart

"Das Arsenal ist keine Organisation, sondern ein Organismus." (Naum Kleemann)

Der kubanische Kurzfilm POR PRIMERA VEZ von Octavio Cortázar ist Zeugnis einer Filmbildungsmaßnahme: Mit dem Gesetz zur Gründung des ICAIC, des Kubanischen Instituts für Filmkunst und -industrie, begann am 24. März 1959, kurz nach dem Sieg der Revolution, die Geschichte eines neuen kubanischen Filmschaffens. Unter anderem schuf die Regierung zum Zweck der "audiovisuellen Alphabetisierung" der Bevölkerung das "cine móvil", um das Kino in die entlegensten Gegenden der Insel zu bringen.

Wir sehen, wie mit dem mobilen Kino Bewohnern eines abgelegenen Bergdorfs zum ersten Mal ein Film vorgeführt wird. Sie sehen – Chaplins Modern Times. Zuvor werden sie danach befragt, wie sie sich das Kino vorstellen: "KINO ist FILM", so ein Junge. Und zwei Frauen: "Es ist etwas Wichtiges, wenn es Sie so interessiert. Es muss ein Fest sein, ich würde es gern sehen, um zu wissen, was es ist."

POR PRIMERA VEZ wurde im Rahmen des Projekts Living Archive digitalisiert. Außerdem konnten wir anlässlich unseres 50. Jubiläums mit Unterstützung des Hauptstadtkulturfonds eine restaurierte Kopie und die digitalisierte Fassung des Revolutionsfilms ARSENAL erwerben, der unserer Institution den Namen gab. Alexander Dowshenkos dritter Spielfilm heroisiert den Aufstand in der Kiewer Waffenfabrik "Arsenal" beim Januaraufstand 1918 gegen die bürgerlich-nationale Regierung der Ukraine. Wir zeigen beide Filme zur Geburtstagsfeier und Eröffnung von Living Archive am 4. Juni.