april 2017, kino arsenal

Retrospektive 
Manoel de Oliveira

Manoel de Oliveira (1908–2015) ist ohne Zweifel der bedeutendste portugiesische Filmregisseur. Er hat durch sein umfassendes Werk weltweites Renommee erlangt. Bis zu seinem Tod mit 106 Jahren war er der älteste noch aktive Filmregisseur, noch 2014 realisierte er einen Trailer für das Festival "Viennale". Oliveiras Werk ist weitgespannt und thematisch schwer einzugrenzen. Es ist vielfach verwurzelt in der Welt der Literatur und des Theaters, das gilt für die Klassik ebenso wie die Moderne. Durch Oliveiras Bearbeitung der Stoffe und eine besondere stilistische Eigenart erhalten seine Filme jedoch eine andere Dimension. Der Zuschauer wird distanziert, plötzlich ergeben sich neue Perspektiven, der Unterschied zwischen Realität und Fiktion rückt selbst ins Blickfeld. Durch die Zuspitzung von melodramatischen Elementen, durch Einrahmung oder Parallelhandlungen kippt die Erzählung in Oliveiras Filmen zuweilen ins Surreale oder Parabelhafte, erreicht eine andere Wirklichkeitsebene. Oliveiras Filme haben bei all ihrer Komplexität oft auch eine subtile satirische Dimension, sie sind durchwirkt von feiner Ironie und Doppelbödigkeit. Er meditiert über die Vergeblichkeit von Liebesbeziehungen, stellt existentielle Grundfragen, dann wieder unternimmt er Streifzüge durch Länder, Kontinente und Epochen der Geschichte. Den Realismus des Erzählens durchbrechen seine Filme, indem die Darsteller in die Kamera blicken oder die Texte rezitieren anstatt zu "spielen". Dadurch rückt Oliveira in die Nähe von Jean-Marie Straub und Danièle Huillet. Andererseits ist er in seinen Bildkompositionen ein Verwandter von Dreyer und Bresson.

Oliveiras Filme waren vielfach im Programm des Arsenals und des Internationalen Forums präsent, der Regisseur selbst war oft unser Gast. Wie mit einem Paukenschlag präsentierten wir 1980 als ersten Film AMOR DE PERDIÇÃO (Das Verhängnis der Liebe) in einer 16-mm-Kopie auf dem Forum, einen Film ungewohnter Länge und streng stilisierter Erzählweise, der einen unvergesslichen Eindruck hinterließ und selbst hartgesottene Kritiker zu Tränen rührte. Über diesen Film schrieb der französische Kritiker Louis Marcorelles: "eine unnachahmliche Art und Weise, das Leben der Welt und der Menschen zu betrachten, ein Herzschlag, ein Elan zu den Gipfeln". Ein Motto, das auch über Oliveiras Gesamtwerk stehen könnte.

Wir haben Oliveiras Werk fortlaufend verfolgt, deshalb ist es uns eine besondere Freude, eine umfassende Retrospektive seiner Filme präsentieren zu können, eine Folge selten gezeigter Meisterwerke. Diese Retrospektive wird die Tiefe und Vielfalt seiner Werke, die einmalige Handschrift eines großen Regisseurs sichtbar machen.

Wir freuen uns sehr, am Eröffnungswochenende den Direktor der Cinemateca Portuguesa, José Manuel Costa, im Arsenal begrüßen zu können. (ug)

april 2017, kino arsenal

Magical History Tour
 – Niemandsländer, Parallelgesellschaften und Halbwelten im Film

Ein Leben im Zwielicht, im gesellschaftlichen oder sozialen Schatten, bestimmt von Unsicherheit, Auf- wie Ablehnung, Entwurzelung, Einsamkeit und Leere – das sind einige besondere Merkmale der filmischen Entwürfe vom Dasein in Niemandsländern, Parallelgesellschaften und Halbwelten, die wir im April in der Magical History Tour präsentieren. Die quer durch Zeiten und Genres verlaufende Tour d’horizon eröffnet eine weit aufgespannte Landkarte mit unterschiedlichen Universen, jedes ausgestattet mit einer eigenen ästhetischen und dramaturgischen Topografie. Verbindendes Element der Filme ist ein aus den Fugen geratenes Koordinatensystem gesellschaftlichen Zusammenlebens oder menschlicher Beziehungen, welches beim Zuschauer den Eindruck hinterlässt, dass die Grenze zwischen Zentrum und Peripherie zuweilen hauchdünn sein kann.

april 2017, kino arsenal

8. ALFILM – Arabisches Filmfestival Berlin

Vom 31. März bis 7. April präsentiert das 8. Arabische Filmfestival Berlin künstlerisch anspruchsvolles Kino aus der arabischen Welt mit aktuellen Spiel- und Dokumentarfilmen, die neue Perspektiven auf gesellschaftliche Herausforderungen aufzeigen, aber auch Fragen nach Identität und Selbstverwirklichung stellen. Die Nebenreihe widmet sich in einer Retrospektive dem Werk und den künstlerischen Einflüssen des ägyptischen Regisseurs und Künstlers Shadi Abdel Salam (1930–1986).