november 2017, kino arsenal

Harun Farocki: Nacheinander / Nebeneinander (3)

Drei Jahre nach Harun Farockis plötzlichem Tod im Sommer 2014 zeichnet sich die Vielseitigkeit ebenso wie die Konsistenz seiner fast 50 Jahre umspannenden Arbeit deutlich ab. Zwischen 1966, dem Jahr, in dem er an der neu gegründeten "Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin" (dffb) mit dem Studium begann, und 2013 drehte Farocki zahlreiche Kinofilme und Fernsehsendungen, schrieb filmkritische und zeitdiagnostische, oft polemische Texte, lehrte an Universitäten, Film- und Kunsthochschulen. Seit den 90er Jahren wurde er in immer weiteren Kreisen auch und vor allem als Installationskünstler und Bildtheoretiker wahrgenommen. Farockis Arbeiten verstehen sich nachdrücklich als Theorie, Kritik und Politik unterschiedlichster Bildtypen, aber sie sind auch beispielhaft für die genaue Analyse von Arbeitsprozessen im Zeitalter einer zunehmenden Maschinisierung von Produktion und Sehen. Die Bandbreite seiner Interventionen reicht von agitatorischen, flugblattartigen Filmen über selbstreflexive, assoziativ-offene Formen bis hin zu zurückhaltenden, geduldigen Beobachtungsstudien.

"Nacheinander/Nebeneinander" ist die bisher umfangreichste Retrospektive Harun Farockis. Gemeinsam mit der Ausstellung "Harun Farocki: Mit anderen Mitteln – By Other Means" (kuratiert von Antje Ehmann und Carles Guerra) im Neuen Berliner Kunstverein sowie der Publikation der Fragment gebliebenen Autobiografie als Auftakt einer Schriftenausgabe gibt die Reihe Gelegenheit, das Kino- und TV-Werk des Dokumentaristen in all seinen Verästelungen kennenzulernen oder wiederzusehen. Zahlreiche verloren geglaubte oder selten gezeigte Produktionen konnten dafür in Archiven recherchiert und zusammengetragen werden.

november 2017, kino arsenal

AFRIKAMERA 2017: Talking about Sahel

Der Sahel ist binnen weniger Jahre zu einer Region geworden, die durch eine gefährliche Verschränkung von fundamentalistischer Religion, Terrorismus und Politik geprägt wird. Die zehnte Ausgabe von AFRIKAMERA – Aktuelles Kino aus Afrika präsentiert vor diesem soziopolitischen Hintergrund eine Auswahl aktueller Spiel- und Dokumentarfilme, die sich mit den politischen und gesellschaftlichen Herausforderungen des Sahel auseinandersetzt.

Das Festival eröffnet mit WÙLU, dem Langfilmdebüt des franko-malischen Regisseurs Daouda Coulibaly (Mali/Frankreich 2016, 13.11., in Anwesenheit des Hauptdarstellers Ibrahim Koma & 17.11.). Der 20-jährige Ladji ist Minibusfahrer in der malischen Hauptstadt Bamako und arbeitet hart, um seine Schwester Aminata aus der Prostitution zu holen. Als ihm eine Beförderung verwehrt wird, beschließt er, in das lukrativere Drogengeschäft einzusteigen und steigt rasch zu einer Größe im regionalen Drogenhandel auf. Doch der Preis, den Ladji dafür zu zahlen hat, ist hoch.

november 2017, kino arsenal

Werkschau Pascale Ferran

Pascale Ferran, Filmemacherin und Drehbuchautorin aus Frankreich, hat vier Spielfilme gedreht und zahlreiche Drehbücher verfasst. Allerdings hat man nicht allzu oft die Gelegenheit, einen neuen Film von ihr im Kino zu sehen, meistens vergeht viel Zeit zwischen den einzelnen Titeln. Nach dem Abschluss ihres Studiums dauerte es zehn Jahre, bis 1994 PETITS ARRANGEMENTS AVEC LES MORTS vorlag, der in Cannes als bester Debütfilm prämiert wurde. L'ÂGE DES POSSIBLES (1995), ausgezeichnet in Venedig, folgte zwar nur wenig später, doch bis zu ihrer vielfach preisgekrönten Literaturverfilmung LADY CHATTERLEY sollten erneut zehn Jahre vergehen. Nochmals acht Jahre später meldete sie sich dann 2014 fulminant mit BIRD PEOPLE zurück. Da ihr sehenswertes Œuvre als Regisseurin und Autorin jenseits von LADY CHATTERLEY in Deutschland kaum bekannt ist, widmet das Arsenal Pascale Ferran eine Werkschau. Diese bietet die Gelegenheit, beide Aspekte ihres Schaffens zu verfolgen und die Kategorie der Autorschaft im Kino zu beleuchten – anhand ihrer eigenen vier Filme sowie den Debüts ihrer ehemaligen Studienkollegen Arnaud Desplechin und Mathieu Amalric und einem Animationsfilm, bei denen sie jeweils am Drehbuch mitgearbeitet hat. Wir freuen uns sehr, dass Pascale Ferran am 3. & 4. November im Arsenal zu Gast ist.