September 2011, kino arsenal

Ulrike Ottinger

DORIAN GRAY IM SPIEGEL DER BOULEVARDPRESSE, 1984

Der Herbst in Berlin steht ganz im Zeichen von Ulrike Ottinger. Im Haus der Kulturen der Welt zeigt die Weltensammlerin, Filmemacherin und Fotografin in der Ausstellung "Floating Food" (8.9.–30.10.), wie der Umgang des Menschen mit Nahrung auch seine Beziehung zur Umwelt spiegelt und auf diese Weise kulturelle Identität produziert. Die Ausstellung und die Welturaufführung ihres Films Unter Schnee (HKW, 9.9.) sind die zentralen Veranstaltungen zu den Asien-Pazifik-Wochen 2011. Mit der Verleihung des Hannah-Höch-Preises 2011 durch die Kulturverwaltung des Landes Berlin wird das vielschichtige Werk der Filmemacherin und Künstlerin geehrt. Im Neuen Berliner Kunstverein (n.b.k.) wird anlässlich dieser Ehrung das unbekannte und bisher nicht gezeigte malerische Frühwerk (1963–68) Ottingers ausgestellt (26.11.–22.1.). Das Arsenal lädt von September bis Januar in zwölf Filmveranstaltungen mit Gesprächen und Einführungen dazu ein, das filmische Œuvre von Ulrike Ottinger zu entdecken. Indem das Programm Themen, Zitate, Bilder und Töne der Ausstellungen aufgreift, spiegelt und kommentiert es Ulrike Ottingers Bewegtbild-Welten zwischen Opulenz und Stilisierung, Variationen des Theatralen und Ethnografischen, Kulturgeschichte und Science Fiction, Reflexion und Reise.

Wir eröffnen die Reihe mit DORIAN GRAY IM SPIEGEL DER BOULEVARDPRESSE (BRD 1984, 18.9.). Der Film entlarvt die verführende und verführerische Macht eines sublimierten Totalitarismus – die der Medien. Frau Dr. Mabuse, Chefin eines Pressekonzerns, erschafft sich mit dem androgynen Dorian Gray einen Menschen, der vollkommen von ihr abhängig ist. CHINA. DIE KÜNSTE - DER ALLTAG (BRD 1985, 25.9.) ist ein dokumentarischer Film, den Ottinger in Beijing und den Provinzen Sichuan und Yunnan gedreht hat. Der Film ist weitgehend auf genaue Beobachtung der Menschen gestützt und verzichtet auf jeden Kommentar. Lange Einstellungen, die der Dramaturgie realer Vorgänge folgen, und Originalton bekommen im Kontext dieses Films eine besondere Bedeutung.

September '16