November 2012, kino arsenal

AFRIKAMERA 2012: African Women On and Behind the Screen

SUR LA PLANCHE, 2011

In jüngerer Zeit übernehmen Frauen als Akteurinnen im afrikanischen Filmschaffen auch hinter der Kamera eine immer wichtigere Rolle. In ihren Filmen vermitteln die Filmemacherinnen einen anderen cineastischen Blick auf Themen, Fragestellungen und Herausforderungen in den afrikanischen Gesellschaften. Vom 13. - 18.11. stellt das vom gemeinnützigen Kulturverein toucouleur e.V. organisierte Festival AFRIKAMERA – AKTUELLES KINO AUS AFRIKA eine Auswahl aktueller Spiel- und Dokumentarfilme von afrikanischen Regisseurinnen, Produzentinnen und Drehbuchautorinnen vor.

Das Festival eröffnet mit SUR LA PLANCHE (On the Edge)dem Spielfilmdebüt der marokkanischen Regisseurin Leila Kilani (Marokko/Frankreich/Deutschland 2011, 13.11.). Der Film erzählt vom Alltag der beiden jungen Frauen Badia und Imane, die sich mit monotonen Fabrikjobs und Diebstählen über Wasser halten. Getrieben von einem unersättlichen Freiheitswillen wagen sie schließlich den Ausbruch aus ihrer engen Welt.

OTELO BURNING (Südafrika 2012, 14.11.), der Erstlingsfilm der südafrikanischen Filmemacherin Sara Blecher, spielt im Township Lamontville im Jahr 1989. Der 16-jährige Otelo entdeckt das Surfen für sich und entflieht so dem durch Bandenkriege geprägten Ghettoalltag. Doch als Nelson Mandela aus dem Gefängnis entlassen wird, wird Otelo auf einer ganz anderen Ebene mit Fragen nach Freiheit und Gerechtigkeit konfrontiert. Die eindrückliche Coming-of-Age-Geschichte schildert die bedeutende Ära des Endes der Apartheid aus der Sicht eines Jugendlichen.

INDOCHINE SUR LES TRACES D’UNE MERE (Indochina, Traces of a Mother, Frankreich/Benin/Vietnam 2010, 14.11.)erzählt vom Leben des 58-jährigen Afro-Vietnamesen Christophe und damit die weitgehend unbekannte Geschichte der afrikanischen Soldaten aus den französischen Kolonien, die in den Indochina-Krieg geschickt wurden. Der Film von Idrissou Mora Kpais zeigt eindrücklich, wie kolonisierte Völker dazu benutzt wurden, die Unabhängigkeitsbestrebungen anderer Völker niederzuschlagen.

Mit den MOZAMBIQUE SHORTS (15.11.)knüpft AFRIKAMERA an die Tradition der Vorjahre an, Filmszenen aus bis dato eher weniger bekannten afrikanischen Staaten vorzustellen. Der mosambikanische Regisseur und Produzent Dario "Mickey" Fonseca präsentiert ein aus vier Kurz- und mittellangen Filmen zusammengestelltes Programm erstmalig in Deutschland.

Die Filmemacherin Caroline Kamya erzählt in IMANI (Uganda/Schweden 2010, 15.11.) von einem Tag im Leben der Hausangestellten Mary, des ehemaligen Kindersoldaten Olweny und des Hip-Hoppers Armstrong. Auch wenn sich die Wege der drei Protagonisten in Ugandas Hauptstadt Kampala nicht kreuzen, verlangt dieser Tag allen dreien eine ungewöhnliche Stärke ab.

In Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Zentrum für entwicklungsbezogene Filmarbeit (EZEF) präsentiert AFRIKAMERA ROBERT MUGABE – WHAT HAPPENED? (Simbabwe/Südafrika/Großbritannien 2011, 16.11.) als Sondervorführung. Die Dokumentation verwebt die Biografie des umstrittenen Staatschefs von Simbabwe mit der kolonialen Geschichte des früheren Rhodesien. Zugleich erzählt der Film die Geschichte des antikolonialen Befreiungskampfs in der Region. Der Regisseur Simon Bright ist zur Filmvorführung anwesend.

In Kooperation mit der Heinrich-Böll-Stiftung präsentiert AFRIKAMERA mit AFRICAN SISTERS OF THE SCREEN (16.11.) eine Auswahl von Kurzfilmen afrikanischer Frauen über Frauen – aus Kenia, Kamerun, Tunesien, Algerien, der Demokratischen Republik Kongo und dem Senegal. Die Regisseurinnen Nadia Rais (Tunesien) und Angèle Diabang (Senegal) sowie die Filmwissenschaftlerin Beti Ellerson (USA) sind bei der Filmvorführung anwesend.

Der Samstag (17.11.) öffnet mit einem hochrangig besetzten Panel zum Thema "Female Screens – Filmemacherinnen in Afrika", das sich mit den Realitäten und Perspektiven weiblicher Filmschaffender in der afrikanischen Film- und Kreativwirtschaft auseinandersetzt. In Zusammenarbeit mit der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ).

Yaba Badoes Dokumentation WITCHES OF GAMBAGA (Ghana 2010, 17.11.) zeigt das Leben einer Gemeinschaft von Frauen, die wegen angeblicher Hexerei aus ihren Dörfern verstoßen wurden. Der über einen Zeitraum von fünf Jahren gedrehte Film wurde von einer Frauenrechtsgruppe in Ghana unterstützt, die gegen diese menschenverachtende Stigmatisierung der Frauen kämpft.

Der Spielfilm RAMATA des senegalesischen Regisseurs Léandre-Alain Baker (Senegal 2011, 17.11.) erzählt von der unmöglichen Affäre des kleinkriminellen Taxifahrers Ngor Ndong mit der attraktiven 50-jährigen Ramata aus der Upperclass Dakars.

In ICI ON NOIE LES ALGERIENS (Here We Drown Algerians, October 17th, 1961, Algerien/Frankreich 2011, 18.11.)vollzieht die senegalesische Dokumentarfilmerin Yasmina Adi die Niederschlagung der antikolonialen Proteste der algerischen Unabhängigkeitsbewegung durch die Sicherheitskräfte nach und legt dabei die Unterdrückungsstrategien der Kolonialmacht Frankreich bloß.

Die Filmemacherin Remi Vaughan-Richards präsentiert in einem Double-Feature zwei Beiträge aus Nigeria. In CHARISMATIC AREA GIRL FROM LAGOS: ONE SMALL STEP und SCENT OF THE STREET (Nigeria 2010 | 18.11.)kämpft die Friseurin Grace Fidelis gegen einen korrupten Stadtrat und die infrastrukturellen Missstände in ihrer Stadt. SCENT OF THE STREET(Nigeria 2010, 18.11.)entführt die Zuschauer in die Welt der Mädchengangs im Slum Ajegunle in Lagos.

Zum Abschluss zeigt AFRIKAMERA UNE FEMME PAS COMME LES AUTRES (An Uncommon Woman, Burkina Faso 2008, 18.11.) von Abdoulaye Dao. Die Geschäftsfrau Mina beschließt, die Seitensprünge ihres Ehemanns nicht länger zu tolerieren – und holt sich einen Geliebten ins Haus. Eine Tragikomödie über den Kampf der modernen afrikanischen Frauen um Gleichberechtigung. Die Hauptdarstellerin des Films, Georgette Paré, ist zur Filmvorführung anwesend. (Alex Moussa Sawadogo, Florian Wachinger, Natalie Kronast). AFRIKAMERA steht unter der Schirmherrschaft von Dr. Uschi Eid.