November 2013, kino arsenal

The Space Between Us

BLACK DEUTSCHLAND, 2006

Lange schon verbinden die trans-afrikanischen Bewegungen den Kontinent mit der alten und neuen Welt. Das Ausstellungsprojekt THE SPACE BETWEEN US befasst sich mit diesen bis nach Deutschland reichenden transkulturellen und transkontinentalen Verstrickungen. Das Projekt wird in einer Vielzahl nebeneinander aktiver Ausstellungsformate umgesetzt, der Schau von fotografischen Reproduktionen auf Werbegroßflächen im Stadtraum von ganz Berlin, der Präsentation künstlerischer Positionen in der ifa-Galerie Berlin, einer Music Convention mit Radio-Anbindung, und nicht zuletzt einem Filmprogramm, das vom 18.-20.11. im Arsenal und in der ifa-Galerie Berlin zu sehen ist. Diese verschiedenen Medien und Formate werden genutzt, um die Vielfalt und Besonderheit einer jeden Position und jedes Mediums zu betonen, die jeweils einen besonderen Aspekt im trans-afrikanischen Beziehungsgeflecht aufgreift. Leitidee des Filmprogramms sind die Bewegungen, wie sie innerhalb und nach Deutschland und zurück nach Kamerun, Ghana, Kenia oder Südafrika reichen, und die das Kino auf ganz singuläre Weise zu erzählen weiß. Die ausgesuchten Filme lassen sich auf diese Bewegungen ein und entwickeln narrative Formen, die das Hin und Her ebenso wie das Hiersein in seiner politischen, ästhetischen und gesellschaftlichen Grenzüberschreitung ernst nehmen. Die Ausstellung THE SPACE BETWEEN US und das Filmprogramm wurden kuratiert Marie-Hélène Gutberlet. Nähere Angaben unter thespacebetweenusberlinstuttgart.wordpress.com

DIE GESCHICHTE DER AUMA OBAMA (The Education of Auma Obama, Branwen Okpako, D 2011, 18.11.) porträtiert Barack Obamas Halbschwester Auma Obama während der Kampagne zu Obamas erster Präsidentschaftswahl. Auma Obama studierte zeitweise in Heidelberg Germanistik und an der dffb in Berlin Film und ist heute in Kenia aktiv.

Der fiktionale Kurzfilm GRACELAND (Andy Amadi Okoroafor, F/SA 2013, 18.11.) entstand während der Ausstellung "Shoe Shop" in Johannesburg 2012 unter Mitwirkung der Filmemacher Idrissou Mora-Kpai und Khalo Matabane und wird gemeinsam mit dem Dokumentarfilm BLACK DEUTSCHLAND (Oliver Hardt, D 2006, 18.11.)gezeigt. Beide Filme bewegen sich mit ihren Protagonisten durch urban und kulturell geformte Landschaften, durchstreifen Johannesburg (GRACELAND) sowie Berlin, Hamburg und Dresden (BLACK DEUTSCHLAND). Schwarzsein, Hiersein und Fremdsein werden als tägliche und individuell sehr verschiedene Verhandlungsformen, Kämpfe und Lebensentwürfe sichtbar, die sich im deutschen Medienbild nur selten gespiegelt finden.

THE HALFMOON FILES (Philip Scheffner, D 2006, 19.11.) basiert auf einer umfangreichen Recherche zum Wünsdorfer Halbmondlager, wo während des 1. Weltkriegs gefangene "Kolonialsoldaten" der französischen und britischen Armee interniert waren. Dort entstanden Tonaufnahmen, denen Scheffner in seiner experimentellen Spurensuche bis an den Ort ihrer Aufnahme folgt und so die deutsche Kolonialgeschichte mit der Gegenwart verzahnt.

SCHLAFKRANKHEIT(Ulrich Köhler, D 2011, 19.11.) löst die sicheren narrativen Muster, die das deutsch-afrikanische Erfolgskino pflegt und fragt, wie man eine Geschichte über Entwicklungshelfer erzählen kann, die nicht mehr wissen, woher sie kommen, wie man Bilder in der Dunkelheit drehen kann, ohne dass sie exotisch wirken.

OTOMO(Frieder Schlaich, D 1999, 20.11.) ist einer der seltenen in Deutschland realisierten Low-Budget-Spielfilme mit internationaler, schwarzer und weißer Starbesetzung. Isaach de Bankolé und Eva Mattes treffen nur kurz aufeinander, bevor sich die Ereignisse überschlagen und der gesuchte Asylbewerber Otomo durch Polizeischüsse fällt.

Im essayistischen Dokumentarfilm ABSENT PRESENT (Angelika Levi, D 2010, 20.11.) geht es ebenfalls um eine Spurensuche: nach Benji, einem jungen Mann, der 1979 als Kind aus Namibia in die DDR gebracht worden war und dann, als die Mauer fiel und die DDR von der politischen Landkarte verschwand, auch selbst verschwand. Die Filmemacherin und Freundin des Verschollenen begibt sich nach Gran Canaria, Senegal, an Urlaubsstrände und in die Nähe von Abschiebelagern. (mhg)