juni 2014, kollektion

Filmmakers' Choice im Juni

Michel Leiner ist am 16. März 2014 in Frankfurt a. M. gestorben. Zur Erinnerung an ihn präsentieren Bärbel Freund und Anne Grèzes in unserer Reihe "Filmmakers' Choice" am 16. Juni WALDI (Reinhard Kahn/Michel Leiner, BRD 1979/80). "Robert Walsers "Der Wald", ein als Schulaufsatz fingiertes Prosastück, das erstmals 1903 in einem Berner Sonntagsblatt erschien, ist der Gegenstand dieses in seine Sache liebevoll und innig eingehenden, von einem fließenden und schimmernden Grün umwundenen Films." (Peter Nau) GENÈSE D'UN REPAS (Genese einer Mahlzeit, Luc Moullet, F 1978) ist eine vergleichende Wirtschaftsstudie über eine senegalesische Thunfischdose, ein französisches Ei, eine Banane aus Ecuador und über das Filmmaterial von der Herstellung bis zur Verwertung.

november 2013, kollektion

Filmmakers' Choice im November

Die November-Ausgabe unserer Reihe Filmmakers' Choice wird von Eléonore de Montesquiou präsentiert: "Das Kino ist eine Flamme, ein Licht, man muss begeistern … Napoléon ist Prometheus. Es handelt sich in dem Film nicht um Moral oder Politik, sondern um Kunst" schrieb Abel Gance 1927 bei der ersten Vorstellung von NAPOLEON (F 1927). Der Film sollte ein lebendiges Zeichen für die Zukunft sein. "Aus dem Zuschauer einen Akteur machen, ihn in die Handlung einbringen, ihn den Rhythmen der Bilder aussetzen" war Gances Ziel, wofür er eine Sprache des Kinos erfunden hat: Überlagerung der Bilder, Polyvision mit dreifacher Leinwand waren u.a. Mittel, dieses Ziel zu erreichen. 1925 hat er angefangen, NAPOLEON zu drehen. Unfertig, mehrmals gekürzt und weiter bearbeitet, hat der Film Gance sein Leben lang begleitet. (18.11.)

september 2013, kollektion

Filmmakers' Choice im September

In unserer monatlichen Reihe präsentiert am 23. September Rainer Bellenbaum ein Programm unter dem Titel "The Interchange of Cinematography". Anders als eine Schuss-Gegenschuss-Montage, die gegensätzliche Blickwinkel sinnvoll aufeinander abstimmt, vermag der Austausch einer Kameraführung die betreffenden Perspektiven in ihrer Eigensinnigkeit zu belassen. Wo Filmerinnen sich gegenseitig filmen oder ein Kameramann plötzlich die Position des Performers vor der Kamera einnimmt, reflektiert dies spezifische Formen des Dialogs, sei es im Hinblick auf politische Standpunkte und/oder in Bezug auf sexuelle Fantasien. Zu sehen sind explizite Blickwechsel, wie in Hollis Framptons und Joyce Wielands Avantgardeklassiker A & B IN ONTARIO, aber auch Sichtverschiebungen wie in Carolee Schneemanns FUSES.

september 2013, kollektion

50 Jahre Arsenal: Ziegelsteine. Zu Gast: Harun Farocki

Zum Jubiläum präsentieren wir mit Hilfe des Hauptstadtkulturfonds insgesamt sechs Filme aus unserer Sammlung in neuen Kopien. Den Auftakt macht am 16.9. CHIRCALES (Ziegelarbeiter) von Marta Rodríguez und Jorge Silva (Kolumbien 1972), der von einer Großfamilie erzählt, die für einen Hungerlohn Ziegel aus Lehm anfertigt und schließlich entlassen wird. Durch dokumentarische Beobachtung und mit Hilfe eines Off-Kommentars analysiert der Film den Zusammenhang zwischen entrechteter Arbeit und Armut. Dazu zeigen wir Harun Farockis ZUM VERGLEICH (D 2009), der fast 40 Jahre später die Ziegelsteinproduktion in Afrika, Indien und Europa dokumentiert. Im Akt des Vergleichens zwischen traditioneller, früh- und hochindustrieller Gesellschaft, den er nahelegt, erscheint CHIRCALES in einer neuen Perspektive.

april 2013, kollektion

Filmmakers' Choice am 16. April

Vom unbelichteten Film zur medial gespiegelten Selbstreflexion: Nam June Paiks ZEN FOR FILM (1964), eine visuelle Analogie zur musikalischen Stille bei John Cage, bildet den Auftakt zu einer Spurensuche nach Möglichkeiten der Selbstwahrnehmung in der Film- und Videokunst. Nan Hoover thematisiert in WAITING (1979) das subjektive Empfinden von Zeit, Annika Larsson filmt blinde Fussballspieler in BLIND (2010) und Florian Zeyfang untersucht Möglichkeiten der bildnerischen Reproduktion in INTRODUCTION TO A SHORT HISTORY OF PHOTOGRAPHY (2008). In Kenneth Angers KUSTOM KAR KOMMANDOS (1965) spiegelt sich das stilisierte "Ich" in fetischhaft poliertem Chrom und Ming Wong imitiert fiktionale Identitäten in LERNE DEUTSCH MIT PETRA VON KANT (2007). Bei Keren Cytter wird DER SPIEGEL (2007) zum Zerstörer der Selbstwahrnehmung und am Ende versucht Stefan Zeyen ein FAREWELL (2009) solange zu verhindern, bis sich das Bild auflöst. Präsentiert von Niklas Goldbach.

märz 2013, kollektion

Filmmakers' Choice im März

Bild aus Zorns Lemma

In unserer Reihe Filmmakers' Choice präsentiert die Berliner Regisseurin Bärbel Freund am 18. März ZORNS LEMMA von Hollis Frampton (USA 1970). "Die Filme von Hollis Frampton (1936–1984) sind verdinglichte Bewusstwerdungsprozesse, die – oft unter Verwendung mathematischer Ordnungssysteme – einem spielend die kompliziertesten Gedanken eingeben über die Verhältnisse von Wörtern und Bildern, über die Bande zwischen Wahrnehmung und Sprache. ZORNS LEMMA exemplifiziert den Übergang vom alphabet-gelenkten Denken zum kinematischen, indem ein Alphabet aus 24 Bildern sich nach und nach an die Stelle der alten Letternreihe setzt, wobei ein jeder Bildbuchstabe eine Sekunde lang steht, das heißt, bei der heutigen Vorführgeschwindigkeit sich 24 mal wiederholt. Der Film ist, was Frampton über die "Hundert Ansichten des Hokusai" sagt, ein großartiges Inventar der Geisteswege zum Wissen über die Augen." (Frieda Grafe) Aus: "Geraffte Zeit".

februar 2013, kollektion

Filmmakers' Choice: Aufbruch

Bild aus Johnny oder das rohe Fleisch

Im Rahmen unserer monatlichen Reihe Filmmakers' Choice präsentiert Eva Heldmann am 18. Februar Filme aus den 60er und 70er Jahren, die ihre eigene Arbeit beeinflusst haben. "ANGELIKA URBAN, VERKÄUFERIN, VERLOBT (Helma Sanders-Brahms, BRD 1969) porträtiert die Verkäuferin bei ihrer Arbeit im Kaufhof. Der Ton ist asynchron zum Bild. Dadurch werden Entfremdung und Ausbeutung hervorgehoben, denen Angelika machtlos ausgeliefert ist. JOHNNY, ODER DAS ROHE FLEISCH (Eva Heldmann, BRD 1984) ist eine tragische Liebesgeschichte zwischen einem Stück rohen Fleisch und einer nackten Frau. In GESCHICHTEN VOM KÜBELKIND (Stöckl/Reitz, BRD 1975) zwingt die Gesellschaft das Kübelkind, etwas zu lernen. Aber sie, erwachsen vom Augenblick ihrer Geburt an, lernt ungefragt mehr. Die ausgewählten Filme sind ästhetische Experimente der 60er und 70er Jahre, die sich mit Kapitalismus- und Genderkritik auseinandersetzen. In der (Nach-)Folge entsteht mein erster 16-mm-Film JOHNNY … " (Eva Heldmann)

dezember 2012, kollektion

Filmmakers' Choice: Und am Ende das Leuchten

Bild aus Stein/Licht

Am 21. Dezember präsentiert Maike Mia Höhne Filme von Maya Deren, Carolee Schneemann, Stan Brakhage, Marie Menken und Rüdiger Neumann. "Die Wiederholung ist von Nöten. Immer wieder. Warum immer wieder? Weil es immer wieder passieren muss, um einen Klang auszulösen. Einen Nachhall zu erzeugen. Es ist die Transzendenz, um die es geht dieser Tage und immer wieder. RITUAL IN TRANSFIGURED TIME (Maya Deren, 1946). Verdichtung des Verinnerlichten in ein Außen. Den Körpern die Bewegung. Kein Verschwinden im Pornographischen, Hingabe: FUSES (Carolee Schneemann, 1965–68). Stan Brakhage nimmt das Leuchten auf in EYE MYTH EDUCATIONAL (1972) und Marie Menken folgt in LIGHTS (1965) den Lichtern der Weihnachtszeit und überführt sie vom Realen ins Filmische. STEIN / LICHT (Rüdiger Neumann, 1993) ist eine Reise durch die Zeiten und Gezeiten. Erst im tiefen Schwarz der Nacht, auf Zelluloid gleichsam viszeral, entsteht das Rauschen der Lichter, die am Horizont erscheinen". (Maike Mia Höhne)

november 2012, kollektion

Filmmakers' Choice im November

Am 19. 11. präsentiert Stefan Hayn MOSES UND ARON (BRD 1974, 107', 35mm) von Danièle Huillet und Jean-Marie Straub sowie HUNDERT BLATT SCHREIBBLOCK (BRD 1969, 27', 16mm) von Vlado Kristl. Letzterer ist auch eine Erinnerung an Carola Regnier, die Kristls Arbeit liebte, seine Gedichte vorzutragen wusste und mit seiner Malerei gelebt hat. Kristl ist vom Malen zum Filmen gegangen, von Jugoslawien in die BRD, wo er versucht hat, sich wieder aus dem Kino herauszumalen. Für MOSES UND ARON hat er ein Plakat gezeichnet.

september 2012, kollektion

Filmmakers' Choice am 24. September präsentiert von Karl Heil

Bild aus Interview mit einem 13jährigen

In dem Hörfilm INTERVIEW MIT EINEM 13-JÄHRIGEN (1983/2008) lässt Bärbel Freund ihren Bruder auf dieselben Fragen antworten, die Godard den Kindern in der zwölfteiligen Fernsehserie France tour détour deux enfants (Godard / Miéville, F 1980) stellt. Statt dem beharrlichen "Ja / Nein / Ich weiß nicht" oder dem Schweigen der Kinder sprudeln hier lebhaft Beobachtungen und Erkenntnisse aus dem Schwarz- und Blankfilm auf der Leinwand. Die Vertrautheit der Gesprächspartner bewirkt, dass wir Bilder sehen, die durch ihre Abwesenheit entstehen. Lediglich der Beginn eines neuen Kapitels wird mit einem "konventionellen" Filmmoment eingeleitet, gefunden in der Stadt. Der Mythos des hochqualifiziert Philosophischen macht dem existentiell Menschlichen Platz. (Karl Heil)

august 2012, kollektion

Filmmakers' Choice im August

Bild aus Barn Rushes

In unserer Reihe Filmmakers' Choice präsentiert Martin Ebner am 20. August Arbeiten von Ernie Gehr, Larry Gottheit, Peter Hutton und Pat Sullivan. "Mein erster Kinobesuch, ca. 1970, an der Hand meiner Großmutter, eine Nachmittagsvorstellung: die für mich unfassbare Grausamkeit von Laurel und Hardy lässt mich nach wenigen Minuten entsetzt wieder ins blendende Sonnenlicht flüchten. Das darauffolgende Fantasia ist mir dann nur noch als unverständliche Farb- und Tonorgie in Erinnerung. Seither begegne ich dem Kino als Zeit und Wahrnehmung strukturierenden Apparat mit Respekt und stelle mir doch manchmal seine Verwandlung in diesen extravaganten, phantastischen, beiläufigen, imaginären, atmosphärischen, chaotischen, fragmentierten, komplexen und ornamentalen Ort vor, der es vielleicht schon mal war oder noch wird." (Martin Ebner)

juni 2012, kollektion

Filmmakers' Choice im Juni

Bild aus UNTITLED COLOURMATION

In der Reihe Filmmakers" Choice präsentiert die Künstlerin Deborah Phillips am 25. Juni Filme, in denen Farben, Texturen, Licht und Zeit ein größeres Gewicht haben als Menschen und Erzählungen. "Mehr und mehr wurde meine Recherche auch zu einer Entdeckungsreise in die osteuropäischen Bestände des Arsenal-Archivs. Wir fangen an mit einem Naturbeoachtungsfilm (VIRAGAT A NAPNAK). Mit den zauberhaften Kompositionen von Christoph Janetzko (EXÚ) verzehrt sich die Realität. Malerei in Bewegung (ENCOUNTER) und animierte Knöpfe (GUZIK) führen zu meinem Maltrickfilm in verschiedenen Dimensionen (UNTITLED COLOURMATION). EYE MUSIC IN ED MAJOR, ein Klassiker aus purer Farbe und Licht, geht einem der spannendsten Künstlerporträts vorweg: WITOLD LUTOSŁAWSKI. HEAT SHIMMER, ein subtiles Beispiel für den 3-Farben-Separationsprozess, bringt uns am Ende zurück zur Beobachtung von Phänomenen in der Natur." (D. Phillips)

mai 2012, kollektion

Filmmakers' Choice im Mai

Bild aus Platzwunder

Am 21. Mai stellt Bärbel Freund im Rahmen unserer Reihe Filmmakers' Chice Filme von Karl Heil, Reinhard Kahn und Michel Leiner vor. Karl Heil ist an dem Abend zu Gast. Sein Film MMH (1981) macht uns mit einigen jungen Leuten im damaligen Westberlin bekannt, die auf der Suche nach dem Glück sind. Dabei wird ihre Existenz in diesem sommerlichen urbanen Raum fühlbar. Mit den beiden Frankfurtern Reinhard Kahn und Michel Leiner hat Karl Heil die abenteuerliche, aufsässige, träumerisch-verspielte Weise gemeinsam, in der er das Medium Film für sich entdeckte. – PLATZWUNDER (1983/84) von Kahn / Leiner bezieht sich auf Hamburg-Wilhelmsburg. Auch in RÜCKE VOR AUF: FRÜHLINGSMORGEN (1988/89), sowie ETWAS AUS GLAS (1989/95), beide von Reinhard Kahn, bezaubern uns Hamburg und seine Umgebung. Aus tiefer Dämmerung strahlt von den Personen ein feines seelisches Fluidum aus: eine Unruhe von Sehnsucht, Ausbruch und seliger Nutzlosigkeit. (Peter Nau in: Die Filme von Reinhard Kahn und Michel Leiner. Stroemfeld / Roter Stern 2010)

mai 2012, kollektion

Joyce Wieland Retrospektive

Bilder aus Sailboat und Reason over passion

"I think of Canada as female. All the art I've been doing or will be doing is about Canada. I may tend to overly identify with Canada." (Joyce Wieland, 1931–1998) Ein Segelboot zieht vorüber und zu lesen ist das Wort SAILBOAT: Der strukturelle Film reflektiert das Verhältnis von starrem Text und bewegtem Bild – bis Hollis Frampton beiläufig aus dem Off vor die laufende Kamera tritt und für einen kleinen Moment aus einer vermeintlich streng konzipierten Arbeit ein Home Movie wird. Dort, am Lake Ontario, drehten die beiden auch A&B IN ONTARIO (1966–84), eine Art Hide and Seek mit der Bolex. Diese Filme, sowie Wielands komplexe Kanada-Reflexion LA RAISON AVANT LA PASSION / REASON OVER PASSION (1969) und 1933, eine geloopte Straßenszene in New York (1967), hatte der 1993 verstorbene Arsenalmitarbeiter Alf Bold für unsere Sammlung angeschafft. Nachdem auch Joyce Wieland im Jahre 1998 verstarb, konnten wir mit Mitteln aus dem Experimentalfilmfond, den Alf Bold uns hinterlassen hatte, sieben weitere ihrer Kurzfilme erwerben. Wir freuen uns, dass das Canadian Filmmakers Distribution Centre (CFMDC) das vollständige Werk dieser herausragenden Künstlerin in einer DVD-Box herausgebracht hat. In Zusammenarbeit mit dem CFMDC und der Botschaft von Kanada präsentieren wir es vom 1.-3. Mai im Arsenal. Lauren Howes vom CFMDC sowie die Filmwissenschaftlerinnen und Kuratorinnen Tabea Metzel (FU Berlin), Robin Curtis (NYU Berlin) und Madeleine Bernstorff halten einführende Vorträge und diskutieren abschließend das Gesamtwerk. Für das dreitägige Programm sind Dauerkarten erhältlich.

april 2012, kollektion

Filmmakers' Choice am 23. April: Cinemafia

Bild aus Pas Tout

In unserer Reihe Filmmakers’ Choice präsentiert die Künstlerin Eléonore de Montesquiou am 23. April Filme, die nach den Beweggründen für das Filmemachen fragen. Warum verwenden wir eine Kamera? Ist man Forscher im sozialen Raum, so wie es Robert Flaherty Joris Ivens vorschlug? In CINEMAFIA diskutieren Jean Rouch, Joris Ivens und Henri Storck darüber. Weitere Filme, die diese Fragen aufgreifen, sind PAM KUSO KAR von Jean Rouch über Rituale in Niger und PAS TOUT von Isabelle Prim und Ludovic Burel, ein "Familienfilm" in einer verlassenen Fabrik. 1968 bis 1970 bedienten sich die Medvedkin-Gruppen Strategien, um politische Erfahrungen filmisch aufzubereiten. LES TROIS QUARTS DE LA VIE wurde von jungen Arbeitern in der Peugeot-Fabrik gedreht, unterstützt von Chris Marker und Bruno Muel. (Eléonore de Montesquiou)

märz 2012, kollektion

Filmmakers' Choice im März: Fotofilme

Bild aus Fiasko

Im Rahmen der Reihe Filmmakers choice zeigen Gusztáv Hámos und Katja Pratschke am 20. März Fotofilme, die das Gedächtnis und die Zeit erforschen, die uns Kino denken lassen. In LA JETÉE (Chris Marker, F 1962) experimentieren Überlebende eines Atomkriegs mit einem Gefangenen, um in der Zeit zu reisen. Durch die Erinnerung an ein besonders starkes mentales Bild, das Gesicht einer Frau, gelingt es dem Mann, in die Vergangenheit zu reisen und sie zu treffen. In (NOSTALGIA) (Hollis Frampton, USA 1971) beschreibt eine Stimme 13 Fotos. Nach einer Weile verbrennt das jeweils gezeigte Bild und transformiert zu Asche. Kommentar und Bild sind tektonisch verschoben. In FIASKO (Janet Riedel, K. Pratschke, G. Hámos, D 2010) kommt der Auschwitzüberlebende Steinig an einen gespenstisch fremden, zugleich merkwürdig vertrauten Ort, erlebt Déjà-vus, gerät in den Strudel eines undurchschaubaren Systems (stalinistisches Ungarn), erzählt in Splitscreen-Fotografien. (Katja Pratschke)

februar 2012, kollektion

Filmmakers' Choice am 20. Februar

In unserer Reihe Filmmakers' Choice präsentiert die Frankfurter Künstlerin Anja Czioska Filme, die unsere Wahrnehmung durch das künstlerische Medium Film erweitern. MÉNILMONTANT (Dimitri Kirsanoff, F 1926) hat durch seinen radikalen Schnitt und das Einsetzten von impressionistischen Stilelementen die Nouvelle-Vague-Bewegung der 60er Jahre vorweggenommen, Maya Derens AT LAND (USA 1944) führt durch seine konstruierte surreale Wirklichkeit in eine neue, erweiterte und erlebte Zeit-Raum-Dimension. Jonas Mekas fängt in seinen Tagebuchfilmen in Echtzeit Bilder aus seiner erlebten Realität mit seiner Bolex-Kamera ein und verändert diese soweit, dass ein filmisches Gedicht daraus wird. JONAS MEKAS, FRIDAY THE 13TH OCT N.Y.C. (Anja Czioska) ist eine ungeschnittene performative Filmskizze, die sich zu einem litauischen Tanz intensiviert. ONE PUSSY SHOW (Anja Czioska) ist ein im Zeitraffer gefilmter trance-artiger Performancefilm, in dem ich meine Kleidersammlung 1988–1989 zu 60s Musik an- und ausziehe. (Anja Czioska)

januar 2012, kollektion

Filmmakers' Choice: Films to Listen

In einer neuen Reihe präsentieren FilmemacherInnen, deren Arbeiten wir verleihen, alte und neue Filme von KollegInnen. Am 9. Januar setzt Karø Goldt diese Reihe mit Filmen fort, die dem Hören gewidmet sind. Stumme Filme wie BARN RUSHES von Larry Gottheim, TAILS von Paul Sharits, welche durch ihre Bildsprache Ton suggerieren sowie EAUX D'ARTIFICE von Kenneth Anger und ALL MY LIFE von Bruce Baillie, welche die Musik zeigen. Das besondere hierbei ist die hörbare Aufmerksamkeit des Publikums durch die Stille im Kino, wenn ein tonloser Film gezeigt wird. Zu Klassikern der 16 mm-Filmkunst zeigt Goldt eigene Videos. "Some benefits of listening are presented: as are side effects, which reflect qualities often thought of as being among the most desirable human qualities … If we want to participate, to be connected, we must learn as a priority to listen once again. We need to rediscover The Lost Art of Listening". (R. Glanville)

dezember 2011, kollektion

Filmmakers' Choice: "Route One"

Im Rahmen unserer neuen Reihe "Filmmaker's Choice" präsentiert am 19.12. Lior Shamriz Robert Kramers ROUTE ONE / USA (F 1989): Kramer und Paul Mc Isaac kehren nach längerer Abwesenheit in die USA zurück und bereisen die Ostküste entlang die Route 1, von Maine bis Florida. Paul Mc Isaac verkörpert dabei einen Rückkehrer, der einen Job sucht, doch eigentlich ist das nur der Vorwand, um über seine Schulter einen Blick auf die Gesellschaft zu werfen und über die Leute, die ihren Alltag und ihre Alltagsphilosophie der Kamera mitteilen, nachzudenken. Es ist ein Amerika, in dem die Fabrikarbeit immer noch ein substantieller Bestandteil der Wirtschaft ist und die Bürgerrechtsbewegung noch frisch im Gedächtnis ist.

november 2011, kollektion

Neue Reihe: Filmmakers' Choice

Die Amateure: Große Gesten, Mord und Musik. In einer neuen Reihe präsentieren FilmemacherInnen, deren Arbeiten wir verleihen, alte und neue Filme von KollegInnen. Am 21.11. machen Eva Heldmann und Sabine Schöbel den Anfang: "Die großen Gefühle und Gesten in Hollywood und (Musik-)Theater und deren anarchische Einverleibung im Experimentalfilm sind unser Thema. In DER BRÄUTIGAM, DIE KOMÖDIANTIN UND DER ZUHÄLTER (BRD 1968) dokumentieren Straub/Huillet eine Aufführung des Münchner Antiteaters. Gegen Fassbinders libertäre Entzauberung setzen sie eine Eloge auf die Liebe. HEINRICH (Sabine Schöbel, D 2011) betrachtet sezierend den singenden Helden. In 1933 (Joyce Wieland, USA 1967) probt eine New Yorker Straße zehnmal den gleichen Auftritt. Über NEURASIA (Werner Schroeter, BRD 1968) schreibt Frieda Grafe: "Idol, Anbetung, Star, Mythos, Ekstase. Es geht nur noch um letzten Sinn, um höchste Bedeutung." BACK TO NATURE (George Kuchar, USA 1967) ist eine ungenierte Hommage an Hollywood.

april 2011, kollektion

Vier Jahrzehnte Forum: Neue Kopien

Bild aus dem Film My Childhood

Anlässlich des Symposiums „Dialoge mit Filmen - Vier Jahrzehnte Forum“ (2009) wurden von ausgewählten Klassikern aus der Geschichte des Berlinale Forums neue Kopien gezogen, die Eingang in die Sammlung gefunden haben. Dazu gehören: die BILL DOUGLAS TRILOGIE (My Childhood, My Ain Folk, My Way Home, 1972-1978), D'EST von Chantal Akerman (Frankreich/Belgien 1993), SO IS THIS von Michael Snow (Kanada 1982), DIE ALLSEITIG REDUZIERTE PERSÖNLICHKEIT – REDUPERS von Helke Sander (BRD 1977) und NÔ von Sharon Lockhart (USA 2003).

juni 2011

"C'mon Babe (Danke schön)"

Dieser Film von Sharon Sandusky (USA 1988) ist wohl der einzige, den wir einmal so lang im Arsenal gespielt haben, bis das Publikum uns höflich darum gebeten hat, eine Pause...

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mai 2011

"Barn Rushes" von Larry Gottheim

Es ist eigentlich schon drei Jahre her, aber immer noch eine Meldung wert: Für die manifesta7 wählten die Kuratoren Anselm Franke und Hila Peleg fünf Filme aus der Sammlung...

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