dezember 2016, living archive

FU-Vorlesungsreihe: Die Filmwissenschaft, das Archiv und die Differenz

Die Vorlesung von Sabine Nessel fragt nach der Relevanz von Archiven für die filmhistoriografische Forschung. Wir beschließen den Zyklus im Dezember mit Arsenal-Archiv-Filmen des amerikanischen Independent-Dokumentaristen Les Blank mit SPEND IT ALL (Les Blank, Skip Gerson, USA 1971, 6.12.), einer Glorie auf die Alltags-, Ess- und Musikkultur der Cajuns im Südwesten Lousianas und WERNER HERZOG EATS HIS SHOE (Les Blank, USA 1980, 6.12.), in dem Filmemacher Herzog eine verlorene Wette einlöst. Den Auftakt zu einem Schwerpunkt mit Filmen des feministischen Kinos der 70er Jahre bildet Helke Sanders DIE ALLSEITIG REDUZIERTE PERSÖNLICHKEIT – REDUPERS (BRD 1978, 13.12.), der den Alltag der Pressefotografin und alleinerziehenden Mutter Edda Chiemnyjewski (Helke Sander) im West-Berlin der 70er Jahre zeigt.

Die Vorlesungsreihe läuft bis Februar 2017 und ist für alle Interessierten offen.

dezember 2016, living archive

Filmmakers' Choice im Dezember

Wie gehabt präsentiert Maike Mia Höhne am kürzesten Tag des Jahres, dem 21.12., ein Kurzfilmprogramm in unserer Reihe Filmmakers' Choice.

"It's only the gesture, that truly holds the power." (Iman Issa) Welche Aufladung erfahren Orte, Plätze und Situationen, die geprägt sind von einem postkolonialen Verhältnis? Die Zugehörigkeit der Frauen zu einem gemeinsamen Denkraum erklärt sich weniger über die spezifische Nationalität als vielmehr über das Erbe eines gemeinsamen Sprach- und Kulturraumes. Die gemeinsam erfahrenen kolonialen Traumatisierungen spiegeln sich in den Arbeiten wider. Relokalisierung und Aneignung von Geschichte geschehen durch unterschiedlichste künstlerische Strategien und Verfahren: Reenactment, Found Footage, Tanz.

dezember 2016, living archive

Vaginal Davis präsentiert Rising Stars, Falling Stars: Sweet 16 mm Never Been Kissed

Am 22. Dezember präsentiert Vaginal Davis zum letzten Mal in diesem Jahr ihre Serie in der Kuppelhalle des silent green im Wedding. Regelmäßig wählt sie aus den 16-mm-Kopien unserer Sammlung Schätze aus, die durch ihre Einführung, musikalisch begleitet von Daniel Hendrickson, eine besondere Kontextualisierung erfahren. Für die Weihnachtsausgabe entschied sie sich für die Marx Brothers: Der Film MONKEY BUSINESS (Norman Z. McLeod, USA 1931) aus der amerikanischen Pre-Code-Ära erzählt eine Einwanderungsgeschichte in die USA: Groucho, Chico, Harpo und Zeppo versuchen als blinde Passagiere aus Europa dorthin zu gelangen. Groucho über das Living Archive: "Das einzige, was ich über die Filme der Marx Brothers sagen kann, ist, dass es keine neuen geben wird."

dezember 2016, living archive

Öffentliche Sichtung am 1. Dezemeber

Mit dieser Ausgabe der "Öffentlichen Sichtung" knüpfen wir an die vorherige an, in der wir statt einer Filmkopie in prekärem Zustand einen bereits von uns digitalisierten Film vorstellen: Nach Laura Mulveys Kurzfilm "Amy!" zeigen wir RIDDLES OF THE SPHINX, den sie 1976 gemeinsam mit Peter Wollen drehte. Mulvey und Wollen haben mit ihren theoretischen Arbeiten zum Feminismus und zur Semiologie des Films die Filmtheorie nachhaltig beeinflusst. Ihre Arbeit war zugleich Teil einer sozialen Bewegung, die im Zeitkolorit der 70er Jahre eine neue gesellschaftliche Praxis anvisierte. "Was sich aus heutiger Perspektive in RIDDLES OF THE SPHINX findet, ist weniger der Versuch einer Zerstörung der Codes des klassischen Hollywood-Kinos, wie er von den Autoren intendiert war, als eine Fortsetzung der Kritik an diesem Kino mit filmischen Mitteln." (Winfried Pauleit)

november 2016, living archive

Öffentliche Sichtung im November

Im Rahmen dieser Reihe stellen wir Archivkopien in prekärem Zustand vor. Die anschließende Diskussion widmet sich den Entscheidungsprozessen bei der Auswahl von Filmen, die gerettet oder erneuert werden sollen, sowie der eigentlichen Bedeutung des Begriffs "Filmrettung".

In der nächsten Veranstaltung am 11.11. stehen drei Filme im Zentrum, die sich zwischen Avantgarde, Underground und feministischem Kino verorten lassen. Andrew Norens WIND VARIATIONS (1968), eine Meditation über das Licht, erzeugt durch einen im Wind wehenden Vorhang in Manhattan, war 1972 bei der Documenta 5 zu sehen. CHUMLUM (Ron Rice, 1964) entstand während der Arbeit an "Normal Love" von Jack Smith: Überblendungen versetzen eine Drehpause in ein Spiel mit Farbe und Rhythmus. AMY! (Laura Mulvey, 1980) ist eine Hommage an die britische Pilotin Amy Johnson, die 1930 als erste Frau einen Alleinflug von England nach Australien durchführte.

november 2016, living archive

FU-Vorlesungsreihe: Die Filmwissenschaft, das Archiv und die Differenz

Die Vorlesung von Sabine Nessel fragt nach der Relevanz von Archiven für die filmhistoriografische Forschung. Unter Einbeziehung von Archivtheorien und von Konzepten konkreter Filmarchive, ebenso wie beim Aufspüren von Archivpartikeln in (film)historiografischen Positionen, nimmt das Verhältnis von Filmwissenschaft, Archiv und Differenz Gestalt an. SCHWITZKASTEN (John Cook, Österreich 1978, 1.11.) zeigt Stationen aus dem Alltag eines Wiener Arbeiters. Die Darsteller, allesamt Laien, entstammen dem Milieu, das sie spielen. René Allios Film MOI, PIERRE RIVIÈRE, AYANT ÉGORGÉ MA MÈRE, MA SOEUR ET MON FRÈRE (Frankreich 1976, 8.11.) basiert auf dem von Michel Foucault herausgegebenen Dossier über einen legendären Mordfall der Rechtsgeschichte. Am Originalschauplatz mit Laiendarstellern inszeniert, ist der Film ein archivologisches Re-enactment des Foucaultschen Dossiers. Die Tänzerinnen Bubbles und Judy in DANCE, GIRL, DANCE (Dorothy Arzner, USA 1940, 15.11.) könnten unterschiedlicher nicht sein. In den 70er Jahren wiederentdeckt, wurde der Film als Position eines feministischen "Counter Cinema" gelesen. In DIZZY GILLESPIE (Les Blank, USA 1965, 22.11.) spricht der berühmte Trompeter über sein Verständis von Jazz. Les Blanks zumeist kollektive Arbeiten der 60er und 70er Jahre erweisen sich als ein Archiv der Musikkultur (und Esskultur!) Louisianas sowie der texanisch-mexikanischen Grenzregion. THE BLUES ACCORDIN' TO LIGHTIN' HOPKINS (USA 1968, 22.11.) zeigt die texanische Musik des Blues als eine Kultur der Straße. GOD RESPECTS US WHEN WE WORK, BUT LOVES US WHEN WE DANCE (USA 1968, 22.11.) entstand während des ersten großen "Love-in" in Los Angeles. CHULAS FRONTERAS (USA 1976, 29.11.) mit Musik von Lydia Mendoza, Flaco Jiménez, Los Alegres de Terán und DEL MERO CORAZÓN (USA 1979, 29.11.) mit Auftritten von Little Joe & La Familia und Leo Garza sind Kooperationen mit Chris Strachwitz, dem Gründer des Plattenlabels Aarhoolie Records.

Die Vorlesungsreihe, die Dienstag abends um 17 Uhr statt findet, läuft noch bis Februar und ist für alle Interessierten offen.

oktober 2016, living archive

Filmmakers' Choice im Oktober

Unter dem Titel "Agents Provocateurs: Künstler, Strategien, Objekte" findet am 31.10. der nächste Termin unserer Reihe Filmmakers' Choice statt, präsentiert von Nicolas Cilins und Frank Westermeyer. Das Programm widmet sich Strategien des Filmemachens, die Filme als experimentelle Situationen konstruieren. Die hier versammelten Künstler_innen (er-)finden Objekte und Werkzeuge, um das Reale zu testen. Neben der Kamera, dem Körper, dem Setting kann dies ein Objekt, ein fremdes Wesen oder ein auf dem Bildträger imaginierter Punkt sein. Als stumme Form oder redundantes Motiv provoziert und involviert der Agent Provocateur Künstler, Zuschauer sowie die Personen und Situationen des Films in die Konfrontation mit den Ergebnissen des filmischen Experiments.

oktober 2016, living archive

FU-Vorlesungsreihe: Die Filmwissenschaft, das Archiv und die Differenz

Die Vorlesung von Sabine Nessel (Seminar für Filmwissenschaft der FU) fragt nach der Relevanz von Archiven für die filmhistoriografische Forschung und begibt sich dafür selbst ins Archiv. Worin unterscheiden sich Filmhistoriografie und Filmarchäologie? Welche Kräfte entfaltet die Begegnung von universitärer Filmwissenschaft mit der Sammlung einer Filminstitution? Entlang der Begriffe Filmwissenschaft, Archiv und Differenz werden Filme aus dem Archiv des Arsenals je spezifisch vorgestellt.

Den Auftakt macht am 25. Oktober der Tierhorror-Klassiker JAWS (Der weiße Hai, Steven Spielberg, USA 1974) wird die anthropologische Urangst des Gefressenwerdens vor der Kulisse eines Badestrands effektvoll durchgespielt. Der Film wird als 35-mm-Kopie in der (als legendär geltenden) deutschen Synchronfassung aus dem Jahr 1975 gezeigt.

Die Vorlesungsreihe läuft bis Februar 2017 und ist für alle Interessierten offen.

oktober 2016, living archive

Öffentliche Sichtung

Living Archive: Filme leben, doch Filmkopien altern. Auch in unserer Sammlung gibt es Essigsyndrom, Rotstich und Kopienschrumpfung. In einer neuen Serie wollen wir Alterungssymptome anhand von Beispielen vorstellen und mit dem Publikum erörtern, wie die Zukunft des jeweiligen Films als Bestandteil der Sammlung aussehen könnte. Wir beginnen am 24. Oktober mit der Vorführung einer Kopie, die vom Essigsyndrom befallen ist. KRYLJA (Flügel) von Larissa Schepitko (UdSSR 1966) erzählt die Geschichte von Nadeschda, die im Krieg eine berühmte Kampfpilotin war und nun als Schuldirektorin tätig ist. Von der Gesellschaft wird sie geachtet, ihr Bild hängt im örtlichen Museum. Doch mit der jüngeren Generation gerät sie immer wieder in Konflikte.

Die Serie findet monatlich statt, ab 2017 alternierend mit Archivpräsentationen des Harun Farocki Instituts.

september 2016, living archive

Rising Stars, Falling Stars – Sweet 16mm #2

Zum zweiten Mal präsentiert Vaginal Davis gemeinsam mit Daniel Hendrickson die Serie "Rising Stars, Falling Stars – Sweet 16mm" in der Kuppelhalle des silent green im Wedding. Am 4. September stellt die Filmgeschichtsexpertin eine besondere Rarität aus dem Archiv des Arsenal vor: NOT A PRETTY PICTURE (USA 1976), einen frühen Dokumentarfilm der Hollywood-Regisseurin Martha Coolidige, der weitgehend unbekannt geblieben ist.

NOT A PRETTY PICTURE basiert auf einer Vergewaltigungserfahrung in ihrer Jugend. Sie bricht mit der dokumentarischen Form, indem sie fiktionale Szenen sowie Aufnahmen ihrer Arbeit am Film und Diskussionen mit dem Team einbaut. Dieses Verfahren führt sie bis zur vollständigen Verflechtung der Ebenen, wobei sie alle Beteiligten dicht an ihre Grenzen treibt. Der 1976 entstandene und in den 60ern angesiedelte Film widmet sich auch der Frage nach gesellschaftlichen Veränderungsprozessen, was ihm bis heute besondere Relevanz verleiht.

august 2016, living archive

Rundgang im neuen Filmarchiv

Unser erster Sommer im silent green hat begonnen! 57.050,20 kg analoges Filmmaterial liegen im nagelneuen Filmarchiv. Die lichtdurchfluteten Sichtungsräume wurden mit Sonnenschutz versehen, so dass es nun möglich ist, 16- und 35-mm-Filmkopien an Schneidetischen zu sichten – um anschließend über wenige Treppenstufen in den Garten des MOOS-Restaurants zu gelangen.

Warum legen wir so viel Wert auf die Unterbringung und Zugänglichmachung von analogem Material? Gibt es mittlerweile nicht fast alles online? Das ist bei weitem nicht der Fall, im Gegenteil. Der Großteil der Filmgeschichte ist nicht digitalisiert. Wir befinden uns in einem Wettlauf gegen die Zeit, denn das Material altert, die analoge Technik verschwindet, und mit ihr die Fähigkeit, damit zu arbeiten. Was das bedeutet, was analoges Filmmaterial eigentlich ist und wie es sich verhält, kann man bei einem Rundgang am 24.8. erfahren. Treffpunkt ist um 18 Uhr im silent green.

august 2016, living archive

Filmmakers' Choice im August

Am 22. August präsentiert Stefan Zeyen die nächste Ausgabe unserer Reihe Filmmakers' Choice: Filme am Rande der Leinwand und darüber hinaus – Von der Erweiterung des Filmraums ins Publikum (OVERSHOULDER, Stefan Zeyen, D 2012/16) über die Reduktion auf den Filmton (WOCHENENDE, Walther Ruttmann, D 1930) zur Entkoppelung der Sprache vom Gedachten (BOOMERANG, Richard Serra, USA 1974). Die Schönheit der konzertierten Aktion (BERLINFIEBER, Wolf Vostell, Ulrike Ottinger, BRD 1973) und die Kompression einer Geschichte durch Überlagerung (SSSHORTY OR SHORT STORY, Michael Snow, Kanada 2005). Schließlich die Hochzeit von diesem Ton mit jenem Bild (LES MAINS NÉGATIVES, Marguerite Duras, F 1979) und die Änderung des Aggregatzustandes von flüssig zu fest, von Film zu Buch (THE MOVIE FILES, Stefan Zeyen, D 2016).

juni 2016, living archive

Rising Stars, Falling Stars: Sweet 16 mm Never Been Kissed

Rising Stars, Falling Stars in einer Neuauflage: Nach acht Jahren findet die nächste Veranstaltung am 5. Juni erstmalig in der Kuppelhalle des neu bezogenen silent green im Wedding statt. Wie in der Vergangenheit wählt unsere Filmgeschichtsexpertin Vaginal Davis gemeinsam mit ihrem Pianisten Daniel Hendrickson verborgene Schätze aus dem Archiv des Arsenals. Mit musikalischer Unterstützung präsentiert sie sie dem Publikum, und verrät dabei ausführliche Insiderinformationen zur Produktions- und Rezeptionsgeschichte der Filme, die nie zuvor an die Öffentlichkeit gelangt waren.

Bei der Auswahl der Filme konzentriert Ms Davis sich auf das schlanke, schnelle und leichte Format, das es Filmemacherinnen und Filmemachern jahrzehntelang ermöglicht hat, ungehindert in Nischen und Poren einzudringen, ohne sich den Zwängen der großen Kinoindustrie beugen zu müssen: 16 mm. Die Sammlung des Arsenals enthält tausende dieser Perlen.

juni 2016, living archive

Filmmakers' Choice im Juni

Die nächste Veranstaltung unserer Reihe Filmmakers' Choice findet am 13. Juni statt und widmet sich Strategien zur Vermessung des Ortes im Film: Die vier von Constanze Fischbeck und Daniel Kötter zusammengestellten Filme führen vom strukturalistischen Experimental- zum ethnografischen Dokumentarfilm. Im Zentrum steht die Kontingenz des realen Ortes im Verhältnis zur filmischen Konstruktion von Raum und Zeit. Während Chris Kennedy den Credit River im ländlichen Ontario vermisst, montiert Clemens von Wedemeyer vermeintlich ungeformtes Recherchematerial über Neubau-Siedlungen am Rande Leipzigs zu einer streng komponierten Reflexion über die urbanen Veränderungen von Raum in der Nachwendezeit. Die räumlichen und sozialen Bedingungen auf dem "Polenmarkt" am Potsdamer Platz 1989 zwingen auch Ernie Gehr zu einer indirekten Strategie des Dokumentierens von Umbruch und Transformation. Der improvisatorische Einsatz der Kamera wird bei Robert Fenz am Beispiel New Yorks zum Mittel des Nachdenkens urbaner Revolution selbst.

april 2016, living archive

Living Archive: 
Neueröffnung

Es ist so weit! Unser neues Domizil im silent green für eine lebendige Archivpraxis ist bezogen. 10.000 Filme liegen in Regalen, die Schneidetische sind eingerichtet, an den Wänden hängen Plakate, die Maria Eichhorn einst für ihre Arbeit 23 Kurzfilme / 23 Filmplakate mit Blick auf unsere Sammlung hergestellt hat. Geschichte und Gegenwart des Arsenal erhalten eine neue Perspektive und das feiern wir – wie immer mit dem Publikum!

Zur Eröffnung am 12. April spricht u.a. Prof. Vinzenz Hediger, der an der Goethe-Universität in Frankfurt/Main den Masterstudiengang "Filmkultur: Archivierung, Programmierung, Präsentation" aufgebaut hat, über gegenwärtige Perspektiven zum Begriff "Kulturerbe". Natürlich gibt es auch Filme, Musik und Überraschungen aus dem Moos Restaurant.

april 2016, living archive

Filmmakers' Choice im April: "Corpos & Cosmos"

Die nächste Ausgabe von Filmmakers' choice präsentieren die in Berlin lebenden Künstler_innen Melissa Dullius und Gustavo Jahn am 11. April: Ihre Auswahl "Corpos & Cosmos" stellt einen pulsierenden filmischen Körper aus Werken vor, die Momente der Intimität und der Lust untersuchen und die Mannigfaltigkeit der in uns wohnenden Identitäten aufdecken. In CHINESE CHECKERS und PÁTIO ist es das verführerische Spiel zwischen zwei Figuren, das zu einer filmischen Form führt. Eine begehrende Kamera folgt IN THE GRASS einer maskierten Frau auf einer Wiese, während auf Film übertragene Videobilder in DREAMS OF A VIRGIN eine ätherische Beziehung zwischen zwei gegensätzlichen Frauen erzeugen. Visionen von Schönheit folgen aufeinander und schaffen eine traumhafte Atmosphäre in SLEEPY HAVEN und FIREWORKS. In CONNECTION und MOON PLAY sind es die Aufnahmen von Himmelskörpern, die uns mit ihrem Tanz und Lichtstrahlungen verzaubern.

märz 2016, living archive

Vaginal Davis präsentiert Rising Stars, Falling Stars – Briefe aus der Garderobe

Seit Jahren taucht Filmexpertin Vaginal Davis allmonatlich ins Arsenal-Archiv, um Juwelen zum Vorschein zu bringen. Nun sind unsere analogen Filme ins silent green im Wedding gezogen – und Ms. Davis zieht hinterher! Ab Mai findet die Reihe zwar nur noch alle drei Monate, dafür aber größer und glamouröser im Kuppelsaal des ehemaligen Krematoriums statt. Für die letzte Veranstaltung am Potsdamer Platz am 27.3. wählte Ms. Davis einen Westberliner Kultfilm: In TAXI ZUM KLO (BRD 1980) spielt der Regisseur Frank Ripploh selbst einen schwulen Lehrer, der versucht, zwischen Klassenzimmer, den damaligen Tuntenbällen und Klappe Privates und Berufliches voneinander zu trennen. Wie immer lädt sie anschließend zum Drink ins Rote Foyer. Wir danken Vaginal Davis und ihrem Mitstreiter Daniel Hendrickson für all die wundervollen Abende im Kino 2 und freuen uns auf den gemeinsamen Neuanfang!

februar 2016, living archive

Living Archive im silent green Kulturquartier

Das silent green Kulturquartier beherbergt seit November unser analoges Filmarchiv. Auf 525 m2 lagern Filme, zusätzlich stehen Sichtungsstationen mit Schneidetischen und Monitoren zur Verfügung. Die offizielle Eröffnung findet im April statt.

Viele der Filme stammen aus 45 Forumsjahren. Seit der Gründung der Berlinale-Sektion im Jahre 1971 wurden Kopien angekauft und teilweise untertitelt. Die Idee war, sicherzustellen, dass sie auch nach dem Festival weiterhin der Öffentlichkeit zur Verfügung stehen. Aus heutiger Sicht wurde dabei unbeabsichtigt eine konservatorische Meisterleistung vollbracht: Zahlreiche Filme aus unterschiedlichen Ländern haben im Arsenal überlebt. Viele Filme sind vergessen oder waren ihrer Zeit voraus und erhalten erst jetzt ihre Bedeutung. Mit dem Blick auf unser Archiv eröffnet sich eine neue, ganz besondere Filmlandschaft: Jeder Film kann als Versuch einer Ästhetik des Kinos gesehen werden, die sich seinerzeit als gesellschaftliche und politische Praxis der Gegenwart verstand, um in die Zukunft hineinzuwirken. Vielleicht ist jenes Utopiemoment der Schlüssel zu einem lebendigen Archiv.

Um den Gegenwartsbezug der Sammlung erfahrbar zu machen, stellen Forum und Forum Expanded eine sogenannte Referenzliste zusammen: Sie enthält Titel, die in einem Bezug zu unserem aktuellen Berlinaleprogramm stehen: ältere Filme unserer Gäste oder Filme, deren Erinnerung sich direkt oder indirekt in neuen Filmen widerspiegelt. Die Filme dieser Liste, die auf unserer Homepage veröffentlicht wird, können im silent green Kulturquartier unter fachlicher Betreuung an Schneidetischen gesichtet werden.

februar 2016, living archive

Filmmakers' Choice im Februar: "Das visuelle Feld"

Um von dem, was als Lichtinformation in unser Auge fällt, zu einem für unseren Organismus sinnvollen Seheindruck zu kommen, vollziehen sich äußerst komplexe Vorgänge. Unter dem Titel "Das visuelle Feld" präsentiert Karola Schleglmilch in unserer Reihe Filmmakers' Choice am 8. Februar Filme, die Sehen als Schnittstelle zwischen mentaler und äußerer Welt erkunden, als individuelle, lebendige Interaktion. Das geschieht zum Beispiel durch Eingriffe in das Filmbild, welche den Seheindruck manipulieren, dadurch, dass sich eine innere Haltung durch die Führung der Kamera auf das Motiv überträgt. Oder es wird Sehen als Grenze zum Anderen reflektiert. Das Programm ist inspiriert durch wahrnehmungsbezogene psychologische Forschung.

januar 2016, living archive

Vaginal Davis präsentiert Rising Stars, Falling Stars – Briefe aus der Garderobe

Im zweiten Teil der nur dreiteiligen Reihe präsentiert Filmexpertin Vaginal Davis am 31. Januar DIE KLAGE DER KAISERIN, eine 1989 entstandene Regiearbeit der Tänzerin und Choreografin Pina Bausch. Im 35-mm-Format und in den farbigsten Kostümen choreografiert sie Menschen und Tiere. Musik von verschiedenen Orten und aus verschiedenen Zeiten begleitet die kaleidosko-pische Struktur von Stimmungen und Atmosphären, ein mal unheimliches, dann wieder komisches Lamento, erzählt von Körpern oder Körperteilen, Gesten, Mimik und Bewegungen. Wie immer lädt Vaginal Davis ihre Gäste im Anschluss an die Vorführung zu einem Drink ein.