oktober 2014, living archive

7 Jahre Rising Stars, Falling Stars

7 year anniversary: Wie in jedem Jahr feiert Stummfilmexpertin Vaginal Davis ihr RSFS-Jubiläum mit einer Hommage an die Schauspielerin Louise Brooks. Am 26. Oktober präsentiert sie diesmal PRIX DE BEAUTÉ (F 1930) von Augusto Genina, gedreht als Stummfilm und vollendet als Tonfilm. Louise Brooks spielt eine Stenotypistin, die einen Schönheitswettbewerb gewinnt und zur gefeierten Schauspielerin wird. In der letzten Szene des Films wird sie unter ihrem eigenen Filmbild erschossen. Eunice Martins begleitet die Stummfilmfassung am Klavier.

oktober 2014, living archive

Visionary Archive: It all depends #4

Bild aus NOTES ON PASOLINI'S FORM OF A CITY

Anfang Oktober findet die vierte Veranstaltung von It all depends im Rahmen von Visionary Archive in Form zweier Abende statt. Am 1. Oktober ist Pier Paolo Pasolinis APPUNTI PER UN'ORESTIADE AFRICANA (Notizen für eine afrikanische Orestie, Italien 1969) zu sehen. Im Stil eines filmischen Notizbuchs erzählt, mischt sich Pasolinis dramaturgisches Interesse an einer Verfilmung der antiken Tragödie mit afrikanischen Darstellern mit einem ungebrochen kolonialen Blick auf Realitäten in Tansania, Uganda und Äthiopien. Die Struktur des filmischen Notizbuchs und dessen kulturideologische Aufladung fordern dazu auf, Pasolinis Film in Kontext mit zwei weiteren Filmen zu stellen. In ihrer Videoarbeit NOTES ON PASOLINI'S FORM OF A CITY (Deutschland 2013) untersucht Sandra Schäfer Pasolinis Afrika-Projektionen vor dem Hintergrund seiner Kritik an der Moderne. Wir zeigen den Film am 3. Oktober zusammen mit Haile Gerimas radikaler Gesellschaftssatire MIRT SOST SHI AMIT (Ernte 3000 Jahre, Äthiopien 1975), gedreht in Äthiopien am Ende der Herrschaft von Haile Selassie.

august 2014, living archive

Summer School 2014: REANIMATION & REENACTMENT

Vom 21. bis 23. August 2014 findet die nunmehr sechste Arsenal Summer School statt. Sie greift den im Arsenal wichtigen Bezug zum eigenen Archiv auf und lehnt sich an das laufende Projekt Visionary Archive an. Unter dem Titel "REANIMATION & REENACTMENT. Filmische Formen der Wieder-Begegnung" widmet sie sich den spezifischen Formen des Wieder-Sehens, mit denen im Kino Vergangenes gegenwärtig wird.

Zentraler Bestandteil dieser Summer School ist das gemeinsame Sichten von Filmen aus dem Archiv des Arsenal. Die Filmauswahl konzentriert sich auf die mannigfaltigen Formen der Reinszenierung, des Reenactments und der Begegnung mit Orten, an denen Vergangenes in offensichtlicher bzw. verborgener Form weiterlebt. Ein besonderes Augenmerk gilt dabei Filmen aus dem antikolonialen, außereuropäischen Kino und der in ihnen erinnerten Geschichte des Widerstands. In dieser Konstellation trifft der Blick ins Archiv auf Filme, die ihrerseits als Archive agieren. Sie sammeln und konservieren Bilder, Töne und Sichtweisen, füllen Löcher des Wissens und reißen andere auf. Sie lassen ein Kino in den Blick nehmen, das sich der kollektiv erlebten, aber widersprüchlich erinnerten Geschichte stellt.

Die gemeinsame Vergegenwärtigung dieser unterschiedlichen filmischen Memotechniken, zu der diese Summer School einlädt, ist nicht als unverfänglicher, distanzierter Blick von außen zu verstehen. Vielmehr soll dabei die in jedem Film angelegte Möglichkeit der Wieder-Begegnung in Anspruch genommen werden, bei der etwas Vergangenes in eine mögliche Zukunft involviert wird.

Die Teilnehmerzahl ist begrenzt. Anmeldeschluss war am 15. August.

august 2014, living archive

Living Archive / Curators in Residence: Lara Khaldi und Yazan Khalili

Bild aus The Sky on Location

Diesen Monat begrüßen wir Lara Khaldi und Yazan Khalili im Rahmen von Living Archive im Kino Arsenal, die mit Unterstützung durch das Goethe-Institut Ramallah in Berlin zu Gast sind.

Am 19. August stellen sie ihre neue Lecture Performance "Love Letters to Mars" vor. Im Archiv des Arsenals haben sie dafür einen Monat lang Filme recherchiert, die an das futuristische Szenario der Lecture Performance anknüpfen: Eine Mars-Mission im Jahr 2026 schafft einen unüberwindbaren Graben zwischen zwei sich Liebenden bei der Frage, ob die Erde gerettet oder neue Gesellschaften und Kolonien auf anderen Planeten gegründet werden sollen. Utopie und Neubeginn sind zwei der zentralen Themen. Im Archiv des Arsenals sind sie auf den lettischen Film 235.000.000 von Uldis Braus, Biruta Veldre und Laima Schurgina aus dem Jahr 1966 und auf Babette Mangoltes THE SKY ON LOCATION (USA 1982) aufmerksam geworden.

juni 2014, living archive

Rising Stars, Falling Stars – We Must Have Music im Juni

Am 29. Juni präsentiert Vaginal Davis die nächste Ausgabe ihrer Reihe "Rising Stars, Falling Stars – We Must Have Music", in der sie einmal monatlich musikalisch reizvolle Filme aus dem Archiv vorstellt.

"Was auch immer die Idee ist, es wird nie etwas sein, was du einer anderen Person so erklären kannst, dass sie es genau versteht … also spiel einfach die Musik." Der Satz stammt von Ornette Coleman, dem Pionier des Free Jazz. In ihrem Porträt ORNETTE: MADE IN AMERICA (USA 1985) geht Shirley Clarke ebenso vor: Es beginnt mit der Symphonie "Skies of America" und endet im Applaus. Dazwischen gibt sich die ehemalige Tänzerin seiner Musik, seinen Bildern und seinem Lebensrhythmus hin.

Im Anschluss an die Vorführung wie immer Drinks und Musik.

mai 2014, living archive

Visionary Archive: It all depends #3 und Ausstellung "Regulado" im n.b.k.

"Von Boé nach Berlin – Ein mobiles Labor zur Filmgeschichte Guinea-Bissaus": Am 23.5. eröffnet im Rahmen des Projekts Visionary Archive im Neuen Berliner Kunstverein (n.b.k.) die Ausstellung "Regulado" von Filipa César und Suleimane Biai. Filipa César setzt sich in ihren Filmen und Installationen mit den post-kolonialen Konstellationen auseinander, die die jüngere Geschichte Portugals hervorgebracht hat. Seit 2011 gelten ihre Recherchen der Filmproduktion Guinea-Bissaus, deren Anfänge eng mit dem Befreiungskampf verknüpft waren. "Regulado" (2014) ist Filipa Césars zweite Zusammenarbeit mit Suleimane Biai. Im Rahmen von Visionary Archive organisieren beide Filmemacher gemeinsam mit Sana na N'Hada unter dem Titel "Von Boé nach Berlin" ein "mobiles Labor zur Filmgeschichte Guinea-Bissaus". Zentrales Modul dieses Vorhabens ist ein mobiles Kino durch Guinea-Bissau, bei dem das unlängst wieder aufgetauchte Archivmaterial aus dem nationalen Filmarchiv von Guinea-Bissau (INCA – Instituto Nacional de Cinema e Audiovisual) u.a. an den Orten seiner Entstehung reaktualisiert werden soll.

In der Reihe "It all depends" zeigen sie am 25.5. im Arsenal Ergebnisse ihrer Dreharbeiten im Februar 2014 in Guinea-Bissau und stellen ein geplantes mobiles Kino vor, das Filme aus der Dekade der Dekolonisierung (1970–1980) an die Orte ihrer Entstehung zurückbringen soll. Zwei unserer Archivfilme (POR PRIMERA VEZ von Octavio Cortázar, REASSEMBLAGE von Trinh T. Minh-ha) sowie ein Dokumentarfilm von Sana na N'Hada aus den Anfangsjahren des unabhängigen Guinea-Bissau legen filmhistorische Fährten für die Diskussion.

mai 2014, living archive

Rising Stars, Falling Stars – We Must Have Music! im Mai

Nach "Les parapluies de Cherbourg" präsentiert Miss Vaginal Davis am 25.5. erneut einen Film von Jacques Demy: UNE CHAMBRE EN VILLE (Ein Zimmer in der Stadt, F 1982). Der Regisseur selbst nannte den Film, in dem alle Dialoge gesungen werden, eine "musikalische Tragikomödie". Während des Werftarbeiterstreiks in Nantes 1955 verlieben sich ein junger Arbeiter und die verheiratete Tochter einer mittellosen Baronin ineinander. So wie der Film mit einer Konfrontation zwischen Streikenden und Polizisten beginnt und schließt, so blutig endet die unstandesgemäße Liebesbeziehung.

mai 2014, living archive

Der filmische Nachlass von Gadalla Gubara

Schon zum zweiten Mal konnte das Arsenal – Institut für Film und Videokunst mit Mitteln des Auswärtigen Amtes ein Projekt zum Erhalt eines Filmbestands realisieren: Der filmische Nachlass des sudanesischen Filmemachers Gadalla Gubara (1920–2008). Gadalla Gubara war über 50 Jahre als Regisseur von Spielfilmen und als Dokumentarist tätig. Bis zu seinem Tod betrieb er das erste private Filmstudio in Khartum: das Studio Gad. Vor dem Hintergrund fehlender technischer und finanzieller Mittel, sowie prekärer Lagerbedingungen drohte dieses Filmerbe durch den fortschreitenden Materialzerfall verloren zu gehen. Mit der Förderung durch das Auswärtige Amt im Kulturerhalt-Programm wurde die Digitalisierung der Filme im Herbst 2013 in Berlin ermöglicht. Bereits im Jahr 2012 konnte im Rahmen des Projekts "Animated Archive" der Archivbestand des nationalen Filminstituts in Guinea-Bissau (INCA – Instituto Nacional de Cinema e Audiovisual) digitalisiert werden.

märz 2014, living archive

Visionary Archive: It all depends #2

Wiederbegegnungen mit dem afrikanischen Kino in gemeinsamen Filmsichtungen sind zentraler Bestandteil des translokalen Rechercheprojekts Visionary Archive. Am 30.3. sind vier südafrikanische Künstler zu Gast, die zur gleichen Zeit resident artists des Performance-Projekts "On Fire" von Constanza Macras/Dorky Park in Berlin sind. Die Filme MUEDA, MEMORIA E MASSACRE (Mosambik 1979), COME BACK, AFRICA (Südafrika/USA 1958) und MATSOGO (Südafrika 2013) sollen assoziative Zugänge eröffnen, um mit Lucky Kele, Mmakgosi Kgabi, Zanele Muholi, Mamela Nyamza und Lerato Shadi über Körperpolitiken und Geschichtsarbeit zu diskutieren und über die Rolle von performativen Kunstformen in der "Vielfalt der Einzigartigkeit" (A. Mbembe) im südlichen Afrika. (th)

februar 2014, living archive

Living Archive: "Ghashiram Kotwal"

Schon zum zweiten Mal präsentieren wir im Rahmen des Forums und anschließend am 25.2. im Arsenal einen früheren Forums-Beitrag: GHASHIRAM KOTWAL (Indien 1977) ist ein Film der Yukt Film Cooperative unter der Regie von K. Hariharan und Mani Kaul, basierend auf dem gleichnamigen, damals sehr erfolgreichen Theaterstück des Autors Vijay Tendulkar. Er kombiniert Stilelemente des Theaters mit experimentellem Film und behandelt die Politik der Peshwa/Maratha-Epoche in den letzten Jahren ihrer Krise. GHASHIRAM KOTWAL konnte mit freundlicher Unterstützung der Deutschen Botschaft Neu Delhi digitalisiert und in der Arsenal Edition auf DVD veröffentlicht werden.

januar 2014, living archive

"A Day’s Pleasure, Behind the Screen" – Eine filmkuratorische Performance von Clemens von Wedemeyer

Die Premiere von Clemens von Wedemeyers Spielfilm MUSTER (D 2012, 18.1. im Kino Arsenal) haben wir zum Anlass genommen, ihn einzuladen, sich in der Sammlung des Arsenal umzusehen und haben ihm für einen Tag unsere beiden Kinos inklusive Foyer zur Verfügung gestellt. Entstanden ist das Programm A DAY’S PLEASURE, BEHIND THE SCREEN, das wir am 19. Januar präsentieren. "Wie wäre es, wenn man in einem Multiplex-Kino die Wände zerschlagen würde, wenn sich die Besucher ganz unterschiedlicher Filme vermischen würden, um gemeinsam getrennte Filme zu sehen? Das Experiment: Zwei komplementäre Programme werden parallel gezeigt, und der Besucher darf mit demselben Ticket zwischen ihnen frei wählen und flanieren. Das heimliche Herausgehen aus dem Kino, das störende Türenschlagen wird hier zu einem Teil der gemeinsamen zerstreuten Performance. Das kuratierte Marathon-Programm kann an diesem Tag, wie bei einem Filmfestival, nur zu einem Teil gesehen werden. Ein anderer Teil wird immer verpasst. Die Inspiration gaben zwei Filme von Charlie Chaplin: A DAY’S PLEASURE und BEHIND THE SCREEN." (Clemens von Wedemeyer)

november 2013, living archive

Öffentliche Sichtung: Das erste internationale Frauenfilmseminar

Vor genau 40 Jahren, im November 1973, fand im alten Arsenal in der Welserstraße sowie in der gegenüberliegenden Grundschule das erste internationale Frauenfilmseminar statt. Organisiert haben es die Filmemacherinnen Claudia von Alemann und Helke Sander. Sie stellten 45 Filme aus sieben Ländern vor, was einer Pionierinnenarbeit gleichkam, und luden 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer ein, die in Frauengruppen aktiv waren. Hinzu kamen Frauen, die in den Medien arbeiteten und durch das Seminar/Festival erstmalig beginnen konnten, ein Netzwerk aufzubauen. Das gleiche galt für Filmemacherinnen. Die meisten Vorführungen waren Erstaufführungen, und so konnte das Ereignis auch als weltweit erstes Frauenfilmfestival mit Filmen von und über Frauen gewertet werden. Vorher hatte es noch kein Frauenfilmfestival in diesem Ausmaß gegeben. Doch im Vordergrund stand die Etablierung eines öffentlichen Diskurses. In dieser Hinsicht hatte die Veranstaltung Modellcharakter und wurde in den folgenden Jahren in vielen Städten, z. B. in Frankfurt und München (hier organisiert von Angela Haardt) in veränderter Form wiederholt und weiter geführt. Die Themen, die behandelt wurden, lauteten "Frauen im Arbeitskampf, Frauen in der Darstellung der Medien, Frauen und der Paragraph 218, Sexualität, Rollenverhalten, Frauenbewegung in Europa und den USA". Eingeladen wurden Filme aller Längen und Genres, die diese Themen in kritischer Weise aufgriffen. Bereits 1993 nahmen das Arsenal, der Verein "Blickpilotin", sowie die Gruppe "Übung am Phantom" das Ereignis nach einer Distanz von 20 Jahren erneut in Augenschein. Auch Angela Melitopoulos thematisierte es in ihren "Möglichkeitsraum"-Veranstaltungen am HKW und im Arsenal. Inzwischen sind vier Jahrzehnte vergangen.

Wir laden ein, am Sonntag, den 10. November die 28 größtenteils kurzen Filme erneut anzusehen, die seit 1973 in der Sammlung des Arsenals verblieben sind. Claudia von Alemann und Helke Sander sowie Angela Melitopoulos und Stefanie Schulte Strathaus führen durch das Tagesprogramm und diskutieren es mit dem Publikum und einigen Teilnehmerinnen der Veranstaltung vom November 1973.

oktober 2013, living archive

Ian White (1971-2013)

Mit großer Trauer haben wir die Nachricht vom Tod unseres Freundes, Kollegen und Living Archive Teilnehmers Ian White erhalten, der am Samstag, den 26. Oktober im Alter von 41 Jahren in London verstorben ist.

Ian White war Kurator, Autor, Künstler und Lehrer. In seiner jahrzehntelangen Verbindung mit der Londoner Filminstitution LUX hat er zahlreiche Projekte initiiert, kuratiert und organisiert, zuletzt das Associate Artist Programme. Als Jurymitglied und Kurator war er regelmäßig zu Gast bei den Internationalen Kurzfilmtagen Oberhausen. Außerdem hat er für die Whitechapel Gallery und die Frieze Kunstmesse gearbeitet.

Dem Arsenal war Ian White seit einer dreimonatigen Kuratorenresidenz in Kooperation mit dem Deutschen Akademischen Austauschdienst DAAD, die er in unserem Haus verbrachte, eng verbunden. Im Rahmen seines Aufenthalts kuratierte er im Jahr 2009 das Projekt "It's Not The Homosexual Who Is Perverse, But The Situation in Which He Lives: Art, Cinema, Context Now“. Darin untersuchte er die Verbindungen zwischen künstlerischer und kuratorischer Praxis – zwischen der Filmpräsentation und ihrem Kontext. Das Projekt wurde zu einer großen Inspiration für das Konzept von "Living Archive – Archivarbeit als künstlerische und kuratorische Praxis der Gegenwart".

oktober 2013, living archive

Öffentliche Sichtung im Oktober: "Take it Like a Man, Madam!"

Am 9. Oktober findet die nächste Öffentliche Sichtung mit dem Film TA' DET SOM EN MAND, FRUE! (Nehmen Sie es wie ein Mann, Madame!, Dänemark 1975) statt, eine Arbeit des Kollektivs "Rote Schwester" (Mette Knudsen, Elisabeth Rygaard, Li Vilstrup). Der Film wurde im Jahr 1975 im Rahmen des Internationalen Forum des Jungen Films präsentiert und handelt von Ellen Rasmussen, einer 50-jährigen Frau aus der Mittelklasse, Hausfrau in einer Durchschnittsehe. Sie trinkt und weist sämtliche Symptome der bekannten Hausfrauenneurose auf. Plötzlich hat sie einen Traum, in dem die Geschlechterrollen vertauscht sind.

Wir freuen uns sehr, Erika Gregor im Kino Arsenal begrüßen zu dürfen und mit ihr den Film zu diskutieren.

september 2013, living archive

Rising Stars, Falling Stars – We Must Have Music!

In diesem Monat präsentiert Vaginal Davis einen indischen Film von 1977: AGRAHARATHIL KAZHUTHAI (Ein Esel im Brahmanendorf) Indien 1977) ist das bekannteste Werk des Avantgarde-Filmemacher John Abraham, einer eigenwilligen Figur in der indischen Kinogeschichte. In allegorischer und satirischer Form erzählt er die Geschichte von einem Esel, der eines Tages in einem Brahmanendorf eintrifft. Zum Entsetzen der Dorfbevölkerung wird er von einem Professor adoptiert. In der Form einer Fabel über Schuld und Unschuld formuliert Abraham Kritik an Intoleranz und Aberglauben unter den Brahmanen. (22.9., wie immer gefolgt von Drinks und Musik.)

september 2013, living archive

"El golpe"

Der Militärputsch unter Führung Augusto Pinochets vom 11. September 1973 setzte dem Versuch eines demokratischen Sozialismus in Chile ein gewaltsames Ende. Das Ereignis – in Chile "el golpe" genannt – jährt sich diesen Monat zum 40. Mal. Aus diesem Anlass zeigen wir am 11.9. ein von Florian Wüst kuratiertes Programm, das die ungleichen sozialen und ökonomischen Verhältnisse als Grundlage der politischen Auseinandersetzungen im Chile der frühen 70er Jahre thematisiert. REPORTAJE A LOTA dokumentiert die Lebens- und Arbeitsbedingungen in der Kohlestadt Lota vor der Wahl Salvador Allendes. Peter Nestlers CHILEFILM analysiert die lange Geschichte der imperialistischen Ausbeutung und des Klassenkampfs in Chile. Die Situation unmittelbar nach dem Putsch beschreibt CONTRA LA RAZON Y POR LA FUERZA: Santiago im Kriegszustand, die Villenviertel beim Feiern, die Arbeitersiedlungen in Trauer.

september 2013, living archive

Öffentliche Sichtung am 10. September: "Year of the Woman"

Bild aus Year of the Women

Aufgrund des regen Interesses setzen wir das Format der Öffentlichen Sichtung ab diesem Monat fort: In den kommenden Öffentlichen Sichtungen stellen wir die Filme des "1. Internationalen Frauenfilm Seminars der BRD und Westberlins" von 1973 in den Mittelpunkt. Es wurde im Kino Arsenal in der Welserstraße abgehalten und von den Regisseurinnen Helke Sander und Claudia von Alemann organisiert. Beide werden am 10. September zu Gast sein.

Für das damals so genannte "Modellseminar", dem ähnliche Veranstaltungen in anderen deutschen Städten folgten, wurden ca. 45 Kurz- und Langfilme ausgewählt, von denen sich heute einige in unserer Sammlung befinden. Die Filme sollten vor allem der gesellschaftlichen Aufklärung und Agitation dienen. Mit dabei war der Film YEAR OF THE WOMAN von Sandra Hochman (USA 1972, OmU, 82 min), den wir als ersten Film sichten. Er wurde zuvor im Rahmen des Internationalen Forum des Jungen Films präsentiert und markiert einen Meilenstein der feministischen (Film-)Geschichte: Es ist der erste abendfüllende Film in den USA, der ausschließlich von Frauen produziert wurde. Er dokumentiert, wie sich Frauen beim Kongress der Demokratischen Partei in Miami 1972 erstmals die von Männern dominierte Politikwelt erobern. "Sandra Hochman wollte die Würde der Frauen in einem neuen Bewusstsein zeigen und hat die Absicht mit einem ausgelassenen, lustigen Film verwirklicht, in dem Scharen prominenter Persönlichkeiten auftreten, wie auch viele dezidierte Mitglieder verschiedener internationaler Frauenorganisationen", heißt es im Forumsblatt 1973. Die Liste der Mitwirkenden ist lang: Neben Betty Friedan, Flo Kennedy, German Grier oder Shirley McLaine, sind auch Norman Mailer und Warren Beatty zu sehen. Der Eintritt zur Öffentlichen Sichtung ist wie immer frei.

september 2013, living archive

Living Archive – die Fortsetzung!

Das Living-Archive-Projekt tritt in eine neue Phase. Eines der wichtigsten Ergebnisse war, überhaupt einen Eindruck von der Vielfalt der Sammlung des Arsenals zu bekommen. Was bislang hervorgebracht wurde, war die Spitze des Eisbergs.

Deshalb werden wir weiterhin Veranstaltungen von ProjekteilnehmerInnen und anderen Archivforschenden präsentieren und monatliche Öffentliche Sichtungen veranstalten. So ist die Veranstaltung "El golpe" am 11.9. eine Fortsetzung des Living-Archive-Projekts von Florian Wüst. In der Öffentlichen Sichtung am 10.9. sichten wir den Film YEAR OF THE WOMEN von Sandra Hochman. Und am 21.9. präsentiert Vaginal Davis im Rahmen ihres Living Archive Projekts "Rising Stars, Falling Stars - We Must Have Music!" einen indischen Film aus dem Jahr 1977.

Wir freuen uns auf weitere Entdeckungen mit dem Publikum, die nicht nur zu neuen filmischen Erfahrungen, sondern auch zu Digitalisierungen, Restaurierungen oder neuen Programmideen führen können.

juli 2013, living archive

DVD-Veröffentlichungen im Rahmen von Living Archive

Im Rahmen des Projekts "Living Archive – Archivarbeit als künstlerische und kuratorische Praxis der Gegenwart" sind fünf neue DVD-Titel in der 451/Arsenal-Edition erschienen: Laura Mulvey und Peter Wollens Avantgardefilme RIDDLES OF THE SPHINX und AMY! (GB 1976/77 & 1980), Deepa Dhanrajs film-politische Pionierarbeit KYA HUA IS SHAHAR KO? (What Has Happened to this City?, Indien 1986), Philip Scheffners THE HALFMOON FILES und DER TAG DES SPATZEN (D 2007 & 2010), eine DVD mit Klassikern des Queer Cinema von Sheila McLaughlin und Lynne Tillman (INSIDE OUT, COMMITTED und SHE MUST BE SEEING THINGS, USA 1976–84) sowie das filmische Gesamtwerk der Berliner Filmemacherin, Fotografin, Netzwerkerin, Geschichten- und Bildersammlerin Riki Kalbe mit insgesamt 15 Filmen von 1976–98. Vom 2. bis 7. Juli werden die Filme im Arsenal gezeigt (Termine unter kino arsenal / Programm).

juni 2013, living archive

Living Archive – Der Katalog

Der Katalog zeigt einen neuen einzigartigen Zugang zum Archiv des Arsenal – Institut für Film und Videokunst auf, der neue Maßstäbe im Umgang mit einer Filmsammlung setzt. 37 KünstlerInnen, PerformerInnen, KuratorInnen und WissenschaftlerInnen wurden eingeladen, eigene Perspektiven im Umgang mit dem Archiv zu entwickeln, Projekte zu realisieren und zu präsentieren. Zwei Jahre lang war das Arsenal-Archiv Ausgangspunkt für den multiperspektivischen Zugang der TeilnehmerInnen aus USA, Indien, Südafrika, Israel, Brasilien, Jordanien, Großbritannien und Deutschland, das eine unerschöpfliche Vielfalt an Projekten hervorbrachte: Retrospektiven sowjetischer, chilenischer, spanischer und kubanischer Filme; die Aufarbeitung der Werke zweier Berliner KünstlerInnen Riki Kalbe und Ludwig Schönherr; ein Kino der Dekolonisierung; eine Querschnittanalyse zum Jahr 1978; Keywording – die Bedeutung von Verschlagwortung für das Funktionieren eines Archivs, eine Kinoarchäologie oder ein Programm zur filmischen Auseinandersetzung mit nationalen Identitäten.

juni 2013, living archive

Großes Abschlussfestival vom 4.–30. Juni

Vom 4.–30. Juni feiern wir mit dem Abschlussfestival des Projekts "Living Archive – Archivarbeit als künstlerische und kuratorische Praxis der Gegenwart" gleichzeitig den 50. Geburtstag des Arsenals. Alle beteiligten KünstlerInnen, Filmschaffenden, PerformerInnen, MusikerInnen, KuratorInnen und WissenschaftlerInnen sowie die vier StipendiatInnen des Goethe-Instituts aus Indien, Südafrika, Jordanien und Brasilien stellen ihre jeweiligen Arbeiten und Projekte vor: Vor uns liegt ein ganzer Monat mit Filmprogrammen, Soundarbeiten, Ausstellungen, Performances, Einführungs- und Diskussionsveranstaltungen. Ein Festivalpass, der zu allen Veranstaltungen im Kino Arsenal sowie zur Ausstellung in den KW berechtigt, ist für 50 Euro an der Kinokasse erhältlich. Ebenfalls dort erhältlich ist ein Katalog mit Texten aller ProjektteilnehmerInnen (herausgegeben von b_books, 17 x 24,5 cm, 288 Seiten, 4-farbig, € 25).

juni 2013, living archive

Family Affairs 

Dorothee Wenners in Zusammenarbeit mit Erika und Ulrich Gregor im Rahmen von Living Archive entstandenes Projekt "Family Affairs" ist eine persönliche, fast private – und doch hoffentlich aufschlussreiche – Sammlung von Geschichten über einzelne Filme im Archiv des Arsenal, die irgendwann im Forum zu sehen waren, als Ankäufe, Schenkungen oder über andere Kanäle nach Berlin gelangten. Tatsächlich sind und waren es oft Zu- und Glücksfälle, geschmackliche Präferenzen, politische Überzeugungen einzelner Personen, (film)-historische Konstellationen, finanzielle Rahmenbedingungen oder geschickte Schachzüge, die den Weg einzelner Filme in das Archiv geebnet, ermöglicht haben. Zum 50. Geburtstag präsentieren wir die erste Serie dieser "netflicks" im Foyer des Arsenal sowie auf unserer Webseite.

juni 2013, living archive

Publikationen im Rahmen von Living Archive

Im Rahmen des Projekts Living Archive entstehen zahlreiche Publikationen. Neben dem Katalog bereits erschienen sind "Rising Stars, Falling Stars" zu Vagnial Davis' Reihe im Kino Arsenal und elf Bücher unter dem Projekttitel "KEYwording". In Kürze ist die Publikation "NOW! Extended" erhältlich. Madhusree Dutta und Ines Schabers Projekt „KEYwording – Notes on Enculturation of Words and Word Practice within the Image Archive" setzt sich mit der Bedeutung von Verschlagwortung und Annotation für das Funktionieren eines Archivs auseinander. Das Arsenal hat die Konvention der Stichwortsuche aufgegeben, da "standardisierte Kategorien viele der im Archiv vertretenen filmischen Formen nicht erfassen können." Inspiriert von dieser Aussage, versucht das Projekt einen kulturenübergreifenden Dialog über den Gebrauch von Worten in Theorie, Praxis, Gemeinschaft und Aktion im Kontext zeitgenössischer Kulturproduktion zu führen.

juni 2013, living archive

Living Archive für Kinder, mit Kindern

Was kann ich sehen, wenn ich einen Filmstreifen in den Händen halte? Wie finde ich einen Film im Filmarchiv? Welche Bilder bleiben mir von einem Kurzfilmprogramm im Gedächtnis? Mehr als 200 Grundschüler aus Berlin haben Einblicke in die Filmsammlung des Arsenals genommen. Im Archiv haben die Kinder auf spielerische Weise Filmprogramme aus kurzen, meist experimentellen Filmen zusammengestellt. Ihre Filmerinnerungen haben sie in einer Zeichnung festgehalten.

In einer Ausstellung im Roten Foyer und drei Kinoveranstaltungen für Familien und Schulen am 9., 11. und 13. Juni stellt Stefanie Schlüter unter dem Titel Living Archive für Kinder, mit Kindern die Ergebnisse vor. Gezeigt werden Filme, Filmprogramme, Filmzeichnungen und Live-Vertonungen aus Kinderhand. Unterstützt wurde das Projekt durch die FilmemacherInnen Ute Aurand, Robert Beavers, Milena Gierke und die Stummfilmpianistin Eunice Martins.

mai 2013, living archive

Living Archive: Endspurt

Living Archive ist im (vorläufigen) Endspurt. Im gesamten Monat Juni werden wir im Arsenal und in den KW Institute for Contemporary Art alle Projekte vorstellen. In den vergangenen zwei Jahren wurden ca. 1100 Filme aus der Sammlung des Arsenals gesichtet. 40 Teilnehmerinnen und Teilnehmer haben aus ihrer Beschäftigung damit heraus neue Filme gedreht, Installationen, Performances und Soundarbeiten entwickelt, mit Studierenden gearbeitet, Interviews geführt, Bücher und DVDs publiziert. All das und mehr wird vier Wochen lang Thema sein, beginnend am 4.6. Weil das ein wahres Fest wird, feiern wir damit auch gleich das 50. Jubiläum des Arsenal – Institut für Film und Videokunst (save the month!). Wir sind rund um die Uhr mit den Vorbereitungen beschäftigt, deshalb wird es im Mai keine Living-Archive-Veranstaltung mehr geben, außer natürlich Rising Stars, Falling Stars – We Must Have Music!. Vaginal Davis stellt in diesem Monat BROADWAY MELODY OF 1940 vor. Außerdem eröffnen wir unsere Sichtungsstation im "Studiolo" des KW – Institute for Contemporary Art mit einer Reihe von Filmen, die im Rahmen von Living Archive entdeckt oder wieder entdeckt wurden.

april 2013, living archive

"Living Archive für Kinder, mit Kindern"

Bild aus CATFILM FOR KATY AND CYNNIE

Stefanie Schlüter hat mit ihrem Projekt „Living Archive für Kinder, mit Kindern“ für April Schulklassen in das Arsenal eingeladen. Was kann ein Kino, was ein Filmarchiv, was können Filme für die ästhetische und kulturelle Bildung von jungen Menschen leisten, die im digitalen Zeitalter aufwachsen? Im Mittelpunkt ihres Projekts, mit dem sie sich hauptsächlich an GrundschülerInnen richtet, steht der umfangreiche Bestand an Experimentalfilmen in der Sammlung des Arsenals. Experimentalfilme können ihre Betrachter mit einer ungewohnten Sicht auf die Dinge konfrontieren, häufig sind sie spielerisch in ihrer Form und beschäftigen sich mit Fragen der Wahrnehmung im Schnittfeld von Film und anderen Künsten.

april 2013, living archive

(Letzte) Öffentliche Sichtung im April

Am 10. April findet die letzte öffentliche Sichtung im Rahmen von "Living Archive – Archivarbeit als künstlerische und kuratorische Praxis der Gegenwart" statt. Seit Beginn des Projektes im Juni 2011 wählen die TeilnehmerInnen dafür einmal im Monat Filme aus, um sie gemeinsam mit dem Publikum zu sichten und zu diskutieren. Es gab Wiederentdeckungen, ungeahnte Schätze aus dem Arsenal-Archiv haben sich aufgetan. Aus diesem Grund und wegen des regen Interesses wird die Reihe nach dem Abschlussfestival ab Juli fortgesetzt.

Im April freuen wir uns auf eine besondere Sichtung: Stefanie Schulte Strathaus, Leiterin des Projekts Living Archive, wird gemeinsam mit dem Publikum spontan Filme aus der Sammlung des Arsenal auswählen und vorführen.

märz 2013, living archive

Rising Stars, Falling Stars – We Must Have Music!: "Zeinab"

Am 24. März findet eine weitere Ausgabe von „Rising Stars, Falling Stars – We Must Have Music!" statt. Ms. Davis präsentiert in diesem Monat eine Rarität aus dem Archiv von einem der wichtigsten Regisseure aus den frühen Jahren des ägyptischen Kinos: Muhammad Karim. Gezeigt wird der Film ZEINAB (Ägypten 1950, 35mm, OmU, 111 min). Muhammad Karims ZEINAB ist ein Tonfilm-Remake seines gleichnamigen Stummfilms von 1930. Beiden Filmen liegt Muhammad Husein Haikals gleichnamiger Bildungsroman von 1914 über eine Bauerntochter, die in einem Konflikt zwischen familiären Verpflichtungen und ihren eigenen Hoffnungen gefangen ist, zugrunde. Die Kritik an traditionellen Familienstrukturen, der Stellung der Frauen und arrangierten Ehen ist in einer romantischen und nostalgischen Ästhetik entwickelt. Der Soundtrack zu ZEINAB ist ein Konglomerat aus klassischer arabischer Musik und westlicher Orchestermusik und spielt eine ähnliche Rolle wie in den indischen Bollywood-Produktionen.

Im Anschluss wie immer Drinks und Musik.

märz 2013, living archive

Öffentliche Sichtung am 12. März

Bild aus Rose Hobart

Am 12. März sichten und diskutieren wir auf Wunsch von Martin Ebner die Filme ROSE HOBART (Joseph Cornell, USA 1936, 16mm, ohne Dialog, 19 min) und SIGNAL – GERMANY ON THE AIR (Ernie Gehr, USA 1985, 16mm, ohne Dialog, 34 min). Cornells erster und eindrucksvollster Film ROSE HOBART ist im Wesentlichen eine neue Fassung von East of Borneo, einem Dschungeldrama von Universal Pictures aus dem Jahr 1931 mit Rose Hobart und Charles Bickford. ROSE HOBART verwandelt den banalen Plot von East of Borneo absichtlich in ein Labyrinth. "Joseph Cornell hatte sich eine auf dem Flohmarkt gefundene Kopie des Hollywoodfilms East of Borneo angeeignet, den Film neu geschnitten, verkürzt, um zusätzliche Bilder erweitert und mit einem neuen Ton kombiniert, um so eine gänzlich neue und eigenständige Aussage herzustellen. Außerdem hatte Cornell den ursprünglich schwarz-weißen Film blau eingefärbt, indem er ihn bei seiner ersten Vorführung durch ein blaues Glas projizierte. Dazu spielt er sentimentale Tanzmusik von Schallplatte. Für die Kopie, die er Jahrzehnte später mit Jonas Mekas für das Anthology Film Archives in New York herstellen ließ, entschied er sich allerdings für eine rötlich-violette Färbung und diese weiterhin provisorische, oder nun doch endgültige Version findet sich auch im Arsenal-Archiv. Die Tonebene besteht in dieser Version aus einer Audio-Kassette bzw. mp3/CD mit Mambo-Musik aus den 1960er Jahren, die bei jeder Aufführung parallel zur Projektion des Films (nicht synchron) abgespielt wird." (Martin Ebner)

SIGNAL – GERMANY ON THE AIR entstand während des DAAD-Aufenthalts von Ernie Gehr in West-Berlin. Der Titel SIGNAL – GERMANY ON THE AIR verweist auf die Tonspur des Films, die Gehr hauptsächlich aus Radio-Mitschnitten zusammengesetzt hat.

februar 2013, living archive

Living Archive @ Forum und Forum Expanded

Bild aus What Happenend to this City?

Auch in diesem Jahr gibt es im Rahmen von Forum und Forum Expanded eine Reihe von Veranstaltungen, die im Zusammenhang mit dem Living Archive Projekt stehen. Den Auftakt des diesjährigen Forum-Expanded-Programms bildet am 8. Februar eine Diskussionsveranstaltung mit Performances und Filmen aus dem Arsenal-Archiv, darunter die digitalisierte Fassung von POR PRIMERA VEZ (Octavio Cortázar, Kuba 1967). Als Forum Special präsentiert Living Archive-Teilnehmerin Nicole Wolf die restaurierte Fassung eines Films aus dem Forumprogramm von 1988: KYA HUA IS SHAHAR KO? (WHAT HAPPENED TO THIS CITY?) von Deepa Dhanraj (Indien 1986). Am 10. und 11.2. finden zwei weitere Panels mit den Living Archive-TeilnehmerInnen Filipa César, Marcel Schwierin, Ala Younis und Florian Zeyfang statt.

januar 2013, living archive

Rising Stars, Falling Stars – We Must Have Music! im Januar

Bild aus Permanent Vacation

Vaginal Davis läutet das neue Jahr am 27. Januar mit Jim Jarmuschs Erstlingswerk PERMANENT VACATION (USA 1980) ein. Zum knarzenden Soundtrack, einer Mischung aus japanischer Gamelan-Musik und John Luries Jazz-Improvisationen, lässt sich der jugendliche Protagonist Allie durch die Lower East Side Manhattans treiben. Auf seiner Sinnsuche durch heruntergekommene, leerstehende Wohnblocks und Industriebauten trifft der Charlie-Parker-Fan auf einen Querschnitt an Downtown-Hipstern: Saxophonspieler, Gauner, Erleuchtete, Poeten. Eine melancholische "Odyssey of Cool". In ihrer monatlichen Serie präsentiert Vaginal Davis musikalische Perlen aus dem Archiv des Arsenal, stets gefolgt von Drinks und Musik.

januar 2013, living archive

Öffentliche Sichtung im Januar – Filme des Newsreel Collective

Bild aus Wilmington

Am 8. Januar findet die nächste öffentliche Sichtung statt. Auf Wunsch von Angela Melitopoulos sichten wir eine Auswahl an Filmen des Newsreel Collective aus dem Arsenal-Archiv. Newsreel wurde 1967 in New York gegründet. In den Folgejahren bildete sich ein landesweites Netzwerk aus DokumentarfilmemacherInnen, das 16mm-Filme über die Anti-Krieg und Frauenbewegung, die Bürger- und Menschenrechtsbewegung produzierte und vertrieb. Mitte der 70er Jahre folgte die Umbenennung von NY Newsreel in Third World Newsreel (TWN).

januar 2013, living archive

Neues von Living Archive

Der Countdown läuft! Im Juni 2013 endet das Projekt "Living Archive – Archivarbeit als künstlerische und kuratorische Praxis der Gegenwart" mit einer umfangreichen Abschlussveranstaltung, mit der wir auch das 50. Jubiläum des Arsenal – Institut für Film und Videokunst e.V. (ehemals Freunde der deutschen Kinemathek) feiern. Über den gesamten Monat hinweg werden die TeilnehmerInnen von Living Archive die Ergebnisse ihrer zweijährigen Recherche und Auseinandersetzung mit dem Arsenal-Archiv in Form von Ausstellungen, Buchpräsentationen, DVD-Projekten, Filmreihen und Performances präsentieren. Bis dahin gibt es weiterhin die Möglichkeit, im Rahmen der öffentlichen Sichtungen gemeinsam Verborgenes, Unbekanntes und Vergessenes zu sichten.

Ein Ziel von Living Archive ist es, die Digitalisierung und Restaurierung von Filmen aus unserer Sammlung anzuregen, um diese Werke auch für die Zukunft zugänglich zu machen. Derzeit arbeiten wir u.a. an Filmen von Sheila McLaughlin, Ludwig Schönherr, Laura Mulvey und Peter Wollen. Wer möchte, kann mit absetzbaren Spenden hierzu beitragen und damit auch die Jubiläumsaktionen des Instituts unterstützen und die künftige Filmgeschichtsschreibung aktiv mitgestalten.

dezember 2012, living archive

Filme von Sheila McLaughlin am 20. Dezember

Drei Filme der amerikanischen Filmemacherin und Schauspielerin Sheila McLaughlin stehen in unserem Projekt für eine in den 70er und 80er Jahren stattgefundene Entwicklung des Experimentalfilms weg von einer radikal materialbetonten, selbstreflexiven Filmform hin zu den Erzählformen des independent films, in denen neue Formen filmischer Repräsentation und Dokumentation erarbeitet wurden. Der Kurzfilm INSIDE OUT (USA 1976/78) zeigt in drei stummen Sequenzen Momente einer gehaltenen, inneren Spannung vor einem emotionalen Ausbruch seiner Protagonistinnen. Das Innere bricht aus ihren Porträts hervor wie die Füllung aus einer aufgeschlagenen Piñata-Puppe. Der Film COMMITTED (USA 1980–84), den Sheila McLaughlin zusammen mit Lynne Tillman realisiert hat, versteht sich nicht als Biografie der Schauspielerin Frances Farmer, sondern als fiktionale Analyse. Er behandelt die gestörte Beziehung zwischen Farmer und ihrer Mutter, das sozial-politische Klima in den USA der 30er und 40er Jahre, die Rolle der Psychiatrie als zunehmend mächtiger Determinante darin und die destruktive Liebesgeschichte zwischen einer Frau (Schauspielerin) und einem Mann (Regisseur). Ausgeführt ist COMMITTED als Film noir und – dies eine Rarität für einen unabhängigen Film: als period piece. SHE MUST BE SEEING THINGS (USA  / BRD 1987) verwebt die Arbeit einer Regisseurin an der Verfilmung eines Romans von Thomas de Quincey mit der konfliktreichen Beziehung zu ihrer Geliebten, die sich vor Eifersucht verzehrt und in Tagträumen und Rachefantasien ergeht. Wir zeigen die Filme, die auf der Ebene ihrer Produktion und Ästhetik auch Einblicke in eine damalige, transatlantische Kooperation innerhalb des unabhängigen Filmschaffens geben, im Rahmen des Living Archive-Projektes von Heinz Emigholz, der eine DVD-Veröffentlichung der Filme vorbereitet. Sheila McLaughlin wird anwesend sein.

dezember 2012, living archive

Öffentliche Sichtung im Dezember

Am 18. Dezember wird auf Wunsch von Constanze Ruhm der Film ANNA von Alberto Grifi und Massimo Sarchielli (Italien 1975, 16mm, OmU, 213') gesichtet und diskutiert. ANNA ist ein Dokumentarfilm über eine 16-jährige, obdachlose Drogenabhängige. Sie ist im 8. Monat schwanger, als sie von den beiden Filmemachern auf der Piazza Navona in Rom entdeckt wird. Der Film dokumentiert die Beziehung zwischen der schönen, deutlich angeschlagenen, oft benommenen Teenagerin und den Regisseuren. Lange, oft häusliche Szenen (einschließlich einer endlosen Entlausung in der Dusche) wechseln mit endlosen Cafégesprächen, die an der Piazza Navona stattfinden, wo die unbändigen, sich überschneidenden Gespräche die wichtigsten Themen des Films berühren: zwischen Filmemachern, dem Staat und der Gesellschaft. ANNA ist weit davon entfernt Cinema vérité zu sein. Die Verwicklung aller Beteiligten schließt Reinszenierungen des ersten Treffens mit ein, eindeutige Versuche, die Protagonistin zu lenken sowie häufige Eingriffe von hinter der Kamera (nicht zuletzt das Auftauchen des Technikers aus der Crew als Liebhaber). Der Film wurde ursprünglich mit einer Video-Apparatur in einer Länge von 11 Stunden aufgezeichnet und im Juni 1975 in einer auf 4 Stunden gekürzten Fassung mittels des "Vidigrafo" (eine Eigenkonstruktion von Alberto Grifi) auf 16mm-Film übertragen. Im selben Jahr lief er im Internationalen Forum des jungen Films.

november 2012, living archive

Gespenster der Freiheit: Kino und Dekolonisierung 5.–7.11. & 27.–28.11.

"Gespenster der Freiheit: Kino und Dekolonisierung" stellt Bezüge her zwischen dem Filmarchiv des Arsenal und zwei Archiven in Mosambik und Guinea-Bissau, die wichtige Kapitel einer Geschichte des anti-kolonialen afrikanischen Kinos erzählen. Der Kurator Tobias Hering hat im Rahmen seines "Living Archive"-Projekts die portugiesischen Künstlerinnen Catarina Simão und Filipa César eingeladen, ihre unabhängig voneinander unternommenen Recherchen zu den beiden Archiven im Kino Arsenal vorzustellen. An insgesamt fünf Abenden schaffen Filme unterschiedlicher Herkunft, Bildfragmente und Tonspuren einen Resonanzraum, in dem die Rolle des Kinos in den Dekolonisierungsprozessen der 70er Jahre und auch die Politik von Archiven zur Sprache kommen können. Der zeitliche Fokus der Filmauswahl liegt auf den 70er Jahren. Zum Programm gehört eine Videoinstallation von Catarina Simão in der Black Box im Arsenal-Foyer (5.11.–12.11. und 26.11.–28.11., jeweils 16–22 Uhr, Anfang zur vollen Stunde). Am 27. und 28.11. wird zudem der Filmemacher Sana na N'Hada aus Guinea-Bissau zu Gast sein.