Mai 2014, living archive

Der filmische Nachlass von Gadalla Gubara

Schon zum zweiten Mal konnte das Arsenal – Institut für Film und Videokunst mit Mitteln des Auswärtigen Amtes ein Projekt zum Erhalt eines Filmbestands realisieren: Der filmische Nachlass des sudanesischen Filmemachers Gadalla Gubara (1920–2008). Gadalla Gubara war über 50 Jahre als Regisseur von Spielfilmen und als Dokumentarist tätig. Bis zu seinem Tod betrieb er das erste private Filmstudio in Khartum: das Studio Gad. Vor dem Hintergrund fehlender technischer und finanzieller Mittel, sowie prekärer Lagerbedingungen drohte dieses Filmerbe durch den fortschreitenden Materialzerfall verloren zu gehen. Mit der Förderung durch das Auswärtige Amt im Kulturerhalt-Programm wurde die Digitalisierung der Filme im Herbst 2013 in Berlin ermöglicht. Bereits im Jahr 2012 konnte im Rahmen des Projekts "Animated Archive" der Archivbestand des nationalen Filminstituts in Guinea-Bissau (INCA – Instituto Nacional de Cinema e Audiovisual) digitalisiert werden.

Gadalla Gubara ist einer der weniger bekannten Pioniere des afrikanischen Kinos. Im Jahr 1974 gründete er das erste Filmstudio im Sudan und war Mitbegründer der Panafrikanischen Föderation von Filmemachern, FEPACI, sowie dem FESPACO Festival (Ouagadougou, Burkina Faso). Sein Werk umfasst Spielfilme, Reportagen, dokumentarische Lehrfilme, Werbefilme und Home Movies. Er dokumentierte über fünfzig Jahre die politische und gesellschaftliche Entwicklung des Sudans: von der Unabhängigkeit im Jahr 1956 über die Phase der sozialistischen Regierung und ihrer Modernisierungspolitik bis zur Ausrufung der islamischen Republik 1983.

1974 gründete Gadalla Gubara mit dem Studio Gad das erste private Filmstudio im Sudan. Mit der Machtübernahme von Präsident Bashir im Jahr 1989 begann die Verfolgung von Intellektuellen, die drastische Eingriffe in die künstlerische Freiheit bedeutete. Gubaras Filmstudio wurde von der Armee konfisziert und er selber für einen Monat inhaftiert. Während der Haft verlor Gubara wegen fehlender medizinischer Versorgung seiner Diabetes das Augenlicht. Nach einem fünfjährigen Rechtsstreit, geführt von seiner Tochter Sara Gadalla Gubara, wurde das Studio schließlich wieder an ihn übergegeben. Gadalla Gubara arbeitete trotz seiner Erblindung weiter und drehte seinen letzten Film LES MISERABLES im Alter von 87 Jahren mithilfe seiner Tochter.

Mit der Förderung durch das Auswärtige Amt konnte ein Großteil des Filmbestandes im Herbst 2013 für die Digitalisierung nach Berlin transportiert werden. Die Universität in Bergen, Norwegen stellte zu diesem Zweck einen Scanner zur Verfügung. Im ersten Schritt konnten die 16 mm und 35 mm Positiv- und Negativmaterialien erfasst und digitalisiert werden. Unter den Positiven finden sich Film- und Schnittkopien sowie ungeschnittenes Material. Synchronton liegt in den meisten Fällen nur bei den Filmkopien vor. Der Großteil des Filmbestands weist beträchtliche Materialschäden auf und ist teilweise sehr rotstichig. Einige Filme aus dem Archiv sind darüberhinaus mit dem Essig-Syndrom infiziert oder so spröde, dass sie nicht mehr digitalisiert werden können.

"Der filmische Nachlass von Gadalla Gubara" ist ein Projekt des Arsenal – Institut für Film und Videokunst, konzipiert und durchgeführt von Nadja Korinth und Katharina von Schroeder in Zusammenarbeit mit der Familie Gubara.

Das Projekt wurde ermöglicht durch die Förderung im Kulturerhalt-Programm des Auswärtigen Amtes und durch die Unterstützung der Deutschen Botschaft in Khartum.

Mehr Informationen zum Projekt finden Sie hier.