
Fast 50 Jahre nach seiner Gründung hat der Verein Arsenal – Institut für Film und Videokunst e.V. eine 8.000 Titel umfassende Filmsammlung vorzuweisen. Sie spiegelt ein halbes Jahrhundert internationaler Filmkunst jenseits des Mainstreams anhand der lebendigen Geschichte einer Berliner Institution, die in ihrer Struktur weltweit einzigartig ist. Die Arbeit des Arsenal steht deshalb seit Anfang 2011 im In- und Ausland verstärkt unter dem Motto "Living Archive". Dabei gehen wir davon aus, dass ein Archiv nur im Bezug auf die Praxis der Gegenwart Bedeutung haben kann.
Im Juni 2011 hat das Projekt "Living Archive – Archivarbeit als künstlerische und kuratorische Praxis der Gegenwart" begonnen. Über 30 KuratorInnen, FilmemacherInnen, KünstlerInnen und andere Forschende sind eingeladen, Projekte aus dem Archivbestand des Arsenal zu entwickeln. Das Konzept beruht auf dem Gedanken, dass Projekte, die in ihrer Entwicklung Archivarbeit leisten und Handlungsbedarf feststellen, bewusst initiiert werden können, um Forschung, Erhalt und Veröffentlichung im Kontext zeitgenössischer kuratorischer und künstlerischer Praxis diskursiv miteinander zu verbinden. Living Archive stellt damit den Versuch einer zeitgemäßen Archivaufarbeitung dar, die nicht nur dem Selbsterhalt dient, sondern gleichzeitig Neues schafft und Zugänge herstellt.
Jeder/m TeilnehmerIn steht ein Budget für die Projektdurchführung zur Verfügung. Außerdem kann auf materielle Ressourcen zurückgegriffen werden, wie die Räume des Arsenal mit Schneidetischen, Sichtungsplätzen, zwei Kinos, Fachpersonal, sowie die Unterstützung durch Kopierwerke und technische Dienstleister, die dem Haus verbunden sind.
Um einen regelmäßigen Erfahrungsaustausch sowie einen begleitenden Diskurs über das Arsenal im Speziellen und Fragen an den Umgang mit Archiven und Geschichtsforschung im Allgemeinen zu ermöglichen, wird jeden Monat ein gemeinsames Kolloquium durchgeführt. Diese finden in den Räumen des Kooperationspartners Salon Populaire statt.
Daran gekoppelt ist die Veranstaltung "Öffentliche Sichtung" im Kino Arsenal. Neben den Sichtungen am Schneidetisch bietet dieser Rahmen die Möglichkeit zur Begutachtung der Filmkopien auf der Leinwand, sowie einzelne Filme in größerer Runde zu diskutieren. Diese Veranstaltung ist für die Öffentlichkeit zugänglich und bietet Einblicke in die Diversität des Projektes und nicht zuletzt in das Arsenal-Filmarchiv selbst.
Im Rahmen von einem mehrtägigen Festival/Kongress werden die Projekte im Sommer 2013 der Öffentlichkeit präsentiert. Auf dem Weg dahin wird es neben der monatlichen "Öffentlichen Sichtung" auch Präsentationen einzelner Projekte und weitere Veranstaltungen geben.
Über alle Veranstaltungen und Entwicklungen von "Living Archive – Archivarbeit als künstlerische und kuratorische Praxis der Gegenwart" informieren wir auf unserer Webseite sowie in dem Newsletter, den Sie online abonnieren können.
Die TeilnehmerInnen des Projektes sind: Madeleine Bernstorff, John Blue, Tim Blue, Ellen Blumenstein, Oksana Bulgakowa / Dietmar Hochmuth, Vaginal Davis, Martin Ebner, Heinz Emigholz, Entuziazm (Michael Baute, Volker Pantenburg, Stefan Pethke, Stefanie Schlüter), Harun Farocki, Anselm Franke, Stephan Geene, Milena Gregor, Nanna Heidenreich, Tobias Hering, Brent Klinkum, Birgit Kohler, Merle Kröger, Eunice Martins, Angela Melitopoulos, Avi Mograbi, Sabine Nessel, Winfried Pauleit, Constanze Ruhm, Susanne Sachsse, Ines Schaber, Philip Scheffner, Stefanie Schlüter, Sabine Schöbel, Marcel Schwierin, Marc Siegel, Hito Steyerl, Dorothee Wenner, Ian White, Nicole Wolf, Florian Wüst, Florian Zeyfang.
Teilnehmende StipendiatInnen des Goethe-Instituts: Madhusree Dutta (Bombay), Darryl Els (Johannesburg), Ala Younis (Amman), Joel Pizzini (Sao Paolo), Lauren Howes (Toronto) und weitere.
Das Projekt "Living Archive – Archivarbeit als künstlerische und kuratorische Praxis der Gegenwart" wird gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes und die Stiftung Deutsche Klassenlotterie Berlin. Das Stipendiatenprogramm im Rahmen des Projekts Living Archive wird gefördert durch das Goethe-Institut.