Historischer Hintergrund

Im Gegensatz zu anderen Filmarchiven wurde niemals ein Sammlungsauftrag beschlossen, den der Verein anhand definierter Kriterien durchzuführen hatte. Stattdessen entstand aus seiner eigenen kuratorischen und vermittelnden Praxis heraus immer wieder die Notwendigkeit, Filme verfügbar zu halten, damit sie überhaupt eine Öffentlichkeit in Berlin, in Deutschland oder in einigen Fällen auch weltweit erreichen konnten. Insofern spiegelt die Filmsammlung ein halbes Jahrhundert internationale Kinogeschichte jenseits des Kommerziellen, anhand der lebendigen Geschichte einer Berliner Institution, die in ihrer Struktur weltweit einzigartig ist.

"Ein Kino für öffentliche Vorführungen zu betreiben, gehört zu den unverzichtbaren Aufgaben eines Filmarchivs. Zwar gibt es einen alten und niemals endenden Streit unter Filmarchivaren, was wichtiger sei, Filme zu konservieren oder sie zu zeigen, jedoch wird niemand im Ernst bestreiten, dass die Organisation von regelmäßig stattfindenden Filmvorführungen auch zu den wesentlichen Zielen einer Kinemathek gehört. Einige Filmarchive, so die Pariser Cinémathèque Française, haben sogar über lange Jahre durch ihre Zyklen und Retrospektiven die Filmkultur ihres Landes beeinflusst." (Ulrich Gregor)

An der Herausbildung der Sammlung waren in den letzten Jahrzehnten unzählige Personen – intern und extern – beteiligt. Nur so konnte ein derart lebendiges Bild aus einem Jahrhundert internationaler Filmgeschichte entstehen. Aus diesem Grunde glauben wir, dass auch heute zahlreiche Personen aus der Praxis ihre spezifischen Perspektiven einbringen sollten, um die Sammlung in ihrem ureigensten Selbstverständnis aus der Gegenwart heraus unter Berücksichtigung der Geschichte in eine Zukunft zu überführen, um damit genau jenes lineare Zeitverständnis aufzubrechen.

Erfahren Sie mehr zur Geschichte von arsenal kollektion.

Arbeiten mit dem Archiv / Der Status quo des Archivs

Filmkopien altern. Sie werden auch bei guter Pflege rotstichig, verkratzt, gewellt und im schlimmsten Fall unspielbar. Selbst wenn es sich um Filme handelt, die bis heute nirgendwo in einer digitalisierten Form existieren, wird es durch veränderte Sehgewohnheiten und Qualitätsansprüche zunehmend schwieriger, Kopien, die nicht mehr im Top-Zustand sind, einem Publikum vorzuführen. Hinzu kommt die Tatsache, dass immer mehr Kinos zugunsten einer digitalen Technik ihre 16mm-Projektoren entsorgen und die Filme nicht mehr entleihen. Gleichzeitig wächst das Interesse von Seiten der Kunst- und Kulturwissenschaften an der Filmgeschichte. Um sie dort zugänglich zu machen, werden heute die unterschiedlichsten analogen und digitalen Formate benötigt.


Es erscheint wenig sinnvoll, im Rundumschlag das ganze Archiv mit hohem Kostenaufwand zu digitalisieren. Viele Kopien sind noch gut erhalten, können aber dennoch nicht als Ausgangsmaterial dienen. Zudem hat sich bis heute noch kein zukunftsweisendes digitales Trägerformat etabliert und die Datenspeicherung ist mit extrem hohen Kosten verbunden. Nichtsdestotrotz gibt es Filme, deren einzige Kopie, oder sogar ihr Negativ weltweit nur im Arsenal überlebt hat. Um dies herauszufinden, ist noch ein erheblicher Forschungsaufwand von Nöten. Bislang kamen solche Fälle oftmals erst durch die Recherche externer Kuratoren und Wissenschaftler an einzelnen Themen zu Tage.


Nicht zuletzt treten neue Generationen dem Archiv vor dem Hintergrund einer veränderten Sozialisierung gegenüber. Dies betrifft historische Kenntnisse, kulturelle Kontexte, Perspektiven, geopolitische Herkunft, Theoriebildung, Medienkompetenz. Wie lässt sich ein Archiv hier einbinden? Wie kann es vor diesem Hintergrund zugänglich gemacht werden? Und inwiefern verändert eine zeitgenössische Wahrnehmung die Filme selbst?