Summer School

Seit 2009 bietet das Arsenal – Institut für Film und Videokunst in jedem August eine Summer School an. Sie richtet sich an alle Interessierte aus den verschiedenen Bereichen der Film- und Videokunst. Ziel der Summer School ist, in drei Tagen ein Thema, das sich im Grenzbereich zwischen Theorie und Praxis des Films bewegt, ohne Leistungsdruck tiefer zu erörtern.

Vom 23. bis 25. August findet die nunmehr vierte Arsenal Summer School statt. Unter dem Titel DAS WILDE DENKEN. EXPERIMENTALFILM ALS METHODE betrachten ReferentInnen aus Theorie und Praxis in acht Veranstaltungen – Werkstattgesprächen, Diskussionen, Filmgesprächen und Screenings – experimentelle Formen als Ausdruck einer Vision des Kinos im Verhältnis zur Welt. Die diesjährige Arsenal Summer School führt inhaltlich auf die im Oktober stattfindende Tagung "Think:Film" hin.

Mit Beiträgen von Heinz Emigholz, Milena Gregor, Arne Hector, Birgit Hein, Birgit Kohler, Jenny Perlin, Stefanie Schulte Strathaus, Marc Siegel, Minze Tummescheit. Moderiert von Milena Gregor, Birgit Kohler und Stefanie Schulte Strathaus

Programm als PDF zum Download

Veranstaltungsort ist das Arsenal – Institut für Film und Videokunst im Filmhaus am Potsdamer Platz, Potsdamer Str. 2, 10785 Berlin.

Die Teilnehmerzahl ist auf 30 Personen begrenzt. Plätze werden nach Eingang der Anmeldungen vergeben. Anmeldeschluss ist der 30. Juli 2012. Teilnahmegebühren: 110 Euro / 90 Euro (Mitglieder, Studierende, Berlin-Pass) / 70 Euro (Mitglieder im arsenal freundeskreis).

Anmeldeformular als PDF zum Download

Bei Fragen wenden Sie sich bitte an: Nora Molitor oder Angelika Ramlow | Projektkoordination summerschool(at)arsenal-berlin

 

PROGRAMM

Donnerstag, 23.8.

9.30 Uhr Begrüßung der TeilnehmerInnen und Einführung durch Milena Gregor, Birgit Kohler und Stefanie Schulte Strathaus (Arsenal – Institut für Film und Videokunst)
Ort: Kino 2, 2. UG

10 – 12 Uhr Milena Gregor, Birgit Kohler, Stefanie Schulte Strathaus: Einführung in die Experimentalfilmsammlung des Arsenals anhand der Lektüre des Textes: „Genre und Subjektivität im Experimentalfilm“ von Anselm Franke.
"Wie lässt sich die Geschichte eines Genres schreiben, das kein Genre ist? Ist die Idee des Experimentalfilms nicht, gerade gegen das ästhetische Regime der normativen Genres anzutreten und diese gleichsam zu exorzieren? Einen Befreiungsschlag auszuführen gegen die Regulierung der Imagination in den Bahnen der Konvention und Narration? Wenn es nämlich stimmt, dass der Experimentalfilm allenfalls als Antigenre durchgeht, wie ist dann das Erbe des Experimentalfilms zu bewerten, wie die historische Entwicklung seines Verhältnisses zum Genre-Mainstream? Damit hängt eine weitere Frage zusammen: Was ist aus dem ursprünglichen emanzipatorischen Versprechen des Experimentalfilms geworden? Das Erbe des Experimentalfilms hängt in diesem Fall offensichtlich vom Schicksal der Genres ab. Inwieweit die Genres aber auch umgekehrt vom Experimentalfilm abhängen, das wird sich noch herausstellen müssen." (Auszug aus dem Text)
Ort: Kino 2, 2. UG

13.30 – 15.30 Uhr Heinz Emigholz: Bildarbeit
Worin besteht Kameraarbeit? In der aktiven Anwesenheit des Gehirns in dem durch das vorgesetzte Linsensystem in die Augen eingespiegelten Ausschnitt von Welt. Sie ist eine mit Hilfe der Dinge in die Welt hineingespiegelte Entscheidung des Blicks. Die Welt existiert außerhalb des Blicks, aber nichts von ihr bleibt im Bewusstsein ohne die Wiederholung des festgehaltenen Blicks. Wie wird Kameraarbeit wahrgenommen und worin besteht die Arbeit des Zuschauens? Ausführungen zum Zusammenhang von Bildarbeit und Denken, zur bewusst wahrgenommenen Kamera und der Stellung des Betrachters im modernen Film.
Ort: Kino 2, 2. UG

16 – 18 Uhr Arne Hector, Minze Tummescheit: "in arbeit - L'Abominable"
"in arbeit" ist eine filmische Untersuchung zu Bedingungen, Möglichkeiten und Grenzen kollektiven Handelns. Dabei wird der kommunikative Prozess der Recherche zum Inhalt einer Serie von Filmen. Im ersten Teil geht es um das kollektive Filmlabor "L'Abominable". Es funktioniert als Selbsthilfewerkstatt, in der Film entwickelt, bearbeitet, montiert und kopiert werden kann. Das Laborkollektiv hat sich die Produktionsmittel und das Wissen angeeignet, um FilmemacherInnen eine finanzielle und gestalterische Autonomie im Produktionsprozess zu ermöglichen. "Für uns bedeutet dokumentarisches Arbeiten an Langzeitprojekten ein Experimentieren – zwischen Methoden der militanten Untersuchung und der Suche nach einer adäquaten filmischen Form für politische Inhalte."
Ort: Kino 2, 2. UG

19 Uhr Abendessen

Freitag, 24.8.

10 – 12 Uhr Stefanie Schulte Strathaus: Experiment: Institution
Am Anfang war der Film. Und es werden immer mehr: Experimentalfilme, Videokunst, Künstlerfilme, Doppel- und Mehrfachprojektionen, Undergroundkino, Handyaufnahmen von Revolutionen, Youtube-Clips, Found Footage Filme. Bewegtbilder in allen Variationen, die bereits vieles in Bewegung versetzt haben: Filmfestivals stellen Installationen aus, Kunstaustellungen zeigen Filme, das Internet übernimmt Aufgaben von schwer zugänglichen Filmarchiven und wird zur Distributionsplattform. Experimentelles Kino ist überall. Liegt darin ein institutionskritisches Potenzial? Inwiefern verändern sich Wissens- und Zuständigkeitsbereiche? Wem gehören welche Bilder, was vermitteln sie im jeweiligen Kontext, wann wird der Inhalt zur Form? Hat die Annäherung zwischen Kunst und Kino institutionelle Strukturen überhaupt berührt, sie verändert, oder gar neue hervor gebracht?

13.30 – 15.30 Uhr Jenny Perlin: Sprache-Bild-Dokument
Wir wollen gemeinsam einen genauen Blick darauf werfen, wie Politik sich in den kleinsten Alltäglichkeiten widerspiegelt. Zusammen werden wir Wege untersuchen, die Kulturen, in denen wir uns bewegen, freizulegen und zu interpretieren. Zu diesem Zweck analysieren wir Fragmente, Notizen, Kritzeleien und unvollständige Entwürfe. Meine Filme entstehen oft durch die Wiederbelebung gefundener Texte: Texte, die dem täglichen Erleben entstammen und Dokumente der Vergangenheit; Umdeutungen unvollständiger Gespräche, Schnipsel von Partituren oder Selbstoptimierungs-Anleitungen. Indem wir diese Elemente im Film in einen zeitlichen Bezug zueinander setzen, ergibt sich eine Möglichkeit, das „Damals“ und das „Hier und Jetzt“ durch eine andere Art von Erzählung, die auf Anhäufung basiert, zu verbinden. Wir werden Filme schauen (von mir und anderen FilmemacherInnen), gemeinsam lesen und diskutieren.
Ort: Kino 2, 2. UG

16 – 18 Uhr Birgit Kohler: Mit dem Kino gegen das Kino
Die Akteure des Lettrismus, einer von der Literatur ausgehenden Avantgarde-Bewegung im Frankreich der Nachkriegszeit, zielten auf eine Revolutionierung traditioneller ästhetischer Formen. Isidore Isous legendärer Film Traité de bave et d’éternité (Traktat von Geifer und Ewigkeit, 1951) gilt als das lettristische Manifest des Kinos. Der Held des Films – Alter ego des Filmemachers – bringt all das zum Ausdruck, was Isou am Kino liebt und hasst. Vor dem Hintergrund der gemeinsamen Sichtung von Filmausschnitten werden die formalen Provokationen bzw. Innovationen dieser "kinematografischen Explosion" diskutiert und Isous Gesten der Negation und Destruktion als Ausdruck einer spezifischen alternativen Vision des Kinos untersucht.
Ort: Kino 2, 2. UG

Samstag, 25.8.

10 – 12 Uhr Birgit Hein: Experimentalfilm und Medienkunst
Die Geschichte der Medienkunst beginnt mit den Avantgardefilmen der 20er Jahre. Aus heutiger Sicht sind vor allem die theoretischen Schriften von Laszlo Moholy-Nagy wegweisend, der bereits 1925 fordert, alle zur Zeit verfügbaren optischen Techniken für die künstlerische Gestaltung zu nutzen. Er definiert die medienimmanenten Gestaltungsmittel für den Film als Projektion von Licht in der Zeit. Durch diese grundlegende Loslösung vom Kontext des traditionellen narrativen Kinos wird Film als Medium der bildenden Kunst verfügbar. Mitte der 60er Jahre wird Film als expanded Cinema zur ‚Lingua Franca‘ der Avantgarde. „Jede neue Möglichkeit, Licht zu schaffen oder zu kontrollieren ist eine potentielle Form von Kino“ (Sheldon Rhenan). Wenn wir die Vorstellung wieder aufgreifen, daß Film eine Idee ist, die zeitweilig bestimmte Materialien annimmt, dann ist Zelluloid nur ein zeitweiliger Träger dieser Idee, der durch andere Materialien ersetzt werden kann. Inwischen ist nicht nur der Film sondern auch das Video durch immaterielle digitale Bildaufzeichnung überholt. Doch die Elemente Licht und Zeit gelten für die Medienkunst nach wie vor.
Ort: Kino 2, 2. UG

13.30 – 15.30 Uhr Marc Siegel: Experimentelles Filmemachen/Experimentelles Filmeschauen
Dieser Workshop untersucht die Beziehungen zwischen ‘on-‘ und ‘off-screen’, zwischen dem, was sich auf und jenseits der Leinwand abspielt – sowohl im klassischen Hollywoodfilm, als auch in den Arbeiten der Nachkriegs-Avantgarde. Es wird jedoch nicht schlicht um das Verhältnis zwischen dem Raum hinter der Kamera (einem der ‘off-screen’-Räume, die in der Filmwissenschaft Thema sind) und dem Bild auf der Leinwand gehen. Auch die Zuschauer bringen sich auf komplexe Weise in Filme mit ein. Der Raum des Filmeschauens soll dementsprechend als ein experimenteller ‘off-screen’-Raum verstanden werden, ein Raum, der durch Spekulationen, Klatsch und/oder die camp Reaktionen der Zuschauer zum Leben erwacht. Lassen Sie uns gemeinsam perverse Zusammenhänge zwischen, sagen wir, Billy Wilder und Jack Smith oder Hedy Lamarr und Laura Mulvey imaginieren.
Ort: Kino 2, 2. UG

16 – 18 Uhr Abschlussdiskussion mit anschließendem Umtrunk.