Arsenal Summer School 2017

Maria Eichhorn: 23 Kurzfilme / 23 Filmplakate (1995/2002)

ONE PLUS ONE
Curating the Archive


24.–26. August 2017

Jedes Jahr im August bietet das Arsenal – Institut für Film und Videokunst eine Summer School an. Drei Tage lang setzen sich die Teilnehmer*innen mit einem Thema an der Schnittstelle von Theorie und Praxis auseinander.

Digitalisierung, Restaurierung und Langzeitarchivierung sind Themen, die das Arsenal derzeit sehr beschäftigen. Die Zeit ist knapp, da analoge Filme vom Zerfall bedroht sind, und die Kosten sind hoch, so dass in der Regel für jede Maßnahme erst einmal eine Finanzierung gefunden werden muss. Trotz dieses Handlungsdrucks darf nicht übersehen werden, dass zu einem nachhaltigen Umgang mit Filmgeschichte auch das kollektive Gedächtnis beiträgt. Filme leben in der Erinnerung derjenigen weiter, die sie gesehen haben. Die Art und Weise, wie sich dabei ein Film ins Gedächtnis einprägt, steht in enger Verbindung mit den Bedingungen der Rezeption: Wann, wie und unter welchen Umständen wurde der Film gesehen? Welche anderen Filme oder filmischen Ereignisse haben seine Vorführung gerahmt?

One Plus One: Die Summer School 2017 geht davon aus, dass ein Archivfilm nur in Bezug auf die Gegenwart Bedeutung haben kann und nicht losgelöst von der konkreten Aufführungssituation erinnert wird. In den Beiträgen und Workshops geht es deshalb um die Praxis des Kuratierens: Wie schaffe ich Wahrnehmungsräume für Archivfilme, in denen die Filmgeschichte zu einer Erfahrung der Gegenwart werden kann? Wie kann die Aufführungspraxis zur Gedächtnisbildung und damit zu Prozessen der Archivierung beitragen?

Mit Beiträgen von Bettina Ellerkamp, Mohamed A. Gawad, Milena Gregor, Jörg Heitmann, Birgit Kohler, Markus Ruff, Stefanie Schulte Strathaus und Nicole Wolf.

Die Veranstaltungen finden in deutscher Sprache statt.

Anmeldung
Die Teilnehmer*innenzahl ist auf 30 Personen begrenzt. Plätze werden nach Eingang der Anmeldungen vergeben.

Teilnahmegebühren: 135 Euro / 115 Euro (Mitglieder, Studierende, Berlin-Pass) / 95 Euro (Mitglieder im arsenal-Freundeskreis)

Anmeldeschluss ist der 5. August 2017

Anmeldeformular als PDF zum Download

Programm als PDF zum Download

Veranstaltungsorte:
silent green Kulturquartier
Gerichtstr. 35, 13347 Berlin
& Kino Arsenal
im Filmhaus am Potsdamer Platz
Potsdamer Str. 2, 10785 Berlin

Kontakt
Angelika Ramlow | Projektkoordination
summerschool(at)arsenal-berlin.de

Programm

Donnerstag, 24.8.


9:00 Uhr, silent green Kulturquartier
Ankunft und Begrüßung

10:00–12:00 Uhr, silent green Kulturquartier
Vorstellung des "Living Archive" und Führung durch das Archiv
Stefanie Schulte Strathaus, mit einem Beitrag von Mohamed A. Gawad (Living Archive Alumni)

10.000 Filme füllen 500 m2 Raum und wiegen zusammen fast 60.000 kg. Doch jedes Archiv ist nur so relevant wie sein Bezug zur Gegenwart, und die besteht mehr denn je in einer Öffnung zur Welt: Als "Living Archive" bezeichnen wir die filmarchivarische Praxis des Arsenal, die künstlerische, kulturelle und Wissensproduktion, sowie filmische Rezeption stets mit im Blick hat und deshalb jede*n Nutzer*in des Archivs als potentielle*n Archivar*in sieht.

12:00 Uhr, silent green Kulturquartier
Mittagessen im Restaurant Mars

13:30–15:30 Uhr, silent green Kulturquartier
Zwischen zwei Filmen
Stefanie Schulte Strathaus über das Nacheinander kurzer Filme, ihre Vergänglichkeit und filmische Satzbauten

Das Zusammenstellen kurzer Filme kann mit dem Schneiden eines einzelnen Films, mit dem Schreiben eines Textes oder mit einer Komposition verglichen werden, wobei die Polyphonie erkennbar bleiben muss: jeder Film ein eigener Ton. Erscheint er auf der Leinwand, droht er bereits, vom nächsten Film überlagert zu werden. Doch was geschieht zwischen den Filmen? Können wir diesen Raum des Vorher und Nachher erfassen oder sogar gestalten? Ein kuratiertes Programm macht einen alten Film zu einem neuen und genau daraus entsteht seine ästhetische Erfahrbarkeit.

16:00–17:30 Uhr, silent green Kulturquartier
Workshop
Programme konzipieren


Vier ausgewählte Filme werden in Gruppen gesichtet. Anschließend stellen die Teilnehmer*innen Programme zusammen und erarbeiten Präsentationsformen, mit denen sie Erfahrungsräume für die einzelnen Werke, aber auch etwas Neues schaffen.

17:30–19:00 Uhr, silent green Kulturquartier
Präsentation und Diskussion der Ergebnisse im Plenum

19:30 Uhr, silent green Kulturquartier
gemeinsames Abendessen im Restaurant Mars (im Preis inbegriffen)

Freitag, 25.8.

10:00–12:00 Uhr, silent green Kulturquartier
Filme bewegen: Radical Lefts and Feminist Third/Militant Cinemas – Die Filme des Yugantar Film Kollektivs
von Nicole Wolf


Das feministische Film-Kollektiv Yugantar (gegründet in Hyderabad, Indien) entwickelte zwischen 1980 und 1984 vier Kurzfilme in Kollaboration mit politisch Agierenden (Tabakfabrikarbeiterinnen, Haushaltshelferinnen und anderen Aktivistinnen). Die vielstimmigen Erinnerungen an diese Filme sprechen von komplexen Prozessen des Aushandelns, von filmischen Ereignissen, die öffentliche Räume schaffen oder neu denken und von Möglichkeitsräumen politischen Denkens und Bewegens im Zuge des Autonomous Women’s Movement. Was bewegt diese Filme in der Gegenwart, wer bewegt sie, was bewegen sie und wie könnten von dort aus, spekulativ, neue film/politische Geschichten gedacht werden?

12:00 Uhr, silent green Kulturquartier
Mittagessen im Restaurant Mars

anschließend Umzug ins Arsenal

14:00–16:00 Uhr, Kino Arsenal
Jäger und Sammler – Kuratieren zwischen Aktualität und Archiv
von Birgit Kohler


Das Filmarchiv des Arsenals ist einst in enger Beziehung zur Programmarbeit entstanden. Heute wird das Arsenal-Kinoprogramm zwar nur zu einem eher kleinen Teil aus den eigenen Archivbeständen bestückt – filmgeschichtliche Reihen sind auf Kopien aus anderen Archiven angewiesen, und was das Gegenwartskino angeht, kommen aktuelle Filme zum Einsatz, die ihre Archivierung erst noch vor sich haben – doch sind Bezüge zur Sammlung des Arsenals nach wie vor vorhanden. Anhand von konkreten Beispielen geht es darum, wie und warum eine Filmreihe aus dem Archiv heraus entsteht, in das Archiv hineinwirkt oder losgelöst vom Archiv zusammengestellt wird. So gerät in den Blick, dass das Arsenal-Archiv jenseits der Filmkopien auch die Programme umfasst, in denen sie figurieren und die Texte, die sie begleiten – und dass beides Ausweis einer spezifischen Idee und Praxis des Kuratierens ist.

16:30–18:30 Uhr, Kino Arsenal
Produzieren ist das neue Archivieren
Über Digitalisierung, Restaurierung und andere Fragen, die Geschichte und Gegenwart an uns stellen.
Markus Ruff im Gespräch mit Stefanie Schulte Strathaus


Aus jeder Restaurierung geht ein neues Ergebnis hervor. Es ist dabei nicht entscheidend, auf welchem Weg die Restaurierung erfolgte, photochemisch oder digital, wenngleich die technischen Möglichkeiten unterschiedlich sind. Jeder Restaurierung liegen Entscheidungen zugrunde, die ausgehend vom Referenzpunkt und entsprechend der technischen Möglichkeiten bestimmend sind. Welche Aspekte der Restaurierung sind hier insbesondere zu betrachten? Welche Begriffe stehen der Filmrestaurierung zur Verfügung, und wie groß ist ihr Definitionsrahmen? Anhand von Fallbeispielen werden Begriffe diskutiert wie „Digitalisierung“, „Restaurierung“, „Referenz“, „Unikat“, „Original“, die im Diskurs über Filmrestaurierung zentral sind. Herangezogen werden zum einen zwei aktuelle Restaurierungsprojekte, SHAIHU UMAR von Adamu Halilu (Nigeria 1976) und LA ZERDA ET LES CHANTS DE L’OUBLI von Assia Djebar (Algerien 1982), sowie zwei (Wieder)Aufführungen bei der diesjährigen Berlinale, MONANGAMBEEE von Sarah Maldoror (Algerien 1969) und ORG von Fernando Birri (Italien 1967–78).

18:30 Uhr
Abendessen im Restaurant Ki-nova


20:00 Uhr, Kino Arsenal
Die Magical History Tour
Filmprogramm mit einer Einführung von Milena Gregor


Filmhistorische Anthologie-Programme haben eine lange Tradition im Arsenal. Anfängliche, eher kanonische „100-beste-Filme-Programme“ wurden bald von gleichermaßen exzessiveren wie spielerischeren, 200 bzw. 365 Filmen umfassenden Programmreihen abgelöst. Das kritische Filmgeschichtsverständnis des Hauses und der Sammlung prägte nicht nur die variantenreichen Durchläufe, sondern ebnete letztlich den Weg zum filmhistorischen Perpetuum mobile: Anhand von monatlich wechselnden, mittlerweile 33 Themen schlägt die Magical History Tour seit 2009 jeden Monat eine andere Filmgeschichtsperspektive vor: quer durch Zeiten, Regionen, Genres, Stile, immer auch eine heutige Filmgeschichte im Blick, immer subjektiv, immer in engem Austausch mit der Sammlung. Filmgeschichte als Filmgeschichten – to be continued.

Samstag 26.8.

10:00–12:00 Uhr, silent green Kulturquartier
Formwandlungen (I)
Über Filmgeschichte im Ausstellungsraum
von Stefanie Schulte Strathaus


Wenn wir sagen, dass jeder Film nur aus der Gegenwart heraus Bedeutung haben kann, gehen wir davon aus, dass das historische Moment seiner Uraufführung nicht wieder herstellbar ist. Doch wie verhält sich das mit dem Raum? Kann der Kinoraum mehr Nähe zum Original versprechen als der Ausstellungsraum? Entspricht der Transfer dorthin möglicherweise eher der historischen Distanz? Wann kann ein Film das Kino verlassen und wann sollte er dorthin zurückkehren? Oder hat diese Diskussion angesichts des Internets ohnehin ihre Bedeutung verloren?

12:00 Uhr, silent green Kulturquartier
Mittagessen im Restaurant Mars

13:30–15:00 Uhr, silent green Kulturquartier
Formwandlungen (II)
Utopie des Kinos: Ein Krematorium wird zum Ort filmischer Forschung.
Führung durch das silent green und seine Geschichte
von Bettina Ellerkamp und Jörg Heitmann

Seit 2013 ist das silent green in der glücklichen Situation, das älteste Krematorium Berlins und damit ein in Berlin einzigartiges Gebäude mit einer bewegten Geschichte in privater Trägerschaft zu bespielen. Es ist nicht neu, dass Kulturtreibende sich in Berlin den Brachen und leerstehenden Gebäuden der Stadt annehmen, um sie mit neuem Leben zu füllen. In diesem Fall handelt es sich jedoch nicht wie oft üblich um ein Fabrikgebäude. Das silent green befindet sich in einem ehemaligen Krematorium. Wir tragen damit nicht nur die Verantwortung für den Erhalt eines architektonischen Juwels, eine Insel inmitten der Stadt Berlin. Wir sehen es darüber hinaus als unsere Pflicht, mit diesem besonderen Erbe verantwortungs- und respektvoll umzugehen. Das silent green versteht sich als geschützter Raum, in dem gedacht, geforscht und experimentiert werden kann. Im Mittelpunkt steht dabei ein formenübergreifendes Arbeiten: Grenzen einzelner künstlerischer Disziplinen sollen verschoben werden, um sie zu neuen, hybriden Formen zu verknüpfen. Unter dem Titel "Film Feld Forschung" widmet sich das silent green den Formen und Rändern des dokumentarischen Erzählens. Entstehen soll ein Zentrum für Bewegtbildkunst – mit Ausstellungsprojekten, diskursiven und performativen Formaten. Auf diese Weise soll ein Ort der übergreifenden Begegnung und Teilhabe entstehen, in dem sich Netzwerke und Kommunikationsräume zwischen Praxis und Theorie, Forschung und Anwendung, Produktion und Präsentation bilden können.

15:30–17:30 Uhr, silent green Kulturquartier
Abschlussdiskussion

17:30 Uhr, silent green Kulturquartier
Drinks