Drei Filme von Safi Faye

Im Juni befindet sich Safi Faye, die allgemein als erste Filmemacherin Schwarzafrikas gilt, auf Tour durch Deutschland. Wir freuen uns, sie während ihres Aufenthalts in Deutschland auch in Berlin im Arsenal begrüßen zu dürfen und zeigen drei ihrer wichtgsten Filme. Safi Faye wurde im Senegal geboren und ging Ende der sechziger Jahre nach Paris, um an der dortigen Ecole Pratique des Hautes Etudes Ethnologie zu studieren. Kurze Zeit später lernte sie Jean Rouch kennen, in dessen Film Petit à Petit (1969) sie mitwirkte. Parallel zu ihrem Ethnologie-Studium schrieb sie sich an der Filmhochschule ein und wandte sich bald ganz dem Film zu. 1975 entstand ihr erster Film KADDU BEYKAT (Nachrichten aus dem Dorf, 1975), der in ruhigen Bildern den Rhythmus der Feldarbeit und den Alltag in ihrem Heimatdorf im Senegal zeigt. Im Mittelpunkt steht der junge Ngor, der nach einer schlechten Ernte in die Stadt geht, um Arbeit zu suchen, dort jedoch enttäuschende Erfahrungen macht. Der Film thematisiert auf sehr direkte Weise die Probleme, die durch (Erdnuss-)Monokultur, Kreditwirtschaft und Landflucht entstehen. „Die Landwirtschaft spielt in der Ökonomie unseres Landes eine entscheidende Rolle. Der Teufelskreis von Trockenheit, Hunger und Landflucht ist durch das Prinzip der Monokulturen verursacht, einem Restbestand aus der kolonialen Vergangenheit.“ (Safi Faye) (14.6.)
„In Afrika ist ein Greis, der stirbt, eine Bibliothek, die verbrennt.“ Mit diesem Vorspruch beginnt Safi Fayes Film FAD, JAL (Neuankömmling, arbeite; 1979). In vier Episoden erzählt der Film die Geschichte eines senegalesischen Dorfes und beschreibt einen Zeitraum von drei Monaten und drei Tagen. Während dieser Zeit warten die Dorfbewohner auf eine gute Ernte. Kontrapunkt der Handlung sind die Ausführungen eines alten Mannes, der den Kindern die Traditionen näherbringen will. Mit großem Einfühlungsvermögen schildert Safi Faye den Alltag und die Probleme der Menschen des Dorfes. „Ich war Beobachterin und habe nichts getan, als ihnen zuzuhören. Ich habe mich nicht von der Stelle gerührt und so gefilmt, als wäre ich ein Gesprächspartner.“ (Safi Faye) (18.6.)
Ihr bisher jüngster Film Mossane (1996) spielt in Mbissel, einem kleinen Dorf in der Nähe der senegalesischen Atlantikküste. Hier wohnt die junge Mossane mit ihrer Familie. Respekt vor den überlieferten Traditionen und die Verehrung der Geister bestimmen das Leben der Familie. Einer Legende zufolge wird alle zwei Jahrhunderte ein Mädchen geboren, dessen Schönheit ihr zum Verhängnis wird. Mossane ist strahlend schön und wird von vielen Männern im Dorf begehrt. Mit Verweis auf die alte Legende, rät ein Heiler und Hellseher den Eltern, die Tochter schleunigst zu verheiraten. Bei der Suche nach einem Ehemann stehen sowohl Tradition als auch wirtschaftliche Überlegungen im Vordergrund. Und so fällt die Wahl auf Diogoye, einen in Frankreich lebenden wohlhabenden Emigranten. Doch Mossane liebt den mittellosen Studenten Fara. In Zusammenarbeit mit EZEF und der bpb. (16.6., in Anwesenheit von Safi Faye)