Forum Expanded Think:Film No.3

In Zusammenarbeit mit der Allianz Kulturstiftung präsentiert Forum Expanded eine Reihe von Vorträgen und Panels unter dem Titel Think:Film No. 3. Das diesjährige Thema, "To the Sound of the Closing Door", wird eingangs in vier Keynote-Vorträgen sowie in den folgenden Panels behandelt.

Ort: Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin
Alle Panels, Vorträge und Diskussionen nur in Englischer Sprache

Samstag 07.02.
Forum Expanded Key Notes: "To the Sound of the Closing Door"

“I thought the New Wave, at the time, was a beginning and everything was going to continue. Now I think it was the door closing.” (Jean-Luc Godard)
Wenn eine Tür sich schließt, muss das nicht zwangsläufig das Ende einer Möglichkeit bedeuten. Das 10. Forum Expanded stellt diese Endgültigkeit in Frage, indem es dem Nachhall der zugeschlagenen Tür nachspürt. Das Programm fragt danach, in welchen Momenten neue Projekte und Utopien entstehen können und wie historische Brüche und Umwälzungen Visionen von und Erwartungen an die Zukunft generieren. Die Bewegungen und Narrative, die das Schließen, Öffnen und Durchschreiten dieser metaphorischen Türen erzeugen, beinhalten aber auch immer die Möglichkeit des Ausschlusses und des Scheiterns der neuen Projekte – doch woran messen sich Erfolg und Misserfolg?

12:00 Gertrud Koch
12:45 Diedrich Diederichsen
14:00
Ekaterina Degot
14:45
Haytham El-Wardany mit Lara Khaldi, Yazan Khalili
Moderation: Anselm Franke, Bettina Steinbrügge

Sonntag 08.02.
Naum Kleiman und Maxim Pavlov im Gespräch mit Ekaterina Degot
12:00 Im Forumsprogramm wird dieses Jahr in einem Sonderprogramm Tatiana Brandrups Film Cinema: A Public Affair gezeigt. Der Film porträtiert den Filmhistoriker Naum Kleiman, Gründer des Eisenstein-Archivs sowie von 1989-2014 Leiter des Moskauer Filmmuseums. Gemeinsam mit dem stellvertretenden Leiter, Maxim Pavlov, wird er über Utopien sprechen sowie über das Bestreben, diese filmisch sowie künstlerisch darzustellen. Außerdem wird es um die Rolle kultureller Institutionen in Zeiten von Veränderung und Umbrüchen gehen sowie um die aktuelle Situation des kulturellen Lebens in Russland.
Im Gespräch mit ihnen ist Ekaterina Degot, künstlerische Leiterin der Akademie der Künste der Welt in Köln. Ihre Arbeit setzt den Schwerpunkt auf ästhetische wie soziopolitische Themen in Russland und Osteuropa, insbesondere der post-sowietischen Ära. Im Jahr 2013 erschien das von ihr – gemeinsam mit Ilya Budraitskis und Marta Dziewanska – herausgegebene Buch 'Post-Post-Soviet? Art, Politics and Society in Russia at the Turn of the Decade'.

Montag 09.02.
"What If? Revisiting Images 1"
12:00Jasmina Metwaly, Philip Rizk (Mosireen) im Gespräch mit Nanna Heidenreich und Stefanie Schulte Strathaus
Video Activism revisited: Seit 2011 haben Jasmina Metwaly und Philip Rizk mehrere aktivistische Videoarbeiten produziert, die sich unmittelbar mit der politischen Situation Ägyptens befassen. Zunächst arbeiteten sie unter dem Namen intifadat intifadat, bis sie Mosireen beitraten, einem Medienkollektiv in Kairo, das sich aus Filmemachern und Aktivisten formiert, die während der Revolution in Ägypten zusammenkamen. Abgesehen von Videos aus dem Inneren der Bewegung, aber auch ihr Umfeld beschreibend, veranstaltet Mosireen Workshops zur Produktion radikaler Videos und beherbergt ein umfassendes Archiv mit Material, das die Revolution dokumentiert und auf youtube.com/mosireen verfügbar ist. Jasmina and Philip werden einige der zwischen 2011 und 2013 entstandenen Videos präsentieren und sich mit der Frage der Zeitlichkeit von Bildern auseinandersetzten sowie mit dem (Rück-)Blick auf Bilder, die in Ausnahmesituationen entstehen.

13:00 Oktay İnce (Seyri Sokak/Watching the Street Video Collective), Alper Şen (Artık İşler/Leftover Video Collective) im Gespräch mit Angela Melitopoulos
Destroyed Sinan: Seit den 1990er Jahren dokumentieren die Videokünstler/-aktivisten Oktay İnce and Alper Şen die Proteste sowie die erzwungene Migration kurdischer und anderer Minderheiten in der Türkei. In dem Panel zeigen sie Ausschnitte von Videos, die zwischen 2004 und 2014 enstanden sind, und die die Verstrickung von kurdischen Aufständen mit dem Völkermord der Armenier veranschaulichen. Destroyed Sinan ist ein restauriertes Videodokument, in das sich die Gewalt, die die Sinan Köyu-Region kennzeichnet, eingeschrieben hat: gefilmt von einem Dorfbewohner, von einem Polizisten aus der Kamera gerissen, restauriert und kommentiert durch die Aktivisten. Die Künstlerin Angela Melitopoulos, mit beiden durch gemeinsame Projekte verbunden, spricht mit Oktay İnce und Alper Şen über den Aufbau eines regimekritischen Archivs.

Dienstag 10.02.
"Les Choses et les Mots de Mudimbe"
12:00
Filmvorführung von Les Choses et les Mots de Mudimbe, Jean-Pierre Bekolo (Kamerun 2014, HD, 243 min) mit anschließendem Gespräch: In seinem vierstündigen Dokumentarfilm bringen Bekolo und sein Protagonist und Interviewpartner, der Philosoph und Autor Valentin-Yves Mudimbe (geboren 1941 in der Demokratischen Republik Kongo) die Philosophie dem Laien nahe. Komplexe Betrachtungen zu brennenden politischen Ereignissen und deutlich philosophische Themen werden durchsetzt von Erzählungen aus Mudimbes persönlichem Leben. Im Anschluss diskutiert Jean-Pierre Bekolo mit der Filmwissenschaftlerin und Kuratorin Marie-Hélène Gutberlet.

Mittwoch 11.02.
"Visionary Archive"
Seit Juni 2013 verbindet das Projekt Visionary Archive Filmrecherchen in Berlin, Bissau, Johannesburg, Kairo und Karthum. Diese Recherchen gehen auf ganz unterschiedliche Weise der Frage nach, was ein lokal archiviertes Filmkonvolut angesichts gesellschaftlicher Umwälzungen und Verdrängungsprozesse für Erinnerungs- und Emanzipationspraktiken zu leisten imstande ist. Welche Geschichten lagern in diesen Archiven und ihren Filmen? Welche Revisionsprozesse werden mit der Sichtung des disparaten, idiosynkratischen und fragmentarischen Materials angestoßen?
Die gemeinsame Präsentation des Projekts im Rahmen von Forum Expanded setzt diese Fragen mit Bildern und Tönen performativ um und gibt Einblicke in die Praktiken und Methoden der laufenden Subprojekte. Diese gelten dem südafrikanischen "B-Schemes"-Konvolut von Filmen für eine schwarze Zuschauerschaft der 1970er bis späten 1980er-Jahre, dem genre- und epochenübergreifenden Lebenswerk des sudanesischen Filmemachers Gadalla Gubara, einem Archivforschungsprojekt in der Cimatheque - Alternative Film Centre in Kairo, das Zeiten historischer Übergänge untersucht, einem in Guinea-Bissau teilweise erhaltenen dokumentarischen Filmbestand aus den 1970er Jahren sowie der eng mit der Geschichte des Forums der Berlinale verknüpften Sammlung von Filmen afrikanischer Filmemacherinnen und Filmemacher im Archiv des Arsenal – Institut für Film und Videokunst.

12:00 Einführung
12:15 B-Schemes, Darryl Els
12:45 From Boé to Berlin, Filipa César und Flora Gomes
13:15 It all depends, Tobias Hering und Marie-Hélène Gutberlet
14:00 Studio Gad, Sara Gubara, Nadja Korinth, Stefan Pethke und Katharina von Schroeder
14:30 Revisiting Memory, Hana al Bayaty und Yasmin Desouki
15:00 Abschlussdiskussion

Das Projekt Visionary Archive wird gefördert im Fonds TURN der Kulturstiftung des Bundes.

Donnerstag 12.02.
"What if? Revisiting Images 2"
12:00 Akram Zaatari im Gespräch mit Christa Blümlinger
Akram Zaatari: Der Film Twenty-Eight Nights and a Poem ist eine Interpretation der Fotobestände des Scheherazade Photo Studios. Der Photograph Hashem el Madani eröffnete das Studio 1953 in der libaniesischen Stadt Saïda. Bereits zuvor hatte er jahrelang Menschen, die für die Kamera posieren wollten, vor ihren Läden, auf öffentlichen Plätzen oder am Strand fotografisch in Szene gesetzt. Einige der Posen entwickelten bald ein Eigenleben, da sie von Betrachtern der Fotos nachgeamt wurden, wenn sie sich wiederum selbst ablichten ließen. Die Fotos und Posen wurden mit Foto- und 8mm-Filmkameras eingefangen und werden in Zaataris Film mit Musik untermalt, die auf Kassette aufgenommen wurden und zusammen mit den Geschichten El Madanis mit einem Laptop widergegeben werden. Das Archiv besteht dabei gar nicht als solches, sondern wird in einem System von Aufnahme und Überlieferung in unendlichen Variationen fortwährend neu generiert.

13:00 Kidlat Tahimik im Gespräch mit Tilman Baumgärtel

Kidlat Tahimik: Kidlat Tahimik: Balikbayaan #1 erzählt die Geschichte der allerersten Weltumseglung – jedoch steht nicht Ferdinand Magellan im Mittelpunkt der Erzählung, der starb, kurz bevor die Reise zu Ende war, sondern Enrique, sein Sklave. Der Film beginnt mit einer Pappschachtel voller Filmrollen, die aus der Erde ausgebuddelt wird: Diese Bilder, die1980 aufgenommen wurden und denen man ihr Alter ansieht, erzählen von der Weltumseglung. Enrique ritzte seine Erinnerungen an die Reise in das Holz von Skulpturen, die seinen Garten zierten. Balikbayaan #1 verknüpft die ofizielle Geschichte mit der Enriques sowie mit dem director's cut des von Tahimik 35 Jahre zuvor auf der Suche nach der Wahrheit begonnenen, und 2013 in einem Dorf der Provinz von Ifugao fortgesetzten Films.

"Localizing Cinema"
18:00
Mit: Darryl Els, Claudia Engelhardt, Andrea Kuhn, Tamer El Said
Moderation: Florian Wüst
 Die meisten zeitgenössischen Filme sind Koproduktionen mit Partnern aus vielen verschiedenen Ländern. Ihre Bilder stamen aus allen Teilen der Welt, was dazu führt, das das Ursprungsland des Films nahezu irrelevant wird. Auch sind mehr und mehr Filme außerhalb des Kinos zugänglich. Eines jedoch bleibt gleich: Filme zeigen uns – wo auch immer wir uns gerade befinden – Orte an denen wir gerade nicht sind. Welche Bedeutung haben lokale, unabhängige Kinos in Zeiten der Globalisierung? In welcher Beziehung steht das "Lokale" heute zum Rest der Welt?

Das Panel wird in Zusammenarbeit mit dem Bundesverband Kommunale Filmarbeit organisiert.

"Think:Film Award Ceremony"
21:30 Mit dem Think:Film Award wird in Zusammenarbeit mit der Allianz Kulturstiftung ein Preis für eine filmische Arbeit vergeben, die das eigene Medium kreativ nutzt, um geopolitische Kontexte künstlerisch zu erfassen und zu reflektieren und die dabei den Raum der ästhetischen Erfahrung erweitert sowie gedankliche Perspektivwechsel anregt. Der Preis wird von dreiköpfigen Jury vergeben und beinhaltet einen jeweils einwöchigen Aufenthalt in Berlin und in Kairo mit Vorführungen der ausgezeichneten Arbeit.
Jury: Mohamed Beshir, Ala Younis, Karim Aïnouz