Ken Jacobs

Cyclops Observes the Celestial Bodies
USA 2014

09.02. 20:30 Akademie der Künste, Hanseatenweg
11.02. 12:30 Arsenal 1

Download Katalogseiten (PDF)

In Ken Jacobs jüngstem Film bildet ein Wasserstrahl, der aus einem Springbrunnen schießt und mitten im Flug gestoppt wird, den Ausgangspunkt für eine hypnotische, fieberhafte Untersuchung des dreidimensionalen Sehens im Kino.
„Zyklopisches 3D ist der räumlichste Eindruck, den ein einzelnes Auge zu erzeugen in der Lage ist. Es scheint also bloß so, als gallopiere die himmlische Horde durch den Raum. Tatsächliche visuelle Tiefe bleibt verwehrt – das Gesetz will es so.“ (Ken Jacobs, 2015)
„Hollywood könnte noch viel von Ken Jacobs lernen, dessen mehr als 40 Jahre umspannendes Œuvre provozierender, anspruchsvoller, ja lebensverändernder Erforschungen der verschiedensten Formen von 3D die primitiven, marktschreierischen Versuche der Traumfabrik mühelos in den Schatten stellen. Der 78-jährige Künstler aus New York hat sein Leben der Erkundung sowohl der Mechanik der menschlichen Wahrnehmung als auch der Kinotechnologie gewidmet. Er wandte sich den Ursprüngen des Kinos im 19. Jahrhundert zu und erschuf transzendente Kino-Erfahrungen. Erfahrungen, die dich aus deinem Sitz herausheben und in den Raum des bewegten Bild selbst transportieren. […] Anstatt sich pflichtbewusst der Darstellung eines realistischeren Raums zu widmen oder, noch schlimmer, 3D als visuellen Trick zu missbrauchen, setzt Jacobs 3D als Teil einer umfassenderen, lebenslangen Untersuchung visueller Wahrnehmung, Erkenntnis und der Materialität des Kinos ein, selbst wenn er sich mit dessen ephemersten Formen befasst.“ (Holly Willis, LA Weekly, 2011)

Ken Jacobs, geboren 1933 in Brooklyn, New York ist Künstler und Filmemacher. Von 1956–57 studierte er Malerei bei Hans Hofmann. Mit dem Filmemachen begann er 1955. Er gründete den Millennium Film Workshop, N.Y.C., den er von 1966–68 leitete. Der inzwischen emeritierte Professor gründete 1969 das Departement of Cinema an der State University of New York in Binghamton. Seine Filme und Videos wurden weltweit gezeigt.

Kontakt: nervousken@aol.com
Format
: DCP, QuickTime ProRes,
Länge: 27 min
Sprache: Ohne Dialog

Orchard Street
USA 1955

09.02. 20:30 Akademie der Künste, Hanseatenweg
11.02. 12:30 Arsenal 1

Es war 1955 und manchmal unterstützte mich Alan Becker. Mein erster Film – eine Wiederannäherung an das jüdische Leben meiner Kindheit, das damals die Straße erfüllte. Zunächst sollte der Film eine gute halbe Stunde lang sein, doch mir wurde gesagt, niemand werde einen Dokumentarfilm zur Aufführung bringen, der länger als 12 Minuten sei. Also kürzte ich – mittelloser und hungriger junger Künstler, der ich war – den Film herunter. Doch es gab kein Gramm Fett zuviel an ihm und so stießen die Schnitte tief in Muskeln und Knochen. Danach, als die grausame Tat vollbracht war, hasste ich mich dafür und tat nichts mit dem Film.
Eine Verlobung wurde aufgelöst – sie zog nach Westen und tat sich mit Christopher MacLaine zusammen – und mitten in meinem finanziellen freien Fall begann ich mit der Arbeit an Star Spangled to Death (1956-1959), in dem Jack Smith und Jerry Sims mitspielten. Doch die beiden leidlich günstigeren Kurzfilme Little Stabs at Happiness und Blonde Cobra kamen früher heraus.
2014: Nach gelegentlichen Vorführungen des Desasters der ersten Version und mit meiner Tochter Nisi am Computer entstand in luxuriöser Stille eine Rückkehr zum Original. Damals war ich oft mit meiner Bell and Howell 16mm 70DL Kamera auf der Straße unterwegs und niemandem machte es etwas aus. Manche fragten, auf welchem Sender sie sich sehen könnten und ich erklärte dann, ich sei „unabhängiger Filmemacher“, sprich: Nichtsnutz mit Kamera. Umwerfend, wie das Kodachrome Filmmaterial die Stimmung jener Zeit bewahrt.
Verzeiht mir, dass ich Euch enttäuscht habe, ihr lieben Leute aus der Orchard Street von vor über einem halben Jahrhundert: Ihr wart wundervoll! Übrigens, das küssende Paar: sie arbeitet auf der Straße und brachte das auch rüber... und der sie küsst, das bin ich. (Ken Jacobs)

Ken Jacobs, geboren 1933 in Brooklyn, New York ist Künstler und Filmemacher. Von 1956–57 studierte er Malerei bei Hans Hofmann. Mit dem Filmemachen begann er 1955. Er gründete den Millennium Film Workshop, N.Y.C., den er von 1966–68 leitete. Der inzwischen emeritierte Professor gründete 1969 das Departement of Cinema an der State University of New York in Binghamton. Seine Filme und Videos wurden weltweit gezeigt.

Kontakt: nervousken@aol.com
Format
: QuickTime ProRes, Farbe
Länge: 15 min
Sprache: Ohne Dialog