Marina Gioti, Georges Salameh

The Invisible Hands
2017

18.2. 19:30 OmEU Akademie der Künste
19.2. 15:00 OmEU Arsenal 1

97 Min. Englisch, Arabisch.

Kurz nach den Aufständen von 2011 kam der amerikanisch-libanesische Underground-Renegat, Musiker und Ethnomusikologe Alan Bishop (bekannt durch die Bands Sun City Girls und Sublime Frequencies) in Kairo an. Dort begann er mit einer jungen Musikerin und zwei jungen Musikern, seine alten Songs ins Arabische zu übertragen. Unter Bishops Mentorenschaft entwickelt sich diese außergewöhnliche Zusammenarbeit zu einer Formation namens The Invisible Hands.
Der Film entstand zwischen den beiden entscheidenden Wahlen, die die Zeit nach dem „arabischen Frühling“ geprägt haben. Bestehend aus unaufdringlichen Dokumentaraufnahmen, Archivgespenstern, absurden Cameo-Auftritten und poetischen Tagebucherzählungen Bishops, stellt der Film das Tragikomische der Politik der des Kunstschaffens in der sogenannten Peripherie gegenüber.

Marina Gioti wurde in Athen, Griechenland geboren, wo sie als Filmemacherin und Künstlerin lebt. Sie hat Chemieingenieurwesen, Umweltmanagement (MSc), Film-, Medien- und Kommunikationswissenschaften (MA) in Griechenland, Großbritannien und Belgien studiert. Sie hat zwei Kunstausstellungen co-kuratiert und war Programmplanerin für Experimental- und Dokumentarfilme für Underground-Screenings und Filmfestivals. Desweiteren war sie Mitglied der Jury beim Courtisane Festival in Gent/Belgien und bei TENT, dem niederländischen Preis der Kunsthochschulen im Jahr 2012 und 2013. 2017 war sie Residenzstipendiatin an der Akademie Schloss Solitude. Ihre Arbeit wird weltweit präsentiert und ausgestellt, sowohl bei internationalen Filmfestivals als auch in Museen und Biennalen. Ihr erster Spielfilm The Invisible Hands hatte 2017 auf der documenta 14 in Athen Premiere.

Georges Salameh, geboren 1973 in Beirut, Libanon, ist Filmemacher und Fotograf und lebt in Athen. Er hat von 1991 bis 1994 Filmwissenschaften und Kunstgeschichte an der Universität Paris VIII St. Denis studiert und hat von 1995 bis 2004 an Kino- und anderen audiovisuellen Produktionen mitgearbeitet. Seit 1999 führt er selbst Regie bei Kurz-, Dokumentar-, und Experimentalfilmen sowie bei Videoinstallationen. Seine Arbeiten wurden in Museen und Galerien sowie auf Filmfestivals gezeigt. Er ist Mitbegründer der Produktionsfirma MeMSéA in Palermo, in der er von 2009 bis 2014 als Produzent und Regisseur arbeitete, sowie des Depression Era Projects. Seit 2015 arbeitet er außerdem als Kurator der griechischen Sektion des Urbanautica Institute.

Artist Statement

Eine Verkettung von Zufällen und die freie Zeit, die uns unser auf Pause gestelltes Heimatland Griechenland zur Verfügung gestellt hatte, brachte uns 2012 nach Kairo. Inmitten von Demonstrationen, Tränengas und Staus fühlten wir uns auf Anhieb wie zu Hause. Wir wussten nicht viel über das Projekt The Invisible Hands, und die Idee für einen Film existierte zu diesem Zeitpunkt noch nicht. Aber wir kannten Alan durch seine Musik, und genauso ging es seiner ägyptischen Band in spe. Wir lernten ihn unabhängig voneinander während seiner letzten Tour in Athen und Kairo kennen. Uns wurde schnell klar, dass wir hier einem musikalischen Experiment beiwohnten, und zwar dem ambitioniertesten, das dieser unkonventionelle Musiker und Ethnomusikwissenschaftler jemals unternommen hatte. Er produzierte sein bis heute zugänglichstes Album in einer Sprache, die er nicht spricht: Arabisch.

Die Umnutzung von Liedern für unterschiedliche Märkte und Sprachen ist in der Musik keine Seltenheit. Poetische Texte über Themen wie den schleichenden Globalismus, Waffenfantasien, Waterboarding, Folter und militärischen Wahn – Themen, die anzusprechen selbst auf Englisch gewagt ist – sind allerdings ungewöhnlich für die Zielsprache. Sie passen aber beängstigend gut zu dem Gefühl der Ernüchterung nach dem sogenannten Arabischen Frühling, vor allem wenn man bedenkt, dass diese Lieder zum Teil über 30 Jahre alt sind. Wenn man ihn fragt, warum einige vergessene Lieder genau in dieser Zeitzone, Ära und Sprache wieder auftauchen, spricht Alan Bishop von einer Offenbarung. Und Offenbarungen können nun einmal nicht erklärt oder analysiert werden. Die Beobachtung ihrer Entwicklungen wurde zum Material für diesen Film, in dem Handlungsstränge mit Bezug auf Musik, Politik, Inspiration, Sprache, Depression und Ungewissheit aufeinandertreffen.

(Marina Gioti, Georges Salameh)

Produktion Marina Gioti, Georges Salameh. Executive Producer Athina Rachel Tsangari. Produktionsfirma Vertiginous (Athen, Griechenland). Regie Marina Gioti, Georges Salameh. Buch Marina Gioti. Kamera Georges Salameh. Montage Marina Gioti. Musik The Invisible Hands. Sound Design Adham Zidan. Ton Marina Gioti, Georges Salameh. Mit Alan Bishop, Aya Hemeda, Cherif El Masri, Adham Zidan.

Weltvertrieb Vertiginous

Filme

Marina Gioti: 2004: Your Girlfriend isn’t coming back (4 Min.). 2005: b-alles (2 Min.). 2009: The Secret School (11 Min.). 2014: As to Posterity (12 Min.). 2016: St. Marina (7 Min.). 2017: The Invisible Hands.

Georges Salameh: 2003: On the Olive Route (61 Min.). 2005: HOLD MY ME (12 Min.). 2007: Mount Falakro (29 Min.). 2008: MAESMAK (20 Min.). 2012: Ti Vitti (29 Min.). 2017: The Invisible Hands.

Foto: © Marina Gioti, Georges Salameh